bookmark_borderData Mining - was sich aus Metadaten folgern lässt

   

Bekannt­lich wird mit Sta­ti­stik oft Miß­brauch getrie­ben: Zu leicht - und ohne daß es Lai­en auf den ersten Blick erken­nen kön­nen - las­sen sich Schluß­fol­ge­run­gen behaup­ten, die über­haupt nicht durch die vor­han­de­nen Zah­len beweis­bar sind. Des­we­gen ist es ange­ra­ten sich über die Basis von 'Umfra­gen' Gedan­ken zu machen und die The­sen die dar­aus ent­wickelt wur­den einer Prü­fung auf Plau­si­bi­li­tät zu unterziehen.

Was bedeu­tet das ?

Nun, man könn­te eben­so sagen:
Man läßt 'gesun­den Men­schen­ver­stand' wal­ten und beur­teilt zunächst ob das, was behaup­tet wird, wirk­lich so mit der all­ge­mei­nen Lebens­er­fah­rung über­ein­stim­men kann. Wird das bejaht, so ist die näch­ste Stu­fe zu fra­gen wie vie­le Men­schen befragt wur­den bzw. wel­che Men­ge die Daten­ba­sis aus­macht. Aus frü­he­ren Arti­keln hier wer­den Sie sicher erin­nern, daß es aus mathe­ma­tisch-sta­ti­sti­schen Grün­den eine Min­dest­zahl gibt die bei 120 liegt - das des­we­gen, weil der sta­ti­sti­sche Feh­ler klei­ner sein muß als die Feh­ler­brei­te des gefun­de­nen Ergeb­nis­ses. Denn anson­sten wür­de man kei­ne halt­ba­re Aus­sa­ge machen können.

In der oben gezeig­ten Dar­stel­lung eines Text­aus­schnit­tes wur­den die Daten von mehr als 385.000 Per­so­nen aus­ge­wer­tet, die zudem noch ganz spe­zi­fi­sche Alters­struk­tur hat­ten. Das ist ein wei­te­res posi­ti­ves Kri­te­ri­um dafür, daß man nicht Äpfel mit Bir­nen ver­gleicht. Ein zusätz­li­cher Plus­punkt für die Rich­tig­keit der getrof­fe­nen Aussage. 

Was also war das Fazit aus die­ser Untersuchung?

Teil­neh­men­de, die den Kli­ma­wan­del so wie er von der Wis­sen­schaft dar­ge­stellt wird befür­wor­ten beka­men 43% mehr Zustim­mung und ins­ge­samt 28,5% mehr Zuschrif­ten ins­ge­samt. Dies trifft für die Ziel­grup­pen "Mil­le­ni­als" [Genera­ti­on Y] und "GenZ" [Genera­ti­on Z] zu.

Ein Hoff­nungs­schim­mer der anzeigt, daß es gera­de die jün­ge­ren Genera­tio­nen in USA sind, die sich von den knapp 57% der Kli­ma­l­eug­ner dort nichts vor­ma­chen lassen.
Nun wäre ich sehr gespannt ein Mei­nungs­bild ähn­li­cher Aus­sa­ge­kraft für unser Land oder Euro­pa ins­ge­samt zu fin­den. Ken­nen Sie, lie­be Lesen­de, etwa dazu Veröffentlichungen?

bookmark_borderTiefgründig?!

So man­che Lebens­weis­heit ent­steht nicht allei­ne durch per­sön­li­che Erfah­rung. Man kann 'am Bei­spiel' erken­nen, ler­nen, über­le­gen, und was ange­bracht und nütz­lich ist über­neh­men. Der Weg zum bes­se­ren Ver­ständ­nis der Welt ist nicht ein­spu­rig und ohne Ver­zwei­gun­gen. Ganz im Gegen­teil, je varia­bler die Ein­drücke sind desto mehr lernt man dar­aus. Bekann­ter­ma­ßen blei­ben ins­be­son­de­re aus Feh­lern die stärk­sten Ein­drücke zurück und hel­fen beim näch­sten Mal - direkt oder indi­rekt - bes­se­re Ent­schei­dun­gen zu treffen. 

Wie­der ein­mal bin ich beim Streif­zug durch das Inter­net auf eine Samm­lung von mehr oder weni­ger klu­gen und/oder wit­zi­gen Sprü­chen gesto­ßen. Ein Bei­spiel zei­ge ich hier, anson­sten sei den geneig­ten Lesen­den emp­foh­len sich selbst dort­hin zu bege­ben und zu stö­bern .... las­sen Sie gern in einem Kom­men­tar wis­sen wel­ches Bei­spiel Ihnen zuge­sagt hat - und was Sie emp­feh­len möch­ten. Danke.

Hier mein Favo­rit nach (viel zu) lan­gem blättern:


 

bookmark_borderHurricanes vs Electric Vehicles
/ Elektrofahrzeuge während tropischer Stürme ....

Today I got an email with the fol­lo­wing mes­sa­ge:

Ori­gi­nal Text (Eng­lish); [Deut­scher Text wei­ter unten auf die­ser Seite]

A lot of food to sti­mu­la­te a lot of thought.

Evacua­tions in Flo­ri­da... Folks had to dri­ve far enough to get out of the path of the storm. Hund­reds of thousands of cars on the roads, all at one time. 

So what if all the cars and trucks were elec­tric? Think about this situa­ti­on in tho­se terms. As bad as it is now, what would it be like then?

By the time they got to Jack­son­vil­le or Val­do­sta, they would all need to be rech­ar­ged. How long would they have to wait for a spot at a rech­ar­ging sta­ti­on? After spen­ding three to four hours on the road, If they made it to the rech­ar­ging sta­ti­on for a three-hour rech­ar­ge, would the storm have caught up with them? Whe­re would the elec­tri­ci­ty come from to char­ge all the­se vehi­cles, sin­ce Jack­son­vil­le and Val­do­sta would be wai­t­ing for the sun to shi­ne (the wind would cer­tain­ly be blo­wing!) and the­re would not be enough sto­rage bat­te­ries to char­ge them all? What if they got stuck in the traf­fic jam of all traf­fic jams and were stran­ded on the road? How would AAA get to them with a rech­ar­ging truck (with a gas gene­ra­tor on it)? How could the traf­fic jam be resol­ved after wai­t­ing for thousands of cars to be char­ged? And how many cars could be char­ged befo­re the AAA trucks had to return to base to be rech­ar­ged them­sel­ves? The stran­ded cars would have no air con­di­tio­ning, no wipers, no radio, no GPS. The cell towers would be over­loa­ded with calls until the pho­ne bat­te­ries were dead. No res­cue vehi­cles could access the needy.

Tho­se affec­ted would unli­kely think about CO2 savings at that point, kno­wing that Chi­na and India were at that very moment buil­ding hund­reds of new coal-fired power plants to fuel their gro­wing eco­no­mies. How long would it take the U.S. to chan­ge poli­ci­es and to build the nee­ded gas or nuclear power plants? How many peop­le would die waiting?

Whe­re would all the dead elec­tric car bat­te­ries be buried? Next to the dead peop­le who died with them?

Get real, folks! We are hea­ded for a self-made dis­a­ster. Wake up to the rea­li­ties of man­da­to­ry elec­tric vehi­cles! The­re is no plan to deal with the­se issu­es. One might even suspect that this dis­a­ster IS the plan!


My ans­wer to the aut­hor of this message:
A few que­sti­ons to for­ward to the per­son who wro­te this story:

    If we do not­hing about glo­bal warming ...
  • How many peop­le will cer­tain­ly die - without a hur­ri­ca­ne - if the tem­pe­ra­tures rise to abo­ve the 100°F mark during most of the year?
  • How many peop­le won't even be living in Flo­ri­da any more becau­se the sea level has risen more than three feet?
  • How many peop­le will die from dou­ble the vio­lent wea­ther events than nowa­days due to glo­bal warming?
  • Just say­ing ....

 

 
PS / Some *Logic*
If the char­ging truck could char­ge other cars - couldn't it char­ge itself?

Ger­man

Vie­le Gedan­ken um das Nach­den­ken anzuregen.

Eva­ku­ie­run­gen in Flo­ri­da... Die Leu­te muss­ten weit genug fah­ren, um dem Sturm aus­zu­wei­chen. Hun­dert­tau­sen­de Autos gleich­zei­tig auf den Straßen.

Was wäre, wenn alle Autos und Last­wa­gen elek­trisch wären? Betrach­ten Sie die­se Situa­ti­on in die­ser Dimen­si­on. So schlimm es jetzt ist, wie wäre es dann?

Bis sie in Jack­son­vil­le oder Val­do­sta ankä­men, muss­ten alle Elek­tro­fahr­zeu­ge auf­ge­la­den wer­den. Wie lan­ge müss­ten sie auf einen Platz an einer Lade­sta­ti­on war­ten? Wenn sie es nach drei bis vier Stun­den auf der Stra­ße bis zur Lade­sta­ti­on geschafft hät­ten, um drei Stun­den auf­zu­la­den, hät­te der Sturm sie dann ein­ge­holt? Woher wür­de der Strom kom­men, um all die­se Fahr­zeu­ge auf­zu­la­den, wäh­rend Jack­son­vil­le und Val­do­sta dar­auf war­ten wür­den, dass die Son­ne scheint (der Wind wür­de sicher­lich wehen!) und es nicht genü­gend Strom/Ladestationen geben wür­de, um sie alle auf­zu­la­den? Was, wenn sie im Stau aller Staus stecken blei­ben und auf der Stra­ße lie­gen blei­ben? Wie wür­de AAA mit einem Lade­wa­gen (mit einem Gas­ge­ne­ra­tor dar­auf) zu ihnen kom­men? Wie könn­te der Stau auf­ge­löst wer­den, wo doch noch Tau­sen­de von Autos auf­ge­la­den wer­den müs­sen? Und wie vie­le Autos könn­ten tat­säch­lich auf­ge­la­den wer­den, bevor die AAA-Last­wa­gen zur Basis zurück­keh­ren müss­ten, um selbst auf­ge­la­den zu wer­den? Die gestran­de­ten Autos hät­ten kei­ne Kli­ma­an­la­ge, kei­ne Schei­ben­wi­scher, kein Radio, kein GPS. Die Mobil­funk­ma­sten wür­den mit Anru­fen über­la­stet, bis die Tele­fon­bat­te­rien leer wären. Kei­ne Ret­tungs­fahr­zeu­ge konn­ten zu den Bedürf­ti­gen gelangen.

An CO2-Ein­spa­run­gen wür­den die Betrof­fe­nen zu die­sem Zeit­punkt wohl kaum den­ken, wis­send, dass Chi­na und Indi­en genau in die­sem Moment Hun­der­te neu­er Koh­le­kraft­wer­ke bau­en, um ihre wach­sen­de Wirt­schaft anzu­trei­ben. Wie lan­ge wür­den die USA brau­chen, um ihre Poli­tik zu ändern und die benö­tig­ten Gas- oder Kern­kraft­wer­ke zu bauen? 

Wie vie­le Men­schen wür­den beim War­ten sterben?

Wo wür­den all die lee­ren Elek­tro­au­to­bat­te­rien ver­gra­ben wer­den? Neben den Toten, die mit ihnen starben?

