bookmark_borderWochenendprojekt

Der Dach­bo­den über der Gara­ge ist kein sehr attrak­ti­ver Ort - nichts­de­sto­we­ni­ger nütz­lich für aller­lei ganz lan­ge Gegen­stän­de, die irgend­wo ver­staut wer­den müs­sen. Aller­dings so, daß sie nicht den Platz weg­neh­men den ande­re Sachen haben müs­sen, da man sie häu­fi­ger braucht.
So habe ich Frei­tag und Sonn­abend *schrei­nernd* verbracht.

Die alte Tür war so morsch, daß sie in Stücke zer­brach als ich sie aus den Zap­fen hob! 
Nun habe ich eine neue Tür gebaut, das Holz dazu lager­te auf eben dem Dach­bo­den. Drei Pake­te Ver­tä­fe­lungs­holz von OSMO aus dem Jahr 1998 zu je 1,2 m², noch ori­gi­nal­ver­packt, wovon ich ein Paket brauch­te. Den Rah­men, 108 x 87 cm, habe ich aus Bret­tern 2×9 cm gefer­tigt. Die Ver­stär­kun­gen auf der Rück­sei­te da, wo die Tür­bän­der befe­stigt wer­den muß­ten, sind aus den glei­chen Bret­tern gefer­tigt. Schrau­ben, Mut­tern, Unter­leg­schei­ben (Abb.) habe ich bei Obi zusam­men­ge­sucht*. Die alten Tür­bän­der waren zwar teil­wei­se rostig, aber anson­sten noch zu gebrau­chen, glei­ches gilt für den Über­wurf­he­bel links, der, über einen Haken gewor­fen, die Tür geschlos­sen hält.
Eine Dose wei­ße Sprüh­far­be steht schon bereit. Die kam nicht zum Ein­satz da hier Regen ange­sagt war und ich die­se Luke dann ver­schlos­sen haben woll­te. Regen kam kurz & kräf­tig am Spät­nach­mit­tag, etwa eine hal­be Stun­de nach­dem die Tür instal­liert war.

* Gibt es eigent­lich nir­gend­wo mehr fer­ti­ge Packun­gen mit 20 oder 30 Klein­ei­sen­tei­len? Ich fand nur 100er Packungen. 

Übri­gens:
Wie hin­läng­lich bekannt hat man zwar eine voll­stän­di­ge Aus­stat­tung mit Werk­zeug - gleich­wohl fehlt IMMER eines, das für das Pro­jekt gebraucht wird. Ich hät­te schwö­ren kön­nen einen 13er Maul­schlüs­sel zu besit­zen. Nur war er nir­gends auf­zu­fin­den und ich muß­te einen Ersatz kau­fen - wahr­schein­lich wer­de ich den alten Schlüs­sel irgend­wann an einem Ort fin­den an den ich dies­mal nicht gedacht habe.

Wie war denn Ihr Wochenende?

bookmark_borderIch könnte mir auf die Schulter klopfen ....

Eine mei­ner Ange­wohn­hei­ten ist es immer wie­der ein­mal mei­ne 'alten' Blog­ar­ti­kel aus den 'frü­hen' Blog­ger­jah­ren anzu­se­hen. Ein­mal um zu prü­fen ob die Links noch funk­tio­nie­ren - was bedau­er­li­cher­wei­se durch meh­re­re Über­tra­gun­gen von ver­schie­de­nen Platt­for­men und Hostern nicht immer funk­tio­niert hat - und zwei­tens um fest­zu­stel­len, ob ich mit mei­ner Ein­schät­zung bestimm­ter Ereig­nis­se rich­tig gele­gen habe oder nicht.
Schau­en Sie doch ein­mal selbst nach wie die Quo­te "Falsch:Richtig" steht bzw. ob wir immer noch vor den glei­chen Pro­ble­men ste­hen wie Jah­re zuvor .... wenn Sie dabei auf 'gebro­che­ne Links' oder feh­len­de Bil­der sto­ßen bin ich für einen Hin­weis in den Kom­men­ta­ren dankbar.

- 20.10.2008 Und wie hal­ten wir es in Zukunft mit der Energie?
- 10.01.2009 Von einem "Hosen­kauf" ....
- 03.02.2009 Eine erstaun­li­che Naïvität ....
- 19.07.2009 Kaf­fee
- 16.09.2014 Hirn­wä­sche im Altenheim?
- 07.10.2014 Auch das Ein­fa­che kann ange­bracht sein
- 20.02.2015 Washing­ton pre­pa­ring to wage war on Russia
- 10.04.2017 Schein­hei­lig­kei­t³
- 31.10.2017 Im Jah­re 2017 ....
- 01.12.2017 Wie schon bei Hartz IV ....
- 11.10.2019 Mich reizt dei­ne schö­ne Gestalt ... *update*[17.10.2019]

(M)Eine klei­ne Aus­wahl aus > knapp 11.000 seit 2004.
Blät­tern Sie 'mal durch die hier nicht ange­führ­ten Arti­kel wenn Sie etwas Zeit haben.
Es sind wirk­li­che Per­len und zutref­fen­de Annah­men darunter.

bookmark_borderHausbau (Haus, XXVII)
Ein Revisions-Schacht macht Ärger…!

Seit Anfang Juni lager­te der Zaun in der Gara­ge. Eine böse Über­ra­schung gab es, als am 01. August die Lage der Pfo­sten fest­ge­legt wur­den. Der 2. Pfo­sten neben der Ein­fahrt links hät­te genau da hin gemußt, wo der Revi­si­ons­schacht in Rich­tung Stra­ße läuft!
Was tun? Ein Pfo­sten, 80 cm tief in der Erde, konn­te da nicht hin.

Glück­li­cher­wei­se war mit­ten im Zaun ein schma­les Ele­ment von nur 110 cm Brei­te (gegen­über der Nor­mal­brei­te von 180 cm) mit dem 'richi­gen' Ober­schwung geplant gewe­sen, das rück­te nun an die erste Stel­le. Dadurch fehl­te nun aller­dings am Ende des Zau­nes ein Stück von ca. 70 cm.
Die Lösung war folgendermaßen:
- Auf der rech­ten Sei­te der Ein­fahrt kam ein Feld mit Ober­schwung von 180 cm anstatt eines klei­nen Ele­men­tes von 110 cm hin.
- Links steht nun zuerst das klei­ne Feld mit Ober­schwung von 110 cm;
- dane­ben folgen:
- 1 Feld Unter­schwung 180
- 1 Feld Ober­schwung 180
- 1 Feld Unter­schwung 180 und
- 1 Feld Ober­schwung 180
- jetzt wur­de hier­für als letz­tes Ele­ment 1 Feld 110 cm mit Unter­schwung nachbestellt. 

Dadurch ist wie­der die Sym­me­trie und die Rei­hung Ober­schwung / Unter­schwung erreicht. Da links eine alte Eibe steht konn­ten die letz­ten feh­len­den 40 cm durch Kür­zung der Sei­ten­äste gewon­nen werden. 

 
   
 
 
Lin­kes Bild: Erster Abschnitt; 01.08.2022
Rech­tes Bild: Zwei­ter Abschnitt; 03.08.2022

Das feh­len­de Stück Zaun (ganz links, 110cm) kommt in 4 bis 6 Wochen. Es wird das teu­er­ste Stück wer­den, denn die Spe­di­ti­ons­ko­sten sind fast so hoch wie das, was das Zaun­stück selbst kostet. 

bookmark_borderMedikamentenflut im Altenheim?
*update* [03.08.2022; 10:15h]

Wenn Sie, lie­be Lesen­de, in einem Arti­kel drei Stich­wor­te fin­den die ich gleich wei­ter unten hin­schrei­ben wer­de ist äußer­ste Vor­sicht geboten.
Warum?
Weil es sich nicht um objek­tiv nach­voll­zieh­ba­re / nach­prüf­ba­re Infor­ma­tio­nen han­delt, son­dern um Indok­tri­na­ti­on. Sie sol­len etwas Bestimm­tes den­ken, und nur das, nichts etwa asso­zi­ie­ren oder gar nach Fak­ten fragen.

Die drei Wor­te lauten:
- Todes­fäl­le (Schlag­an­fäl­le, Herzrhythmusstörungen)
- Psy­cho­phar­ma­ka (Anti­de­pres­si­va)
- Alter­na­ti­ven (zu Medikamenten)

Es ist das Muster der Quack­sal­ber, das dahin­ter steht und immer mit wech­seln­den Begrif­fen vari­iert wird. Zunächst wer­den die posi­ti­ven Wir­kun­gen von defi­nier­ten Phar­ma­ka unter­schla­gen, die nega­ti­ven Wir­kun­gen aus­führ­lich dar­ge­stellt. Dann wer­den all­ge­mei­ne Infor­ma­tio­nen - die meist kei­nen oder nur mar­gi­na­len Bezug zu der bespro­che­nen Indi­ka­ti­on haben - aus­ge­brei­tet. Zuletzt wer­den die 'natür­li­chen', 'alter­na­ti­ven' und 'sanf­ten' Metho­den der so-genann­ten "Alter­na­tiv­me­di­zin", die in Wahr­heit kei­ne Medi­zin son­dern Dilet­tan­tis­mus mit hoch­tra­ben­den Bezeich­nun­gen sind, ange­prie­sen und es kom­men Bei­spie­le die besten­falls anek­do­tisch sind, also Ein­zel­fäl­le ohne wis­sen­schaft­li­che Prü­fung beschrei­ben und dar­aus eine Ver­all­ge­mei­ne­rung herleiten.

Was hal­ten Sie, lie­be Lesen­de, von Qui­Gong, Klang­scha­len The­ra­pie, und äthe­ri­schen Ölen?
Möch­ten Sie mit sol­chen 'The­ra­pien' behan­delt wer­den wenn Sie ein­mal in einem Alten­heim lan­den sollten?
Was da ange­bo­ten wird ist Hokus­po­kus: Eine schwe­re psy­chi­sche Stö­rung wie eine Depres­si­on läßt sich nicht mit Klän­gen oder Düf­ten behandeln!

