Sprache:
„Weiland schritt ich fürbaß
durch die heimischen Lande“*.

Kürz­lich dach­te ich ein Wort erfun­den zu haben: Tri­pe­lung
Getreu dem Mot­to der "Gesell­schaft für Deut­sche Spra­che" nach dem sich Spra­che stän­dig wan­delt und wir das als Fort­schritt zu wer­ten hätten:

".. Alles halb so schlimm, rela­ti­viert Andrea-Eva Ewels .. die Unter­gangs­sze­na­ri­en gegen­über der DW: „Nein, unse­re Spra­che geht nicht unter, sie ver­än­dert sich nur ste­tig – schon des­halb, weil sich die Welt in einem frü­her nicht gekann­ten Aus­maß und Tem­po ver­än­dert“, sagt sie. „Wir spre­chen ja auch nicht mehr so wie im 6. Jahr­hun­dert oder im Mit­tel­al­ter.“ Spra­che, so Ewels wei­ter, müs­se sich immer wie­der neu­en Lebens­ver­hält­nis­sen anpas­sen, damit sie den Men­schen als Mit­tel der Refle­xi­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on die­nen könne .."
".. gera­de in punc­to ver­nach­läs­sig­ten Dativs oder Kon­junk­tivs sieht sie eine natür­li­che Ent­wick­lung: „Sprach­wan­del führt immer zur Ver­ein­fa­chung der Sprachstruktur .."


Genau da setzt mei­ne Kri­tik ein & an.
Denn:
Wo sind hier die Gren­zen und vor allem wonach rich­ten sich die­se Gren­zen? Wer­den sie am klein­sten gemein­sa­men Nen­ner fest­ge­macht und sagen wir alle dem­nächst den ver­ein­fach­ten Satz "Isch geh Aldi" anstatt zu for­mu­lie­ren "Ich gehe jetzt ein­kau­fen, zu Aldi."

 
Sodann bezweif­le ich, daß der 'Sprach­wan­del' derer, die nur (sol­che und ähn­li­che) Pri­mi­tiv­sät­ze zu spre­chen in der Lage sind, die oben zitier­ten Aus­füh­run­gen der Frau Ewels über­haupt ver­ste­hen könn­ten - und an wen wen­det sich dann ihre Anspra­che in ein paar Jah­ren wenn jene 'aus­ge­stor­ben' sind, die noch fähig waren sinn­erfas­send kom­plet­te deut­sche Sät­ze zu lesen oder zu verstehen?

Die ten­den­ziö­se Dar­stel­lung des Sach­ver­hal­tes in dem ver­link­ten DW Arti­kel ergibt sich aus mei­ner Sicht schon durch die Aus­wahl von Zita­ten und Beispielen:
Wenn man eine dia­lekt-gewöhn­te Frau, Pfäl­ze­rin, zu Wort kom­men läßt, deren Hoch­deutsch­be­mü­hun­gen mit lokal übli­chen Dia­lekt­wor­ten durch­setzt ist, so wird ein Man­gel an Objek­ti­vi­tät unter­stellt wer­den dürfen.
Was ich hier­mit tue.
Der Auf­fas­sung der "Gesell­schaft für Deut­sche Spra­che" wider­spricht gleich­sin­nig vehe­ment der Ver­ein Deut­sche Spra­che (VDS). Danke.

".. der Sprach­wis­sen­schaft­ler Aria Adli von der Uni­ver­si­tär Köln: „Wenn sich die Eltern­ge­nera­ti­on heu­te beschwert, dass die Jun­gen die Spra­che nicht mehr rich­tig beherr­schen, dann könn­te man den Spieß auch umdre­hen und sagen: Die Eltern­ge­nera­ti­on hat nicht dazu­ge­lernt, um so zu spre­chen, wie man eigent­lich heut­zu­ta­ge spricht .."

Hier fehlt mir das Ver­ständ­nis wie­so sich die Älte­ren nach den Jün­ge­ren zu rich­ten hät­ten! Ist es nicht viel­mehr so, daß sowohl im Tier­reich als auch bei den Men­schen der Fort­schritt durch die Ideen, das Bei­spiel und die Erfah­rung der Älte­ren ent­wickelt und ver­bes­sert wird?