Hört auf zu träu­men, Leu­te! Wir steu­ern auf eine selbst­ge­mach­te Kata­stro­phe zu. Seht die Rea­li­tät obli­ga­to­ri­scher Elek­tro­fahr­zeu­ge! Es gibt kei­nen Plan, sich mit die­sen Pro­ble­men zu befas­sen. Man könn­te sogar ver­mu­ten, dass die­se Kata­stro­phe der Plan IST!


Mei­ne Ant­wort an den Autor die­ser Nachricht:
Ein paar Fra­gen an die Per­son, die die­se Geschich­te geschrie­ben hat:

    Wenn wir nichts gegen den Kli­ma­wan­del tun ...
  • Wie vie­le Men­schen wer­den ganz sicher ster­ben, wenn die Tem­pe­ra­tu­ren den größ­ten Teil des Jah­res über die 100°F-Marke [37,8 ° C] steigen?
  • Wie vie­le Men­schen wer­den nicht ein­mal mehr in Flo­ri­da leben, weil der Mee­res­spie­gel um mehr als einen Meter gestie­gen ist?
  • Wie vie­le Men­schen wer­den durch die dop­pelt so häuf­tig wie heu­te wegen glo­ba­ler Erwär­mung auf­tre­ten­den Tro­pen­stür­me sterben?
  • Ich mein ja nur ....

     

 
PS:
Wenn der Lade-LKW ande­re Autos laden kann könn­te er sich doch auch selbst laden?

bookmark_borderSelten, und doch ....

Heu­te sah ich das Video eines Energiefachmannes.
Seit­dem läßt mir der dort ver­kün­de­te Inhalt kei­ne Ruhe.
Es kommt sel­ten vor daß ich ins Grü­beln gerate.
Jetzt aber schon:
Er hat eine Erhö­hung der Kosten um das Vier­fa­che (!) ab 01.10.2022 errechnet.

Zudem kam ein Brief unse­res Gas­ver­sor­gers in dem ange­kün­digt wur­de WIE sich der Gas­preis erhöht:
von der­zeit 11,47 ct/kWh um 20,76 ct/kWh auf 32,23 ct/kWh (inkl. 19 % Mehrwertsteuer).
Inklu­si­ve aller son­sti­gen neu­en Auf­prei­se lan­den wir dem­nach bei ca. drei­fa­chem Gaspreis.
Der Grund­preis ist mit 9,90 € festgelegt.

Anstatt 177 € pro Monat bedeu­tet das 530 € 'Abschlags­be­trag' / Monat.
(Dies unter der Annah­me der Abschlag sei hin­sicht­lich des tat­säch­li­chen Ver­brau­ches ange­mes­sen gewesen.)

Ich befürch­te, wir müs­sen dem­nächst jeden zwei­ten Tag einen Fasten­tag ein­le­gen um das tra­gen zu können.
Und:
Wis­sen Sie was mich am mei­sten umtreibt?
Wenn sol­che Poli­ti­ker wie Herr Spahn (CDU) öffent­lich ver­kün­den die CDU/CSU Regie­run­gen [vor der Ampel­ko­ali­ti­on] hät­ten die *Erneu­er­ba­re Ener­gie* in den Jah­ren ihrer Regie­rungs­zeit enorm ausgebaut.
Wo lebt die­ser Mann eigentlich? 

Ein Ver­gleich der Tari­fe [veri­vox] ergab, daß (bei glei­chem Ver­brauch) der preis­wer­te­ste Ver­trag ca. 6.500 €/Jahr, der der­zei­tig höch­ste Ver­trag 15.700 €/Jahr beträgt. Immer vor­aus­ge­setzt, die Prei­se bewe­gen sich nicht noch stei­ler nach oben. Kann mir jemand erklä­ren wie die Dif­fe­renz von ca. 9.000€ zustan­de kommt? Bei glei­chem Ver­brauch? 750 €/Monat? Wenn man davon aus­ge­hen kann, daß die Ver­sor­ger etwa zu glei­chen Bedin­gun­gen in den glei­chen Märk­ten einkaufen?


Falls ich da nicht irgend­wo einen grund­sätz­li­chen Feh­ler in der Logik gemacht habe bleibt mir nur noch zu sagen:
Ja, ich bin sehr dafür die­sen vor­han­de­nen Wucher zu stop­pen und dazu den Preis für Gas nach oben zu begren­zen!
 

 

bookmark_borderNeulich bei "twitter" ....

Es gibt Situa­tio­nen da bedau­ert man den über­schie­ssen­den Élan jun­ger Men­schen. Sie wol­len das Rich­ti­ge - aber die Wahl der Mit­tel ist ent­we­der unge­schickt, abschreckend, sehr emo­tio­nal, oder zu eif­rig, über das Ziel hin­aus .... und so wei­ter, also stets wenig ziel­füh­rend und ohne die Adres­sa­ten vor Augen zu haben, an die sich das Gan­ze richtet.

Bei mei­nen eher sel­te­nen Besu­chen bei twit­ter - nach denen ich fast immer bedaue­re so viel Zeit mit umständ­li­cher Suche­rei wo der 'thread' nun wei­ter geht und wo die Ant­wor­ten ste­hen - ver­geu­det zu haben, sto­ße ich auf Argu­men­te und Aus­sa­gen die jeder­zeit zu unter­schrei­ben sind, weil sie drin­gen­de Pro­ble­me anspre­chen und nach Lösun­gen rufen.

Was bei Kom­men­ta­ren zu den tweets bei deren Urhe­bern oft nicht klappt ist zwi­schen Per­son und Argu­ment zu unterscheiden:
Bist du nicht mei­ner Mei­nung dann bist du nicht mein Freund, manch­mal sogar der Feind, und in sel­te­nen Fäl­len noch Schlim­me­res. Sehr scha­de, denn dann habe ich kei­ne Lust mehr wei­ter zur Sache zu schrei­ben. Und bin weg.

Ich zei­ge nach­fol­gend ein­mal einen Ver­lauf einer Dis­kus­si­on. In der Sache sehe ich kaum einen Unter­schied der Auf­fas­sun­gen, wohl aber in der Argumentation.
Urtei­len Sie selbst was Sie davon halten:




 
_________ Ein Klick auf die Bil­der führt zu einer neu­en Sei­te mit höhe­rer Auf­lö­sung! _________ 

 

bookmark_borderNiemand fragt in letzter Zeit wann wir wieder 'normales Leben' haben werden.
Now, no one talks to me about a return to normal.

Sie haben sicher schon ein­mal den Satz "Alles, was dem Vol­ke nützt, (ist) Recht, alles, was ihm scha­det, ist Unrecht" (Rechts­mi­ni­ster Frank; S. 11)", oder in der volks­tüm­li­che­ren Fas­sung "Recht ist was dem Vol­ke nützt!" gehört. Das war ein Slo­gan wäh­rend des so-genann­ten 'Drit­ten Reichs' der es dem Staat - also den Natio­nal­so­zia­li­sten - ermög­lich­te nach Gut­dün­ken und aktu­el­ler poli­ti­scher Not­wen­dig­keit die 'Gleich­heit vor dem Gesetz' aufzuheben.
Da ich kein Jurist bin wer­de ich dazu kei­ne wei­te­ren juri­sti­schen Über­le­gun­gen anstel­len - des­we­gen der Ver­weis auf den WIKIPEDIA Arti­kel, in dem manng­fal­ti­ge wei­te­re Infor­ma­ti­ons­quel­len und Erklä­run­gen zu fin­den sind.

Die­se ein­lei­ten­den Sät­ze ste­hen da, weil ich im Grun­de auf einen ana­lo­gen Satz ver­wei­sen möch­te, der seit Beginn der ersten Coro­na Maß­nah­men wie ein Damo­kles­schwert über uns droht:

"Recht ist was CORONA besie­gen hilft!"

Selbst hier beschrän­ke ich mich wie­der auf den Hinweis:
Jeder kennt die umfas­sen­den Ein­schrän­kun­gen der bür­ger­li­chen Rech­te und es ist umfas­send von vie­len Fach­leu­ten dazu Stel­lung genom­men wor­den. Nur im Zuge der Qua­ran­tä­ne ist bis­her Zwang von staat­li­cher Sei­te aus­ge­übt wor­den, alle ande­ren Ein­schrän­kun­gen sind zwar von Fall zu Fall lästig, jedoch scheint mir bis­her der Rechts­staat nicht gefährdet.

Den­noch stel­le ich die Fra­ge der Titel­zei­le und bin mir sicher, nicht allei­ne dar­auf zu hof­fen die Ant­wort möge "Sehr bald!" lau­ten. Um sogleich ein­zu­schrän­ken "Wenn es die Umstän­de erlau­ben" - und genau da gehen die Mei­nun­gen zwi­schen dem was man von poli­ti­scher Sei­te hört und was ich Tag für Tag erle­be sehr, sehr weit auseinander.

Wenn es näm­lich stimmt, daß etwa zwei Drit­tel der Bevöl­ke­rung noch nie mit dem CORONA Virus in Kon­takt gekom­men ist, die Impf­quo­te nie dage­we­se­ne Höhen erreicht hat und nach­ge­wie­se­ner­ma­ßen fast 80% aller Todes­fäl­le durch CORINA Bewoh­ner von Alten- und Pfle­ge-Ein­rich­tun­gen gewe­sen sind [sie­he Sta­ti­stik unten] sehe ich - anders als der Gesund­heits­mi­ni­ster und vie­le der bera­ten­den Fach­wis­sen­schaft­ler - kei­nen all­ge­mei­nen Not­stand mehr, der zu Mas­ken- und Impf­zwang füh­ren müßte.

Im Gegen­teil schreit das gera­de­zu nach Auf­he­bung aller Einschränkungen.

Die Daten dazu:
Statistik: Täglich gemeldete Neuinfektionen und Todesfälle mit dem Coronavirus (COVID-19) in Deutschland seit Januar 2020 (Stand: 12. September 2022) | Statista
Mehr Sta­ti­sti­ken fin­den Sie bei Sta­ti­sta

Statistik: Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19) in Deutschland nach Alter und Geschlecht (Stand: 7. September 2022) | Statista
Mehr Sta­ti­sti­ken fin­den Sie bei Sta­ti­sta

Wer jetzt den Ein­wand hat es sei doch egal WER da erkran­ke und man müs­se Soli­da­ri­tät wie am ersten Tag der Pan­de­mie zei­gen, selbst wenn das eige­ne Risi­ko gegen Null geht, der tut mir wirk­lich leid, weil offen­bar die Panik die in den Medi­en geschürt wur­de ihr Werk immer noch tut, die­se Men­schen in Angst hält, obwohl alle neu­en Daten dage­gen spre­chen, daß sie einer unaus­weich­li­chen Gefahr aus­ge­setzt sind ... wenn ich dann bei der AOK lese
".. Bun­des­ge­sund­heits­mi­ni­ster Karl Lau­ter­bach hat den geplan­ten Weg­fall der Mas­ken­pflicht in Flug­zeu­gen ab Herbst ver­tei­digt. „Bei inter­na­tio­na­len Flü­gen wer­den lei­der so gut wie kei­ne Mas­ken mehr getra­gen“, sag­te der SPD-Poli­ti­ker heu­te vor der Bera­tung im Gesund­heits­aus­schuss des Bun­des­ta­ges. Eine Mas­ken­pflicht im Flie­ger sei daher nicht mehr umsetz­bar. Ursprüng­lich soll­te das Tra­gen einer FFP2-Mas­ke an Bord eines Flug­zeu­ges von und nach Deutsch­land Bestand­teil des geplan­ten Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes sein. Statt­des­sen ver­ein­bar­ten die Ampel­par­tei­en nun, dass das Bun­des­ge­sund­heits­mi­ni­ste­ri­um ermäch­tigt wird, bei hohen Coro­na-Zah­len die Mas­ken­pflicht in Flie­gern per Ver­ord­nung wie­der anzu­ord­nen. Aller­dings bedürf­te dies der Zustim­mung aller ande­ren Bundesministerien .."
fällt es mir schwer zu erken­nen, wel­che Unter­schie­de es zwi­schen Flug­pas­sa­gie­ren und Bahn­fah­rern gibt, die ver­schie­de­ne Behand­lung rechtfertigen.
Etwa weil die Flug­gä­ste die bes­se­re Ver­bin­dung zu Herrn Lind­ner haben und der ihre Inter­es­sen in der Koali­ti­on durch­setzt und die Bahn­kun­den haben niemanden?

