Der Tod ist gewiss, die Stunde ungewiss ....

Ein Blick in die Sta­ti­stik beweist eine unum­stöß­li­che Tatsache:
Wer jen­seits sei­nes sieb­zig­sten Lebens­jah­res ist hat im Mit­tel als Mann noch ca. acht Jah­re, als Frau ca. zwölf Jah­re zu leben. Das ist kei­ne end­gül­ti­ge Aus­sa­ge, denn die­ser Wert ändert sich mit jedem Geburtsjahrgang.

Was bleibt ist das Bewußt­sein irgend­wann, spä­te­stens in ein paar Jah­ren, mög­li­cher­wei­se schon bald, an der Rei­he zu sein. Die Span­ne ist unge­wiß, aber mit jedem zusätz­li­chen Lebens­jahr wächst die Wahr­schein­lich­keit. Die­ses Bewußt­sein, die­se Erkennt­nis des Unaus­weich­li­chen beglei­tet mich immer mal wie­der, tritt aus dem Unter­be­wuß­ten ins Bewuß­te, füllt mehr oder weni­ger inten­siv mei­ne Gedanken. 

Nie­mand will *gern* ster­ben, ich auch nicht. Mir geht es gesund­heit­lich gut, bes­ser als man­chem jün­ge­ren Men­schen, das ist ein glück­li­cher Umstand, von dem ich hof­fe, dass er noch recht lan­ge anhält. Schließ­lich ist die Anga­be der "mitt­le­ren Lebens­er­war­tung", wie der Name schon sagt, ein Mit­tel­wert - und da gibt es eine Span­ne nach oben und unten. So kann man - in Abwand­lung der Über­schrift "Der Tod ist gewiss, die Stun­de unge­wiss ...." abge­wan­delt for­mu­lie­ren "Der Tod ist gewiss, Jahr, Tag und Stun­de sind ungewiss .... ".

Wenn ich mein Leben Revue pas­sie­ren las­se und mich fra­ge "Bin ich bereit?", so lau­tet die Ant­wort "Ja!". Ich glau­be nicht an ein Leben nach dem Tode, an Para­dies oder Höl­le, an eine Wie­der­ge­burt oder Ver­wei­len in einer ener­ge­ti­schen Wol­ke - das Alles sind nach mei­ner Auf­fas­sung Wunsch­ge­bil­de jener Men­schen, die sich mit der End­lich­keit des Seins nicht abfin­den können.

Als Natur­wis­sen­schaft­ler bin ich über­zeugt ein Teil der beleb­ten Umwelt zu sein. Wenn man ande­re Lebe­we­sen beob­ach­tet, sich bewußt ist, dass der Mensch ledig­lich eine beson­de­re Art unter den Säu­ge­tie­ren ist ¹, dann kann man den Zyklus des Lebens erkennen:
Geburt, Fort­pflan­zung, Tod - das ist unser Lebens­ver­lauf, unse­re Lebens­auf­ga­be ist die gene­ti­sche Viel­falt der Art zu för­dern, zu deren Exi­stenz und Erhalt bei­zu­tra­gen und dann --- zu ster­ben und Platz zu machen für all die Genera­tio­nen, die nach uns kom­men wer­den. Immer vor­aus­ge­setzt, die Erde wird nicht vor­her durch das Wir­ken der Men­schen² unbe­wohn­bar und öde.

Als Mensch der gewohnt ist sein Leben in die Hand zu neh­men und nicht dar­auf zu war­ten, dass Ande­re es für mich tun, fin­de ich es ärger­lich die­sen letz­ten Schritt nicht selbst zu bestim­men. Die­se Umge­wiß­heit gefällt mir nicht - und doch schät­ze ich sie zugleich, denn jeder zusätz­li­che Tag ist ein Gewinn.

Ich bin ein Indi­vi­du­um mit Kör­per und Geist, stirbt der Kör­per und mit ihm das Gehirn, so ist auch der Geist, die Indi­vi­dua­li­tät, mei­ne Per­sön­lich­keit per­du. Kei­ne Gehirn­ak­ti­vi­tät mehr - kein Indi­vi­du­um mehr, kei­ne Kör­per­funk­ti­on, die sich gegen den Ver­fall ins Cha­os wehrt .... und dann folgt die Zer­le­gung in all die che­mi­schen Sub­stan­zen aus denen wir auf­ge­baut sind und über lan­ge Zeit bestehen.

