Da stimmt doch 'was nicht ..!?

Beim Stö­bern im Inter­net sto­ße ich manch­mal auf Beson­der­hei­ten die auf den ersten Blick noch nor­mal erschei­nen. Wenn man aller­dings genau hin­schaut, liest, über­legt, dann bemerkt man was nicht stim­men kann oder wo schlam­pig gear­bei­tet wur­de.

Hier also zwei Fäl­le:
Beim ersten Bild fehlt etwas, beim zwei­ten Bild ist etwas falsch bezeich­net.

Viel Spaß bei der Suche!


[Zustim­mungs­wer­te in % für US Prä­si­den­ten, kumu­liert über die Amts­zeit] *¹*
["click!" auf das Bild ver­grö­ßert]

*¹* begin­nend mit Prä­si­dent Dwight D. Eisen­how­er bis heu­te

Elitär ....

.
Als ich 1970 an der Hannover'schen ('klei­nen') Men­sa einer Kom­mi­li­to­nin die Türe öff­ne­te um sie zuerst rein­ge­hen zu las­sen zisch­te sie mich an: "Eli­tä­rer Schei­ßer!"
Mir wur­de da bewußt, dass sich durch die '68er Stu­den­ten­be­we­gung - noch in vol­lem Gan­ge - etwas ver­än­dert hat­te und wei­ter ver­än­der­te. Nicht in allen Aspek­ten zum Bes­se­ren, soviel steht heu­te im Rück­blick fest.

Glück­li­cher­wei­se und gut für mich, der ich mich an die neu­en, 'repres­si­ons­frei­en' Umgangs­for­men nicht so recht gewöh­nen konn­te, war der Umstand, dass es unter den Kom­mi­li­to­nin­nen und den ande­ren Frau­en glei­chen Alters noch genug 'Anders­den­ken­de' gab. Sol­che, die eine höf­li­che Geste nicht sofort mit revo­lu­tio­nä­rer Inbrunst zu mei­nen Ungun­sten als Unter­drückungs­ver­such dem weib­li­chen Geschlecht gegen­über beur­teil­ten - ich war nicht völ­lig "out" wie es heu­te hei­ßen wür­de, nicht sozi­al iso­liert & geäch­tet, nicht kom­plett ver­lo­ren und zu ewi­gem Allein­sein ver­dammt ....

Heu­te sind die vor­ma­li­gen Revo­lu­tio­nä­re - mit weni­gen Aus­nah­men und egal ob Männ­lein oder Weib­lein - nach ihrem Marsch durch die Insti­tu­tio­nen sozi­al ange­paßt und als Pen­sio­nä­re wohl bestallt:

Sie haben irgend­wann ihre Idea­le ver­lo­ren, ver­ra­ten und ver­kauft gegen das, was hier­zu­lan­de als "bür­ger­li­ches Leben" und nor­mal ange­prie­sen wird. Zurück­ge­blie­ben ist aus der Zeit eine Hor­de Kin­der denen in den frü­hen Jah­ren eine ordent­li­che Erzie­hung ver­wei­gert wur­de und die des­we­gen zu Men­schen­fein­den wur­den - stets dar­auf bedacht sich selbst den größt­mög­li­chen Vor­teil zu ver­schaf­fen und sich mit Ellen­bo­gen und dem Mot­to "Ich, ich und noch­mal ich!" durch die Zeit bewe­gen.

Die Iro­nie liegt dar­in, dass es genau die­se Kin­der der sich eman­zi­pie­ren­den 68er Genera­ti­on sind, die nun die dama­li­gen Idea­le ins Gegen­teil ver­kehrt haben. Eine Genera­ti­on von Ego­isten, die sich ob der Abwen­dung von dem, wor­an ihre Eltern glaub­ten, zu eli­tä­ren Tyran­nen ent­wickelt haben die dem Geld nach­lau­fen und sich dar­über defi­nie­ren:
Nicht die Revo­lu­ti­on frißt ihre Kin­der, son­dern die Kin­der der Revo­lu­tio­nä­re ver­än­der­ten bereits und ver­än­dern immer noch die Revo­lu­ti­on zu einem neo­li­be­ra­len Moloch, der die ver­schlingt, die nicht als "Éli­te" gebo­ren sind. Geist zählt nicht mehr, Bil­dung ist über­flüs­sig, gesell­schaft­li­ches Enga­ge­ment wird ver­lacht, dem Mit­tel­maß gehört die Stun­de.