All­mäh­lich feh­len mir hand­fe­ste Grün­de von Sei­ten der Gesund­heits­po­li­tik um mich wei­ter bei der Stan­ge zu hal­ten. Wie ich schon schrieb sind drei Imp­fun­gen genug. Jetzt muß es in Rich­tung 'Nor­ma­li­tät' gehen.

Pas­send zum Thema:
For­schungs-Update Coro­na: Die neue­ren Virus­va­ri­an­ten haben bei Kin­dern die Pro­ble­me reduziert

bookmark_borderreference: early adopters

Den Tech­no­lo­gie­gi­gan­ten sind sie die lieb­sten Kun­den, die "ear­ly adop­ters"!

Egal ob etwas tau­sen­de $$ kostet - was einen wah­ren Mate­ri­al­wert von weni­gen $$ hat - sie müs­sen es um buch­stäb­lich 'jeden' Preis besitzen.
Mein smart pho­ne 1+ (sprich: eins plus eins oder Eng­lisch "oneplus") aus 2014 tut immer noch sei­nen Dienst - aller­dings seit ein paar Jah­ren mit einem völ­lig neu­en Betriebs­sy­stem, das ver­hin­dert, daß Goog­le einen Zugriff auf mei­ne Daten hat. Ohne die­se Neue­rung (die mich natür­lich etwas geko­stet hat) wäre das Tele­fon schon seit zwei Jah­ren nur noch Elek­tro­schrott, denn der Her­stel­ler hat dafür kei­ne Soft­ware-updates mehr veröffentlicht.

Dank des neu­en Systems namens "Cya­no­gen Mod" konn­te ich es wei­ter nut­zen. Da Cya­no­gen Inc. dicht gemacht hat, wur­de Cya­no­gen­Mod zu "Lineage". Das Line­ageOP, Name des neu­en Betriebs­sy­stems, ist eine Alter­na­ti­ve für Andro­id­te­le­fo­ne, ins­ge­samt mehr als zwei Dut­zend Modelle. 

Anstatt also ein funk­tio­nie­ren­des, betriebs­be­rei­tes und für den Durch­schnitts­ver­brau­cher völ­lig aus­rei­chen­des Tele­fon auf den Schrott zu wer­fen nut­ze ich es seit acht Jah­ren (!) - der ein­zi­ge Unter­schied ist, daß ich nichts aus dem Goog­le Play­s­to­re lade / laden kann, weil sonst Goog­le doch wie­der Zugriff hät­te und schnüf­feln könnte.
Das ist aber kein Pro­blem, denn es gibt eine Quel­le für Apps (open source, Quell­code zugäng­lich und auf Schad­code geprüft) die sich F-Droid nennt und Apps für vie­le Anwen­dun­gen bereit­stellt. Kosten­frei, man kann dem Pro­gram­mie­rer natür­lich eine Spen­de zukom­men lassen.

Der EFF kämpft seit Jah­ren dafür, freie Soft­ware auf allen neu­en Tele­fo­nen ver­füg­bar zu machen, wo jetzt noch die Her­stel­ler bloat­wa­re auf­spie­len und Goog­le (oder Apple) ihre Kun­den glä­sern machen und aus­spä­hen - und als Dank dafür dür­fen die alle zwei Jah­re ein neu­es Tele­fon mit noch mehr Kame­ras und noch mehr Schnick-Schnack für einen wie­der­um höhe­ren Preis kau­fen - was Mate­ri­al und Res­sour­cen ver­braucht, wo doch noch nichts kaputt ist!

(29−11−2013) Alles "smart" - und was haben wir davon ...?
(20−06−2014) "Fort­schritt"?
(04−09−2016) Nur Bild & Ton; Vom schlei­chend sich erwei­tern­den Analphabetismus
(22−07−2019) Wenn ich das frü­her gewusst hätte ....

bookmark_borderWenn es um mehr geht ....

Sie ken­nen die Situation:
Man räumt auf und ent­deckt eine Rei­he von Uten­si­li­en oder Inven­tar für das man bestimmt nie wie­der Ver­wen­dung haben wird - da liegt es doch nahe Platz zu schaf­fen indem man sol­che Gegen­stän­de ver­kauft. Wo "Frue*er"™ eine Anzei­ge in der Tages­zei­tung geschal­tet wor­den wäre reicht heu­te ein Anzei­ge bei ebay Klein­an­zei­gen schon für den Erfolg.

Manch­mal mit Ver­zö­ge­rung, wenn bei­spiels­wei­se eine bestimm­te Eigen­schaft erwar­tet wird aber nicht vor­han­den ist. Dann bleibt es eben bei einem freund­li­chen Aus­tausch und War­ten auf einen neu­en Interessenten.

Manch­mal neh­men die aus­ge­tausch­ten Fra­gen und Ant­wor­ten eine unge­ahn­te und sicher uner­war­te­te Form an. So wie in fol­gen­den Bei­spiel mei­ner Anzei­ge zum Ver­kauf eines Baby Laufstalls.



Wie wohl das Leben die­ses Kin­des ver­lau­fen wird
wenn es die gro­ße wei­te Welt außer­halb sei­nes Eltern­hau­ses ken­nen lernt?

bookmark_border"Das Verelendungsgesetz"
Gelesen - und hier weiter verbreitet ....


Das Ver­elen­dungs­ge­setz
Vor knapp 20 Jah­ren ver­kün­de­te Ger­hard Schrö­der unter „Stan­ding Ova­tions“ der SPD den Anfang vom Ende unse­res sozia­len Rechtsstaates.
von Hold­ger Platta
 

 
".. Es war eine beju­bel­te SPD-Rede, die am Anfang die­ses gesam­ten Elends für Mil­lio­nen von Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik stand! .." so endet Platta sei­nen außer­or­dent­lich fun­dier­ten und lesens­wer­ten Arti­kel zum The­ma 'Unzu­mut­ba­re Lebens­um­stän­de und Ver­elen­dung der Hartz-IV-Betrof­fe­nen', den ich des­we­gen hier emp­feh­le. Der der­zei­tig zustän­di­ge Mini­ster Heil unter­nimmt gera­de den Ver­such das Unrecht, das sei­ne Par­tei unter dem unse­li­gen Herrn Schrö­der ver­ur­sach­te und das die nach­fol­gen­den CDU/CSU Regie­run­gen noch ver­schlim­mert haben, wie­der so zu ver­än­dern, daß es gerech­ter und sozia­ler wird.
Ich hof­fe sehr, es wird ihm gelin­gen ohne daß die Schwar­zen ihre Posi­ti­on im Bun­des­rat dazu nut­zen die­se Bes­se­rung der Lebens­um­stän­de für 10 Mil­lio­nen Men­schen zu verweigern.

====================================== Zitat Anfang ============================================

Fast 20 Jah­re ist es her — 2003 war das —, da ver­kün­de­te Bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der im Deut­schen Bun­des­tag das Ende unse­res sozia­len Rechts­staa­tes. Die SPD-Abge­ord­ne­ten beju­bel­ten sei­ne Rede. Was es mit dem zynisch-men­schen­ver­ach­ten­den Geschwa­fel des Sozi­al­de­mo­kra­ten Schrö­der auf sich hat­te — „Wir wer­den Lei­stun­gen des Staa­tes kür­zen, Eigen­ver­ant­wor­tung för­dern und mehr Eigen­lei­stung von jedem Ein­zel­nen for­dern“ —, wird im fol­gen­den Bei­trag bis in die Gegen­wart hin­ein analysiert.

Manch­mal lohnt es sich, ein­zel­nen Begrif­fen nach­zu­ge­hen. Der Begriff „Elend“ bezie­hungs­wei­se sein Begleit­wort „Ver­elen­dung“ gehö­ren dazu. Genaue­re Ana­ly­se die­ser Voka­bel — mit Blick auf deren Geschich­te wie mit Blick auf die Gegen­wart heu­te — zeigt: Noch sel­ten dürf­te ein Begriff so prä­zi­se die heu­ti­gen Lebens­ver­hält­nis­se von Mil­lio­nen Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik „auf den Begriff“ gebracht haben wie die­se Bezeich­nung Elend. Doch konkret:

Elend, das im heu­ti­gen Ver­ständ­nis ein äußer­ster Begriff für extre­me sozia­le und öko­no­mi­sche Not­la­ge ist — man lese in den ein­schlä­gi­gen Wör­ter­bü­chern nach! —, der Begriff für eine Lebens­si­tua­ti­on also, die weit unter­halb der „Armut“ ange­sie­delt ist, die­ses Wort Elend bedeu­te­te sei­nem sprach­ge­schicht­li­chen Ursprungs­sinn nach „im Aus­land, in der Frem­de sein“. Es geht zurück auf das alt­hoch­deut­sche Wort­ge­spann „eli len­ti“, was so viel hieß wie: „im frem­den Land“ leben zu müs­sen, „aus dem Frie­den der ange­bo­re­nen Rechts­ge­nos­sen­schaft aus­ge­schlos­sen, ver­bannt“ zu sein, hier zitiert nach der Kluge-Etymologie.

Doch auch bezo­gen auf die heu­ti­ge Bedeu­tung stellt Elend so etwas wie ein Nicht­zu­haus­e­sein in der Frem­de dar. Denn mit dem Elend heu­te hat die Regie­rungs­po­li­tik von Schrö­der und sei­nen Nach­fol­gern, der Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel sowie der jet­zi­gen Ampel­ko­ali­ti­on, in sozia­ler und öko­no­mi­scher Hin­sicht eben­falls so etwas wie „Aus­land“ für die Betrof­fe­nen geschaf­fen, ein „Aus­land näm­lich zuhau­se“, ein Aus­land im eige­nen Land.
Hartz IV: das ist nahe­zu kom­plet­ter Ausschluss

Die Mit­men­schen in der Bun­des­re­pu­blik, die heu­te im Elend leben, leben tat­säch­lich wie in einer inner­staat­li­chen Frem­de. Sie tei­len noch die Spra­che mit uns und den Wohn­ort. Aber das ist auch schon alles, was die­se Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger mit uns ver­bin­det. „Sozia­le Teil­ha­be“ — eine Zen­tral­ka­te­go­rie des Begriffs „Exi­stenz­mi­ni­mum“ — ist für Hartz-IV-Bezie­he­rin­nen und -Bezie­her nicht mehr möglich.