Und wis­sen Sie, lie­be Lesen­de, was mir das Ster­ben wirk­lich ver­gällt? Es ist die Tat­sa­che, dass ich dann nicht mehr weiß wie es auf die­sem Pla­ne­ten wei­ter geht, was mit Fami­lie, Freun­den, dem Land und der Welt passiert.
Andererseits: 

Das Leben aller Ande­ren geht wei­ter. Ein Sand­korn weni­ger in der Wüste - das ist kaum der Rede wert.

?

Ein wesent­li­cher Grund für den Raub­bau an der Natur ist die christ­li­che Leh­re der Mensch als "Abbild Got­tes" sei eine höher­wer­ti­ge Krea­tur und müs­se sich "die Erde unter­tan machen"
¹ Zitat: 1.Mose 27-29
27Und Gott schuf den Men­schen ihm zum Bil­de, zum Bil­de Got­tes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib. 28Und Gott seg­ne­te sie und sprach zu ihnen: Seid frucht­bar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch unter­tan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Him­mel und über alles Getier, das auf Erden kriecht. 29Und Gott sprach: Seht da, ich habe euch gege­ben aller­lei Kraut, das sich besamt, auf der gan­zen Erde und aller­lei frucht­ba­re Bäu­me, die sich besa­men, zu eurer Speise,…

² Zitat:
Die Vor­stel­lung von der Herr­schafts­stel­lung des Men­schen hat einen nach­hal­ti­gen Ein­fluss auf das von der jüdisch-christ­li­chen Kul­tur gepräg­te Abend­land aus­ge­übt. In Euro­pa und in der Fol­ge in Ame­ri­ka sind die größ­ten Erfin­dun­gen ent­stan­den, die spek­ta­ku­lär­sten Ent­deckun­gen gemacht wor­den, haben sich Tech­nik und Indu­strie am rasan­te­sten ent­wickelt - und all das gegen den erbit­ter­ten Wide­stand der Amts­kir­chen, bis heu­te. Der abend­län­di­sche Mensch war der fau­sti­sche Typ, der mit einem Wis­sens- und For­schungs­drang ohne­glei­chen fer­ne Län­der und Kon­ti­nen­te erober­te und die Geset­ze der Natur auf­deck­te. Denn er war ja mit dem Auf­trag aus­ge­stat­tet, sich die Erde unter­tan zu machen. Doch wie ein Berg­stei­ger, der trotz Unwet­ter­war­nung ein­fach wei­ter­klet­tert, ver­lor der Mensch oft die Gren­zen aus den Augen und ließ es am nöti­gen Respekt vor der Wür­de gegen­über ande­ren Men­schen und vor allem den Tie­ren fehlen.