Wenn ich Bei­spie­le aus der so-genann­ten 'Jugend­spra­che' lese dreht sich mir der Magen um. 


Ich kann nicht ver­ste­hen wie irgend­ein ernst­zu­neh­men­der Mensch, geschwei­ge denn Wis­sen­schaft­ler - außer offen­sicht­lich Herrn Adli - sich dazu ver­stei­gen kann zu for­dern die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung habe sich am Bei­spiel einer noch dazu jugend­li­chen Min­der­heit zu ori­en­tie­ren.

 


Bei­spie­le für die Benut­zung des Wor­tes "TRIPELUNG" (Zif­fern 1+2), das ich nun lei­der doch nicht erfun­den habe, weil es schon zuvor benutzt wurde:
(1)
Bei Dopp­lun­gen ver­weist die­ser auf den jeweils ande­ren volks­spe­zi­fi­schen Arti­kel. Bei Tri­pe­lun­gen auf eine all­ge­mei­ne Begriffsklärung.

(2)
„Dass ange­sichts der visu­el­len Tri­pe­lung und der damit ver­bun­de­nen bild­ne­ri­schen Über­frach­tung die Musik zu ihrem Recht kommt, ist dem sich leidenschaftlich ...

(3)
https://sensor-wiesbaden.de/im-2x5-interview-andrea-eva-ewels-geschaeftsfuehrerin-der-gesellschaft-fuer-deutsche-sprache-46-jahre-1-sohn/

(4)
https://brachinaimagepress.de/kultusminister-erhoehen-foerderung-fuer-pflege-der-deutschen-sprache

(5)
https://www.aski.org/f-1-37-192-gesellschaft-fuer-deutsche-sprache.html

(6)
https://sfb1412.hu-berlin.de/de/personen/prof-dr-aria-adli/

* https://www.haz.de/kultur/regional/verfaellt-die-deutsche-sprache-YHQ2WSBG4WWZ3O2DVIXKDOOPWE.html
".. Der Wort­schatz einer Spra­che ver­än­dert sich ins­be­son­de­re durch die Bil­dung neu­er Wör­ter (Abwrack­prä­mie), durch das Ver­al­ten und Aus­ster­ben von Wör­tern und Wen­dun­gen (für­baß, zu die­sem Behu­fe), durch Bedeu­tungs­wan­del (Frau­en­zim­mer) und durch Ent­leh­nun­gen (Ser­vice­point).
Klaus-Die­ter Lud­wig ist Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor und beschäf­tigt sich vor allem mit Ange­wand­ter Sprach­wis­sen­schaft. Er kann auf her­aus­ra­gen­de Lei­stun­gen auf dem Gebiet der Lexi­ko­lo­gie und Lexi­ko­gra­phie der deut­schen Spra­che zurückblicken .."

[aus: "Wei­land schritt ich für­bass durch hei­mi­sche Lan­de", Vor­trag über Ver­än­de­run­gen der deut­schen Spra­che.]

Kommentare

  1. Dass es vie­le Aus­prä­gun­gen von Jugend-und Grup­pen­spra­chen in ver­schie­de­nen Län­dern gibt, ist ja unbe­strit­ten (wie z.B. das Ver­lan im Fran­zö­si­schen), und es sei auch erlaubt, die­se zu erfor­schen und zu doku­men­tie­ren. Aber die Jugend­spra­che zum Maß­stab erklä­ren zu wol­len, ist schlicht naiv.
    Im Übri­gen wol­len Jugend­li­che gar nicht, dass 'Erwach­se­ne' ihre Spra­che spre­chen, es geht ja gera­de dar­um, sich von der Erwach­se­nen­welt abzusetzen.
    Und ein Schritt zum Erwach­sen­wer­den soll­te dann eben auch dar­in bestehen, die Jugend­spra­che hin­ter sich zu lassen.