Weder umfas­sen die Regel­sät­ze von Hartz IV irgend­wel­che Bei­trä­ge für Mit­glied­schaft in Par­tei­en, Ver­ei­nen oder Gewerk­schaf­ten, noch sind für die ALG-II-Bezie­he­rin­nen und -Bezie­her Rei­sen und Fahr­ten zu Ver­wand­ten und Freun­den erschwing­lich und Bewir­tung der­sel­ben bei sich zuhau­se oder Geschen­ke an sie zu deren Geburts­ta­gen und zum Weih­nachts­fest. Nicht ein­mal Por­to­ko­sten für brief­li­che Kon­tak­te zu ihren Näch­sten sind für die Lang­zeit­ar­beits­lo­sen bei der Ermitt­lung des soge­nann­ten „Regel­sat­zes“ auch nur annä­hernd in aus­rei­chen­dem Maße berück­sich­tigt wor­den. Glei­ches gilt für die Tele­fon- oder Mailingkosten.

Mit einem Satz: Hartz-IV, die­se furcht­ba­re, ver­fas­sungs­wid­ri­ge, mensch­lich­keits­feind­li­che Gesetz­ge­bung, hat rund acht Mil­lio­nen Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger aus­ge­grenzt aus unse­rem Gemein­we­sen. Sie leben seit­her buch­stäb­lich außer­halb der Gren­zen unse­rer Gesellschaft.

Ihnen ist nichts mehr übrig­ge­blie­ben, als besten­falls am Radio­ge­rät oder Fern­se­her noch „teil­zu­ha­ben“ an unse­rer Demo­kra­tie. Nicht mal die Kosten für das Abo einer Tages­zei­tung kön­nen aus dem Regel­satz des ALG-II auf­ge­bracht wer­den. Sozi­al und öko­no­misch betrach­tet, stellt Hartz-IV einen Total­aus­schluss aus unse­rer Gesell­schaft dar. Was ver­fas­sungs­recht­lich bedeu­tet: Alle Betei­li­gungs­rech­te poli­ti­scher und sozia­ler Art, die unser Grund­ge­setz sämt­li­chen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern unse­res Staat­we­sens garan­tiert — unab­ding­bar, für ewig fest­ge­hal­ten im Grund­rechts­ka­ta­log unse­rer Ver­fas­sung —, alle die­se Teil­nah­me­rech­te exi­stie­ren de fac­to für die Lang­zeit­ar­beits­lo­sen in unse­rem Lan­de nicht mehr.

Hartz IV hat eine neue Men­schen­klas­se geschaf­fen: die Men­schen­klas­se deut­scher Exi­lan­ten im eige­nen Land. Wer heu­te von Men­schen im „Elend“ spricht, der spricht dadurch auch die­ses unver­meid­bar mit aus — gleich, ob ihm die­ses bewusst ist oder nicht. ALG-II hat unbe­schol­te­ne Bür­ge­rin­nen und Bür­ger mil­lio­nen­fach um ihre Rech­te gebracht — um ihre „Rechts­ge­nos­sen­schaft“, wie es in der Ursprungs­be­deu­tung des Wor­tes „Elend“ bezie­hungs­wei­se „eli len­ti“ noch aus­drück­lich mit­ge­meint war. Hartz-IV hat mil­lio­nen­fach Mit­men­schen abge­scho­ben auf einen fer­nen elen­den Kon­ti­nent. Es ist inso­fern nur noch eine opti­sche Täu­schung, dass die­se Mit­men­schen in unse­rer unmit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft woh­nen. In Wirk­lich­keit leben sie längst schon anders­wo: in der Müll­ton­ne unse­rer Demo­kra­tie, dort, wo längst auch schon unse­re Ver­fas­sung gelan­det ist.

Die SPD aber — an ihrer Spit­ze der dama­li­ge Ober­so­zi­al­de­mo­krat Schrö­der — hat am 14. März 2003 im Bun­des­tag mit ‚Stan­ding Ova­tions’ die­ser Ent­sor­gung unse­rer Demo­kra­tie zuge­stimmt: der Ver­trei­bung von Mil­lio­nen von Men­schen aus dem Gel­tungs­be­reich unse­res Grund­ge­set­zes - ins Elend, in unser inne­res Ausland.

Aber wie konn­te das im Ein­zel­nen von­stat­ten­ge­hen? Mit wel­chen juri­sti­schen Tricks wur­de da unter ande­rem gearbeitet?
Ver­stoß gegen das Ver­bot „Zir­kel­schluss­ver­fah­ren“

Bei der Beant­wor­tung die­ser Fra­gen konn­te man schon ein gan­zes Stück wei­ter­kom­men, wenn man im Jah­re 2010 auf die Web­site des dama­li­gen Ley­en-Mini­ste­ri­ums für Arbeit und Sozia­les ging und dort plötz­lich las, aus der „Refe­renz­grup­pe“ sei­en ledig­lich alle Haus­hal­te raus­ge­rech­net wor­den, die nicht „aus­schließ­lich“ ihren Lebens­un­ter­halt aus „staat­li­chen Trans­fer­lei­stun­gen“ bestrei­ten. Wie bit­te? — Das heißt doch: Zu einem Teil hat­ten die Errech­ner des neu­en Regel­sat­zes auch die ande­ren Haus­hal­te berück­sich­tigt, Haus­hal­te, die bereits ihrer­seits auf staat­li­che Gel­der ange­wie­sen waren, um über­le­ben zu kön­nen. Damit aber hat­ten die Ermitt­ler der neu­en „Grund­si­che­rung“ gleich gegen zwei — spä­te­re — Gebo­te aus dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ur­teil vom 9. Febru­ar des Jah­res 2010 ver­sto­ßen: erstens gegen das soge­nann­te „Zir­kel­schluss­ver­bot“ und zwei­tens gegen die Auf­la­ge, dass die Ein­kom­mens­si­tua­ti­on der Refe­renz­grup­pe ein­deu­tig über Sozi­al­hil­fe­ni­veau zu lie­gen habe.

Im Absatz 168 des genann­ten Urteils vom 9. Febru­ar 2010 heißt es dazu (Fett­druck-Her­vor­he­bun­gen in allen fol­gen­den Urteils-Zita­ten vom Autor):

…die Wahl des unter­sten Bevöl­ke­rungs­quin­tils (= des unter­sten Bevöl­ke­rungs­fünf­tels) beruh­te auf der sach­ge­rech­ten Erwä­gung, die Refe­renz­grup­pe der Bezie­her von gerin­gen Ein­kom­men mög­lichst breit zu fas­sen, um sta­ti­stisch zuver­läs­si­ge Daten zu ver­wen­den. Dar­über hin­aus ver­mei­det die erfolg­te Her­aus­nah­me von Sozi­al­hil­fe­emp­fän­gern Zir­kel­schlüs­se, die ent­stün­den, wenn man das Ver­brauchs­ver­hal­ten von Hil­fe­emp­fän­gern selbst zur Grund­la­ge der Bedarfs­er­mitt­lung machen würde.“

Und ein­deu­ti­ger noch das damit aus­ge­spro­che­ne Zir­kel­schluss­ver­bot im fol­gen­den Absatz 169 aus dem genann­ten Urteil:

Der Gesetz­ge­ber konn­te nach dem Ergeb­nis der münd­li­chen Ver­hand­lung ver­tret­bar davon aus­ge­hen, dass die bei der Aus­wer­tung der Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be 1998 zugrun­de geleg­te Refe­renz­grup­pe sta­ti­stisch zuver­läs­sig über der Sozi­al­hil­fe­schwel­le lag…“

Die­ses also ganz unzwei­deu­tig die Ein­schät­zung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 9. Febru­ar 2010: In der Bevöl­ke­rungs­grup­pe, auf die man sich zur Ermitt­lung des neu­en Regel­sat­zes stützt, dür­fen kei­ne ein­zi­ge Bezie­he­rin und kein ein­zi­ger Bezie­her von staat­li­chen Trans­fer­lei­stun­gen vor­han­den sein.
Zur Frag­wür­dig­keit soge­nann­ter „Refe­renz­grup­pen“

Nun ist an die­ser Stel­le ganz aus­drück­lich fest­zu­hal­ten, dass es ein ganz ver­que­rer Gedan­ken­gang war — und immer noch ist —, das soge­nann­te „Exi­stenz­mi­ni­mum“ dadurch eru­ie­ren zu wol­len, dass man nach Bevöl­ke­rungs­grup­pen Aus­schau hält, die „irgend­wo“ ganz unten in der Ein­kom­mens­hier­ar­chie ange­sie­delt sind und es trotz­dem „irgend­wie“ hin­be­kom­men, ihre exi­stenz­si­chern­den Bedürf­nis­se zu befrie­di­gen — was, bit­te­schön, die­se Siche­rung exi­sten­ti­el­ler Bedürf­nis­se, nicht mit einem „men­schen­wür­di­gen Exi­stenz­mi­ni­mum“ ver­wech­selt wer­den darf.

Poin­tiert gesagt: Man blick­te auf den Küchen­tisch der Armen, um fest­zu­stel­len, was aus­rei­chen­de Ernäh­rung ist; man such­te in „Zil­les Mill­jöh“ die Miet­höh­le hin­ter dem vier­ten Hin­ter­hof auf, um her­aus­zu­fin­den, was men­schen­wür­di­ges Woh­nen ist. Gleich­wohl bleibt ein­deu­tig genug, was, dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zufol­ge, unter „Exi­stenz­mi­ni­mum“ zu ver­ste­hen ist, und an die­ser Stel­le soll des­we­gen auch gleich auf­ge­räumt wer­den mit einer über­aus popu­lä­ren Legende.
Was ver­steht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt unter „Exi­stenz­mi­ni­mum“?