So erklär­ten die Kon­qui­sta­do­ren die erober­ten Län­der kur­zer­hand für ihre eige­nen, zwan­gen den Urein­woh­nern ihre Reli­gi­on und Kul­tur auf und schlepp­ten Seu­chen und Krank­hei­ten in die frem­den Län­der. Die Ein­wan­de­rer Nord­ame­ri­kas zer­stör­ten in kür­ze­ster Zeit die ursprüng­li­che Land­schaft samt ihrer Tier­welt und ver­nich­te­ten mit Hil­fe ihrer Waf­fen den größ­ten Teil der india­ni­schen Bevöl­ke­rung. Die Natur mit ihrem unge­heu­ren Reser­voir an Pflan­zen und Bäu­men, mit ihrer Viel­falt an Tie­ren wur­de dem Men­schen zur Vor­rats­kam­mer, in die man gedan­ken­los und unbe­grenzt ein­grei­fen, die man nach Belie­ben aus­pres­sen konn­te. Die Theo­lo­gen und Phi­lo­so­phen lie­fer­ten den ideo­lo­gi­schen Unter­bau, indem sie den Tie­ren eine See­le und jeg­li­ches Emp­fin­den abspra­chen oder den Abstand zwi­schen mensch­li­chem und natür­li­chem Bereich durch die Über­be­to­nung der Ver­nunft und des Ver­stan­des ins Unend­li­che ver­grö­ßer­ten. Aber nicht ein­mal jeder Mensch hat­te das Glück, als ein ver­nünf­ti­ges Wesen betrach­tet zu wer­den. Schwarz- oder rot­häu­ti­gen Men­schen fehl­te nach Mei­nung des wei­ßen Man­nes das Ver­nunft­or­gan, des­halb stell­te er sie auf eine Stu­fe mit den Tie­ren, die man nun ohne beson­de­re Gewis­sens­nö­te umbrin­gen konn­te.
.. Die Aus­beu­tung der Natur und die Miss­ach­tung ande­rer Men­schen wie auch der Tie­re gehen heu­te unver­fro­ren wei­ter, obwohl jeder weiß, dass wir uns wie der Berg­stei­ger in töd­li­che Gefahr bege­ben. Wir spü­ren bereits die Fol­gen der von Men­schen ver­ur­sach­ten Kli­ma­ver­än­de­rung in Form unge­wöhn­lich häu­fi­ger Tor­na­dos, mas­si­ver Über­schwem­mun­gen, jah­re­lan­ger Dür­re zum Bei­spiel in Ost­afri­ka; wir spü­ren die Fol­gen der unmensch­li­chen Mas­sen­tier­hal­tun­gen oder des che­mi­schen Ein­sat­zes in der Land­wirt­schaft in Form von plötz­lich auf­tre­ten­den Krank­heits­er­re­gern, die unse­re Nah­rung ver­gif­ten; wir müs­sen bereits jetzt erle­ben, dass man­ches, was tech­nisch mög­lich ist, uns selbst im höch­sten Maße gefähr­det: die Gewin­nung der Ener­gie aus der Atom­kraft und nicht zuletzt die ato­ma­ren Waf­fen selbst rich­ten sich schließ­lich gegen die Menschheit. 

Sie­he hier­zu → Kein 'Ent­kom­men' ....

Kommentare

    1. Eine sehr inter­es­sante Schluß­fol­ge­rung, die nur einen Feh­ler hat:
      Sie trifft so nicht zu.

      Nun wäre es wich­tig zu wis­sen, wo ich dazu Anlaß gege­ben habe das so zu inter­pre­tie­ren. Ich dach­te, ich hät­te sehr deut­lich gemacht nicht an irgend­ein über­ge­ord­ne­tes Wesen zu glau­ben - ich habe also kei­nen "Gott". Eine Anbe­tung von Wis­sen­schaft fän­de ich sogar absurd. Es ist doch ein von Men­schen erdach­tes Gedan­ken­ge­bäude, das aus Beob­ach­tung, Ver­su­chen und The­sen auf­ge­baut und in stän­di­gem Wan­del ist. 

      Der Unter­schied zu jeder Art von Reli­gion besteht dar­in, dass es kei­ne "Gewiß­heit" dar­über gibt wie Welt, das Uni­ver­sum ent­stan­den ist wohl aber mathe­ma­tisch, phy­si­ka­lisch und che­misch begrün­dete Annahmen.

      Hin­ge­gen behaup­ten Reli­gio­nen - ohne jeden Beweis - eine oder meh­rere höher Mäch­te, Wesen oder Gei­ster, die angeb­lich das Alles, was uns umgibt erschaf­fen haben sol­len (je nach Reli­gion in ver­schie­de­ner Wei­se, schon dar­aus erge­ben sich die ersten Zwei­fel, denn wer ent­schei­det wel­che die­ser Göt­ter der rich­tige ist?).
      Es wird dann ver­langt sich einer welt­lich orga­ni­sier­ten Grup­pie­rung anzu­schlie­ßen und an das "höhe­re Wesen" zu glau­ben .... und wie ich neu­lich schon ein­mal etwas flap­sig for­mu­lierte: Wenn ich auf die Stra­ße gin­ge und ein Leben nach dem Tode im Para­dies ver­sprä­che wür­de man mich wahr­schein­lich in eine Anstalt ein­wei­sen - wenn Kir­chen­ver­tre­ter das tun wer­den sie dafür auch noch bezahlt und kein Gläu­bi­ger zwei­felt an ihrem Wort.

      Alles deu­tet auf eine zufäl­lige Ent­ste­hung des Uni­ver­sums - und damit unse­res Pla­ne­ten und sei­nen Lebe­we­sen - auf­grund natur­wis­sen­schaft­lich zu erklä­ren­der Fak­ten hin. Wenn wir ster­ben zer­fal­len wir, unse­re Per­sön­lich­keit endet mit der Funk­ti­ons­ein­stel­lung des Gehirns.