    1. Für­wahr wacker gespro­chen, Frau Gevat­te­rin! ;c)

      Genau das habe ich - wie­der ein­mal mit viel mehr Wor­ten als der Sache dien­lich ist - aus­zu­drücken versucht.
      Ich könn­te jedes ihrer Wor­te unter­schrei­ben, beson­ders gefällt mir der Satz ".. Aber die Jugend­spra­che zum Maß­stab erklä­ren zu wol­len, ist schlicht naiv .." und wahr­schein­lich ist das dem Pro­fes­sor hin­rei­chend klar - es macht sich aller­dings gut sol­che Ver­kür­zun­gen in ein Inter­view ein­zu­wer­fen ... it's cool man!

  2. Spra­che ver­ein­facht sich auch des­we­gen, wenn sei­ne Spre­cher immer düm­mer und sozi­al ver­armt werden...

    Mit dem Vor­schlag, die Älte­ren sol­len sich an den Jün­ge­ren ori­en­tie­ren - damit hät­te man noch kom­men kon­nen, als die Bevöl­ke­rungs­struk­tur noch dem­entspre­chend war, als es noch eine sta­ti­stisch sehr jun­ge Bevöl­ke­rung war und die Alten eher in der Minderheit.
    Aber heute...

    Das vie­le lose Spre­chen in Angli­zis­men mit Deutsch durch­ein­an­der gefällt mir z. B. irgend­wo auch nicht. Es klingt irgend­wo recht häss­lich. - Zwar bin ich selbst dar­in auch nicht immer Mei­ster, das zu unter­las­sen (liegt bei mir dar­an, wenn ich über­le­gen muss wie eine Sache auf Deutsch eigent­lich heißt und es mir nicht ein­fal­len will), aber ich bemü­he mich dar­um - als so eine Art selbst­ge­wähl­te "Kor­rekt­heit".
    Wenn ich schließ­lich Eng­lisch spre­chen will, dann tue ich das, aber dann auch ganz. Und nicht nur halb. Wenn ich also mit Deutsch anfan­ge, war­um spre­che ich dann doch soge­nann­tes "Deng­lish"? Ist doch irgend­wo recht unlogisch...

    Man hat zwar eigent­lich schon vor 15+ Jah­ren gesagt/davor gewarnt wie ver­bo­ten und teil­wei­se auch falsch ange­wen­det Deng­lisch klingt, aber heu­te ist das durch das Inter­net irgend­wie noch ein­mal eine Stu­fe schwer­wie­gen­der geworden.

    Aktu­ell, glau­be ich, wird z. B. gern das Wort "crin­ge" sehr infla­tio­när unter Jün­ge­ren benutzt. - Ich ver­ges­se immer wie­der, was es heißt. Es kommt selbst in mei­nen eng­li­schen Sprach­kennt­nis­sen nicht wirk­lich vor.

    Und letzt­lich... Deng­lisch in der Art und Wei­se hat vor allen Din­gen ein Pro­blem: Dein Gegen­über muss immer doch durch­schnitt­li­che Kennt­nis­se der eng­li­schen Spra­che mit­brin­gen, sonst ver­steht es dich gar nicht.
    Des­we­gen möch­te ich mir so einen Sprach­stil gar nicht erst ange­wöh­nen. (Wenn ich sage "naja, wenn es wenig­stens auf Eng­lisch beschrif­tet ist, das ist für mich wenig­stens eine ver­ständ­li­che Spra­che - es könn­te schlim­mer sein", ich ken­ne es, dass auch Leu­te dane­ben ste­hen und eher sagen "oh, Gott - das wäre für mich immer noch genau­so schlimm, weil ich nichts ver­ste­he!". Eben das soll­te man daher immer etwas mit berück­sich­ti­gen. Und es sind bei­lei­be nicht nur die älte­re Genera­ti­on, die dort sprach­lich ein Pro­blem hat...)