Oft wur­de und wird in den öffent­li­chen Debat­ten ledig­lich zwei­er­lei unter „Exi­stenz­mi­ni­mum“ ver­stan­den — ein­mal die Siche­rung der „phy­si­schen Exi­stenz“ und zum ande­ren die berühmt-berüch­tig­te „sozio­kul­tu­rel­le Teil­ha­be“. Falsch, wie ein Blick in das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes vom 9. Febru­ar 2010 zeigt! Noch eine drit­te Bestim­mungs­grö­ße gehört nach höchst­rich­ter­li­cher Ansicht zum „Exi­stenz­mi­ni­mum“ hin­zu. Doch zitie­ren wir der Rei­he nach, und zwar auf der Basis der Aus­sa­gen in Absatz 135 des genann­ten Hartz-IV-Urteils. Dem­nach zäh­len zum „Exi­stenz­mi­ni­mum“

die erwähn­te Siche­rung der „phy­si­schen Exi­stenz“, die Mög­lich­keit also für die Betref­fen­den, die Kosten für „Nah­rung, Klei­dung, Haus­rat, Unter­kunft, Hei­zung, Hygie­ne und Gesund­heit“ auf­brin­gen zu kön­nen, das erwähn­te „Min­dest­maß an Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Leben“, neben­bei: auch letz­te­res — die poli­ti­sche Teil­ha­be­mög­lich­keit von Trans­fer­be­zie­he­rin­nen und —bezie­hern fällt bei den öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen über das „Exi­stenz­mi­ni­mum“ zumeist unter den Tisch, was man durch­aus bemer­kens­wert fin­den kann, denn schließ­lich han­delt es sich bei der poli­ti­schen Teil­ha­be­mög­lich­keit nicht zuletzt um ein Grund­recht der Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik, sowie schließ­lich drit­tens die „Mög­lich­keit zur Pfle­ge zwi­schen­mensch­li­cher Bezie­hun­gen“. Hat dar­über schon ein­mal jemand nach­ge­dacht, im Zusam­men­hang von Hartz-IV, was das kon­kret zu bedeu­ten hat, wenn es zum Bei­spiel um Auf­recht­erhal­tung der Kon­tak­te zu Ver­wand­ten und Freun­den geht, zu Men­schen, die einem nahe­ste­hen, aber weit weg woh­nen inzwi­schen, nicht in der­sel­ben Stadt also, wie man selbst — sagen wir in Kas­sel —, son­dern bei­spiels­wei­se in Mün­chen oder Ber­lin? War jemals im Regel­satz auch nur ein eini­ger­ma­ßen ange­mes­se­ner Betrag für sol­che Rei­se­ko­sten mit ein­ge­rech­net wor­den, oder wur­de nun­mehr beim ‚neu­en’ Regel­satz ab dem 1. Janu­ar 2011 ein sol­cher Geld­be­trag ein­ge­stellt? Bei einem Gesamt­be­trag für Ver­kehrs­ko­sten pro Monat in der Höhe von 19,20 Euro — der Anfangs­be­trag beim alten Regel­satz vom Janu­ar 2005, ein Betrag, der für die mei­sten Hartz-Vie­rer nicht mal die Monats­ko­sten für den Nah­ver­kehr abge­deckt hat? Schon hier sei fest­ge­stellt: „Selbst­ver­ständ­lich“ blieb — bis auf den heu­ti­gen Tag — eine sol­che Kor­rek­tur aus. 

Das Ver­fas­sungs­ge­richts­ge­bot „Ein­zel­fall­ab­si­che­rung“

Kaum weni­ger wich­tig als die­se drei­fa­che Defi­ni­ti­on des „Exi­stenz­mi­ni­mums“ durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am 9. Febru­ar 2010 war in die­sem Zusam­men­hang aber noch ein wei­te­rer Punkt: die Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers durch das höch­ste Gericht dar­auf, die­ses „Exi­stenz­mi­ni­mum“ für jede Bür­ge­rin und jeden Bür­ger in der Bun­des­re­pu­blik sicher­zu­stel­len, nicht nur pau­schal oder im Durch­schnitt. So heißt es im Absatz 137 des Gerichts­ur­teils, dass die­ser „gesamt­exi­stenz­not­wen­di­ge Bedarf“ für „jeden indi­vi­du­el­len Grund­rechts­trä­ger“ zu sichern sei.

Egal, wo eine® lebt — ob in der Groß­stadt mit „fuß­läu­fig“ erreich­ba­ren fünf Super­märk­ten gleich um die Ecke oder auf dem Land, wo erst vie­le Kilo­me­ter mit dem Bus kosten­pflich­tig zurück­zu­le­gen sind, um die eige­nen Ein­käu­fe täti­gen zu kön­nen — : Jede und jeder hat Anspruch auf Gewähr­lei­stung sei­nes jewei­li­gen Existenzminimums.

Wie bereits beschrie­ben: Dass Benen­nung einer pau­schal defi­nier­ten „Refe­renz­grup­pe“ ohne qua­li­ta­ti­ve Über­prü­fung der jewei­li­gen kon­kre­ten Lebens­si­tua­ti­on im Ein­zel­fall der sach­an­ge­mes­se­ne Weg ist, Exi­stenz oder Nicht­exi­stenz des Exi­stenz­mi­ni­mums inner­halb einer gan­zen Bevöl­ke­rungs­grup­pe zu veri­fi­zie­ren, das ist mit mehr als nur einem Fra­ge­zei­chen zu ver­se­hen. Ent­schei­dend ist: Nicht ein­mal die bei­den Mini­mal­for­de­run­gen des ober­sten deut­schen Gerichts wur­den dann bei der Klein­rech­ne­rei des „neu­en“ Regel­sat­zes rea­li­siert: Ein­schrän­kungs­los jedes Zir­kel­schluss­ver­fah­ren zu ver­mei­den und auf kei­nen Fall irgend­wel­che Bezie­he­rin­nen und Bezie­her von Trans­fer­lei­stun­gen in die Ermitt­lung des neu­en Regel­sat­zes mit ein­zu­be­zie­hen. Ein Dop­pel­ver­stoß gegen die Vor­ga­ben des Bundesverfassungsgerichts!
Wie hät­te ein men­schen­wür­di­ger Regel­satz auszusehen?

Schicken wir vor­aus: Alle Beträ­ge des Regel­sat­zes sind von staat­li­cher Sei­te aus bis­lang nach der soge­nann­ten „Sta­ti­stik­me­tho­de“ ermit­telt wor­den. Das heißt, mit­hil­fe ent­spre­chen­den Zah­len­ma­te­ri­als, das vom Sta­ti­sti­schen Bun­des­amt erho­ben wor­den ist, und zwar mit­hil­fe der soge­nann­ten „EVS“, der „Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be“. Folg­lich hat man — mehr oder min­der reprä­sen­ta­tiv — über­prüft, wie viel die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger pro Monat für wel­che Waren oder Dienst­lei­stun­gen aus­zu­ge­ben pfle­gen und wie viel Ein­kom­men ihnen dafür zur Ver­fü­gung steht.

Wich­tig dabei: Die­ses geschah in der soge­nann­ten „Refe­renz­grup­pe“, bei jenen Men­schen also, die in der Ein­kom­mens­hier­ar­chie ganz unten ange­sie­delt sind. Für den Regel­satz, der ab dem 1. Janu­ar 2005 bis zum „neu­en“ Regel­satz ab 1. Janu­ar 2011 gül­tig war, griff man zu die­sem Zweck auf das ent­spre­chen­de Daten­ma­te­ri­al aus dem unter­sten „Bevöl­ke­rungs­quin­til“ zurück, auf die unter­sten 20 Pro­zent der Bevöl­ke­rung mit­hin, für den „neu­en“ Regel­satz nur noch auf die unter­sten 15 Pro­zent aller erwach­se­nen Bun­des­bür­ge­rin­nen und -bür­ger. Man stieg also noch tie­fer hin­ab in die Ein­kom­mens­hier­ar­chie. Nach den Armen wur­den nun die Ganz-Armen Maß­stab der Berechnungen!

Was man aus die­ser Dar­stel­lung bereits erah­nen kann, trifft selbst­ver­ständ­lich auch bei genaue­rer Ana­ly­se zu: Die­se soge­nann­te „Refe­renz­grup­pe“ war und ist selbst schon arm, sie ist ganz über­wie­gend schon ange­wie­sen auf staat­li­che „Stüt­ze“ — egal, ob ver­deckt oder nicht, unab­hän­gig also davon, ob der jeweils betrof­fe­ne Hilfs­be­dürf­ti­ge die­se Gel­der in Anspruch nahm oder nicht. Zwar behaup­ten die Ver­tre­ter die­ser Men­schen­ver­elen­dungs­po­li­tik bis zum heu­ti­gen Tag das genaue Gegen­teil, aber in Wahr­heit ver­hält es sich so: Die­se „Refe­renz­grup­pe“ bil­det mit ihren Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen und ihrem Ver­brauchs­ver­hal­ten die Unter­gren­ze des Exi­stenz­mi­ni­mums nicht ab, son­dern leb­te größ­ten­teils bereits selbst unter­halb des Existenzminimums.

Kurz: Die­se soge­nann­te „Sta­ti­stik­me­tho­de“ ermit­tel­te den Regel­satz­be­darf genau nach jenem Zir­kel­schluss­ver­fah­ren, das vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am 9. Febru­ar 2010 ver­bo­ten wor­den war. Die Ermitt­lung der Regel­satz­hö­he mit­hil­fe der „Sta­ti­stik­me­tho­de“ war und ist folg­lich nicht ver­fas­sungs­kon­form, bis heu­te nicht. Die ver­fas­sungs­wid­ri­ge Tat­sa­che, dass Mil­lio­nen Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik unter­halb der Exi­stenz­mi­ni­mums­gren­ze leben, wird zur Quel­le der Tat­sa­che, dass die­ser Zustand sogar noch aus­ge­wei­tet und zudem in Geset­ze gegos­sen, also „lega­li­siert“ wor­den ist.

Die „Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Pre­kä­re Lebens­la­gen — Gegen Ein­kom­mens­ar­mut und sozia­le Abgren­zung“ schrieb dazu unter anderem:

Es zeigt sich, dass die Regel­satz­be­mes­sung nach der EVS von vorn­her­ein einen ent­schei­den­den Kon­struk­ti­ons­feh­ler hat: Wenn man 25 Jah­re lang eine Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit von mehr als 4 Mil­lio­nen nicht bekämpft, son­dern statt­des­sen den Erwerbs­lo­sen syste­ma­tisch Jahr für Jahr die Lei­stun­gen kürzt, wenn man gleich­zei­tig einen Nied­rig­lohn­sek­tor schafft und mit Hartz IV syste­ma­tisch aus­wei­tet, wenn man in die­ser Zeit an einem völ­lig über­hol­ten Schul­sy­stem fest­hält, das syste­ma­tisch Bil­dungs­chan­cen nach der sozia­len Her­kunft ver­teilt, wenn Kin­der kaum eine Chan­ce haben, die­sen Teu­fels­kreis sozi­al ver­erb­ter Aus­gren­zung zu durch­bre­chen — wenn man also ein Vier­tel­jahr­hun­dert lang die Gesell­schaft syste­ma­tisch sozi­al, kul­tu­rell und poli­tisch spal­tet und eine wach­sen­de Armuts­be­völ­ke­rung pro­du­ziert — dann kann die Bemes­sung des gesell­schaft­li­chen Exi­stenz­mi­ni­mums am Kon­sum­ver­hal­ten die­ser Armuts­be­völ­ke­rung zu nichts ande­rem füh­ren als zu wei­te­rer Ver­ar­mung, wei­te­rer Man­gel­er­näh­rung und wei­te­rer Ausgrenzung.

