.... und doch fin­de ich mich wie­der dabei genau das zu tun. Las­sen Sie mich mit einem Zitat begin­nen:

.. Die Bericht­erstat­tung ver­stärkt all­zu­oft Panik und Angst, was im Fal­le des Atten­tats von Mün­chen beson­ders deut­lich wur­de. Und sie ver­mit­telt auch jetzt den Ein­druck, als sei es gera­de beson­ders unsi­cher in Deutsch­land zu leben. Obwohl das Gegen­teil der Fall ist. .. Die­se Äng­ste der Men­schen ste­hen in einem gera­de­zu absur­den Miss­ver­hält­nis zu den tat­säch­li­chen Risi­ken für den Ein­zel­nen.
Obwohl es also kei­ne Zeit in der Geschich­te gab, in der man so sicher in Mit­tel­eu­ro­pa leben konn­te wie jetzt, neh­men die Äng­ste der Men­schen immer stär­ker zu. Man fühlt sich bedroht von Ter­ro­ris­mus, Amok­läu­fern und Flücht­lin­gen, die angeb­lich so vie­le Straf­ta­ten bege­hen ..

[Quel­le]

Was mich in mei­nem eige­nen Umfeld trau­rig stimmt ist die Unfä­hig­keit Wahr­heit und Lüge aus­ein­an­der zu hal­ten. Ver­nunft wal­ten zu las­sen und sich von Fak­ten, Plau­si­bi­li­tät, nicht Gerüch­ten, lei­ten zu las­sen bevor eine Mei­nung gebil­det wird. Genau die­se Angst und Ver­un­si­che­rung von denen Stad­ler spricht erle­be ich in den Gesprä­chen der letz­ten Tage und Wochen. Es wird geglaubt was an Gerüch­ten bei face­book, hier stell­ver­tre­tend für die soge­nann­ten "sozia­len" Medi­en genannt, oder in irgend­wel­chen dritt­klas­si­gen Anzei­gen­blätt­chen steht, die Alles abschrei­ben was Zei­len füllt - weil sooo vie­le Men­schen ja nicht lügen kön­nen, ganz im Gegen­teil zur Lügen­pres­se, wo Weni­ge, angeb­lich gesteu­ert, die Unwahr­heit ver­brei­ten.

Nun ist die Pres­se ins­ge­samt selbst Schuld an die­sem Ver­dacht, hat es doch zu vie­le Bei­spie­le gera­de im letz­ten Jahr­zehnt gege­ben, bei denen der stau­nen­den Öffent­lich­keit etwas ver­mit­telt wur­de was sich spä­ter als Ente her­aus­ge­stellt hat. Grund­säz­lich jedoch gibt es bei uns kei­nen Zwei­fel an dem Wahr­heits­wil­len der Medi­en - ledig­lich die Qua­li­tät der Ver­fol­gung die­ses heh­ren Zie­les läßt manch­mal zu wün­schen übrig.

Es wird mir bei­spiels­wei­se immer vor­ge­hal­ten wir leb­ten hier, in einer nord­west­fä­li­schen Klein­stadt, auf einer "Insel der Seli­gen" was Kri­mi­na­li­tät ins­ge­samt, im Ver­gleich zu Gewalt­ver­bre­chen und Eigen­tums­de­lik­ten in ghet­to­ähn­li­chen Berei­chen der Groß­städ­te, oder Über­grif­fe bzw. Straf­ta­ten von Aus­län­dern andern­orts, angeht.

Was die­se 'Über­zeug­ten' - durch Fäl­le in ihrer Umge­bung alar­miert und schockiert - völ­lig ver­ges­sen ist, dass Sta­ti­stik nicht nach ein­zel­nen Berei­chen fragt, son­dern ein Gesamt­bild, einen Über­blick zeich­net. Da mag es einen oder meh­re­re Schwer­punk­te an Kri­mi­na­li­tät irgend­wo im Lan­de geben. Das ändert den­noch nichts an der sta­ti­sti­schen Aus­sa­ge es gäbe weni­ger Kri­mi­na­li­tät in Deutsch­land als vor zehn Jah­ren:
Zwar kann punk­tu­ell die Kri­mi­na­li­tät hoch sein, in der Brei­te muß dem aus mathe­ma­ti­schen Grün­den ein Rück­gang ent­ge­gen ste­hen!

Dazu bedarf es aller­dings zwei­er­lei Fer­tig­kei­ten:
Erstens muß man ein wenig Mathe­ma­tik ver­ste­hen, und zwei­tens muß man zur Abstrak­ti­on in der Lage sein, d.h. sich von der punk­tu­el­len Betrach­tung lösen und eine gene­rel­le Sicht ein­neh­men.

Die Über­le­gung war­um die Dar­stel­lung des Herrn Stad­ler den­noch stimmt ist ein­fach. Zwei Drit­tel der Bevöl­ke­rung glau­ben lie­ber eine beque­me Lüge als eine unbe­que­me Wahr­heit. Das ent­spricht in etwa dem Anteil der Men­schen die irra­tio­nal, aus dem Bauch her­aus, 'den­ken'(?) und han­deln.

Ohne Selbst­mit­leid sit­ze ich dann und grüb­le über Don Qui­xo­te [Don Qui­jo­te] und Micha­el Kohl­haas, um schließ­lich bei Götz v. Ber­li­chin­gen zu lan­den ....

Aktua­li­sier­te Neu­fas­sung; Erst­ver­öf­fent­li­chung: 31. Jul 2016 um 4:37h