    Teil­wei­se redu­zie­re ich auch Dia­lekt, frei­wil­lig, im gespro­che­nen Wort - das hat aber eher per­sön­li­che als auch gesund­heit­li­che Gründe.
    Wenn mein Hirn auf Auto­pi­lot spricht (mit Dia­lekt), dann macht es immer mehr Feh­ler und ich klin­ge sonst­wie gei­stig behindert/zurückgeblieben.
    Spre­che ich lang­sa­mer und deut­li­cher, kon­zen­trie­re mich mehr dar­auf, funk­tio­niert das bes­ser. Und dabei ist es bes­ser, wei­test­ge­hend Hoch­deutsch (oder hoch­deut­sche Aus­spra­che) zu benut­zen, weil dadurch ande­re nicht ganz so aus­ge­bau­te Hirn­struk­tu­ren benutzt wer­den müs­sen. (Ergo: Das Hirn strengt sich mehr bewusst an, kon­zen­triert sich mehr und macht dadurch weni­ger Feh­ler beim Sprechen.)

    1. Mit dem Dia­lekt ist das so eine Sache ... dadurch, daß ich schon mit knapp sech­zehn ganz hoch in den 'ech­ten' Nor­den gezo­gen bin [sagen die Schles­wig-Hol­stei­ner jetzt per Pla­kat, das habe ich gese­hen, als ich den Zaun für die Vor­der­front des Grund­stücks abge­holt habe] hat sich mein hes­si­scher Dia­lekt rasch ver­flacht und es sind nur Reste davon geblie­ben, genug aller­dings, um mich als 'irgend­wie aus der Mit­te oder dem Süden Deutsch­lands' erkenn­bar zu machen. Jeden­falls hat­te ich und habe ich wegen die­ser Reste an Dia­lekt kei­ne Pro­ble­me, sie sind Teil mei­ner Persönlichkeit.

      Was 'Deng­lisch' angeht kann ich ganz gut ver­mei­den - oder, wie du, bewußt ein­set­zen. Es gibt nun mal im Eng­li­schen Wor­te die etwas knapp beschrei­ben, wo man im Deut­schen hal­be oder gan­ze Sät­ze brau­chen wür­de. Da ist es - beson­ders bei lan­gen Tex­ten - öko­no­misch die kür­ze­ste Form zu nut­zen. Zudem gibt es man­nig­fa­che Mög­lich­kei­ten etwas zu sagen was im Deut­schen so nicht exi­stiert (und umge­kehrt!). Wenn ich so Men­schen 'ver­lie­re', weil es nötig wäre bei­de Spra­chen zu ver­ste­hen mache ich mir dar­über mitt­ler­wei­le eben­falls kei­ne Gedan­ken mehr ... schließ­lich bin ich kein prot­zi­ger Teen­ager mehr der Fremd­spra­chen­brocken - meist noch in fal­schem Zusam­men­hang - ein­wirft um als cool zu gelten.

      Frue*er”™ gab es weni­ger Anteil an Nicht-Mut­ter­sprach­lern und noch weni­ger Men­schen mit Nicht-Deut­scher sozio-kul­tu­rel­ler Auf­brin­gung. Es hat mit Ras­sis­mus (wie ihn der Herr Pro­fes­sor für Roma­ni­stik Adli in vie­len Fäl­len hin­ter den Ver­such die deut­sche Spra­che auf einem höhe­ren Niveau zu hal­ten ver­mu­tet) nicht zu tun wenn man sich wei­gert ver­kürz­te und schlu­de­ri­ge Gram­ma­tik und Wort­neu­schöp­fun­gen aus Unver­ständ­nis der Spra­che ganz all­ge­mein und der zwangs­wei­sen Zwei­spra­chig­keit wegen der Wei­ge­rung der Eltern­ge­nera­ti­on sich sprach­lich ein­zu­glie­dern, weil das von den Hard­li­nern als Iden­ti­täts­ver­lust und Ver­rat des Vater­lan­des geäch­tet wird. Gepaart mit mitt­le­rer Intel­li­genz wird so eine Kunst­spra­che geschaf­fen, die frem­de Ele­men­te in Wor­ten und Gram­ma­tik hat und mit "Deutsch" in rei­nem Sin­ne nicht mehr ver­gleich­bar ist. Sol­che Unter­schich­ten­mu­sik wie die von den so-genann­ten Rap­pern ist dann nur noch das Tüp­fel­chen auf dem "i".
      [Die­se Meta­pher ist übri­gens ein tref­fen­des Bei­spiel wie Sprach­fä­hig­keit ver­lo­ren geht, denn wenn man ver­su­chen woll­te das anders aus­zu­drücken müß­ten wohl vie­le Zuge­rei­ste mit aus­län­di­schen Wur­zeln und wahr­schein­lich auch eine Viel­zahl von Zweit- oder Dritt­ge­nera­ti­ons­be­völ­ke­rungs­zu­ge­hö­ri­gen pas­sen weil sie den Sinn nicht erfas­sen kön­nen und eine Wort-für-Wort-Über­set­zung nutz­los ist.]