      Wor­an ich also 'glau­be' ist, dass es kein Leben nach dem Tode geben kann.

  1. Ich mein­te mit "Gott" ... die Wis­sen­schaft gibt dir Gewiss­heit, gibt dei­nem Leben Sinn und nimmt dir Zwei­fel. Du baust auf das, was For­scher und For­sche­rin­nen wis­sen­schaft­lich fun­diert ver­öf­fent­li­chen, du siehst und erkennst in der Wis­sen­schaft die Wirk­lich­keit und aner­kennst sie als sol­che. Wirk­lich ist, was wis­sen­schaft­lich beweis­bar ist.
    Oder habe ich dich da falsch verstanden?

    Rosen­herz said:
    22-07-2018 um 10:59 Uhr

    Wenn ich dich rich­tig ver­stan­den habe, ist Leben für dich eine über­aus kom­plexe Zusam­men­set­zung unter­schied­li­cher che­mi­scher Bau­stoffe, die mit­ein­an­der inter­agie­ren, gesteu­ert vom Gehirn und den kogni­ti­ven Fähig­kei­ten, das das Gehirn und dem dar­aus ent­ste­hen­den Geist selb­stän­dig auf­baut im jewei­li­gen sozia­len Umfeld, in dem der Mensch als Kind aufwächst.

    Rosen­herz said:
    22-07-2018 um 11:40 Uhr

    "Kei­ne Gehirn­ak­ti­vi­tät mehr - kein Indi­vi­duum mehr, kei­ne Kör­per­funk­tion, die sich gegen den Ver­fall ins Cha­os wehrt"
    Wen­nich das Rich­tig ver­stehe, leben = Gehirn­ak­ti­vi­tät. Meim Men­schen, bei den Säugetieren.
    Wie ist das bei den Pflan­zen, die wir ja gewöhn­li­cher­weise als leben­dig bezeich­nen. Bei Pflan­zen fin­den wir nichts, was wir als Gehirn oder Gehirn­ak­ti­vi­tät bezeich­nen könn­ten. Oder auch bei "nie­de­ren Tie­ren". Doch sie leben.

    Gibt es da sowas wie unter­schied­li­ches Leben auf der Erde, also sowas wie Leben = Gehirn­funk­tion, und Leben = ohne Gehirn­funk­tion? Hm. Ich blicke da jetzt nicht durch.

    Rosen­herz said:
    22-07-2018 um 11:47 Uhr

    Haben Pflan­zen und nie­dere Tie­re doch ein Gehirn, doch wir haben es in der Wis­sen­schaft noch nicht gefun­den? Oder ist "Leben" grund­sätz­lich nicht zwin­gend an Gehirn­funk­tion gekop­pelt? Hm. Rätselhaft.

    1. @ Rosen­herz: Zwecks bes­se­rer Les­bar­keit habe ich ihre vier Kom­men­ta­re in einen Kom­men­tar 'umge­wan­delt' (ohne text­li­che Ände­run­gen, ver­steht sich).

      10:54
      Wis­sen­schaft ist eine Grund­la­ge mei­nes Den­kens, da ich selbst Wis­sen­schaft­ler (Diplom-Bio­lo­ge) bin. Ich kann zwi­schen pseu­do-wis­sen­schaft­li­chem Bla-bla und tat­säch­li­cher Wis­sen­schaft unterscheiden.

      Ich akzep­tie­re das, was als aktu­el­ler Stand des Wis­sens ver­öf­fent­licht ist. Aller­dings muß ich bei der Fül­le der Tag für Tag sich erwei­tern­den Lite­ra­tur zuge­ben nicht alle Wis­sens­ge­bie­te selbst zu über­schau­en. Des­we­gen suche ich mir aner­kann­te Publi­ka­tio­nen, die da einen Über­blick, eine Zusam­men­fas­sung der wich­tig­sten neu­en Erkennt­nis­se anbieten.