Das bedeu­tet: Wenn die unter­sten Schich­ten der Gesell­schaft so ver­armt sind, dass sie sich kein Obst und kei­ne Bücher mehr lei­sten kön­nen, dann folgt nach die­sem Modell dar­aus, dass Obst und Bücher nicht zum Exi­stenz­mi­ni­mum gehö­ren. Die­se poli­ti­sche Will­kür bei der Berech­nung des Exi­stenz­mi­ni­mums kön­nen und wol­len wir uns nicht län­ger gefal­len lassen.“

Ergän­zend: Es ver­wun­dert daher nicht — die­ser merk­wür­di­gen Logik der „Sta­ti­stik­me­tho­de“ wegen —, dass „kon­se­quen­ter­wei­se“ beim alten wie beim „neu­en“ Regel­satz der Waren­korb Num­mer 11 — „Bil­dung“ näm­lich — über­haupt nicht für die Ermitt­lung die­ser Hilfs­be­trä­ge berück­sich­tigt wor­den ist, und die­ses, obwohl wie­der und wie­der, gera­de auch von den Hartz-IV-Apo­lo­ge­ten, bei den diver­sen Talk­shows die Bedeut­sam­keit der „Bil­dung“ beschwo­ren wur­de, um her­aus­kom­men zu kön­nen aus den Elends­re­gio­nen von Hartz IV.

Erst spä­ter kam es bei die­sem Fehl­be­darf zu einer lach­haf­ten Kor­rek­tur: Seit eini­gen Jah­ren exi­stiert im Regel­satz ein Geld­be­trag, der für „Bil­dung“ ein­ge­stellt wor­den ist. Er beläuft sich auf sage und schrei­be ... 1,62 Euro! Pro Monat, wohl­ge­merkt! Heißt: Wer bei einer VHS für 60,- Euro einen Com­pu­ter­kurs bele­gen will, muss drei Jah­re lang war­ten, bis er sich die­se Wei­ter­bil­dung lei­sten kann! Ande­res an „Bil­dung“ ent­fällt bis dahin „selbst­ver­ständ­lich“ zur Gänze!

Gleich­wohl stellt das zitier­te State­ment der Betrof­fe­nen nur eine par­tei­ische Über­re­ak­ti­on dar, behaup­tet die­se „Arbeits­ge­mein­schaft“ etwas, das mit den Fak­ten nicht übereinstimmt?

Nun, mit deut­li­chem Zah­len­ma­te­ri­al hat das regie­rungs­na­he „Insti­tut für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB)“ die­se Ana­ly­se bestä­tigt. Hier ein Aus­zug aus sei­ner Exper­ti­se, erstellt im Jah­re 2008:

Jeweils 6 bis 8 Pro­zent der ALG-II-Bezie­her berich­ten, dass sie sich kei­ne war­me Mahl­zeit pro Tag lei­sten kön­nen, dass die Wän­de in ihren Woh­nun­gen feucht sind, dass sie Pro­ble­me mit der pünkt­li­chen Bezah­lung der Neben­ko­sten haben oder dass sie rezept­freie Medi­ka­men­te nicht bezah­len kön­nen. Sogar 14 Pro­zent ver­fü­gen über nicht aus­rei­chend Zim­mer in der Woh­nung und knapp 17 Pro­zent der Lei­stungs­emp­fän­ger kön­nen sich kei­ne ange­mes­se­ne Win­ter­klei­dung leisten. (...)

Blickt man aller­dings über den Bereich der ele­men­ta­ren Bedürf­nis­se hin­aus, zei­gen sich grö­ße­re Ver­sor­gungs­de­fi­zi­te. Am nied­rig­sten fällt das Ver­sor­gungs­ni­veau der Lei­stungs­emp­fän­ger bei den finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten und der sozia­len Teil­ha­be aus (...). Etwa drei Vier­tel der ALG-II-Emp­fän­ger kön­nen es sich nicht lei­sten, alte aber funk­ti­ons­tüch­ti­ge Möbel zu erset­zen oder ein­mal im Monat ins Restau­rant zu gehen. Und jeweils um die vier von fünf Lei­stungs­emp­fän­gern geben an, dass sie sich kei­nen jähr­li­chen Urlaub lei­sten oder kei­nen festen Geld­be­trag pro Monat spa­ren kön­nen. (...) Ähn­li­ches gilt für Kino- oder Kon­zert­be­su­che oder für das Ein­la­den von Freunden.“

Noch ein­mal sei an die ent­spre­chen­den Aus­sa­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 9. Febru­ar 2010 erinnert:

Der Gesetz­ge­ber bleibt (...) ver­pflich­tet, bei der Aus­wer­tung künf­ti­ger Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­ben dar­auf zu ach­ten, dass Haus­hal­te, deren Net­to­ein­kom­men unter dem Niveau der Lei­stun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Zwei­tes Buch und Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch inklu­si­ve der Lei­stun­gen für Unter­kunft und Hei­zung liegt, aus der Refe­renz­grup­pe aus­ge­schie­den werden.“

Kurz: Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mach­te sei­ne „Geneh­mi­gung“ der „Sta­ti­stik­me­tho­de“ von der Tat­sa­che abhän­gig, dass die aus­zu­wer­ten­de „Refe­renz­grup­pe“ mit ihrem Ein­kom­men, so wört­lich, „zuver­läs­sig über der Sozi­al­hil­fe­schwel­le“ liegt.

Um es deut­lich zu sagen: Das Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Arbeit und Sozia­les hat­te die­se Vor­ga­be des ober­sten deut­schen Gerich­tes schlicht igno­riert, damals im ablau­fen­den Jahr 2010, und damit die Daten­ba­sis zur Ermitt­lung der Regel­lei­stung nach­weis­bar ver­fälscht. Und die­ses ange­sichts von fast 6 Mil­lio­nen ver­deck­ten Armen in der Bun­des­re­pu­blik. Die Regel­lei­stung, die dann für 2011 fest­ge­legt wor­den ist — 368 Euro plus 8 Euro für Warm­was­ser­ko­sten — , lag des­we­gen auch unter­halb aller Berech­nun­gen, die von ande­ren Insti­tu­tio­nen, Orga­ni­sa­tio­nen und Per­so­nen vor­ge­nom­men wor­den sind. Und die­se Tat­sa­che gilt bis zum heu­ti­gen Tag. Aber kon­kret: Alle Zah­len­an­ga­ben im Fol­gen­den gel­ten für das Jahr 2010! Sie wären für dies Jahr 2022 mit einem Auf­schlag von min­de­stens 30 Pro­zent zu ver­se­hen — die der­zei­ti­gen Infla­ti­ons­ra­ten nicht ein­mal miteingerechnet.
Alter­na­ti­ve Vor­schlä­ge zur Erhö­hung des Regelsatzes

Die Wirt­schafts­wis­sen­schaft­le­rin Ire­ne Becker ermit­tel­te zum Bei­spiel im Auf­trag der Dia­ko­nie Mit­tel­deutsch­land für 2008 einen Min­dest­re­gel­satz von 480,45 Euro; der Hans-Böck­ler-Stif­tung zufol­ge hät­te der Regel­satz bereits 2008 521,- Euro betra­gen müs­sen; Kat­ja Kip­ping, Bun­des­tags­mit­glied der Par­tei Die Lin­ke, errech­ne­te für 2010 einen Min­dest­re­gel­satz von 529,- Euro pro Monat; und Rüdi­ger Böker, nichts weni­ger als der Sach­ver­stän­di­ge für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für des­sen Hartz-IV-Urteil vom 9. Febru­ar 2010, bezif­fer­te den monat­li­chen Regel­satz­net­to­be­darf mit 564,90 Euro. 

Wich­tig dabei: Alle die­se Exper­tin­nen und Exper­ten gin­gen noch vom EVS-Modell aus, alle hat­ten den eige­nen Berech­nun­gen auch das unter­ste Bevöl­ke­rungs­fünf­tel als Refe­renz­grup­pe zugrun­de­ge­legt. — Zu Recht wur­de des­halb die Exper­ti­se von Ire­ne Becker von deren Auf­trag­ge­be­rin, der Dia­ko­nie Bran­den­burg, sogar kritisiert:

In die­ser Vari­an­te ‚Regel­lei­stungs­be­rech­nung nach dem soge­nann­ten Sta­ti­stik­mo­dell’ setzt sich die von den Lan­des­ver­bän­den der Dia­ko­nie in Auf­trag gege­be­ne Stu­die über fach­li­che Ein­wän­de an der Metho­dik par­ti­ell hin­weg und über­nimmt vie­le Abzü­ge, wie sie im Gesetz­ent­wurf zu fin­den sind.(...) Sol­che Abzü­ge sind (...) metho­disch frag­wür­dig, weil sie auch den Regel­satz jener min­dern, die sich abge­zo­ge­ne Aus­ga­ben ohne­hin nie lei­sten konn­ten, zum Bei­spiel Pau­schal­rei­sen. Ein­zel­ne Abzü­ge die­ser Berech­nungs­va­ri­an­te ent­spre­chen auch nicht den ethi­schen Vor­stel­lun­gen der Dia­ko­nie. Sie zei­gen aber, dass sich der Regel­satz nur mit ethisch frag­wür­di­gen Wert­ent­schei­dun­gen wei­ter mini­mie­ren lässt. So ist im Grund­satz unver­tret­bar, dass Lei­stungs­be­rech­tig­te beim Ein­tre­ten des Lei­stungs­fal­les ihre Haus­tie­re abge­ben oder in einer Woh­nung ohne Grün­pflan­zen leben sol­len. Sol­che nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben min­dern nicht nur die Höhe des errech­ne­ten Regel­sat­zes, son­dern müs­sen von den Hil­fe­emp­fän­gern auch als Demü­ti­gung emp­fun­den werden.“

Und Johan­nes Mün­der, der für den Deut­schen Anwalts­ver­ein eine Exper­ti­se zum „neu­en“ Regel­satz ver­fer­tigt hat­te, stell­te fest, dass die Bun­des­re­gie­rung für die von ihr vor­ge­nom­me­nen Abschlä­ge bezie­hungs­wei­se Nicht­an­er­ken­nung von Aus­ga­be­po­si­tio­nen kei­ne ver­fas­sungs­kon­for­men Begrün­dun­gen gelie­fert hat. Konkret:

War­um soll es Hil­fe­be­dürf­ti­gen ver­wehrt sein, Klei­dung che­misch rei­ni­gen zu las­sen, Schnitt­blu­men, für Besu­che zum Bei­spiel, zu kau­fen oder Zim­mer­pflan­zen besit­zen zu dür­fen? Wie­so stel­len Haus­tie­re, Haus­rats- und Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen Luxus­an­sprü­che dar — glei­ches gäl­te, neben­bei, auch für Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen, auf die Hartz-IV-Betrof­fe­ne drin­gendst ange­wie­sen wären!

Wes­halb sind medi­zi­ni­sche Zuzah­lun­gen inklu­si­ve Pra­xis­ge­bühr nicht regel­satz­re­le­vant? Und wie­so hat man mitt­ler­wei­le die Geld­mit­tel für alko­hol­hal­ti­ge Geträn­ke voll­stän­dig abge­schafft — ange­sichts der Tat­sa­che, dass Hartz-IV-Bezie­he­rin­nen und -Bezie­her doch ‚eigent­lich‘ in der men­schen­wür­di­gen Lage blei­ben soll­ten, Gäste bei sich bewir­ten zu kön­nen und sie nicht gleich mit­hil­fe die­ser Schwar­zen Päd­ago­gik zu Absti­nenz­lern erzie­hen zu müssen?
Und wie sieht es mit der „poli­ti­schen Teil­ha­be“ aus?

