29.01.2004 / "Bemerkungen über Innovation"

[Von Latei­nisch: innovatio]

Vor weni­gen Tagen hat­te "PANORAMA", bis­sig und kri­tisch wie immer, einen Zusam­men­schnitt aus vie­len Jahr­zehn­ten Poli­ti­ker­re­den. Immer wie­der tauch­te das Wort "Inno­va­ti­on" auf, ´mal freund­lich säu­selnd, ´mal dro­hend-unheils­schwer. Was auch immer ver­spro­chen wur­de ist - bis heu­te - nicht wahr gemacht worden.

Wun­dert uns das? Nein, denn auf dem lan­gen Weg nach oben, in ein poli­ti­sches Amt oder zu einem Man­dat, schlei­fen sich die Ecken und Kan­ten, Wider­spruchs­geist und Begei­ste­rung für eine Sache so weit ab, daß nur noch Mit­tel­maß übrig bleibt. Mit­tel­mä­ßi­ge Poli­ti­ker wer­den auch nur mit­tel­mä­ßi­ge Poli­tik machen, sie wer­den mit­tel­mä­ßi­ges Per­so­nal haben, das ihnen zuar­bei­tet .... und so ver­brei­tet sich in Deutsch­land seit vie­len Jah­ren ....? Mittelmaß!

Was aber bedeu­tet "Inno­va­ti­on", von der immer wie­der ver­spro­chen wird, sie wer­de kommen?

Las­sen Sie mich zunächst selbst definieren:
"Inno­va­ti­on ist, wenn Poli­ti­ker nichts Kon­kre­tes anzu­bie­ten haben". Stimmt nicht? Dann viel­leicht besser:

"Inno­va­ti­on oder Erneue­rung bzw. Ver­än­de­rung im tech­ni­schen, sozia­len oder wirt­schaft­li­chen Bereich ist eine neue, fort­schritt­li­che Lösung eines bestimm­ten Pro­blems, zu unter­schei­den in Pro­dukt­in­no­va­tio­nen und Pro­zess- bzw. Ver­fah­rens­in­no-vatio­nen, z. B. Neue­run­gen in der Pro­duk­ti­on oder im Ver­trieb, orga­ni­sa­to­ri­sche Ver­än­de­run­gen bei admi­ni­stra­ti­ven Abläu-fen" [Quel­le 1].

Das gefällt Ihnen immer noch nicht? Hier folgt eine wei­te­re Definition:
"Inno­va­ti­on ist eine erfolg­rei­che Über­füh­rung von Ent­deckun­gen in Ver­kaufs­er­fol­ge. Die­ser Sach­ver­halt gilt für jede Inno­va­ti­ons­stra­te­gie (kumu­la­ti­ve Inno­va­ti­on = kon­ti­nu­ier­li­che Wis­sens- und Inno­va­ti­ons­ent­wick­lung; radi­ka­le Inno­va­ti­on = Kom­bi­na­ti­on von Spit­zen­tech­no­lo­gien und Dienst­lei­stun­gen)" [Quel­le 2].

Wie man sieht, gibt es kei­ne "all­ge­mein­gül­ti­ge" Defi­ni­ti­on für die­sen Begriff! Damit ist er gera­de­zu geschaf­fen für Poli­ti­ker, denn alles, was sie brau­chen sind sol­che Wort­hül­sen, die alles oder nichts bedeu­ten kön­nen - hier ist dann kei­ne Mög­lich­keit, ohne lang­wie­ri­ge Erör­te­run­gen die Aus­sa­gen, die gemacht wur­den als lee­re Phra­sen zu entlarven.

Also:Je schwam­mi­ger, desto besser!
Hier­zu ist das Wort "Inno­va­ti­on" bestens geeignet.

Manch­mal wäre es mir lie­ber, die zukünf­ti­gen Schrit­te unse­rer Regie­rung wür­den in plat­tem Deutsch, ohne Fremd­wor­te, erklärt. Und bei man­chem Regie­rungs­mit­glied habe ich die Ver­mu­tung, der Reden­schrei­ber wuß­te zwar, was das benutz­te Wort bedeu­tet - was aber auf den Red­ner kei­ne Schlüs­se zuläßt ....

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