[Aus der Serie "Opa erzählt vom Krieg"; kann Sar­kas­mus ent­hal­ten]

Wie weit­hin im Lan­de bekannt sind die Geld­in­sti­tu­te jed­we­der Art Orte des Altru­is­mus, wah­re Men­schen­freun­de und selbst­lo­se Hüter von Sicher­heit des Geld­flus­ses im In- und Aus­land. Nun bie­ten sie ihren Kun­den - völ­lig unei­gen­nüt­zig und ohne jeden Hin­ter­ge­dan­ken, ver­steht sich - an, für die­se die Steu­er­erklä­rung zu machen.
In ähn­li­cher Wei­se selbst­los und kun­den­freund­lich küm­mert sich die SCHUFA, ein Pri­vat­un­ter­neh­men ohne gesetz­li­chen oder öffent­li­chen Auf­trag, dar­um, Men­schen mit Aus­ge­wo­gen­heit und unter Beach­tung des Daten­schut­zes zu *ran­ken*, das bedeu­tet:

In ver­gleich­ba­re Boni­täts­stu­fen ein­zu­ord­nen damit sie die besten Kre­dit­kon­di­tio­nen bekom­men kön­nen die irgend­wo im Lan­de ange­bo­ten wer­den ....

Und stel­len Sie sich nur fol­gen­de beson­de­re Wohl­tat vor:
Die SCHUFA¹ ver­zich­tet seit einem Gerichts­ur­teil dar­auf das Wohn­um­feld in den errech­ne­ten *score* ein­zu­bin­den .... doch man bedau­ert dort sehr, dass es noch kein für die Ver­brau­cher posi­ti­ves Urteil gibt, dass der SCHUFA unter­sagt häu­fi­ge Umzü­ge als Nega­tiv­merk­mal zu nut­zen. Man hat dort wohl etwas gegen fle­xi­ble Arbeit­neh­mer, die ihre Chan­cen im Arbeits­markt wahr­neh­men und des­we­gen häu­fi­ger ihr Domi­zil wech­seln. Häu­fi­ger jeden­falls als der durch­schnitt­li­che Kom­mu­nal­be­am­te, der 45 Jah­re im glei­chen Häus­chen am Orte sei­nes Ver­wal­tungs­ar­beit­ge­bers wohnt. Das hie­ße ja auch zu viel des Guten von einem Pri­vat­un­ter­neh­men zu ver­lan­gen.

Wir schau­en nun auf die Betei­li­gun­gen an der SCHUFA² und stel­len fest, es sind bekann­te Wohl­tä­ter dar­un­ter, ach, sie­he da, die Spar­kas­sen! Und wer hät­te das gedacht, wenn wir wei­ter unten den Begriff "Genos­sen­schafts­ban­ken" sehen, eine ver­schlei­er­te Beschrei­bung für die Volks- und Raiff­ei­sen­ban­ken. Wenn man noch genau­er hin­sieht kom­men noch Ver­si­che­run­gen zum Vor­schein, die eben­falls nicht unter ihrer bekann­ten Bezeich­nung auf­tre­ten, son­dern sich in den ande­ren Betei­lig­ten ver­stecken.

Da sind sie nun alle ver­sam­melt, die "den Kun­den / den Men­schen im Mit­tel­punkt" haben, wie sie stets beto­nen.
Doch wehe dem Kun­den, der ein­mal durch eine Nach­läs­sig­keit oder einen Feh­ler in die Mühl­stei­ne des *sco­ring* gerät und dann Jah­re braucht, um sich wie­der davon zu erho­len .... und genau denen, die die­ses System auf­ge­baut haben um mög­lichst ihre Kun­den *glä­sern* zu machen³, sol­len die­se Kun­den nun ihre Steu­er­erklä­rung einer­seits und ihre Kon­to­aus­zü­ge ande­rer­seits über­las­sen und Ein­sicht in ihre Kon­to­aus­zü­ge gewäh­ren.


Als ich in 1989 mit einem Com­pu­ter­spe­zia­li­sten sprach und ihn frag­te, ob denn irgend­wie gesi­chert sei, dass mei­ne Daten von Kun­den, für die ich zu die­ser Zeit arbei­te­te, wirk­lich sicher sei­en, ant­wor­te­te er:
"Solan­ge man nicht die vie­len Daten­sät­ze zusam­men­füh­ren und den ein­zel­nen Kon­ten zuord­nen kann ist da kei­ne Gefahr ... aber wenn es erst ein­mal mög­lich wird das zu tun ist es mit der Sicher­heit vor­bei!"

 

 
¹

Ange­sichts der Bestre­bun­gen des Unter­neh­mens, sich neue Geschäfts­fel­der im Bereich Woh­nungs­wirt­schaft, Ver­si­che­rungs­wirt­schaft und Inkas­so­un­ter­neh­men zu erschlie­ßen, warn­ten der Bun­des­be­auf­trag­te für den Daten­schutz und eini­ge Lan­des­be­auf­trag­te für den Daten­schutz in einer gemein­sa­men Pres­se­er­klä­rung (15. Mai 2003) vor einer Ent­wick­lung der SCHUFA zu einer pri­vat­wirt­schaft­lich orga­ni­sier­ten Zen­tral­da­tei. Laut Pres­se­er­klä­rung führt jede wei­te­re Daten­quel­le „zu einem detail­lier­te­ren Per­sön­lich­keits­pro­fil des betrof­fe­nen Men­schen.“ Der glä­ser­ne Bür­ger wür­de damit Rea­li­tät.

 
²

  • 34,7 % Kre­dit­ban­ken
  • 26,4 % Spar­kas­sen
  • 17,9 % Pri­vat­ban­ken
  • 07,9 % Genos­sen­schafts­ban­ken
  • 13,1 % Han­del und Ande­re

 
³

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Sie­he auch → Schö­ne neue Welt: Kre­di­te .... (16.12.2006)