Als neue Éli­te ver­ste­hen sich Jene, die ein Com­pu­ter­pro­gramm zu schrei­ben ver­ste­hen - in Mas­se nicht die Besten im Lan­de, denn sowas ist 'Hand­werk', es besteht aus Wie­der­ho­lung und Rou­ti­nen. Mecha­ni­stisch, ohne nach Trans­fer oder Asso­zia­ti­ons­ver­mö­gen, schon erst Recht nicht nach Phan­ta­sie oder Intui­ti­on ver­lan­gend. OK, es gibt auch da Aus­nah­men, aller­dings hält sich deren Zahl in Gren­zen.

Die 'Freaks', die frü­her in abge­dun­kel­ten Räu­men saßen und Piz­za als Haupt­nah­rung ansa­hen, sind den tech­ni­sier­ten Mobil­te­le­fon­trä­gern gewi­chen, die sich RFID-Chips implan­tie­ren las­sen weil man dann die Haus­tü­re elek­tro­nisch öff­nen kann. Ein zwei­fel­haf­ter Nut­zen, wenn man die Fol­gen für die Gesell­schaft bedenkt. Die mei­nen durch ihre Akti­vi­tä­ten die Welt ändern zu müs­sen - eine Welt, vor der sie nicht mehr stau­nend wie klei­ne Kin­der ste­hen, son­dern die sie sich um jeden Preis per "App" ver­füg­bar machen wol­len. Koste es was es wol­le.

Da lob' ich mit die frü­he­ren Eli­ten, bei all den Män­geln die es gab. Die wuß­ten wenig­stens noch eine Oper von einem Musi­cal zu unter­schei­den und hiel­ten Neo für eine Vor­sil­be und nicht den Namen einer Per­son oder eines Fisches ....

[Erst­ver­öf­fent­li­chung: 05. Aug 2014 um 11:00]

Im Nebel herum stochern ....

Vor Jah­ren - als ich zuletzt beruf­lich von 1999 bis 2002 in USA war - bin ich häu­fig mit mei­nem alten Schul­ka­me­ra­den aus High School Zeit [1963-64] unter­wegs gewe­sen. Mei­ne Arbeit an der Uni­ver­si­tät war in je zwei mal drei Stun­den (zwei Vor­le­sun­gen zu je 1,5 Stun­den zwei mal pro Woche) erle­digt und anson­sten konn­te ich die Gele­gen­heit nut­zen ande­re Ein­drücke zu gewin­nen oder - wie oben bereits erwähnt - mit mei­nem Freund auf Ent­deckungs­tour gehen.

Weil er sei­ne Tätig­keit als Chef einer gro­ßen Trup­pe von Ver­käu­fern rela­tiv frei gestal­ten konn­te und wegen der Ver­brei­tung der Mobil­te­le­fo­nie nicht mehr an stän­di­ge Anwe­sen­heit im Büro gebun­den war sind wir bei­spiels­wei­se zum Angeln oder zum Wan­dern oder zum Sight-See­ing gefah­ren. Wenn er Ter­mi­ne in ande­ren Staa­ten hat­te war es oft so, dass ich mit ihm da hin fah­ren konn­te, wenn er die­se Erle­di­gun­gen auf Tage leg­te, an denen ich kei­ne Ver­an­stal­tun­gen hat­te.

Wenn wir zum Angeln fuh­ren koste­te das einen Angel­schein pro Per­son, 2 US$ für einen Monat und man konn­te dafür in allen Gewäs­sern die nicht als *pri­vat* gekenn­zeich­net waren angeln. Freund Bob jun. hat­te ein geräu­mi­ges Boot und Angeln genug für eine gan­ze Kom­pa­nie, wir hat­ten also beste Vor­aus­set­zun­gen.

Nur die Fische, die woll­ten an man­chen Tagen nicht so recht anbei­ßen - trotz lecke­rer, fri­scher Köder, gera­de im Angel­shop (Dose ca. 2,5 US$) gekauft.