      10:59
      Richtig,
      Leben ist das Zusam­men­wir­ken che­mi­scher Reak­tio­nen, gesteu­ert von der Erb­infor­ma­ti­on, DNA [Des­oxy­ri­bo­nu­kle­in­säu­re].
      Der über­wie­gen­de Teil der Funk­tio­nen eines Orga­nis­mus (alle Leben­we­sen, Pflan­zen ein­ge­schlos­sen) ist bereits bei Geburt fest­ge­legt. Bei Lebe­we­sen mit höhe­rer Ent­wick­lung (nicht was den "Wert" des Lebe­we­sens angeht, son­dern was die Kom­ple­xi­tät der Struk­tur angeht) wird das im Ver­lauf des Her­an­wach­sens & des wei­te­ren Lebens noch durch Ler­nen und Fremd­ein­flüs­se modifiziert.

      11:40
      Der Para­me­ter "Gehirn­ak­ti­vi­tät" steht hier nur des­we­gen, weil er gemein­hin von der Medi­zin als Maß­stab her­an­ge­zo­gen wird um den Tod sicher zu bestimmen.
      Bak­te­ri­en und Viren bei­spiels­wei­se haben ja kein Gehirn und sind im bio­lo­gi­schen Sin­ne "unsterb­lich", da sie nach einer Tei­lung zwei iden­ti­sche Orga­nis­men dar­stel­len (theo­re­tisch, wäre da nicht eine zufäl­li­ge Modi­fi­ka­ti­on durch Umwelt­ein­flüs­se [Muta­ti­on], die das Erb­gut ver­än­dern und so zu ver­schie­de­ner Infor­ma­ti­on führen).
      Eine genaue Defi­ni­ti­on fin­det man bei Wiki­pe­dia: ".. das end­gül­ti­ge Ver­sa­gen aller lebens­er­hal­ten­den Funktionsabläufe .."

      11:47
      "Leben" ist nicht an eine Gehirn­funk­ti­on gekop­pelt, eher umgekehrt.
      "Leben" ist an eine Infor­ma­ti­on über den jewei­li­gen Orga­nis­mus (z.B.:Tier, Pflan­ze, Bak­te­ri­um) in der Erb­an­la­ge gekoppelt.
      Es gibt Kri­te­ri­en, die zur Beschrei­bung von "beleb­ter Umwelt" (= Leben) her­an­ge­zo­gen wer­den, die­se sind:
      - Stoffwechsel,
      - Fortpflanzung,
      - Reizbarkeit,
      - Wachs­tum und
      - Evolution

      Ein­fach aus­ge­drückt etwa so:
      Ein Leben­we­sen ist eine Orga­ni­sa­ti­on von che­mi­schen Reak­tio­nen die gegen die Nei­gung zum Cha­os* der unbe­leb­ten Welt des­sen Form und Funk­ti­on erhalten.
      Um sich der unge­ord­ne­ten Viel­fäl­tig­keit der Sub­stan­zen zu ent­zie­hen neh­men Lebe­we­sen Nah­rung zu sich, deren Ener­gie sie dazu nut­zen die­sem Cha­os ent­ge­gen zu wir­ken .... wenn sie dazu nicht mehr in der Lage sind ster­ben sie. 

      » Der Tod ist also das Ende die­ses Bemü­hens das Cha­os fernzuhalten. «

      * [Dazu muß man wis­sen, dass das Uni­ver­sum dem Cha­os zustrebt, also einen Zustand höch­ster Ver­tei­lung aller Sub­stan­zen zu errei­chen sucht.]

  2. » Der Tod ist also das Ende die­ses Bemü­hens das Cha­os fernzuhalten. «
    Wovon hängt das ab, die­ses Bemü­hen auf­recht zu erhal­ten oder das Bemü­hen zu beenden?
    Wer oder was oder wodurch wird das Bemü­hen been­det? Oder anders gesagt, wor­aus ergibt sich die "Stun­de des Todes"?

    1. Die Erb­infor­ma­ti­on (DNA oder DNS) kann nur end­li­che Male 'kopiert' wer­den, d.h. nach einer Zeit­span­ne wer­den die abge­le­se­nen Infor­ma­tio­nen feh­ler­haft bzw. die Repa­ra­tur­me­cha­nis­men kom­men mit dem Repa­rie­ren nicht mehr nach.
      Mit zuneh­men­der Feh­ler­zahl kommt es zu Stö­run­gen von (beim Men­schen) bestimm­ten Kör­per­funk­tio­nen - bis schließ­lich wesent­li­che Orga­ne aus­fal­len - dann bricht das Gefü­ge voll­ends zusammen.
      Erstes Zei­chen: Nah­rungs­auf­nah­me wird eingestellt,
      Zwei­tes Zei­chen: Flüs­sig­keits­auf­nah­me wird eingestellt,
      von da an sind es noch ca. 3-5 Tage zum Exitus ....