      Anders gesagt:
      Vie­le Stil­ele­men­te, Fein­hei­ten des Aus­drucks selbst der Umgangs­spra­che, ganz zu schwei­gen des Hoch­deut­schen, gehen durch man­geln­de Erfas­sung des Wort­sin­nes und des not­wen­di­gen kul­tu­rel­len Zusam­men­han­ges ver­lo­ren. Das zu bekla­gen ist kein Ras­sis­mus son­dern eine Fest­stel­lung von Tat­sa­chen - so sehr es den ira­nisch­stäm­mi­gen Pro­fes­sor Adli ärgern mag.

      1. Gegen einen sinn­vol­len Ein­satz ist wohl nichts ein­zu­we­den. Auch ich weiß das, dass man in der eng­li­schen Spra­che man­ches schnell rela­tiv unkom­pli­ziert und­kea­tiv auf den Punkt brin­gen kann. Und man­che Begrif­fe gibt es sowohl in Deutsch als auch in Eng­lisch, dafür gibt es kein rich­ti­ges Äqui­va­lent in der ande­ren Spra­che. (In ande­ren Spra­chen ebenso.)

        Ich fürch­te, so einen, der per­ma­nent nur auf deut­sche Spra­che besteht und kein biss­chen was aus­län­di­sches ver­steht, ich glau­be, mit dem­je­ni­gen käme ich für einen dau­er­haf­ten Umgang nicht mehr auf einen Nen­ner. Dafür habe ich von ande­ren Spra­chen ein­fach zu viel Ahnung und benut­ze das "neben­bei" oder lese zu vie­le nicht-deut­sche Tex­te. Ich krie­ge dadurch viel zu viel mehr mit außer­halb des Tel­ler­rands, der sich in die­ser Sprach­sphä­re hält... (Even­tu­ell wäre mein Fremd­wort­kon­tin­gent für eini­ge schon zu viel.)

        Dazu muss ich aller­dings sagen, ich stre­be dabei stets anch kor­rek­ter Anwen­dung. Also... ein­fach so in den Raum wer­fen, nur um inter­es­sant zu klin­gen, das ist mir ein­fach wesens­fremd. (Genug in mei­nem Netz­werk tadeln mich öfter mal, wenn ich in irgend­ei­nem rus­sisch­spra­chi­gen Blog einen Kom­men­tar schrei­be und der nicht in ihrer Spra­che ist. - Ich bin wirk­lich kein Fan davon, per Trans­la­tor zu kom­mu­ni­zie­ren, ohne wirk­lich zu wis­sen, was ich dort sage. Man kann sich damit auch sehr gut bla­mie­ren. - An so etwas wür­de man ja trozdem mer­ken, dass ich Aus­län­der bin.
        Weiß nicht, ob das man­chen Über- oder Sof­a­pa­trio­ten zu viel an Denk­ar­beit ist, jeden­falls erach­te ich das als mei­nen gei­sti­gen Anspruch. - Wenn ich mal weiß wie man das in deren Spra­che sagen kann, dann tue ich das näm­lich auch.)