Das Pro­blem beim Angeln ist, dass zwar die Fische uns sehen, wir aber nicht wis­sen, wo sich die Fische gera­de auf­hal­ten und ob sie viel­leicht schon aus­rei­chend gefut­tert hat­ten und des­we­gen von unse­ren Köder­tie­ren nichts wis­sen woll­ten.

Es war oft wie sto­chern im Nebel wie es im Volks­mund so tref­fend aus­ge­drückt wird. Angel­schnur mit Köder ins Was­ser hän­gen und hof­fen, ein Fisch wer­de schon kom­men und sich dar­an ver­su­chen.

Weil das auf Dau­er nicht die gewünsch­te Aus­beu­te die­ser Angel­ex­kur­sio­nen erbrach­te - schö­ne gro­ße, mehr­pfün­di­ge Forel­len ver­schie­de­ner Arten, so groß, dass von einem Tier leicht zwei Per­so­nen satt wer­den konn­ten. Es muss­te auf­ge­rü­stet wer­den, mit aus­ge­feil­ter Elek­tro­nik. In Form eines Gerä­tes mit dem Namen "Fish Fin­der", einer Art Fisch­ra­dar. Heu­te sind die­se Gerä­te mit kom­ple­xer Tech­nik aus­ge­stat­tet und kosten eine Stan­ge Geld, vor 20 Jah­ren waren sie noch recht ein­fach und der Preis war erschwing­lich: Man konn­te mit ihnen per Sonar auf­spü­ren wo sich Fische befan­den und das Gerät gab dabei deren Grö­ße und die Tie­fe an, in der sie sich auf­hiel­ten.

So war ein Teil der *Jagd auf den dick­sten Fisch* ver­ein­facht, wenig­stens wuss­ten wir, ob über­haupt Fische an die­ser Stel­le her­um schwam­men. Aller­dings blieb immer noch die rela­ti­ve Bewe­gung eini­ger­ma­ßen unbe­stimmt, ob die Fische sich beweg­ten wur­de nur ca. jede Minu­te als neu­es Bild sicht­bar - und wenn Sie schon ein­mal Angeln waren wis­sen Sie, lie­be Lesen­de, dass es schlicht unmög­lich ist eine auf 120 bis 150 Meter Tie­fe abge­dreh­te Angel­schnur mit Blei­ge­wicht und Köder etwa die­ser Spur der Fische 'nach­zu­füh­ren'. Schnur auf­rol­len und neu ver­sen­ken - das war die ein­zi­ge Mög­lich­keit, aber meist war dann dort schon wie­der die Anzei­ge der Fische leer ....

Nun, wir waren unver­dros­se­ne, ent­schlos­se­ne und nicht so leicht zu ent­mu­ti­gen­de Män­ner im besten Alter, die ein männ­li­ches Top-Ang­ler-Kli­schee zu bedie­nen hat­ten .... und so leicht gaben wird nicht auf. Über Stun­den zogen sich so unse­re *Raub­zü­ge* hin, und tat­säch­lich fin­gen wir recht statt­li­che Fische, wodurch sich all­mäh­lich die Aus­ga­be für Sprit, Boots­lie­ge­platz, Lizenz und Köder amor­ti­sier­te.

War­um ich Ihnen die­se Sto­ry erzäh­le?
Nicht wegen des geschil­der­ten Erfol­ges, der sich letzt­end­lich doch noch ein­stell­te. Son­dern weil es für mich ein Bei­spiel ist, wie wir uns der Natur und ihrer Res­sour­cen bedie­nen - ohne wirk­lich zu wis­sen, was wir da tun.

Aber­tau­sen­de von Ang­lern haben über vie­le Jah­re die "Fin­ger Lakes" im Nor­den des Staa­tes New York befischt, jedes Jahr mit bes­se­rer Tech­nik aus­ge­stat­tet und jedes Jahr hat­ten die Fische schlech­te­re Chan­cen zu ent­kom­men. Jedes Jahr stell­ten ihnen mehr und mehr Ang­ler nach. Das Ergeb­nis ist, dass es kaum noch genug erwach­se­ne Tie­re gibt die die Popu­la­ti­on auf­recht erhal­ten kön­nen. Vie­le Ang­ler sind der Fische Tod. Irgend­wann ist es dann ganz vor­bei mit dem Angeln und die näch­ste Genera­ti­on wird nur noch von gro­ßen Forel­len lesen und sie auf Bil­dern anse­hen.