    2. Bei Unfall oder Selbst­mord ist dann der Zusam­men­bruch in viel kür­ze­rer Zeit. Was führt dazu, dass man­che durch Unfall ster­ben, man­che durch Krank­heit, man­che sich zu Selbst­mord entscheiden?

    3. Wozu "braucht" Erhal­tung und Wei­ter­ga­be der gene­ti­schen Viel­falt den Zufall. Wozu ent­wickelt der Mensch Kul­tur­tä­tig­kei­ten, Lesen, Spra­che, Wis­sen­schaft, Musik, ein Hob­by, das ist doch über­haupt nicht nötig für die Art­erhal­tung und Wei­ter­ga­be. Wofür Gefüh­le? Kin­der zeu­gen und bis ins zeu­gungs­fä­hi­ge Alter auf­päp­peln, da bedarf es kei­ner irgend­wie gear­te­ten Gefüh­le. Pflan­zen haben auch kei­ne Gefüh­le, um für Nach­wuchs zu sorgen. 

      Der Sinn der Art­erhal­tung und gene­ti­schen Viel­falt besteht also in der Art­erhal­tung und gene­ti­schen Viel­falt. Wofür? Die ist gleich­wer­tig sinn­voll oder sinn­los, wie das Ver­schwin­den der Art­erhal­tung und gene­ti­schen Viel­falt. Oder anders gesagt, Sinn ergibt weder das eine oder andere.

      1. Wie Sie schon rich­tig andeuten:
        Gefüh­le sind grund­sätz­lich überflüssig.

        Aller­dings bewir­ken sie eine Sta­bi­li­tät z.B. in Bezie­hun­gen, und die sind wie­der­um der Sor­ge um die Nach­kom­men­schaft dien­lich. Man kann das sehr gut bei Tier­ar­ten erken­nen, die in Zwei­er­be­zie­hung ein Leben lang Nach­wuchs auf­zie­hen, sehr viel erfolg­rei­cher als sol­che Arten, in denen die Eier abge­legt und sich dann selbst über­las­sen werden. 

        Die Zahl der Nach­kom­men­schaft ist dabei ein Maß für die Not­wen­dig­keit sich um die­se zu kümmern:
        Bio­lo­gisch betrach­tet ist es ein Null­sum­men­spiel - vie­le Nach­kom­men und wenig Für­sor­ge ist eben­so erfolg­reich wie weni­ge Nach­kom­men und viel Für­sor­ge. Der Mensch folgt letz­te­rem Muster. Emp­find­li­cher für Umwelt­ein­flüs­se sind immer jene Arten mit weni­ger Nach­kom­men, wenn da eine lang­an­hal­ten­de Stö­rung erfolgt kann die Art aussterben.

        PS
        Der Zufall wird gebraucht um die gene­ti­sche Aus­stat­tung durch­ein­an­der zu mischen - wir wis­sen heu­te, dass all­zu lan­ge 'Inzucht' zu dem Ver­fall* einer Art führt. Frü­her beob­ach­te­te man das schon, ohne aller­dings den Grund dafür zu ken­nen, des­we­gen auch das Ver­bot der Hei­rat in eng­ster Verwandtschaft.

        * Die mole­ku­la­re Grund­la­ge ist in der Erb­infor­ma­ti­on zu fin­den: Inzucht führt zu einer Häu­fung von Feh­lern, das heißt, Feh­ler addie­ren sich von Genera­ti­on zu Genera­ti­on wenn nicht neue, frem­de Erb­infor­ma­ti­on dazu kommt.

    4. Wenn ich davon aus­ge­he, Krank­heit, Unfall und Selbst­mord, alles Zufall, wozu dann bei­spiels­wei­se Gesund­heits­vor­sor­ge betrei­ben? Es regiert der Zufall. Das ist alle Maß­nah­me einer Gesund­heits­vor­sor­ge obso­let, weil man gegen den Zufall sowie­so kei­ne Maß­nah­me hat. Wozu zB Sport betrei­ben für ein gesun­des Leben, wenn der Zufall dar­über bestimmt, ob man gesund, krank oder stirbt? 