        Ghet­to­spra­che... ja, das ist ein eige­nes Kapi­tel für sich.
        Und man soll­te da auch übe­raupt nicht die­ses Ras­sis­mus­the­ma hin­ein­brin­gen, denn in Städ­ten ohne den hohen Aus­län­der­an­teil der Groß­städ­te, die aus dem Mit­tel­meer- oder ara­bi­schen Raum kom­men, da reden die wei­ßen Kin­der in einer ähn­li­chen Art und Wei­se. "Fot­ze", "Fres­se" und was nicht alles, das ken­nen dir dort auch, ohne dass es jemand mit einer ande­ren Haut­far­be oder ande­ren kul­tu­rel­len Hin­ter­grund ihnen bei­gebracht hat.
        Um es auf den Punkt zu brin­gen: Die Sprech­wei­se der Aso­zia­len, die klingt über­all gleich, egal wel­che Haut­far­be oder Her­kunft zu haben.
        Wäre das anders, war­um gibt es dann den wesent­lich noble­ren Begriff "Gos­sen­spra­che" aus frü­he­ren Zeiten?
        Es ist viel­mehr ein Pro­dukt aus Man­gel an Bil­dung, Aus­ge­grenzt­heit (sowohl von allen ande­ren sozia­len Klas­sen als auch ande­ren (sub-)kulturellen Hin­ter­grün­den) und dass es kein so rich­ti­ges Ent­kom­men davon gibt.
        Soll hei­ßen: Wenn die Aso­zia­len alle nur auf­ein­an­der hocken im Ghet­to, wie soll sich dann was an ihrer ver­küm­mer­ten und an ihrer Gos­sen­spra­che ändern? Der gegen­sei­ti­ge Input bleibt ste­tig der­sel­be. (Genau das ist, was Fil­ter­bla­sen und Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten schon immer erzeugt haben. - Men­schen, die in einer Trau­be zusam­men­woh­nen und ihr gei­sti­ges Niveau gegen­sei­tig auf einem bestimm­ten Stand und ihren Blick­win­kel in etwa der sel­ben Rich­tung hal­ten. Kei­ne Ent­wick­lung, kei­ne Veränderung.)

        Ras­sis­mus da wie­der ein­zu­brin­gen erscheint mir wie ein Tun­nel­blick, mit dem man an die Sache her­an­geht, wenn man aus der Groß­stadt stammt und nur das als Maß­stab für das Zustan­de­kom­men der Situa­ti­on nimmt.

        "Nicht-deut­scher sozio-kul­tu­rel­ler Hin­ter­grund" ist auch wie­der so etwas, was ein biss­chen zu sehr verallgemeinert.
        Bei Men­schen mit ver­schie­de­nen kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den sind sol­che Resul­ta­te wie die­se ver­kürz­te Ghet­to­spra­che näm­lich nicht immer gleich.
        Ver­glei­che man es z. B. mit Ost­eu­ro­pä­ern oder Rus­sen - also, die ver­su­chen im Schnitt eher, die deut­sche Spra­che rich­tig zu ler­nen und nicht für immer so wie nach Ghet­to klin­gend zu reden.
        Hin­ge­gen bei Leu­ten aus dem Nahen Osten oder der Tür­kei, da ist die­se kri­ti­sier­te ver­küm­mer­te und sprach­li­che fal­sche Ghet­to­spra­che wesent­lich öfter anzutreffen.

        So etwas ist nicht Ras­sis­mus, es ist ein­fach eine sach­li­che Fest­stel­lung. - Offen­sicht­lich steckt hier doch jeweils eine ande­re Men­ta­li­tät im Geschehen.
        Soll sich an die­sem Klischee/dieser Erwar­tung etwas ändern, müs­sen die betref­fen­den Leu­te etwas dafür tun. Ganz einfach.

        1. Ich dach­te mir schon, daß du mehr als drei Spra­chen beherrschst und das fin­de ich eine tol­le Lei­stung - gera­de vor dem Hin­ter­grund nicht über die Grund­la­gen der drit­ten Spra­che (Spa­nisch) hin­aus gekom­men zu sein. Es reicht wohl für den täg­li­chen Umgang, aber nicht für tie­fer gehen­de Erör­te­run­gen oder kom­ple­xe Themen.
          Goog­le Über­set­zun­gen nut­ze ich nur für sol­che Tex­te die aus der Fremd­spra­che ins Deut­sche oder Eng­li­sche über­tra­gen wer­den - da habe ich Unter­schie­de fest­ge­stellt was die Ver­ständ­lich­keit und inten­dier­te Aus­sa­ge angeht. Spa­nisch - Eng­lisch ist viel bes­ser als bei­spiels­wei­se Spa­nisch - Deutsch. Inso­weit bin ich froh gute Eng­lisch­kennt­nis­se zu haben.