So wie es da im Klei­nen mit den Forel­len (und Bar­schen und ande­ren Arten) gegan­gen ist, geht es über­all auf der Welt mit allen mög­li­chen Tie­ren, die der Mensch ver­zeh­ren kann. Oder mit Allem was wächst - und irgend­wie für Men­schen nutz­bar gemacht wer­den kann.

Wir sto­chern - in über­tra­ge­nem Sin­ne - über­all auf der Welt im Nebel her­um wenn wir 'kon­su­mie­ren'. Weil wir die Fol­gen des Tuns nicht annä­hernd genau beschrei­ben oder der Men­ge nach ein­schät­zen kön­nen. Wir kön­nen auch die Fol­ge­schä­den gar nicht genau erfas­sen, die es hat wenn dadurch ande­re Arten, die davon im Öko­sy­stem betrof­fen sind, beein­träch­tigt wer­den.


Erken­nen Sie, lie­be Lesen­de, wie an so einem bana­len Vor­gang wie dem Angeln von Forel­len klar gezeigt wer­den kann, dass es so wie bis­her mit dem Raub­bau an der Natur nicht wei­ter gehen kann? Dass wir alle Grund­la­gen unse­res Daseins auf dem Pla­ne­ten selbst zer­stö­ren?

 
Wir brau­chen radi­ka­le Maß­nah­men, und das schnell, so schnell, wie Poli­tik noch nicht den­ken kann. Und wir brau­chen die Ein­sicht - ich hat­te es frü­her schon betont - dass es vor­bei sein muss mit dem Göt­zen "Wachs­tum". Es sei denn, man schraubt es als Nega­tiv-Wachs­tum Monat für Monat her­un­ter.

Lie­bes Tage­buch,

es gibt etwas Sen­sa­tio­nel­les zu berich­ten: "Gott ist ein rei­nes Geist­we­sen." Ach wuss­test du schon? Steht doch in der Über­schrift? .... Na klar, hat­te ich völ­lig über­se­hen, ich bin so auf­ge­regt von die­ser Nach­richt.

Bei einem Herrn Wei­ssen­born war zu lesen:


".. Damit, mit sei­ner Defi­ni­ti­on Got­tes als eines "rei­nen Geist­we­sens" - wir ver­nei­gen uns mit Bewun­de­rung - ist Anselm Grün .. eine den­ke­ri­sche Glanz­lei­stung gelun­gen, indem er, wenn nicht expres­sis ver­bis und ver­mut­lich ohne bewuss­te Absicht, so doch logisch zwin­gend den Schluss auf die rea­le Nicht-Exi­stenz Got­tes nahe­legt .. Wenn Gott als rei­nes, also kör­per- und hirn­lo­ses Geist­we­sen unmög­lich ist, so kann er natür­lich nicht fak­tisch .., son­dern nur fik­tio­nal in den Köp­fen der Men­schen .. exi­stie­ren .. Was aber Anselm Grün, den Mei­ster­schü­ler Karl Rah­ners, betrifft, so schla­ge ich vor, ihm in Aner­ken­nung sei­ner radi­kal revo­lu­tio­nä­ren Dog­ma­tik als einem Auf­klä­rer des 21. Jahr­hun­derts die Ehren­mit­glied­schaft im IBKA (Inter­na­tio­na­len Bund der Kon­fes­si­ons­lo­sen und Athe­isten) anzu­tra­gen. - Soll­te er beschei­den ableh­nen .. so bedeu­te man ihm, dass das mensch­li­che Den­ken mit­un­ter auch unge­wollt zu durch­aus rich­ti­gen Ergeb­nis­sen gelan­gen kann .."
[Quel­le des Zita­tes]

 
Ich war ehr­lich erstaunt das zu lesen, Tage­buch. Ausser­dem muss ich zuge­ben, dass mir der Herr Grün - wie ich jetzt durch inten­si­ve Nach­for­schung gelernt habe - ein durch­aus bekann­ter Autor und Bene­dik­ti­ner­mönch, mit über 300 Buch­ver­öf­fent­li­chun­gen, bis dato nicht bekannt war.