      Oder ich betrach­te Maß­nah­men zur Unfall­ver­hü­tung, die sind dann ange­sichts von Zufall der wirkt, nur Spie­le­rei mit dem Zufallsprinzip.

  3. Nein, das ist kei­ne logi­sche Folgerung.

    Wenn man schon lebt, und das in einer Gemein­schaft, dann muß dafür Sor­ge getra­gen wer­den den Zufall da ein­zu­däm­men wo es sinn­voll ist - sinn­voll im Sin­ne von Abwä­gung zwi­schen Gefahr bei Untä­tig­keit und Gefahr bei Vorsorge/präventiven Maß­nah­men. Für die Gemein­schaft ist es preis­wer­ter Vor­sor­ge zu betrei­ben als Pro­blem­fäl­le / Krank­hei­ten zu behan­deln. Trotz aller Vor­sor­ge schlägt immer wie­der - wir ken­nen das aus Erfah­rung - der Zufall zu. 

    Für das Indi­vi­du­um zählt natür­lich das, was selbst zu bestim­men ist. Für die­sen Fall gilt eben­so eine größt­mög­li­che Abwen­dung von dra­ma­ti­schen Ereignissen. 

    Wenn also Sport Gesund­heit för­dert ist es sinn­voll Sport zu trei­ben. Der begren­zen­de Fak­tor Gene­tik bedeu­tet ja nicht, dass wenn man sei­nen Kör­per ver­nach­läs­sigt sich die Gene­tik trotz­dem durch­setzt. *edit* Es gibt aber Gren­zen des­sen, was man durch Sport errei­chen kann - und das ist wie­der­um die gene­ti­sche Ausstattung.

    [Hier wird oft das Bei­spiel "Genie" herangezogen:
    Wenn ein Mensch ein hohes gei­sti­ges Poten­ti­al hat es aber nicht nutzt ist er oft schlech­ter dran als eine ande­re Per­son mit mitt­le­rem gei­sti­gen Poten­ti­al die die­ses zum Äußer­sten zu nut­zen weiß].

  4. Ich tei­le Ihren Bei­trag sowie Ihre Ant­wort­kom­men­ta­re zu 100%. Men­schen haben die Eigen­art, ihre Bedeu­tung für das Uni­ver­sum um Grö­ßen­ord­nun­gen zu über­schät­zen. Weder wol­len sie begrei­fen, geschwei­ge denn akzep­tie­ren, dass der Zyklus ihrer welt­li­chen Exi­stenz sich nicht son­der­lich von dem einer Stu­ben­flie­ge unter­schei­det. Men­schen emp­fin­den sich aber als signi­fi­kant bedeu­ten­der, als wich­ti­ger, als eben ein­zig­ar­ti­ge Ver­si­on eines Geschöp­fes, des­sen Wert unter gar kei­nen Umstän­den mit dem Tod ver­lo­ren gehen kann und darf. In die­ses gefühl­te Vaku­um der Selbst­sinn­su­che stößt die Reli­gi­on und ver­ab­reicht das drin­gend benö­tig­te Vali­um für die auf­ge­reg­te See­le, die mit ihrer eige­nen, selbst­ver­ständ­lich oft zufäl­li­gen (!) Ter­mi­nie­rung nicht fer­tig wird.

    Men­schen wol­len nicht wahr­neh­men, dass sie das belie­bi­ge, zufäl­li­ge Pro­dukt einer Evo­lu­ti­on sind, dass sie in Wahr­heit nur einen ganz schma­len Bereich selbst ent­schei­den und der über­wie­gen­de Teil durch DNA und che­mi­sche Pro­zes­se fest­ge­legt sind. Sie ver­wei­gern sich wis­sen­schaft­li­chen Fak­ten, weil sie ihnen Angst machen. Weil es Mut braucht, sich mit der eige­nen Sterb­lich­keit und dem unaus­weich­li­chen Ende aus­ein­an­der­zu­set­zen und es doch soviel ein­fa­cher ist, an ein ewi­ges Leben zu glau­ben, in dem, wenn auch kör­per­los, alles schon irgend­wie so wei­ter­geht wie bisher.