PS:
Nach der Pres­se­mel­dung (als update unten ein­ge­fügt) müß­te noch ein vier­ter Begriff dazu kom­men "Baden-Würt­tem­berg".

[Bezug & Quel­le des Bild-Zita­tes → News­let­ter G&G v. 29.07.2022]
Psy­cho­phar­ma­ka: Trotz Demenz zurück ins Leben

*update*
Kein Wun­der → Lucha kri­ti­siert Abkehr von Homöo­pa­thie, daß aus­ge­rech­net die­ser Mini­ster eine sol­che Mei­nung ver­tritt. Ist doch sein Bun­des­land das, in dem die mei­sten Homöpa­thie-Pro­duk­te-Her­stel­ler ansäs­sig sind. Geld regiert da wohl eher als Verstand! 

bookmark_borderWhat Denmark gets right while we don't ....

Den­mark gets some­thing right that's ter­ri­b­ly wrong in Ger­ma­ny - that's why poten­ti­al bene­fi­cia­ries choo­se Ger­ma­ny befo­re any of the other EU nations.

- Immi­grants who are not Danish citi­zens are banis­hed from Den­mark if they com­mit vio­lent cri­mes.

- The sta­te does not sup­port fami­lies eco­no­mic­al­ly for having more than the country’s average amount of child­ren. This pre­vents for­eig­ners from com­ing to Den­mark who have .. a lot of child­ren and live off the state’s child sup­port system. 

- The coun­try also denies resi­dent per­mits to for­eig­ners who are mar­ry­ing their cou­sin¹ in Den­mark .. "

- To coun­ter "ghet­toiz­a­ti­on" mea­su­res are taken to (if nee­ded: force­ful­ly) inte­gra­te for­eig­ners → https://www.youtube.com/watch?v=qjtgch82ub0

On the con­tra­ry to the needs of immi­grants the EU citi­zens moving into other EU coun­tries (rese­arch is spe­ci­fic for Den­mark) con­tri­bu­te to the wel­fa­re costs grea­ter than par­ti­ci­pa­ting from it.

¹ OH, and by the way:
If you want to know how an *offi­cial­ly endor­sed site* views & exp­lains mar­ria­ge among rela­ti­ves (i.e. first cou­sins) you need to read this arti­cle

bookmark_border"Das Verelendungsgesetz"
Gelesen - und hier weiter verbreitet ....


Das Ver­elen­dungs­ge­setz
Vor knapp 20 Jah­ren ver­kün­de­te Ger­hard Schrö­der unter „Stan­ding Ova­tions“ der SPD den Anfang vom Ende unse­res sozia­len Rechtsstaates.
von Hold­ger Platta
 

 
".. Es war eine beju­bel­te SPD-Rede, die am Anfang die­ses gesam­ten Elends für Mil­lio­nen von Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik stand! .." so endet Platta sei­nen außer­or­dent­lich fun­dier­ten und lesens­wer­ten Arti­kel zum The­ma 'Unzu­mut­ba­re Lebens­um­stän­de und Ver­elen­dung der Hartz-IV-Betrof­fe­nen', den ich des­we­gen hier emp­feh­le. Der der­zei­tig zustän­di­ge Mini­ster Heil unter­nimmt gera­de den Ver­such das Unrecht, das sei­ne Par­tei unter dem unse­li­gen Herrn Schrö­der ver­ur­sach­te und das die nach­fol­gen­den CDU/CSU Regie­run­gen noch ver­schlim­mert haben, wie­der so zu ver­än­dern, daß es gerech­ter und sozia­ler wird.
Ich hof­fe sehr, es wird ihm gelin­gen ohne daß die Schwar­zen ihre Posi­ti­on im Bun­des­rat dazu nut­zen die­se Bes­se­rung der Lebens­um­stän­de für 10 Mil­lio­nen Men­schen zu verweigern.

====================================== Zitat Anfang ============================================

Fast 20 Jah­re ist es her — 2003 war das —, da ver­kün­de­te Bun­des­kanz­ler Ger­hard Schrö­der im Deut­schen Bun­des­tag das Ende unse­res sozia­len Rechts­staa­tes. Die SPD-Abge­ord­ne­ten beju­bel­ten sei­ne Rede. Was es mit dem zynisch-men­schen­ver­ach­ten­den Geschwa­fel des Sozi­al­de­mo­kra­ten Schrö­der auf sich hat­te — „Wir wer­den Lei­stun­gen des Staa­tes kür­zen, Eigen­ver­ant­wor­tung för­dern und mehr Eigen­lei­stung von jedem Ein­zel­nen for­dern“ —, wird im fol­gen­den Bei­trag bis in die Gegen­wart hin­ein analysiert.

Manch­mal lohnt es sich, ein­zel­nen Begrif­fen nach­zu­ge­hen. Der Begriff „Elend“ bezie­hungs­wei­se sein Begleit­wort „Ver­elen­dung“ gehö­ren dazu. Genaue­re Ana­ly­se die­ser Voka­bel — mit Blick auf deren Geschich­te wie mit Blick auf die Gegen­wart heu­te — zeigt: Noch sel­ten dürf­te ein Begriff so prä­zi­se die heu­ti­gen Lebens­ver­hält­nis­se von Mil­lio­nen Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik „auf den Begriff“ gebracht haben wie die­se Bezeich­nung Elend. Doch konkret:

Elend, das im heu­ti­gen Ver­ständ­nis ein äußer­ster Begriff für extre­me sozia­le und öko­no­mi­sche Not­la­ge ist — man lese in den ein­schlä­gi­gen Wör­ter­bü­chern nach! —, der Begriff für eine Lebens­si­tua­ti­on also, die weit unter­halb der „Armut“ ange­sie­delt ist, die­ses Wort Elend bedeu­te­te sei­nem sprach­ge­schicht­li­chen Ursprungs­sinn nach „im Aus­land, in der Frem­de sein“. Es geht zurück auf das alt­hoch­deut­sche Wort­ge­spann „eli len­ti“, was so viel hieß wie: „im frem­den Land“ leben zu müs­sen, „aus dem Frie­den der ange­bo­re­nen Rechts­ge­nos­sen­schaft aus­ge­schlos­sen, ver­bannt“ zu sein, hier zitiert nach der Kluge-Etymologie.

Doch auch bezo­gen auf die heu­ti­ge Bedeu­tung stellt Elend so etwas wie ein Nicht­zu­haus­e­sein in der Frem­de dar. Denn mit dem Elend heu­te hat die Regie­rungs­po­li­tik von Schrö­der und sei­nen Nach­fol­gern, der Kanz­le­rin Ange­la Mer­kel sowie der jet­zi­gen Ampel­ko­ali­ti­on, in sozia­ler und öko­no­mi­scher Hin­sicht eben­falls so etwas wie „Aus­land“ für die Betrof­fe­nen geschaf­fen, ein „Aus­land näm­lich zuhau­se“, ein Aus­land im eige­nen Land.
Hartz IV: das ist nahe­zu kom­plet­ter Ausschluss

Die Mit­men­schen in der Bun­des­re­pu­blik, die heu­te im Elend leben, leben tat­säch­lich wie in einer inner­staat­li­chen Frem­de. Sie tei­len noch die Spra­che mit uns und den Wohn­ort. Aber das ist auch schon alles, was die­se Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger mit uns ver­bin­det. „Sozia­le Teil­ha­be“ — eine Zen­tral­ka­te­go­rie des Begriffs „Exi­stenz­mi­ni­mum“ — ist für Hartz-IV-Bezie­he­rin­nen und -Bezie­her nicht mehr möglich.

Weder umfas­sen die Regel­sät­ze von Hartz IV irgend­wel­che Bei­trä­ge für Mit­glied­schaft in Par­tei­en, Ver­ei­nen oder Gewerk­schaf­ten, noch sind für die ALG-II-Bezie­he­rin­nen und -Bezie­her Rei­sen und Fahr­ten zu Ver­wand­ten und Freun­den erschwing­lich und Bewir­tung der­sel­ben bei sich zuhau­se oder Geschen­ke an sie zu deren Geburts­ta­gen und zum Weih­nachts­fest. Nicht ein­mal Por­to­ko­sten für brief­li­che Kon­tak­te zu ihren Näch­sten sind für die Lang­zeit­ar­beits­lo­sen bei der Ermitt­lung des soge­nann­ten „Regel­sat­zes“ auch nur annä­hernd in aus­rei­chen­dem Maße berück­sich­tigt wor­den. Glei­ches gilt für die Tele­fon- oder Mailingkosten.

Mit einem Satz: Hartz-IV, die­se furcht­ba­re, ver­fas­sungs­wid­ri­ge, mensch­lich­keits­feind­li­che Gesetz­ge­bung, hat rund acht Mil­lio­nen Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger aus­ge­grenzt aus unse­rem Gemein­we­sen. Sie leben seit­her buch­stäb­lich außer­halb der Gren­zen unse­rer Gesellschaft.

Ihnen ist nichts mehr übrig­ge­blie­ben, als besten­falls am Radio­ge­rät oder Fern­se­her noch „teil­zu­ha­ben“ an unse­rer Demo­kra­tie. Nicht mal die Kosten für das Abo einer Tages­zei­tung kön­nen aus dem Regel­satz des ALG-II auf­ge­bracht wer­den. Sozi­al und öko­no­misch betrach­tet, stellt Hartz-IV einen Total­aus­schluss aus unse­rer Gesell­schaft dar. Was ver­fas­sungs­recht­lich bedeu­tet: Alle Betei­li­gungs­rech­te poli­ti­scher und sozia­ler Art, die unser Grund­ge­setz sämt­li­chen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern unse­res Staat­we­sens garan­tiert — unab­ding­bar, für ewig fest­ge­hal­ten im Grund­rechts­ka­ta­log unse­rer Ver­fas­sung —, alle die­se Teil­nah­me­rech­te exi­stie­ren de fac­to für die Lang­zeit­ar­beits­lo­sen in unse­rem Lan­de nicht mehr.