Gut, die Wer­ke han­deln meist von Engeln und Gebe­ten und christ­li­cher Lebens­hil­fe, da weißt du, lie­bes Tage­buch, das ist nicht so mein Ding. Des­we­gen ist es wohl ent­schuld­bar wenn ich als Athe­ist ihn nicht ken­ne.

Wenn Gott, von dem da die Rede ist, 'wesen­los' und nur als 'Gei­stes­we­sen' defi­niert wird ist wenig­stens geklärt, war­um bis­her noch nie­mand sagen konn­te wo "er" - oder "sie"? - sich eigent­lich auf­hält. Da siehst du mal lie­bes Tage­buch, vor wel­che schwer­wie­gen­de Fra­ge die Leser hier gestellt sind - sie fra­gen sich bestimmt auch wo du eigent­lich her­kommst und hin ver­schwin­dest wenn wir hier mit dem Gespräch fer­tig sind.

Also die­ser Gott exi­stiert nicht, soviel steht fest. Und weil es ein Mönch gesagt hat wird es wohl stim­men. Weil Mön­che von Berufs wegen nicht lügen dür­fen, hmmm, prin­zi­pi­ell, es sei denn es geht um den Miss­brauch von Kin­dern, da machen sie das ein­fach und hof­fen es merkt nie­mand 'was. Vom Lügen. Und vom Kin­der­schän­den. Und wenn doch beten sie und büßen und beten wie­der, dies­mal zehn Rosen­krän­ze und dann ist Alles wie­der gut. Für sie. Nicht für die armen Kin­der.

Jetzt aber schnell zurück zu dem wesen­lo­sen Gott. Lie­bes Tage­buch: Hät­te mir das jemand noch gestern gesagt 'Gott ist ein rei­nes Geist­we­sen', dann hät­te ich gefragt "Wer sagt sowas?" und wenn man mir dann gesagt hät­te 'Ein Bene­dik­ti­ner­mönch', dann hät­te ich es nicht geglaubt. Aber nun habe ich es gele­sen, und das ist in der über­wie­gen­den Zahl von Fäl­len rich­tig, ähem, es sei denn es steht bei *face­book*, da ist es mei­stens nur eine Mei­nung, kein Fak­tum.

"Gott ist ein rei­nes Geist­we­sen" - pffft! das war eine Über­ra­schung, wär' ich von selbst niiie drauf gekom­men, lie­bes Tage­buch, jetzt muss ich mich erst mal davon erho­len. Viel­leicht ein Mit­tags­schläf­chen .... tschüß, Tage­buch, bis dem­nächst.
 

[Ver­weis via hpd: "Kir­chen­ta­ge, Ket­zertage, Huma­ni­sten­ta­ge"]
 

Schon immer gab es Vernunft

Die Wer­ke von Ari­sto­pha­nes sind uns heu­te wie­der zugäng­lich. Das war für vie­le Jahr­hun­der­te wegen der auf­wach­sen­den christ­li­chen Reli­gi­on nicht so, denn bei­spiels­wei­se die Herr­scher Theo­dosi­us I und II, zwi­schen 400 und 500 n.Chr. ach­te­ten sehr dar­auf jede Oppo­si­ti­on zum Chri­sten­tum mit dem Tode zu bestra­fen. Der­zeit kann die über­wie­gen­de Zahl von Men­schen alte Wer­ke in Grie­chich oder Latei­nisch nicht mehr direkt lesen, ich selbst hat­te zwar Latein , aber eben nur bis zum *Klei­nen Lati­num*. Wir brau­chen sprach­kun­di­ge Wis­sen­schaft­ler, die uns die­se Inhal­te in unse­re Spra­che über­set­zen. Vie­le von Ari­sto­pha­nes' Stücken fin­det man im Reper­toire der Thea­ter, sie sind von ihrer Aus­sa­ge her zeit­los - wenn man sie ver­ste­hen will und kann.