Erin­nern wir uns: Sogar das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mein­te in sei­nem Urteil vom 9. Febru­ar 2010 — sie­he Rand­num­mer 135! — , dass Hartz-IV-Betrof­fe­ne nur Anspruch hät­ten auf ein „Min­dest­maß“ an poli­ti­scher Teil­ha­be — die­ses mit aus­drück­li­cher Beru­fung auf das Grund­ge­setz in der vor­an­ge­gan­ge­nen Rand­num­mer 134. Zitie­ren wir hier also end­lich die­se Rand­num­mer 135:

b) Der unmit­tel­bar ver­fas­sungs­recht­li­che Lei­stungs­an­spruch auf Gewähr­lei­stung eines men­schen­wür­di­gen Exi­stenz­mi­ni­mums erstreckt sich nur auf die­je­ni­gen Mit­tel, die zur Auf­recht­erhal­tung eines men­schen­wür­di­gen Daseins unbe­dingt erfor­der­lich sind. Er gewähr­lei­stet das gesam­te Exi­stenz­mi­ni­mum durch eine ein­heit­li­che grund­recht­li­che Garan­tie, die sowohl die phy­si­sche Exi­stenz des Men­schen, also Nah­rung, Klei­dung, Haus­rat, Unter­kunft, Hei­zung, Hygie­ne und Gesund­heit (vgl. BVerfGE 120, 125, 155 f.), als auch die Siche­rung der Mög­lich­keit zur Pfle­ge zwi­schen­mensch­li­cher Bezie­hun­gen und zu einem Min­dest­maß an Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Leben umfasst, denn der Mensch als Per­son exi­stiert not­wen­dig in sozia­len Bezügen (...).“

Sieht unser Grund­ge­setz eine sol­che Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft in punc­to der Mög­lich­keit „poli­ti­scher Teil­ha­be“ eigent­lich vor, oder schließt unser Grund­ge­setz die­se Unter­pri­vi­le­gie­rung einer gan­zen, einer ver­elen­de­ten, Bevöl­ke­rungs­grup­pe nicht im Gegen­teil ohne jede Ein­schrän­kung aus? — Nun, wer auf den Gleich­heits­grund­satz unse­res Grund­ge­set­zes sieht, auf den Arti­kel 3, weiß selbst­ver­ständ­lich Bescheid. Genau das, was ‚unser‘ Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am 9. Febru­ar 2010 beschlos­sen hat, steht im dia­me­tra­len Gegen­satz zur Grund­aus­sa­ge unse­rer Ver­fas­sung zu die­sem Punkt. Die Mög­lich­keit der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in der Bun­des­re­pu­blik, Ein­fluss neh­men zu kön­nen auf die Poli­tik in unse­rem Land, ist vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt abhän­gig gemacht wor­den davon, wie viel Geld die Men­schen in ihrem Porte­mon­naie haben. Heißt also kon­kret: Wenn es in unse­rem Grund­ge­setz heißt — in Arti­kel 20, Absatz 1 —, „alle Staats­ge­walt geht vom Vol­ke aus“, dann ist ganz aus­drück­lich, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, der ärm­ste Teil unse­rer Bevöl­ke­rung nicht mehr mitgemeint!

Was das aber für rea­le Fol­gen hat, das kön­nen wir in die­sem Fal­le sogar Wiki­pe­dia ent­neh­men, dem Arti­kel dort zur „Armut in der Bun­des­re­pu­blik“. Dort wird eine klei­ne, aber über­aus bedeut­sa­me, Sta­ti­stik ver­öf­fent­licht, die sehr deut­lich wie­der­zu­ge­ben ver­mag, wie abge­hängt inzwi­schen die Hartz-IV-Betrof­fe­nen auch in poli­ti­scher Hin­sicht hier bei uns leben. Zunächst die Statistik:

Natür­lich, die­se Betei­li­gungs­zah­len fal­len ins­ge­samt sehr nied­rig aus — was, neben­bei, ohne­hin nicht für eine funk­tio­nie­ren­de, leben­di­ge, für eine ech­te Demo­kra­tie in Deutsch­land spricht. Aber der Ver­gleich der Zah­len offen­bart den­noch eine Dis­kre­panz, die kei­ne Demo­kra­tie, so sie eine ist oder bean­sprucht, noch eine zu sein, hin­neh­men darf. In allen vier Vari­an­ten der poli­ti­schen Teil­ha­be, die oben in der Sta­ti­stik auf­ge­führt sind, wur­de für die Armen und Ver­elen­de­ten in der Bun­des­re­pu­blik kei­ne glei­che und gleich­be­rech­tig­te Reprä­sen­tanz mehr festgestellt:

„Per­so­nen über der Armuts­ri­si­ko­gren­ze“ sind dop­pelt so oft Mit­glied einer poli­ti­schen Par­tei als die Ver­arm­ten in unse­rer Gesell­schaft. „Per­so­nen über der Armuts­ri­si­ko­gren­ze“ sind fast drei­mal so oft Mit­glied einer Gewerk­schaft als die eh schon Arbeits­lo­sen oder Aus­ge­grenz­ten. „Per­so­nen über der Armuts­gren­ze“ betei­li­gen sich mehr als dop­pelt so oft an Unter­schrif­ten­ak­tio­nen wie die Men­schen, die unter­halb die­ser Gren­ze zu exi­stie­ren haben. Und beson­ders auf­fäl­lig und dra­ma­tisch zugleich: mehr als fünf­mal so häu­fig neh­men die „Per­so­nen über der Armuts­gren­ze“ an Demon­stra­tio­nen teil als jene Men­schen, die ich bereits im Anfangs­teil als die „Inlands-Exi­lier­ten“ bezeich­net habe. Let­ze­res aber bedeutet: 

Aus­ge­rech­net jene Men­schen, die eigent­lich mehr als genü­gend Anlass hät­ten, gegen die Ver­hält­nis­se in der Bun­des­re­pu­blik zu demon­strie­ren, schei­nen im Gegen­satz zu den pri­vi­le­gier­te­ren Bun­des­bür­gern und Bun­des­bür­ge­rin­nen inzwi­schen völ­lig in Lethar­gie und Apa­thie ver­fal­len zu sein — ein Befund, der sich bestä­ti­gen wür­de, wenn man auch Wahl­be­tei­li­gungs­zif­fern in soge­nann­ten Pro­blem­zo­nen der Kom­mu­nen her­an­zie­hen würde:

Über­all dort, wo das Elend Ein­zug gehal­ten hat, blei­ben unse­re ver­elen­de­ten Mit­bür­ge­rin­nen und -bür­ger mit deut­lich­ster Signi­fi­kanz und Über­re­prä­sen­tanz den Wahl­ur­nen fern. Weil die Demo­kra­tie die­sen Men­schen den Rücken gekehrt hat, haben die­se Men­schen längst auch schon unse­rer Demo­kra­tie den Rücken gekehrt — so sie noch eine ist, die­se unse­re Demokratie.

Fazit

Was am Anfang schon betont wor­den ist — Ver­elen­de­te leben sub­jek­tiv wie objek­tiv eher in einem „inne­ren Aus­land“ —, das belegt auch aufs trau­rig­ste die­ses abschlie­ßen­de Zah­len­ma­te­ri­al. Das Rund-80-Mil­lio­nen-Volk der Bun­des­re­pu­blik hat mitt­ler­wei­le um acht Mil­lio­nen Men­schen — also rund zehn Pro­zent — in irgend­ei­nem gesell­schaft­li­chen Jen­seits ent­sorgt. Und lei­der: Vie­le die­ser betrof­fe­nen Men­schen ver­hal­ten sich inzwi­schen auch so.

Man kann an die­ser Stel­le nur ver­mu­ten, wie viel Resi­gna­ti­on und Hoff­nungs­lo­sig­keit, wie viel Ver­zweif­lung sogar und Depres­si­on hin­ter die­sen Zah­len steckt. Aber das ist — bis in sehr deut­lich erhöh­te Erkran­kungs­zah­len und in ein ver­früh­tes Ver­ster­ben hin­ein — ein noch viel schlim­me­res Kapi­tel. Dazu viel­leicht dem­nächst eini­ges mehr!

Heu­te jedoch ver­ges­sen wir vor allem das eine nicht:

Es war eine beju­bel­te SPD-Rede, die am Anfang die­ses gesam­ten Elends für Mil­lio­nen von Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik stand!

====================================== Zitat Ende ============================================

Die­ses Werk [von H. Platta] ist unter einer Crea­ti­ve Com­mons-Lizenz (Namens­nen­nung - Nicht kom­mer­zi­ell - Kei­ne Bear­bei­tun­gen 4.0 Inter­na­tio­nal) lizen­ziert. Unter Ein­hal­tung der Lizenz­be­din­gun­gen dür­fen Sie es ver­brei­ten und vervielfältigen.

bookmark_borderLove is ....
Liebe ist ....

A few days ago I read the fol­lo­wing lines as a com­ment on a video tit­led "If You Want To Know What It Takes To FIND and KEEP LOVE"

Love is all about [four things]:
1) Respecting;
2) communication;
3) understanding;
4) responsibility.

That's whe­re the com­ment ended (except for one more sen­tence, more or less vary­ing the abo­ve bul­let points) and I thought 'some­thing is still mis­sing!'. Later that day I added the fol­lo­wing two items
5) trust
6) altruism

May­be 7) relia­bi­li­ty should be added to wrap up the description.
Right, this is equal­ly important.
Still, may­be the ran­king, the order isn't per­fect, but complete.

Being clo­se to 80 I don't real­ly need to find this out by rea­ding a com­ment pro­bab­ly writ­ten by a per­son youn­ger than one quar­ter of the age I'm at. But it's always worth it to have an ear on the track to under­stand what youn­ger genera­ti­ons think .... sur­pri­sin­gly, this per­son mis­sed all the long term needs to main­tain a lasting love. Tho­se three trust, altru­ism and relia­bi­li­ty can't be pro­ven instant­ly, they have to slow­ly grow thro­uh time to be accep­ted and believed.

The cur­rent divor­ce rates sug­gest a dif­fe­rent set of personalities.
May­be it's actual­ly 'con­si­sten­cy' ins­tead of 'relia­bi­li­ty'? Or both?
The Times They Are A-Changin' ....

Vor ein paar Tagen habe ich die fol­gen­den Zei­len als Kom­men­tar zu einem Video mit dem Titel " Sie möch­ten wis­sen, was es braucht, um die Lie­be zu fin­den und zu hal­ten " gelesen.

Bei der Lie­be dreht sich alles um [vier Dinge]:
1) Respekt;
2) Kommunikation;
3) Verständnis;
4) Verantwortung.

Hier ende­te der Kom­men­tar (mit Aus­nah­me eines wei­te­ren Sat­zes, der mehr oder weni­ger die oben genann­ten Auf­zäh­lungs­punk­te vari­ier­te), und ich dach­te, 'etwas fehlt immer noch!'. Spä­ter an die­sem Tag füg­te ich die fol­gen­den zwei Ele­men­te hinzu
5) Vertrauen
6) Altru­is­mus (/ Selbstlosigkeit)

Viel­leicht soll­te 7) Zuver­läs­sig­keit hin­zu­ge­fügt wer­den, um die Beschrei­bung kom­plett zu machen.
Ja, rich­tig, das ist genau­so wichtig.
Trotz­dem, viel­leicht ist die Rang­li­ste der Auf­stel­lung nicht per­fekt, aber vollständig.