Hartz IV hat eine neue Men­schen­klas­se geschaf­fen: die Men­schen­klas­se deut­scher Exi­lan­ten im eige­nen Land. Wer heu­te von Men­schen im „Elend“ spricht, der spricht dadurch auch die­ses unver­meid­bar mit aus — gleich, ob ihm die­ses bewusst ist oder nicht. ALG-II hat unbe­schol­te­ne Bür­ge­rin­nen und Bür­ger mil­lio­nen­fach um ihre Rech­te gebracht — um ihre „Rechts­ge­nos­sen­schaft“, wie es in der Ursprungs­be­deu­tung des Wor­tes „Elend“ bezie­hungs­wei­se „eli len­ti“ noch aus­drück­lich mit­ge­meint war. Hartz-IV hat mil­lio­nen­fach Mit­men­schen abge­scho­ben auf einen fer­nen elen­den Kon­ti­nent. Es ist inso­fern nur noch eine opti­sche Täu­schung, dass die­se Mit­men­schen in unse­rer unmit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft woh­nen. In Wirk­lich­keit leben sie längst schon anders­wo: in der Müll­ton­ne unse­rer Demo­kra­tie, dort, wo längst auch schon unse­re Ver­fas­sung gelan­det ist.

Die SPD aber — an ihrer Spit­ze der dama­li­ge Ober­so­zi­al­de­mo­krat Schrö­der — hat am 14. März 2003 im Bun­des­tag mit ‚Stan­ding Ova­tions’ die­ser Ent­sor­gung unse­rer Demo­kra­tie zuge­stimmt: der Ver­trei­bung von Mil­lio­nen von Men­schen aus dem Gel­tungs­be­reich unse­res Grund­ge­set­zes - ins Elend, in unser inne­res Ausland.

Aber wie konn­te das im Ein­zel­nen von­stat­ten­ge­hen? Mit wel­chen juri­sti­schen Tricks wur­de da unter ande­rem gearbeitet?
Ver­stoß gegen das Ver­bot „Zir­kel­schluss­ver­fah­ren“

Bei der Beant­wor­tung die­ser Fra­gen konn­te man schon ein gan­zes Stück wei­ter­kom­men, wenn man im Jah­re 2010 auf die Web­site des dama­li­gen Ley­en-Mini­ste­ri­ums für Arbeit und Sozia­les ging und dort plötz­lich las, aus der „Refe­renz­grup­pe“ sei­en ledig­lich alle Haus­hal­te raus­ge­rech­net wor­den, die nicht „aus­schließ­lich“ ihren Lebens­un­ter­halt aus „staat­li­chen Trans­fer­lei­stun­gen“ bestrei­ten. Wie bit­te? — Das heißt doch: Zu einem Teil hat­ten die Errech­ner des neu­en Regel­sat­zes auch die ande­ren Haus­hal­te berück­sich­tigt, Haus­hal­te, die bereits ihrer­seits auf staat­li­che Gel­der ange­wie­sen waren, um über­le­ben zu kön­nen. Damit aber hat­ten die Ermitt­ler der neu­en „Grund­si­che­rung“ gleich gegen zwei — spä­te­re — Gebo­te aus dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ur­teil vom 9. Febru­ar des Jah­res 2010 ver­sto­ßen: erstens gegen das soge­nann­te „Zir­kel­schluss­ver­bot“ und zwei­tens gegen die Auf­la­ge, dass die Ein­kom­mens­si­tua­ti­on der Refe­renz­grup­pe ein­deu­tig über Sozi­al­hil­fe­ni­veau zu lie­gen habe.

Im Absatz 168 des genann­ten Urteils vom 9. Febru­ar 2010 heißt es dazu (Fett­druck-Her­vor­he­bun­gen in allen fol­gen­den Urteils-Zita­ten vom Autor):

…die Wahl des unter­sten Bevöl­ke­rungs­quin­tils (= des unter­sten Bevöl­ke­rungs­fünf­tels) beruh­te auf der sach­ge­rech­ten Erwä­gung, die Refe­renz­grup­pe der Bezie­her von gerin­gen Ein­kom­men mög­lichst breit zu fas­sen, um sta­ti­stisch zuver­läs­si­ge Daten zu ver­wen­den. Dar­über hin­aus ver­mei­det die erfolg­te Her­aus­nah­me von Sozi­al­hil­fe­emp­fän­gern Zir­kel­schlüs­se, die ent­stün­den, wenn man das Ver­brauchs­ver­hal­ten von Hil­fe­emp­fän­gern selbst zur Grund­la­ge der Bedarfs­er­mitt­lung machen würde.“

Und ein­deu­ti­ger noch das damit aus­ge­spro­che­ne Zir­kel­schluss­ver­bot im fol­gen­den Absatz 169 aus dem genann­ten Urteil:

Der Gesetz­ge­ber konn­te nach dem Ergeb­nis der münd­li­chen Ver­hand­lung ver­tret­bar davon aus­ge­hen, dass die bei der Aus­wer­tung der Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be 1998 zugrun­de geleg­te Refe­renz­grup­pe sta­ti­stisch zuver­läs­sig über der Sozi­al­hil­fe­schwel­le lag…“

Die­ses also ganz unzwei­deu­tig die Ein­schät­zung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 9. Febru­ar 2010: In der Bevöl­ke­rungs­grup­pe, auf die man sich zur Ermitt­lung des neu­en Regel­sat­zes stützt, dür­fen kei­ne ein­zi­ge Bezie­he­rin und kein ein­zi­ger Bezie­her von staat­li­chen Trans­fer­lei­stun­gen vor­han­den sein.
Zur Frag­wür­dig­keit soge­nann­ter „Refe­renz­grup­pen“

Nun ist an die­ser Stel­le ganz aus­drück­lich fest­zu­hal­ten, dass es ein ganz ver­que­rer Gedan­ken­gang war — und immer noch ist —, das soge­nann­te „Exi­stenz­mi­ni­mum“ dadurch eru­ie­ren zu wol­len, dass man nach Bevöl­ke­rungs­grup­pen Aus­schau hält, die „irgend­wo“ ganz unten in der Ein­kom­mens­hier­ar­chie ange­sie­delt sind und es trotz­dem „irgend­wie“ hin­be­kom­men, ihre exi­stenz­si­chern­den Bedürf­nis­se zu befrie­di­gen — was, bit­te­schön, die­se Siche­rung exi­sten­ti­el­ler Bedürf­nis­se, nicht mit einem „men­schen­wür­di­gen Exi­stenz­mi­ni­mum“ ver­wech­selt wer­den darf.

Poin­tiert gesagt: Man blick­te auf den Küchen­tisch der Armen, um fest­zu­stel­len, was aus­rei­chen­de Ernäh­rung ist; man such­te in „Zil­les Mill­jöh“ die Miet­höh­le hin­ter dem vier­ten Hin­ter­hof auf, um her­aus­zu­fin­den, was men­schen­wür­di­ges Woh­nen ist. Gleich­wohl bleibt ein­deu­tig genug, was, dem Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zufol­ge, unter „Exi­stenz­mi­ni­mum“ zu ver­ste­hen ist, und an die­ser Stel­le soll des­we­gen auch gleich auf­ge­räumt wer­den mit einer über­aus popu­lä­ren Legende.
Was ver­steht das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt unter „Exi­stenz­mi­ni­mum“?

Oft wur­de und wird in den öffent­li­chen Debat­ten ledig­lich zwei­er­lei unter „Exi­stenz­mi­ni­mum“ ver­stan­den — ein­mal die Siche­rung der „phy­si­schen Exi­stenz“ und zum ande­ren die berühmt-berüch­tig­te „sozio­kul­tu­rel­le Teil­ha­be“. Falsch, wie ein Blick in das Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes vom 9. Febru­ar 2010 zeigt! Noch eine drit­te Bestim­mungs­grö­ße gehört nach höchst­rich­ter­li­cher Ansicht zum „Exi­stenz­mi­ni­mum“ hin­zu. Doch zitie­ren wir der Rei­he nach, und zwar auf der Basis der Aus­sa­gen in Absatz 135 des genann­ten Hartz-IV-Urteils. Dem­nach zäh­len zum „Exi­stenz­mi­ni­mum“

die erwähn­te Siche­rung der „phy­si­schen Exi­stenz“, die Mög­lich­keit also für die Betref­fen­den, die Kosten für „Nah­rung, Klei­dung, Haus­rat, Unter­kunft, Hei­zung, Hygie­ne und Gesund­heit“ auf­brin­gen zu kön­nen, das erwähn­te „Min­dest­maß an Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Leben“, neben­bei: auch letz­te­res — die poli­ti­sche Teil­ha­be­mög­lich­keit von Trans­fer­be­zie­he­rin­nen und —bezie­hern fällt bei den öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen über das „Exi­stenz­mi­ni­mum“ zumeist unter den Tisch, was man durch­aus bemer­kens­wert fin­den kann, denn schließ­lich han­delt es sich bei der poli­ti­schen Teil­ha­be­mög­lich­keit nicht zuletzt um ein Grund­recht der Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik, sowie schließ­lich drit­tens die „Mög­lich­keit zur Pfle­ge zwi­schen­mensch­li­cher Bezie­hun­gen“. Hat dar­über schon ein­mal jemand nach­ge­dacht, im Zusam­men­hang von Hartz-IV, was das kon­kret zu bedeu­ten hat, wenn es zum Bei­spiel um Auf­recht­erhal­tung der Kon­tak­te zu Ver­wand­ten und Freun­den geht, zu Men­schen, die einem nahe­ste­hen, aber weit weg woh­nen inzwi­schen, nicht in der­sel­ben Stadt also, wie man selbst — sagen wir in Kas­sel —, son­dern bei­spiels­wei­se in Mün­chen oder Ber­lin? War jemals im Regel­satz auch nur ein eini­ger­ma­ßen ange­mes­se­ner Betrag für sol­che Rei­se­ko­sten mit ein­ge­rech­net wor­den, oder wur­de nun­mehr beim ‚neu­en’ Regel­satz ab dem 1. Janu­ar 2011 ein sol­cher Geld­be­trag ein­ge­stellt? Bei einem Gesamt­be­trag für Ver­kehrs­ko­sten pro Monat in der Höhe von 19,20 Euro — der Anfangs­be­trag beim alten Regel­satz vom Janu­ar 2005, ein Betrag, der für die mei­sten Hartz-Vie­rer nicht mal die Monats­ko­sten für den Nah­ver­kehr abge­deckt hat? Schon hier sei fest­ge­stellt: „Selbst­ver­ständ­lich“ blieb — bis auf den heu­ti­gen Tag — eine sol­che Kor­rek­tur aus. 