Der berühm­te Dra­ma­ti­ker legt skep­ti­sche Wor­te in den Mund sei­ner Cha­rak­te­re. Auf die­se Wei­se ist nicht er die Per­son die die­se Aus­sa­ge macht - es ist die Kunst­fi­gur, der Schau­spie­ler, der sich gegen Göt­ter und Kon­ven­ti­on, gegen Aus­sa­gen ande­rer Dich­ter wen­det. Zwei Zita­te aus dem Stück "Die Wol­ken":

Eine Per­son (Sokra­tes) spricht ¹:
„Es gibt kein sol­ches Wesen wie Gott. Sag mir, wo hast du jemals Regen ohne Wol­ken gese­hen? Wenn Gott Regen bringt, soll­te er das tun, wenn der Him­mel klar ist und kei­ne Wol­ken zu sehen sind.“

Ein ande­rer Schau­spie­ler (Strep­sia­des) trägt vor ²:
„Sie schwö­ren auf den olym­pi­schen Zeus! Was für ein Schwach­sinn! Zu den­ken, dass jemand in dei­nem Alter noch denkt, dass Zeus exi­stiert!“

Es fehl­te also nicht an beweg­li­chem Geist, lan­ge bevor der christ­li­che Dumpf­sinn die damals ent­wickel­te Welt über­zog und die Ver­nunft durch eine fik­ti­ve Geschich­te ersetz­te. Ein­ein­halb­tau­send Jah­re Still­stand und Ver­fol­gung von Anders­den­ken­den .... und heu­te wol­len uns die Reli­giö­sen das Ende der 'dunk­len Zei­ten' als ihr Ver­dienst ver­kau­fen.

Drei­ster gehts nicht.

¹ Aus­zug aus Ari­sto­pha­nes: Die Wol­ken - Kapi­tel 2
Strep­sia­des:
Wie, – Zeus, der olym­pi­sche Zeus, der soll kein Gott sein? – nicht exi­stie­ren?
Sokra­tes:
Nur nicht albern! Was faselst du da mir von Zeus? Es gibt kei­nen Zeus!
Strep­sia­des: Ei, was sagst du?
Und wer reg­net denn dann? Das mußt du nun doch mir vor allen Din­gen erklä­ren!
Sokra­tes:
Wer? Die­se, sonst nie­mand! Das will ich dir gleich mit gewich­ti­gen Grün­den bewei­sen!
Du, sag mir ein­mal, ob du jemals den Zeus hast reg­nen sehn ohne Wol­ken?
Bedenk doch: ein Regen aus blau­er Luft, und die Wol­ken sind dann wohl auf Rei­sen?

Strep­sia­des:
Bei Apol­lon! Das sitzt ja wie ange­schweißt: das hast du vor­treff­lich bewie­sen!
Sonst frei­lich, da glaubt' ich: wenn Zeus durch ein Sieb sein Was­ser abschla­ge, dann regn' es.
Jetzt sag mir: wer macht denn den Don­ner? Denn sieh: da fahr' ich halt immer zusam­men.
Sokra­tes:
Sie don­nern, wenn über­ein­an­der­ge­rollt sie sich wäl­zen.


² Aus­zug aus Ari­sto­pha­nes; Die Wol­ken, aus: Die Lust­spie­le des Ari­sto­pha­nes, Deutsch von J. J. C. Don­ner, Band 1, Sei­te 1 – 126; Ent­ste­hungs­da­tum: 423 v. Chr.; Erschei­nungs­da­tum: 1861; Ver­lag: C. F. Winter’sche Ver­lags­hand­lung; Erschei­nungs­ort: Leip­zig und Hei­del­berg; Über­set­zer: Johann Jakob Chri­sti­an Don­ner; Ori­gi­nal­ti­tel: αἱ νεφέλαι
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Wohl bist du, bei’m olymp’schen Zeus, nicht recht gescheit.
Strepsiades.(lachend.)
Da seht mir, seht! Olym­pi­scher Zeus! O Gecke­rei!
Der glaubt, der alte gro­ße Mensch, noch an den Zeus!
Phei­dippi­des.
Was lachst du denn dar­über?
Strep­sia­des.
Weil ich den­ke, du Seist kin­disch, daß du solch ver­leg­ne Mähr­chen glaubst.

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