    Ich habe auf­ge­hört, mich mit "Gläu­bi­gen" aus­ein­an­der­zu­set­zen, weil es kei­nen Sinn macht. Ihnen geht es mit die­sem Mär­chen bes­ser. Sie leben und ster­ben damit ein­fa­cher. Und das ewi­ge Leben, um das man sie betro­gen hat, wer­den sie nicht ein­kla­gen. Wie sag­te mei­ne Oma, als ich sie frag­te, ob sie Angst vor'm Ster­ben hat: "Jung, is noch kei­ner zurück­ge­kom­men und hat sich beschwert!".

    1. Die Aus­sa­ge ihrer Groß­mutter gefällt mir, mei­ne eige­ne Groß­mutter (müt­ter­li­cher­seits) ist lei­der ganz plötz­lich & allei­ne in ihrem Bett gestor­ben. So konn­te ich zwar nichts mehr mit ihr reden, war aber froh, dass sie so gestor­ben ist wie sie es immer woll­te: Ohne Schmer­zen, nur so einschlafen ....

      Es freut mich, dass Sie mei­ne Dar­stel­lung unter­stüt­zen & ich bin mir bewußt, damit Vie­len ihre Illu­si­on der eige­nen Bedeu­tung zu ver­gäl­len. Da ich aber auf nichts und nie­man­den mehr Rück­sicht neh­men muß seit ich aus dem Arbeits­le­ben aus­ge­schie­den bin, habe ich mir ange­wöhnt kei­ne Pur­zel­bäu­me mehr zu schla­gen, son­dern ganz gerad­li­nig zur Sache zu schreiben. 

      Gera­de weil Religion(-en) häu­fig die Frech­heit besit­zen - ent­ge­gen der tat­säch­li­chen Geschich­te in den letz­ten 2000 Jah­ren - zu behaup­ten die 'För­de­rer von Kul­tur und Wis­sen­schaft' schlecht­hin gewe­sen zu sein gebe ich da kei­ne Ruhe. Und wer­de bis zum Ende mei­ner Tage ver­su­chen wenig­stens noch ein paar Schäf­chen auf die Sei­te der Wis­sen­schaft zu ziehen.

      Ich bin ja Rent­ner und habe dazu die nöti­ge Zeit ;c) - und glück­li­cher­wei­se eine ent­spre­chen­de Vor­bil­dung. Braucht man nicht unbe­dingt, scha­det aller­dings bei man­chen The­men auch nicht.

  5. @ NBer­lin

    Mei­ne Ange­le­gen­hei­ten sind seit Jah­ren geord­net, dazu gehört auch was mit den Blogs pas­sie­ren soll. 

    Ob man aller­dings was hier ver­öf­fent­licht wird als "Ergüs­se" bezeich­net ist wohl eine Fra­ge des guten bzw. schlech­ten Geschmacks - ich bevor­zu­ge mei­ne Ein­trä­ge als "Arti­kel" zu bezeich­nen, weil sie Inhalt & Form haben, vor allem aber Sub­stanz. Man kann - wenn man will - aus den mei­sten Bei­trä­gen etwas ler­nen bzw. via Link­s­et­zung wei­te­re Infor­ma­tio­nen zum The­ma finden.

    Man­chem Blog stün­de es bes­ser an anstatt 'gos­sip' und Anzüg­lich­kei­ten viel­leicht lie­ber Greif­ba­res anzu­bie­ten. Der Unter­gang von "two­day" ist z.T. dadurch zustan­de gekom­men, dass immer mehr Tri­via­les die bes­se­ren Blogs (bis auf eini­ge weni­ge) hat ver­schwin­den las­sen - Mas­se ist eben bestimmt nicht Klasse. 

    Das gilt man­cher­orts auch für die Anzahl von Kommentaren.

  6. Das ist ein Arti­kel, mit dem ich zur Gän­ze ein­ver­stan­den bin, - auch mit den Ant­wor­ten zu den Kommentaren.
    Das trifft bei Ihren Arti­keln aller­dings ganz sel­ten zu :) Wie schön, dass es auch Aus­nah­men gibt !

    1. Na, da bin ich aber froh!
      Gut, dass Sie gleich noch eine Ein­schrän­kung hin­ter­her gescho­ben haben, sonst könn­te am Ende Jemand an ihrer abso­lu­ten Objek­ti­vi­tät mir gegen­über zweifeln.

      Alles in allem freut es mich, dass Sie wie­der ein­mal den Weg in mein Dickicht von Unge­reimt­hei­ten gefun­den haben - bis dem­nächst mal .... ;c)

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