Das Ver­fas­sungs­ge­richts­ge­bot „Ein­zel­fall­ab­si­che­rung“

Kaum weni­ger wich­tig als die­se drei­fa­che Defi­ni­ti­on des „Exi­stenz­mi­ni­mums“ durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am 9. Febru­ar 2010 war in die­sem Zusam­men­hang aber noch ein wei­te­rer Punkt: die Ver­pflich­tung des Gesetz­ge­bers durch das höch­ste Gericht dar­auf, die­ses „Exi­stenz­mi­ni­mum“ für jede Bür­ge­rin und jeden Bür­ger in der Bun­des­re­pu­blik sicher­zu­stel­len, nicht nur pau­schal oder im Durch­schnitt. So heißt es im Absatz 137 des Gerichts­ur­teils, dass die­ser „gesamt­exi­stenz­not­wen­di­ge Bedarf“ für „jeden indi­vi­du­el­len Grund­rechts­trä­ger“ zu sichern sei.

Egal, wo eine® lebt — ob in der Groß­stadt mit „fuß­läu­fig“ erreich­ba­ren fünf Super­märk­ten gleich um die Ecke oder auf dem Land, wo erst vie­le Kilo­me­ter mit dem Bus kosten­pflich­tig zurück­zu­le­gen sind, um die eige­nen Ein­käu­fe täti­gen zu kön­nen — : Jede und jeder hat Anspruch auf Gewähr­lei­stung sei­nes jewei­li­gen Existenzminimums.

Wie bereits beschrie­ben: Dass Benen­nung einer pau­schal defi­nier­ten „Refe­renz­grup­pe“ ohne qua­li­ta­ti­ve Über­prü­fung der jewei­li­gen kon­kre­ten Lebens­si­tua­ti­on im Ein­zel­fall der sach­an­ge­mes­se­ne Weg ist, Exi­stenz oder Nicht­exi­stenz des Exi­stenz­mi­ni­mums inner­halb einer gan­zen Bevöl­ke­rungs­grup­pe zu veri­fi­zie­ren, das ist mit mehr als nur einem Fra­ge­zei­chen zu ver­se­hen. Ent­schei­dend ist: Nicht ein­mal die bei­den Mini­mal­for­de­run­gen des ober­sten deut­schen Gerichts wur­den dann bei der Klein­rech­ne­rei des „neu­en“ Regel­sat­zes rea­li­siert: Ein­schrän­kungs­los jedes Zir­kel­schluss­ver­fah­ren zu ver­mei­den und auf kei­nen Fall irgend­wel­che Bezie­he­rin­nen und Bezie­her von Trans­fer­lei­stun­gen in die Ermitt­lung des neu­en Regel­sat­zes mit ein­zu­be­zie­hen. Ein Dop­pel­ver­stoß gegen die Vor­ga­ben des Bundesverfassungsgerichts!
Wie hät­te ein men­schen­wür­di­ger Regel­satz auszusehen?

Schicken wir vor­aus: Alle Beträ­ge des Regel­sat­zes sind von staat­li­cher Sei­te aus bis­lang nach der soge­nann­ten „Sta­ti­stik­me­tho­de“ ermit­telt wor­den. Das heißt, mit­hil­fe ent­spre­chen­den Zah­len­ma­te­ri­als, das vom Sta­ti­sti­schen Bun­des­amt erho­ben wor­den ist, und zwar mit­hil­fe der soge­nann­ten „EVS“, der „Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­be“. Folg­lich hat man — mehr oder min­der reprä­sen­ta­tiv — über­prüft, wie viel die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger pro Monat für wel­che Waren oder Dienst­lei­stun­gen aus­zu­ge­ben pfle­gen und wie viel Ein­kom­men ihnen dafür zur Ver­fü­gung steht.

Wich­tig dabei: Die­ses geschah in der soge­nann­ten „Refe­renz­grup­pe“, bei jenen Men­schen also, die in der Ein­kom­mens­hier­ar­chie ganz unten ange­sie­delt sind. Für den Regel­satz, der ab dem 1. Janu­ar 2005 bis zum „neu­en“ Regel­satz ab 1. Janu­ar 2011 gül­tig war, griff man zu die­sem Zweck auf das ent­spre­chen­de Daten­ma­te­ri­al aus dem unter­sten „Bevöl­ke­rungs­quin­til“ zurück, auf die unter­sten 20 Pro­zent der Bevöl­ke­rung mit­hin, für den „neu­en“ Regel­satz nur noch auf die unter­sten 15 Pro­zent aller erwach­se­nen Bun­des­bür­ge­rin­nen und -bür­ger. Man stieg also noch tie­fer hin­ab in die Ein­kom­mens­hier­ar­chie. Nach den Armen wur­den nun die Ganz-Armen Maß­stab der Berechnungen!

Was man aus die­ser Dar­stel­lung bereits erah­nen kann, trifft selbst­ver­ständ­lich auch bei genaue­rer Ana­ly­se zu: Die­se soge­nann­te „Refe­renz­grup­pe“ war und ist selbst schon arm, sie ist ganz über­wie­gend schon ange­wie­sen auf staat­li­che „Stüt­ze“ — egal, ob ver­deckt oder nicht, unab­hän­gig also davon, ob der jeweils betrof­fe­ne Hilfs­be­dürf­ti­ge die­se Gel­der in Anspruch nahm oder nicht. Zwar behaup­ten die Ver­tre­ter die­ser Men­schen­ver­elen­dungs­po­li­tik bis zum heu­ti­gen Tag das genaue Gegen­teil, aber in Wahr­heit ver­hält es sich so: Die­se „Refe­renz­grup­pe“ bil­det mit ihren Ein­kom­mens­ver­hält­nis­sen und ihrem Ver­brauchs­ver­hal­ten die Unter­gren­ze des Exi­stenz­mi­ni­mums nicht ab, son­dern leb­te größ­ten­teils bereits selbst unter­halb des Existenzminimums.

Kurz: Die­se soge­nann­te „Sta­ti­stik­me­tho­de“ ermit­tel­te den Regel­satz­be­darf genau nach jenem Zir­kel­schluss­ver­fah­ren, das vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am 9. Febru­ar 2010 ver­bo­ten wor­den war. Die Ermitt­lung der Regel­satz­hö­he mit­hil­fe der „Sta­ti­stik­me­tho­de“ war und ist folg­lich nicht ver­fas­sungs­kon­form, bis heu­te nicht. Die ver­fas­sungs­wid­ri­ge Tat­sa­che, dass Mil­lio­nen Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik unter­halb der Exi­stenz­mi­ni­mums­gren­ze leben, wird zur Quel­le der Tat­sa­che, dass die­ser Zustand sogar noch aus­ge­wei­tet und zudem in Geset­ze gegos­sen, also „lega­li­siert“ wor­den ist.

Die „Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Pre­kä­re Lebens­la­gen — Gegen Ein­kom­mens­ar­mut und sozia­le Abgren­zung“ schrieb dazu unter anderem:

Es zeigt sich, dass die Regel­satz­be­mes­sung nach der EVS von vorn­her­ein einen ent­schei­den­den Kon­struk­ti­ons­feh­ler hat: Wenn man 25 Jah­re lang eine Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit von mehr als 4 Mil­lio­nen nicht bekämpft, son­dern statt­des­sen den Erwerbs­lo­sen syste­ma­tisch Jahr für Jahr die Lei­stun­gen kürzt, wenn man gleich­zei­tig einen Nied­rig­lohn­sek­tor schafft und mit Hartz IV syste­ma­tisch aus­wei­tet, wenn man in die­ser Zeit an einem völ­lig über­hol­ten Schul­sy­stem fest­hält, das syste­ma­tisch Bil­dungs­chan­cen nach der sozia­len Her­kunft ver­teilt, wenn Kin­der kaum eine Chan­ce haben, die­sen Teu­fels­kreis sozi­al ver­erb­ter Aus­gren­zung zu durch­bre­chen — wenn man also ein Vier­tel­jahr­hun­dert lang die Gesell­schaft syste­ma­tisch sozi­al, kul­tu­rell und poli­tisch spal­tet und eine wach­sen­de Armuts­be­völ­ke­rung pro­du­ziert — dann kann die Bemes­sung des gesell­schaft­li­chen Exi­stenz­mi­ni­mums am Kon­sum­ver­hal­ten die­ser Armuts­be­völ­ke­rung zu nichts ande­rem füh­ren als zu wei­te­rer Ver­ar­mung, wei­te­rer Man­gel­er­näh­rung und wei­te­rer Ausgrenzung.

Das bedeu­tet: Wenn die unter­sten Schich­ten der Gesell­schaft so ver­armt sind, dass sie sich kein Obst und kei­ne Bücher mehr lei­sten kön­nen, dann folgt nach die­sem Modell dar­aus, dass Obst und Bücher nicht zum Exi­stenz­mi­ni­mum gehö­ren. Die­se poli­ti­sche Will­kür bei der Berech­nung des Exi­stenz­mi­ni­mums kön­nen und wol­len wir uns nicht län­ger gefal­len lassen.“

Ergän­zend: Es ver­wun­dert daher nicht — die­ser merk­wür­di­gen Logik der „Sta­ti­stik­me­tho­de“ wegen —, dass „kon­se­quen­ter­wei­se“ beim alten wie beim „neu­en“ Regel­satz der Waren­korb Num­mer 11 — „Bil­dung“ näm­lich — über­haupt nicht für die Ermitt­lung die­ser Hilfs­be­trä­ge berück­sich­tigt wor­den ist, und die­ses, obwohl wie­der und wie­der, gera­de auch von den Hartz-IV-Apo­lo­ge­ten, bei den diver­sen Talk­shows die Bedeut­sam­keit der „Bil­dung“ beschwo­ren wur­de, um her­aus­kom­men zu kön­nen aus den Elends­re­gio­nen von Hartz IV.