Da ich fast 80 bin, muss ich das nicht wirk­lich her­aus­fin­den indem ich einen Kom­men­tar lese, der wahr­schein­lich von einer Per­son stammt, die ein Vier­tel mei­nes Alters zählt. Aber es lohnt sich immer, ein Ohr auf der Schie­ne zu haben, um zu ver­ste­hen, was die jün­ge­ren Genera­tio­nen den­ken ... über­ra­schen­der­wei­se ver­gaß die­se Per­son was lang­fri­stig nötig ist um eine dau­er­haf­te Lie­be auf­recht­zu­er­hal­ten. Die­se drei Punk­te, Ver­trau­en, Altru­is­mus und Zuver­läs­sig­keit kön­nen nicht sofort nach­ge­wie­sen wer­den, sie müs­sen lang­sam durch die Zeit wach­sen, um akzep­tiert und geglaubt zu werden.

Die aktu­el­le Schei­dungs­ra­te sug­ge­riert eine ande­re Kon­stel­la­ti­on an Eigenschaften.
Mög­li­cher­wei­se ist es tat­säch­lich daher eher 'Bestän­dig­keit' und nicht 'Zuver­läs­sig­keit'? Oder Beides?
The Times They Are A-Changin' ....

bookmark_borderSollten wir den Wunsch nach
'umgehender' Belohnung befriedigen oder nicht?

Jah­re­lang haben Rat­ge­ber im Inter­net Blog­be­trei­bern emp­foh­len lan­ge, gut recher­chier­te Arti­kel, mit Sprach­witz und Anek­do­ten gespickt zu ver­öf­fent­li­chen, um Leser zu gewin­nen. Vie­le haben danach gehan­delt und nach Wochen, Mona­ten, man­che erst nach Jah­ren .... auf­ge­ge­ben. Was ist falsch gelau­fen - sie haben doch die Din­ge befolgt und Alles rich­tig gemacht?

Der Feh­ler war:
Wäh­rend all die­se Ana­ly­sen gepo­stet und eine Vor­ge­hens­wei­se emp­foh­len wur­de hat sich die Art der Nut­zung des Inter­nets gewan­delt. Nicht ins­ge­samt, son­dern in Seg­men­ten, und nach und nach, schlei­chend. Da waren und sind die Web­logs nur ein klei­ner Teil des­sen, was Zukunft haben wird. Weil es Men­schen gibt, die nicht nach den Vor­ga­ben des 'mainstream'-Erziehungsmodells erwach­sen wur­den. Deren Eltern nicht jede noch so klei­ne Lebens­äu­ße­rung des Kin­des mit "Toll, Pri­ma, Klas­se, hast du das gemacht!" beglei­tet, und so dem Kind ein völ­lig fal­sches Bild von sich und sei­nen Lei­stun­gen vor­ge­gau­kelt haben.

Kein 'instant reward' - und schon bricht für die Genera­ti­on, die um die Jahr­hu­dertwen­de groß wur­de, die Welt zusammen. 

Bei­spiel:
Eine *Influ­en­ce­rin* die nach einer Gra­tis-Über­nach­tung in einem hoch­klas­si­gen Hotel ver­langt und es damit begrün­det sie habe Tau­sen­de von *fol­lo­wern* - der Hote­lier hat ihr vor­ge­rech­net was ihr Auf­ent­halt ihn kostet, näm­lich ein mehr­fa­ches des­sen, was er bezahlt wenn er in einem Fach­blatt für Tagungs­an­ge­bo­te schal­tet - und daß ihr online-fol­lower-Trupp sich eine Über­nach­tung in sei­nem Hotel sowie­so nicht lei­sten kön­ne wes­we­gen eine Wer­bung für sein Haus durch sie nutz­los und eine kosten­lo­se Über­nach­tung daher raus­ge­wor­fe­nes Geld sei. Die belei­dig­te Leber­wurst hat ihm mit schlech­ter Publi­ci­ty gedroht - wor­auf er ankün­dig­te sie wegen übler Nach­re­de und Ver­leum­dung zu ver­kla­gen und zwar um einen hohen sechs­stel­li­gen Scha­den­er­satz­be­trag. Sie hat dann noch­mal mit dem Fuß auf­ge­stampft und böse Wor­te ins Inter­net gerufen ....

'instant reward' schief gelau­fen. Ein Bei­spiel von Vie­len in dem die­se jun­gen Leu­te sich über­schät­zen und Schiff­bruch erlei­den. Kei­ne Mama oder kein Papa da die es nun für sie rich­ten, die Beloh­nung aus dem Hut zau­bern und trö­sten­de Sät­ze parat haben war­um das die Schuld der bösen Welt ist und Prin­zeß­chen oder Prinz die Aller­be­sten auf der Welt sind. 

Immer kür­ze­re Inhal­te gewin­nen an un-kri­ti­scher Masse:
Tik­Tok, You­Tube Shorts, und so weiter.

Was soll man dem ent­ge­gen hal­ten, wie bleibt man aktu­ell und relevant?
Wie reagiert man auf die­se 'instant-reward-Not­wen­dig­keit'?

Bestimmt nicht indem man sie zur Ver­fü­gung stellt - und sich und sei­ne eige­ne Art zu schrei­ben auf­zu­ge­ben, sich zu ver­stel­len .... so lang­fri­stig sei­ne Seee­le zu ver­kau­fen und sich selbst auf den Mond zu schie­ßen. Sprich­wört­lich, na klar.

Trotz­dem kann es nicht scha­den ein­mal genau­er hin­zu­se­hen und zu ergrün­den war­um die­ser Trend da ist und wel­che Rich­tung das nimmt. Schließ­lich könn­te man ja etwas dar­aus ler­nen und für die eige­ne Ver­öf­fent­li­chungs­ar­beit mit­neh­men .... zu ler­nen scha­det nie und es ist kein Tabu selbst eine Metho­de zu nut­zen deren Erfolg andern­orts bereits greif­bar wur­de. Wenn es paßt!

Was also kommt in Frage?

Anreiz/Reizthema mit Zitat aus Vide­os, Tweets etc. als Aufhänger;
Fik­ti­ve Fra­gen beant­wor­ten - nur Sie wis­sen doch, daß Sie sich die Fra­gen aus­ge­dacht haben;
Ihre Mei­nung zu einem Trendthema;
Tipps und Ver­ein­fa­chun­gen: Begei­stern Sie Leser mit Vor­schlä­gen zur Ver­ein­fa­chung, Abkür­zung, preis­wer­te­rer Her­stel­lung von Klei­nig­kei­ten für Haus und Garten;
Ein Blick hin­ter die Kulis­sen, in den per­sön­li­chen Bereich.
Kurz:
Expe­ri­men­tie­ren statt Aus­ge­klü­gel­tes und gerad­li­nig anstatt um-die-Ecke zu denken.


Sofor­ti­ge Befrie­di­gung, 'instant reward', rui­niert unser Leben. Ver­wei­gern wir es gleich zu tun. Hin­ge­gen aller­dings den Nut­zen dar­aus mit­zu­neh­men. Erfolg­rei­che Metho­den zu über­neh­men, und, adäquat zuge­schnit­ten, selbst ver­wen­den wo es pas­send erscheint.

 

Ein Video mit Simon Sinek [Link unten] ist außer­or­dent­lich erhel­lend - ins­be­son­de­re für älte­re Men­schen um bes­ser zu ver­ste­hen wie die Jugend 'tickt'....

Eini­ge Höhe­punk­te aus dem Videoinhalt:

Mill­en­ni­als sind mit geschei­ter­ten Erzie­hungs­stra­te­gien aufgewachsen;
Ihnen wur­de gesagt, daß sie etwas Beson­de­res seien;
Ihnen wur­de gesagt, daß sie im Leben alles haben kön­nen - nur weil sie es wollen;
Wenn sie in der rea­len Welt sind fin­den sie her­aus, daß sie nichts Beson­de­res sind;
Daß man nichts bekommt, wenn man als Letz­ter kommt;
Daß man nicht nur des­we­gen 'haben' kann, nur weil man etwas will;
Im Hand­um­dre­hen ist das gesam­te Selbst­bild einer Genera­ti­on erschüttert.

Wir erle­ben eine gan­ze Genera­ti­on, die mit einem gerin­ge­ren Selbst­wert­ge­fühl aufwuchs/aufwächst als frü­he­re Generationen.

"This Is Why You Don't Suc­ce­ed - Simon Sinek on The Mill­en­ni­al Genera­ti­on" [Das ist der Grund, war­um Sie nicht erfolg­reich sind – Simon Sinek über die Mill­en­ni­al Generation].

bookmark_borderMaskenpflicht etc. ....

Zitat [aus "Zusam­men gegen Coro­na"; Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Gesundheit]


".. Die Imp­fung bie­tet nicht nur einen sehr guten indi­vi­du­el­len Schutz vor der Erkran­kung, son­dern schützt auch ande­re: Das Robert Koch-Insti­tut (RKI) geht nach neue­sten Erkennt­nis­sen davon aus, dass das Risi­ko, das Coro­na­vi­rus zu über­tra­gen, bei voll­stän­dig Geimpf­ten ab dem 15. Tag nach der letz­ten Impf­do­sis gerin­ger ist als bei frisch nega­tiv Gete­ste­ten. Mehr dazu erfah­ren Sie hier.
Wie bei jeder Imp­fung kön­nen auch nach einer COVID-19-Imp­fung Impf­re­ak­tio­nen auf­tre­ten. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen dazu fin­den Sie hier und hier. Der Nut­zen einer Imp­fung über­wiegt jedoch bei wei­tem die Risi­ken .."
 

Da ist aus mei­nem Ver­ständ­nis kein Zwei­fel an der Tat­sa­che einer Schutz­wir­kung gegen das Virus plus, und das scheint mir beson­ders deut­lich dar­ge­stellt und her­vor­zu­he­ben, ein Schutz davor selbst als Über­trä­ger in Fra­ge zu kom­men. Min­de­stens aber sehr viel weni­ger wahr­schein­lich Covid 19 zu ver­brei­ten als ohne Impfung.

Den­noch spre­chen sich über­wie­gen­de Tei­le - beson­ders der älte­ren Bevöl­ke­rung - dafür aus bald­mög­lichst wie­der zu einem Mas­kenzwang über­zu­ge­hen. Haben die­se Men­schen nicht auf­ge­passt als es wie­der und wie­der in den Medi­en erklärt wur­de wie­so bei aus­rei­chen­der Impf­quo­te eine Mas­ken­pflicht nicht mehr zu noch bes­se­rem Schutz vor Infek­ti­on füh­ren kann?

Wäre es nicht die Auf­ga­be der ARD anstatt ledig­lich Erhe­bun­gen dar­zu­stel­len die­se Nutz­lo­sig­keit wei­te­ren Mas­ken­ge­bo­tes bes­ser zu erklä­ren, damit sie von jenen Bevöl­ke­rungs­tei­len ver­stan­den wird die nun immer noch Mas­ken als Ver­pflich­tung haben wollen?

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