Erst spä­ter kam es bei die­sem Fehl­be­darf zu einer lach­haf­ten Kor­rek­tur: Seit eini­gen Jah­ren exi­stiert im Regel­satz ein Geld­be­trag, der für „Bil­dung“ ein­ge­stellt wor­den ist. Er beläuft sich auf sage und schrei­be ... 1,62 Euro! Pro Monat, wohl­ge­merkt! Heißt: Wer bei einer VHS für 60,- Euro einen Com­pu­ter­kurs bele­gen will, muss drei Jah­re lang war­ten, bis er sich die­se Wei­ter­bil­dung lei­sten kann! Ande­res an „Bil­dung“ ent­fällt bis dahin „selbst­ver­ständ­lich“ zur Gänze!

Gleich­wohl stellt das zitier­te State­ment der Betrof­fe­nen nur eine par­tei­ische Über­re­ak­ti­on dar, behaup­tet die­se „Arbeits­ge­mein­schaft“ etwas, das mit den Fak­ten nicht übereinstimmt?

Nun, mit deut­li­chem Zah­len­ma­te­ri­al hat das regie­rungs­na­he „Insti­tut für Arbeits­markt- und Berufs­for­schung (IAB)“ die­se Ana­ly­se bestä­tigt. Hier ein Aus­zug aus sei­ner Exper­ti­se, erstellt im Jah­re 2008:

Jeweils 6 bis 8 Pro­zent der ALG-II-Bezie­her berich­ten, dass sie sich kei­ne war­me Mahl­zeit pro Tag lei­sten kön­nen, dass die Wän­de in ihren Woh­nun­gen feucht sind, dass sie Pro­ble­me mit der pünkt­li­chen Bezah­lung der Neben­ko­sten haben oder dass sie rezept­freie Medi­ka­men­te nicht bezah­len kön­nen. Sogar 14 Pro­zent ver­fü­gen über nicht aus­rei­chend Zim­mer in der Woh­nung und knapp 17 Pro­zent der Lei­stungs­emp­fän­ger kön­nen sich kei­ne ange­mes­se­ne Win­ter­klei­dung leisten. (...)

Blickt man aller­dings über den Bereich der ele­men­ta­ren Bedürf­nis­se hin­aus, zei­gen sich grö­ße­re Ver­sor­gungs­de­fi­zi­te. Am nied­rig­sten fällt das Ver­sor­gungs­ni­veau der Lei­stungs­emp­fän­ger bei den finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten und der sozia­len Teil­ha­be aus (...). Etwa drei Vier­tel der ALG-II-Emp­fän­ger kön­nen es sich nicht lei­sten, alte aber funk­ti­ons­tüch­ti­ge Möbel zu erset­zen oder ein­mal im Monat ins Restau­rant zu gehen. Und jeweils um die vier von fünf Lei­stungs­emp­fän­gern geben an, dass sie sich kei­nen jähr­li­chen Urlaub lei­sten oder kei­nen festen Geld­be­trag pro Monat spa­ren kön­nen. (...) Ähn­li­ches gilt für Kino- oder Kon­zert­be­su­che oder für das Ein­la­den von Freunden.“

Noch ein­mal sei an die ent­spre­chen­den Aus­sa­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 9. Febru­ar 2010 erinnert:

Der Gesetz­ge­ber bleibt (...) ver­pflich­tet, bei der Aus­wer­tung künf­ti­ger Ein­kom­mens- und Ver­brauchs­stich­pro­ben dar­auf zu ach­ten, dass Haus­hal­te, deren Net­to­ein­kom­men unter dem Niveau der Lei­stun­gen nach dem Sozi­al­ge­setz­buch Zwei­tes Buch und Sozi­al­ge­setz­buch Zwölf­tes Buch inklu­si­ve der Lei­stun­gen für Unter­kunft und Hei­zung liegt, aus der Refe­renz­grup­pe aus­ge­schie­den werden.“

Kurz: Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mach­te sei­ne „Geneh­mi­gung“ der „Sta­ti­stik­me­tho­de“ von der Tat­sa­che abhän­gig, dass die aus­zu­wer­ten­de „Refe­renz­grup­pe“ mit ihrem Ein­kom­men, so wört­lich, „zuver­läs­sig über der Sozi­al­hil­fe­schwel­le“ liegt.

Um es deut­lich zu sagen: Das Bun­des­mi­ni­ste­ri­um für Arbeit und Sozia­les hat­te die­se Vor­ga­be des ober­sten deut­schen Gerich­tes schlicht igno­riert, damals im ablau­fen­den Jahr 2010, und damit die Daten­ba­sis zur Ermitt­lung der Regel­lei­stung nach­weis­bar ver­fälscht. Und die­ses ange­sichts von fast 6 Mil­lio­nen ver­deck­ten Armen in der Bun­des­re­pu­blik. Die Regel­lei­stung, die dann für 2011 fest­ge­legt wor­den ist — 368 Euro plus 8 Euro für Warm­was­ser­ko­sten — , lag des­we­gen auch unter­halb aller Berech­nun­gen, die von ande­ren Insti­tu­tio­nen, Orga­ni­sa­tio­nen und Per­so­nen vor­ge­nom­men wor­den sind. Und die­se Tat­sa­che gilt bis zum heu­ti­gen Tag. Aber kon­kret: Alle Zah­len­an­ga­ben im Fol­gen­den gel­ten für das Jahr 2010! Sie wären für dies Jahr 2022 mit einem Auf­schlag von min­de­stens 30 Pro­zent zu ver­se­hen — die der­zei­ti­gen Infla­ti­ons­ra­ten nicht ein­mal miteingerechnet.
Alter­na­ti­ve Vor­schlä­ge zur Erhö­hung des Regelsatzes

Die Wirt­schafts­wis­sen­schaft­le­rin Ire­ne Becker ermit­tel­te zum Bei­spiel im Auf­trag der Dia­ko­nie Mit­tel­deutsch­land für 2008 einen Min­dest­re­gel­satz von 480,45 Euro; der Hans-Böck­ler-Stif­tung zufol­ge hät­te der Regel­satz bereits 2008 521,- Euro betra­gen müs­sen; Kat­ja Kip­ping, Bun­des­tags­mit­glied der Par­tei Die Lin­ke, errech­ne­te für 2010 einen Min­dest­re­gel­satz von 529,- Euro pro Monat; und Rüdi­ger Böker, nichts weni­ger als der Sach­ver­stän­di­ge für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für des­sen Hartz-IV-Urteil vom 9. Febru­ar 2010, bezif­fer­te den monat­li­chen Regel­satz­net­to­be­darf mit 564,90 Euro. 

Wich­tig dabei: Alle die­se Exper­tin­nen und Exper­ten gin­gen noch vom EVS-Modell aus, alle hat­ten den eige­nen Berech­nun­gen auch das unter­ste Bevöl­ke­rungs­fünf­tel als Refe­renz­grup­pe zugrun­de­ge­legt. — Zu Recht wur­de des­halb die Exper­ti­se von Ire­ne Becker von deren Auf­trag­ge­be­rin, der Dia­ko­nie Bran­den­burg, sogar kritisiert:

In die­ser Vari­an­te ‚Regel­lei­stungs­be­rech­nung nach dem soge­nann­ten Sta­ti­stik­mo­dell’ setzt sich die von den Lan­des­ver­bän­den der Dia­ko­nie in Auf­trag gege­be­ne Stu­die über fach­li­che Ein­wän­de an der Metho­dik par­ti­ell hin­weg und über­nimmt vie­le Abzü­ge, wie sie im Gesetz­ent­wurf zu fin­den sind.(...) Sol­che Abzü­ge sind (...) metho­disch frag­wür­dig, weil sie auch den Regel­satz jener min­dern, die sich abge­zo­ge­ne Aus­ga­ben ohne­hin nie lei­sten konn­ten, zum Bei­spiel Pau­schal­rei­sen. Ein­zel­ne Abzü­ge die­ser Berech­nungs­va­ri­an­te ent­spre­chen auch nicht den ethi­schen Vor­stel­lun­gen der Dia­ko­nie. Sie zei­gen aber, dass sich der Regel­satz nur mit ethisch frag­wür­di­gen Wert­ent­schei­dun­gen wei­ter mini­mie­ren lässt. So ist im Grund­satz unver­tret­bar, dass Lei­stungs­be­rech­tig­te beim Ein­tre­ten des Lei­stungs­fal­les ihre Haus­tie­re abge­ben oder in einer Woh­nung ohne Grün­pflan­zen leben sol­len. Sol­che nor­ma­ti­ven Vor­ga­ben min­dern nicht nur die Höhe des errech­ne­ten Regel­sat­zes, son­dern müs­sen von den Hil­fe­emp­fän­gern auch als Demü­ti­gung emp­fun­den werden.“

Und Johan­nes Mün­der, der für den Deut­schen Anwalts­ver­ein eine Exper­ti­se zum „neu­en“ Regel­satz ver­fer­tigt hat­te, stell­te fest, dass die Bun­des­re­gie­rung für die von ihr vor­ge­nom­me­nen Abschlä­ge bezie­hungs­wei­se Nicht­an­er­ken­nung von Aus­ga­be­po­si­tio­nen kei­ne ver­fas­sungs­kon­for­men Begrün­dun­gen gelie­fert hat. Konkret:

War­um soll es Hil­fe­be­dürf­ti­gen ver­wehrt sein, Klei­dung che­misch rei­ni­gen zu las­sen, Schnitt­blu­men, für Besu­che zum Bei­spiel, zu kau­fen oder Zim­mer­pflan­zen besit­zen zu dür­fen? Wie­so stel­len Haus­tie­re, Haus­rats- und Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen Luxus­an­sprü­che dar — glei­ches gäl­te, neben­bei, auch für Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen, auf die Hartz-IV-Betrof­fe­ne drin­gendst ange­wie­sen wären!

Wes­halb sind medi­zi­ni­sche Zuzah­lun­gen inklu­si­ve Pra­xis­ge­bühr nicht regel­satz­re­le­vant? Und wie­so hat man mitt­ler­wei­le die Geld­mit­tel für alko­hol­hal­ti­ge Geträn­ke voll­stän­dig abge­schafft — ange­sichts der Tat­sa­che, dass Hartz-IV-Bezie­he­rin­nen und -Bezie­her doch ‚eigent­lich‘ in der men­schen­wür­di­gen Lage blei­ben soll­ten, Gäste bei sich bewir­ten zu kön­nen und sie nicht gleich mit­hil­fe die­ser Schwar­zen Päd­ago­gik zu Absti­nenz­lern erzie­hen zu müssen?
Und wie sieht es mit der „poli­ti­schen Teil­ha­be“ aus?

Erin­nern wir uns: Sogar das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mein­te in sei­nem Urteil vom 9. Febru­ar 2010 — sie­he Rand­num­mer 135! — , dass Hartz-IV-Betrof­fe­ne nur Anspruch hät­ten auf ein „Min­dest­maß“ an poli­ti­scher Teil­ha­be — die­ses mit aus­drück­li­cher Beru­fung auf das Grund­ge­setz in der vor­an­ge­gan­ge­nen Rand­num­mer 134. Zitie­ren wir hier also end­lich die­se Rand­num­mer 135:

b) Der unmit­tel­bar ver­fas­sungs­recht­li­che Lei­stungs­an­spruch auf Gewähr­lei­stung eines men­schen­wür­di­gen Exi­stenz­mi­ni­mums erstreckt sich nur auf die­je­ni­gen Mit­tel, die zur Auf­recht­erhal­tung eines men­schen­wür­di­gen Daseins unbe­dingt erfor­der­lich sind. Er gewähr­lei­stet das gesam­te Exi­stenz­mi­ni­mum durch eine ein­heit­li­che grund­recht­li­che Garan­tie, die sowohl die phy­si­sche Exi­stenz des Men­schen, also Nah­rung, Klei­dung, Haus­rat, Unter­kunft, Hei­zung, Hygie­ne und Gesund­heit (vgl. BVerfGE 120, 125, 155 f.), als auch die Siche­rung der Mög­lich­keit zur Pfle­ge zwi­schen­mensch­li­cher Bezie­hun­gen und zu einem Min­dest­maß an Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen, kul­tu­rel­len und poli­ti­schen Leben umfasst, denn der Mensch als Per­son exi­stiert not­wen­dig in sozia­len Bezügen (...).“

Sieht unser Grund­ge­setz eine sol­che Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft in punc­to der Mög­lich­keit „poli­ti­scher Teil­ha­be“ eigent­lich vor, oder schließt unser Grund­ge­setz die­se Unter­pri­vi­le­gie­rung einer gan­zen, einer ver­elen­de­ten, Bevöl­ke­rungs­grup­pe nicht im Gegen­teil ohne jede Ein­schrän­kung aus? — Nun, wer auf den Gleich­heits­grund­satz unse­res Grund­ge­set­zes sieht, auf den Arti­kel 3, weiß selbst­ver­ständ­lich Bescheid. Genau das, was ‚unser‘ Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt am 9. Febru­ar 2010 beschlos­sen hat, steht im dia­me­tra­len Gegen­satz zur Grund­aus­sa­ge unse­rer Ver­fas­sung zu die­sem Punkt. Die Mög­lich­keit der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in der Bun­des­re­pu­blik, Ein­fluss neh­men zu kön­nen auf die Poli­tik in unse­rem Land, ist vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt abhän­gig gemacht wor­den davon, wie viel Geld die Men­schen in ihrem Porte­mon­naie haben. Heißt also kon­kret: Wenn es in unse­rem Grund­ge­setz heißt — in Arti­kel 20, Absatz 1 —, „alle Staats­ge­walt geht vom Vol­ke aus“, dann ist ganz aus­drück­lich, so das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, der ärm­ste Teil unse­rer Bevöl­ke­rung nicht mehr mitgemeint!

Was das aber für rea­le Fol­gen hat, das kön­nen wir in die­sem Fal­le sogar Wiki­pe­dia ent­neh­men, dem Arti­kel dort zur „Armut in der Bun­des­re­pu­blik“. Dort wird eine klei­ne, aber über­aus bedeut­sa­me, Sta­ti­stik ver­öf­fent­licht, die sehr deut­lich wie­der­zu­ge­ben ver­mag, wie abge­hängt inzwi­schen die Hartz-IV-Betrof­fe­nen auch in poli­ti­scher Hin­sicht hier bei uns leben. Zunächst die Statistik:

Natür­lich, die­se Betei­li­gungs­zah­len fal­len ins­ge­samt sehr nied­rig aus — was, neben­bei, ohne­hin nicht für eine funk­tio­nie­ren­de, leben­di­ge, für eine ech­te Demo­kra­tie in Deutsch­land spricht. Aber der Ver­gleich der Zah­len offen­bart den­noch eine Dis­kre­panz, die kei­ne Demo­kra­tie, so sie eine ist oder bean­sprucht, noch eine zu sein, hin­neh­men darf. In allen vier Vari­an­ten der poli­ti­schen Teil­ha­be, die oben in der Sta­ti­stik auf­ge­führt sind, wur­de für die Armen und Ver­elen­de­ten in der Bun­des­re­pu­blik kei­ne glei­che und gleich­be­rech­tig­te Reprä­sen­tanz mehr festgestellt:

„Per­so­nen über der Armuts­ri­si­ko­gren­ze“ sind dop­pelt so oft Mit­glied einer poli­ti­schen Par­tei als die Ver­arm­ten in unse­rer Gesell­schaft. „Per­so­nen über der Armuts­ri­si­ko­gren­ze“ sind fast drei­mal so oft Mit­glied einer Gewerk­schaft als die eh schon Arbeits­lo­sen oder Aus­ge­grenz­ten. „Per­so­nen über der Armuts­gren­ze“ betei­li­gen sich mehr als dop­pelt so oft an Unter­schrif­ten­ak­tio­nen wie die Men­schen, die unter­halb die­ser Gren­ze zu exi­stie­ren haben. Und beson­ders auf­fäl­lig und dra­ma­tisch zugleich: mehr als fünf­mal so häu­fig neh­men die „Per­so­nen über der Armuts­gren­ze“ an Demon­stra­tio­nen teil als jene Men­schen, die ich bereits im Anfangs­teil als die „Inlands-Exi­lier­ten“ bezeich­net habe. Let­ze­res aber bedeutet: 

Aus­ge­rech­net jene Men­schen, die eigent­lich mehr als genü­gend Anlass hät­ten, gegen die Ver­hält­nis­se in der Bun­des­re­pu­blik zu demon­strie­ren, schei­nen im Gegen­satz zu den pri­vi­le­gier­te­ren Bun­des­bür­gern und Bun­des­bür­ge­rin­nen inzwi­schen völ­lig in Lethar­gie und Apa­thie ver­fal­len zu sein — ein Befund, der sich bestä­ti­gen wür­de, wenn man auch Wahl­be­tei­li­gungs­zif­fern in soge­nann­ten Pro­blem­zo­nen der Kom­mu­nen her­an­zie­hen würde:

Über­all dort, wo das Elend Ein­zug gehal­ten hat, blei­ben unse­re ver­elen­de­ten Mit­bür­ge­rin­nen und -bür­ger mit deut­lich­ster Signi­fi­kanz und Über­re­prä­sen­tanz den Wahl­ur­nen fern. Weil die Demo­kra­tie die­sen Men­schen den Rücken gekehrt hat, haben die­se Men­schen längst auch schon unse­rer Demo­kra­tie den Rücken gekehrt — so sie noch eine ist, die­se unse­re Demokratie.

Fazit

Was am Anfang schon betont wor­den ist — Ver­elen­de­te leben sub­jek­tiv wie objek­tiv eher in einem „inne­ren Aus­land“ —, das belegt auch aufs trau­rig­ste die­ses abschlie­ßen­de Zah­len­ma­te­ri­al. Das Rund-80-Mil­lio­nen-Volk der Bun­des­re­pu­blik hat mitt­ler­wei­le um acht Mil­lio­nen Men­schen — also rund zehn Pro­zent — in irgend­ei­nem gesell­schaft­li­chen Jen­seits ent­sorgt. Und lei­der: Vie­le die­ser betrof­fe­nen Men­schen ver­hal­ten sich inzwi­schen auch so.

Man kann an die­ser Stel­le nur ver­mu­ten, wie viel Resi­gna­ti­on und Hoff­nungs­lo­sig­keit, wie viel Ver­zweif­lung sogar und Depres­si­on hin­ter die­sen Zah­len steckt. Aber das ist — bis in sehr deut­lich erhöh­te Erkran­kungs­zah­len und in ein ver­früh­tes Ver­ster­ben hin­ein — ein noch viel schlim­me­res Kapi­tel. Dazu viel­leicht dem­nächst eini­ges mehr!

Heu­te jedoch ver­ges­sen wir vor allem das eine nicht:

Es war eine beju­bel­te SPD-Rede, die am Anfang die­ses gesam­ten Elends für Mil­lio­nen von Men­schen in der Bun­des­re­pu­blik stand!

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Die­ses Werk [von H. Platta] ist unter einer Crea­ti­ve Com­mons-Lizenz (Namens­nen­nung - Nicht kom­mer­zi­ell - Kei­ne Bear­bei­tun­gen 4.0 Inter­na­tio­nal) lizen­ziert. Unter Ein­hal­tung der Lizenz­be­din­gun­gen dür­fen Sie es ver­brei­ten und vervielfältigen.

bookmark_border*Lügenbaron*

Vor ein paar Tagen weil­te ich auf einer Abend­ver­an­stal­tung und mein Sitz­nach­bar, den ich bis dahin noch nie getrof­fen hat­te, frag­te mich, was ich denn so als Hob­by oder Zeit­ver­treib zu tun pflege.

"Ich schrei­be kur­ze Geschich­ten zum Tages­ge­sche­hen und zur Poli­tik, manch­mal auch zum The­ma Reli­gi­on - oder bes­ser: War­um es end­lich einer Tren­nung von Kir­chen und Staat bedarf."

"Ach!", ent­geg­ne­te der Fra­ger, "dann sind sie so ein moder­ner Baron Münchhausen?"

Vor Ver­blüf­fung ob die­ses Ver­glei­ches fand ich nicht sofort eine pas­sen­de Ant­wort, daher ließ ich ihn wissen
"Ich erzäh­le Ihnen wohl am Besten 'mal eine von die­sen Geschich­ten - am Bei­spiel ist es stets ein­fa­cher zu ver­ste­hen was gemeint war." 


"Kürz­lich", hub ich an, "war ich zu einem Abend­essen gela­den und der Abend nahm - nach einem klei­nen Emp­fang mit Apé­ri­tif im Foy­er des Hau­ses - her­nach im Rit­ter­saal sei­nen Fort­gang. Die Räum­lich­kei­ten waren exqui­sit deko­riert, wobei in der gro­ßen Hal­le Tische für das Abend­essen gedeckt wor­den waren. An den Wän­den hing aller­lei Kriegs­werk­zeug, das den Betrach­ter erschau­ern las­sen muß­te, wenn er an die Effek­te von des­sen Ein­satz dachte ....

Kaum war der Haupt­gang ser­viert, da beschwer­te sich die Gast­ge­be­rin ihr sum­me stän­dig eine Flie­ge um den Kopf und man möge nach einem Bedien­ste­ten schicken um das Tier zu entfernen.


'Nicht not­wen­dig!' rief ich für Alle ver­nehm­lich in den Saal, griff nach einem der Schwer­ter aus der Deko­ra­ti­on, sprang zur Dame des Hau­ses hin­über - und hieb die Flie­ge in zwei gleich­mä­ßig gro­ße Stücke, die sanft zu Boden tru­del­ten .... zögernd erscholl nach einem 'Bra­vo!'-Ruf des Gast­ge­bers anschwel­len­der Bei­fall der Gesell­schaft, der durch den Haus­her­ren - mit erho­be­nem Glas und einem 'À vot­re san­té!' in mei­ne Rich­tung - been­det wur­de."
 

Mein Gegen­über schau­te mich mit vor gro­ßem Stau­nen gewei­te­ten Augen an:
"Und ich dach­te wirk­lich Sie erzäh­len mir ein Lügen­mär­chen!"

bookmark_borderX-treme

Wenn wir davon aus­ge­hen der Mensch habe ein Durch­schnitts­tem­pe­ra­tur von 36°C - was pas­siert dann, wenn die Umge­bungs­tem­pe­ra­tur über die­sen Wert hin­aus­geht? Wie kann der Orga­nis­mus mit Tem­pe­ra­tu­ren über 40°C fer­tig wer­den? Wo liegt die abso­lu­te Gren­ze die noch über­lebt wer­den kann?

Fra­gen über Fra­gen und .... der Rei­he nach, nur mit der Ruhe: Alle Fra­gen wer­den beantwortet.

Was für Vie­le erstaun­lich sein wird:
Es ist nicht allei­ne die Tem­pe­ra­tur, genau­so wich­tig ist die Luft­feuch­tig­keit. Das begrün­det sich in der Art und Wei­se wie der 'Kühl­me­cha­nis­mus' beim Men­schen funk­tio­niert. Die Haut ist durch­setzt mit aber­tau­sen­den Schweiß­drü­sen. Die­se son­dern das ab, was ich ein­mal flap­sig "Schwitzschweiß" nen­ne. Wis­sen­schaft­lich nennt sich das Sekret "ekkri­ner Schweiß" - und der 'frisch' sekre­tier­te Schweiß ist prak­tisch geruchs­los. Die­ser Schweiß besteht über­wie­gend aus Was­ser, ent­hält nur weni­ge Elek­tro­ly­te und fast kein Eiweiß.

Dem­ge­gen­über gibt es den "apo­kri­nen Schweiß", der ist eine Form von "Duftschweiß", ver­gleich­bar mit dem was im Tier­reich anson­sten der Signal­ver­mitt­lung zwi­schen den Geschlech­tern und ganz all­ge­mein unter Art­ge­nos­sen dient.

Die Abküh­lung über die Haut bedarf meh­re­rer Bedingungen:

- erstens muß sich der Schweiß auf der Haut ver­tei­len und
- zwei­tens das Was­ser dar­aus muß ver­dun­sten können;
- drit­tens darf daher die Luft­feuch­tig­keit nicht hoch sein, weil anson­sten kei­ne Ver­dun­stung mög­lich ist!


Was­ser­dampf­ge­sät­tig­te Luft kann kei­ne wei­te­re Feuch­tig­keit auf­neh­men und damit bleibt der Schweiß nutz­los auf der Haut lie­gen. Kei­ne Ver­dun­stung bedeu­tet aber kei­ne Abküh­lung der Haut­tem­pe­ra­tur und des­we­gen bleibt die Wär­me erhal­ten.
 

Wenn die­ser Vor­gang nicht statt­fin­det gibt es ein gro­ßes Pro­blem. Die im Kör­per ent­ste­hen­de Wär­me durch Mus­kel­be­we­gung, Stoff­wech­sel­tä­tig­keit & Ver­dau­ung läßt die Kör­per­tem­pe­ra­tur anstei­gen und das ist sehr bedroh­lich, weil die lebens­not­wen­di­gen Pro­zes­se nur opti­mal funk­tio­nie­ren wenn der Kör­per Nor­mal­tem­pe­ra­tur hat. Liegt der Wert dar­un­ter oder - schlim­mer noch - dar­über, dann ist das lebensbedrohend.


Je höher also die Luft­feuch­te ist, desto schlech­ter gelingt die Abküh­lung durch Verdunstung.
Die Fol­ge ist eine Über­hit­zung, die als "Hitz­schlag" bezeich­net wird.
 

Das eine Erd­er­wär­mung statt­fin­det leug­nen mitt­ler­wei­le nur noch Men­schen die unge­bil­det sind und kei­nen Deut dar­auf geben, daß Myria­den von Fach­wis­sen­schaft­lern das erforscht haben und sich einig sind wohin sich sowohl Tem­pe­ra­tur wie Luft­feuch­tig­keit ent­wickeln: Nach oben!

Auf die­se Wei­se ent­steht ein sich selbst hoch­schau­keln­der Prozeß:
- Mehr Wär­me bedeu­tet mehr Ver­dun­stung auf der Erdoberfläche,
- das hat eine höhe­re Luft­feuch­tig­keit zur Folge,
- Es ent­ste­hen star­ke Gewit­ter durch die Wolkenmassen,
- was zu noch mehr Luft­feuch­tig­keit führt.
- Gleich­zei­tig wird davon wie­der ein Teil in der Atmo­sphä­re verteilt,
- die Wär­me bleibt an der Erd­ober­flä­che lie­gen - und so fort.

Gefähr­det sind dem­nach bei extre­men Wet­ter­ver­hält­nis­sen - gro­ße Hit­ze und gleich­zei­tig hohe Luft­feuch­tig­keit - alle Men­schen die ihre Kör­per­tem­pe­ra­tur nicht durch Schwit­zen zu ver­rin­gern ver­mö­gen. Die ent­ste­hen­de Kör­per­wär­me ver­bleibt, obwohl das Herz mehr Arbeit lei­stet die klei­nen Blut­ge­fä­ße der Ober­flä­che bes­ser zu durch­blu­ten, was nor­ma­ler­wei­se die Wär­me­ab­ga­be erhöht. Es kommt also dar­auf an küh­le Orte zu fin­den, an denen sich kei­ne Kör­per­wär­me staut. Das läßt sich oft schon durch bau­li­che Maß­nah­men errei­chen - gemein­hin sind aller­dings gera­de in Gegen­den der Erde wo zugleich Hit­ze und Feuch­tig­keit hoch sind die Gebäu­de leicht und ober­ir­disch gebaut, sodaß dadurch wenig Schutz vor­han­den ist. 


Lang­fri­stig wird das Bedeu­tung in den bis­her gemä­ßig­ten Zonen gewin­nen, denn es ist nur eine Fra­ge der Zeit, wann es hier sol­che Ver­hält­nis­se geben wird:
Nichts deu­tet dar­auf hin, daß die Poli­tik ernst­haf­te Anstren­gun­gen unter­nimmt in die Zukunft gerich­te­te Vor­keh­run­gen gegen die Erd­er­wär­mung zu unternehmen.
Die größ­te Frech­heit lei­stet sich die CDU/CSU, die es über Jah­re ver­säumt hat zu han­deln obwohl alle Alarm­leuch­ten "rot" zeig­ten, wenn sie jetzt 'rasche Maß­nah­men zur Sta­bi­li­sie­rung' for­dert. Nicht ganz unbe­tei­ligt sind SPD und FDP, die ja in Koali­ti­on stets das Lied­chen der CDU/CSU mit­ge­sun­gen haben ....
 

Schweiß
Wiki­pe­dia → https://de.wikipedia.org/wiki/Schwei%C3%9F
https://www.stark-gegen-schwitzen.de/schweiss/was-ist-schweiss/zusammensetzung/
https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/symptome/nachtschweiss-737747-mehrseiter-2-was-uns-ins-schwitzen-bringt.html
https://www.everdry.de/schweissdruesen-so-entsteht-schweiss/

bookmark_borderEin Drittel ....

Der Aus­gangs­punkt war die­ser Text:

Wor­auf­hin ich es genau­er wis­sen wollte:

Mehr als ein Drit­tel aller Erwach­se­nen ist laut Level-One-Stu­die (LEO) der Uni­ver­si­tät Ham­burg nicht in der Lage, sinn­erfas­send zu lesen oder kom­ple­xe Infor­ma­tio­nen zu ver­ste­hen. Im White­pa­per fin­den Sie Erklä­run­gen, was "ein­fa­che Spra­che" über­haupt bedeu­tet, war­um Unver­ständ­lich­keit das Ver­trau­en in der Ziel­grup­pe schwächt und wie sich leich­te Spra­che in Tex­ten umset­zen lässt.
[Quel­le]

Ein gutes Bei­spiel wie "Mei­nung" trügt:
Hät­te ich doch Stein und Bein geschwo­ren, die Zahl sei allen­falls 10 bis 15%.
Das ist aber ledig­lich der Anteil derer, die nur mit Schrei­ben Pro­ble­me haben.

bookmark_border(Fast) Wortlos

.... und die *Behand­lun­gen* durch sol­che *Hei­le­rin­nen* wird von Kran­ken­kas­sen bezahlt!
Die brau­chen selbst drin­gend Hilfe.
Ein Skandal. 

bookmark_borderKeine Alternative - gibt's das?

Gei­stig unbe­weg­lich, unin­ter­es­siert an ihrer Umge­bung und Umwelt, unge­bil­det oder gar unfä­hig kom­ple­xe Zusam­men­hän­ge zu ver­ste­hen und dar­aus Schlüs­se zu ziehen?
Wel­cher Kate­go­rie soll man die Men­schen zuord­nen die ange­sichts der über­wäl­ti­gen­den Bewei­se der glo­ba­len Erwär­mung rund um den Pla­ne­ten immer noch behaup­ten es gäbe kei­ne "men­schen­ge­mach­te Kli­ma­ka­ta­stro­phe"? Die bemer­ken es sei doch Som­mer und im Som­mer sei es eben 'heiß'.

   
 
 
Die ver­glei­chen­den Abbil­dun­gen 1976 und 2022 soll­ten doch jeder­mann genug Anlaß geben die Dring­lich­keit von Hand­lun­gen anstatt Bekennt­nis­sen zu ver­deut­li­chen. Sie stam­men von Scott Dun­can via Washing­ton Post. Was dabei noch bedacht wer­den soll­te: Es han­delt sich um eine punk­tu­el­le Abbil­dung, der zugrun­de lie­gen­de Pro­zeß folgt aller­dings einer "Expo­nen­ti­al­kur­ve" (auf die ich nur immer wie­der ver­wei­sen kann, weil sie die Not­wen­dig­keit des Umden­kens sehr anschau­lich darstellt).

Erst in der letz­ten Pha­se wird das Dra­ma sichtbar:
NICHTS kann die­se Ent­wick­lung stop­pen wenn die Kur­ve anfängt steil nach oben zu driften.
Der Pla­net und Alles auf ihm stirbt - auch jene, die es bis jetzt nicht wahr haben wollen ...!

bookmark_borderEMERGENCE:
Komplexität, das Leben und das Universum

In den Natur­wis­sen­schaf­ten gilt die Grund­re­gel "Alles so ein­fach wie mög­lich - so kom­plex wie nötig!"
Ande­rer­seits stre­ben Men­schen danach durch die Beob­ach­tun­gen der Welt und des Uni­ver­sums hoch kom­ple­xe Struk­tu­ren zu fin­den die unse­re Exi­stenz erklä­ren könn­ten. Die Alles um uns her­um mit 'Sinn' erfül­len könnten.

Vie­le Jahr­hun­der­te was es das Pri­vi­leg der Reli­gio­nen die Erklä­run­gen zu lie­fern und dem 'gemei­nen Volk' eine Per­spek­ti­ve zu schaf­fen dies­sei­ti­ge Exi­stenz in einer jen­sei­ti­gen Exi­stenz ver­län­gert zu sehen - eine Bot­schaft, die nicht nur in den christ­li­chen oder wei­te­ren abra­ha­mi­ti­schen Reli­gio­nen vor­han­den ist, son­dern in wech­seln­der Form, grund­sätz­lich mit glei­chem Ziel, in vie­len der Welt­re­li­gio­nen vor­han­den sind. 

Die­se Erklä­rungs­ho­heit bröckelt seit Jahr­hun­der­ten, mit beson­de­rer Beschleu­ni­gung seit dem Zeit­al­ter der Auf­klä­rung. Es hat unzäh­li­ge unschul­di­ge Opfer geko­stet, die von den Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten meist auf grau­sa­me Wei­se zu Tode gebracht wur­den weil sie die Ver­nunft, die Fak­ten zur Erklä­rung her­an­ge­zo­gen haben. Dem hat­ten die­se mäch­ti­gen Orga­ni­sa­tio­nen nie etwas Stich­hal­ti­ges ent­ge­gen­zu­set­zen, wes­we­gen sie sich der 'Ket­zer' durch deren Ver­nich­tung entledigten.

Wer aber denkt, wir sei­en dar­über hin­weg, der muß sich nur ein­mal in Asi­en und im Mitt­le­ren Osten umse­hen um zu erkennen:

Unwis­sen­heit ist der Brut­bo­den für reli­giö­se Ver­blen­dung und Agi­ta­ti­on durch so-genann­te Reli­gi­ons­füh­rer. Die haben, außér ihren Lügen­mär­chen, Ver­trö­stun­gen in die Zukunft und Appel­len an die Duld­sam­keit ihrer Gläu­bi­gen nichts, was einer Fak­ten­prü­fung stand­hal­ten würde.
Es wer­den in die­sem Jahr­hun­dert immer noch Men­schen wegen Blas­phe­mie ver­haf­tet, gequält und ermor­det - und die größ­te Schan­de ist es für mich, daß trotz­dem mit Län­dern in denen das pas­siert Geschäf­te gemacht werden.

Die Wis­sen­schaf­ten sind ent­ge­gen aller Wider­stän­de heu­te nicht mehr so gefähr­det und ver­brei­ten daher ihre Erkennt­nis­se sehr viel frei­er - was dazu führt immer mehr Wis­sen welt­weit zu ver­knüp­fen und schnel­ler neue Erkennt­nis­se zu gewin­nen als es frü­her in der geo­gra­fi­schen Abge­schie­den­heit mög­lich war. Dazu bei­getra­gen haben die rasan­ten Ent­wick­lun­gen der Com­pu­ter­tech­no­lo­gie, die heu­te Rechen­ope­ra­tio­nen ermög­licht wozu man noch vor weni­gen Jah­ren Jahr­hun­der­te und Tau­sen­de von Men­schen gebraucht hätte.

So wur­de es offen­bar wie Kom­ple­xi­tät nicht etwa pro­gram­miert vor­han­den ist, son­dern sich auf ein­fach­ste Grund­la­gen her­un­ter­bre­chen läßt:

Die Ursa­che, der Aus­gangs­punkt für Kom­ple­xi­tät ist meist ein ein­fa­cher Bau­stein, der zusam­men­ge­setzt zu neu­en Eigen­schaf­ten führt, die die­sen vor­her nicht zu eigen waren. Der Fach­be­griff dafür ist "Emer­gence", wört­lich "Her­vor­brin­gung", frei zu Deutsch "spon­ta­ne Orga­ni­sa­ti­on" oder "Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on".

So wird "Leben" als eine spon­ta­ne Orga­ni­sa­ti­on von che­mi­schen Bau­stei­nen erklär­bar, die für sich genom­men die­se Eigenschaft(-en) nicht besit­zen. Bei­spie­le aus Wiki­pe­dia sind:
- Die Ent­ste­hung kom­ple­xer, frak­ta­ler Struk­tu­ren bei der Bil­dung von Schneeflocken;
- Die Her­stel­lung eines Ter­mi­ten­hü­gels der einen Zweck erfüllt und die Funk­ti­on opti­miert, ohne Bauplan.

Wei­te­re Funk­tio­nen die dort genannt wer­den (Aus­wahl):
- Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on [Self-orga­niz­a­ti­on]
- Kol­lek­tiv­ver­hal­ten [Collec­ti­ve behavior]
- Netz­wer­ke [Net­works]
- Evo­lu­ti­on und Anpas­sung [Evo­lu­ti­on and adaptation]

All die­se Erkennt­nis­se lau­fen schluß­end­lich zusam­men und bestä­ti­gen die Ent­wick­lung hin zu immer kom­ple­xe­ren Syste­men deren Bil­dung kei­nen nach­weis­ba­ren Anlaß und kein nach­weis­ba­res Ziel hat. Sol­che Erkennt­nis­se sind natür­lich ver­stö­rend für die mei­sten Men­schen, denen die Reli­gio­nen doch stets ein­ge­trich­tert haben es sei ein Schöp­fer am Werk! Und wie immer in sol­chen Fäl­len kommt es zu (ungläu­bi­ger) Ableh­nung weil das eige­ne Welt­bild zusam­men­bricht und weil es kaum Men­schen gibt denen es gelingt zu ver­ste­hen wie "Nichts um etwas her­um" sein kann.

Die Dis­kus­si­on wogt um das The­ma. Ist es nun doch eine Ziel­rich­tung, ein ziel­ge­rich­te­ter Ver­lauf, wenn sich weni­ger kom­ple­xe Syste­me zu höher kom­ple­xen Syste­men ver­bin­den und die­se mehr kön­nen als die Ein­zel­ele­men­te? Wohin führt eine sol­che Annah­me, wie geht es weiter?
Mir fällt da der Satz mei­nes Pro­fes­sors ein bei dem ich mei­ne Diplom­ar­beit schrieb "Je mehr wir wis­sen desto mehr Fra­gen tür­men sich auf"

Sicher ist der­zeit nur, daß die Bedeu­tung der Reli­gio­nen suk­zes­si­ve wei­ter schrump­fen wird.
So wie es sich der­zeit selbst in erz­kon­ser­va­ti­ven Regio­nen und Län­dern der Welt schon abzeichnet.
Erkennt­nis ist kei­ne Ersatz­re­li­gi­on, sie ist ein Leit­fa­den wie wei­ter gedacht wer­den kann.
Wie Fak­ten das Leben bes­ser machen als Hin­ge­spin­ste, die stets nur einer schma­len Erklär­bär-Min­der­heit Pri­vi­le­gi­en schaf­fen und den Rest der Men­schen zu unmün­di­gen Auto­ma­ten degradieren.