          Es geht selbst­re­dend nicht dar­um auf Deutsch zu bestehen - wenn aber Deutsch, dann bit­te sinn­vol­ler Satz­bau und pas­sen­der Wort­schatz, anson­sten lie­ber bei der Mut­ter­spra­che blei­ben und Hil­fe in Anspruch neh­men. Die Aus­nah­me stellt es dar wenn Jemand hier per­ma­nent Fuß fas­sen will oder auf abseh­bar län­ge­re Zeit hier leben will weil es im Hei­mat­land zu gefähr­lich ist. Da fin­de ich es unab­ding­bar auf dem Erler­nen der deut­schen Spra­che zu bestehen - wie soll eine Per­son ohne ein Ver­ständ­nis des All­tags­ge­sche­hens man­gels Sprach­kennt­nis­sen hier exi­stie­ren, völ­lig los­ge­löst und ahnungs­los was rund­her­um passiert?
          Das Wenig­ste was eine Per­son lei­sten muß ist, als Gegen­lei­stung für das, was von unse­rem Staat aus Steu­ern (und so von uns allen) gezahlt wird ist, sich die not­wen­di­gen Sprach­kennt­nis­se anzueignen.

          Dei­ne Aus­füh­run­gen zur Ghet­to­spra­che und der Pro­ble­ma­tik was Ghet­to mit Men­schen macht bzw. wor­an es Men­schen hin­dert fin­de ich sehr gut dar­ge­stellt. Es ist näm­lich immer eine fal­sche Erwar­tung wenn 'gute Rat­schlä­ge' erteilt wer­den, da natür­lich immer von wohl­mei­nen­den aber prin­zi­pi­ell oft ahnungs­lo­sen Wohl­tä­tern, die ihr eige­nes Umfeld ken­nen - aber von ande­ren gesell­schaft­li­chen Strö­mun­gen unbe­leckt ein zufrie­de­nes und behü­te­tes Leben füh­ren. Was soll das sagen? Es ist ein Rie­sen­un­ter­schied zwi­schen 'gut gemeint und gut gemacht', nur pro­fes­sio­nel­le Orga­ni­sa­tio­nen und geschul­tes Per­so­nal soll­te sich dar­an wagen!

          Die Tat­sa­che der frei­wil­li­gen Ghet­toi­sie­rung, die Sicher­heit durch Nähe zu gleich­ar­ti­gen Men­schen gibt, ist trü­ge­risch und sie rührt teil­wei­se aus der Hei­mat­si­tua­ti­on her. Men­schen aus Russ­land schei­nen eher das Bestre­ben zu haben zwar mit ihren Lands­leu­ten Kon­takt zur gegen­sei­ti­gen Unter­stüt­zung zu pfle­gen - anson­sten aber eher nicht zu nah auf­ein­an­der zu hocken und eine brei­ter ange­leg­te Pri­vat­sphä­re zu bevor­zu­gen. Da stim­me ich mit dem über­ein was du zu ande­ren Natio­na­li­tä­ten aus­ge­führt hast - und was einen Teil der bestehen­den Pro­ble­me umreißt.

          Spra­che ist erst­mal neu­tral. Wer etwas ande­res behaup­tet will eine Ten­denz erzeu­gen die die Gedan­ken weg vom Pro­blem auf ein nur fik­tiv vor­han­de­nes Gefäl­le, eine angeb­li­che, schlech­te­re Behand­lung len­ken. Da erin­ne­re ich einen Vor­fall wäh­rend der abschlie­ßen­den Prü­fung in einem Semi­nar der Lebens­mit­tel­che­mie. Der Prü­fer frag­te eine Viet­na­me­sin und die­se hat­te ganz offen­bar kei­nen Schim­mer und woll­te raus indem sie ihn bat das noch­mal auf Eng­lisch zu fra­gen - ich den­ke sie tat das in der Hoff­nung er sei dazu nicht in der Lage und wer­de sie zufrie­den las­sen ... falsch, er frag­te in per­fek­tem Eng­lisch und sie konn­te wie­der­um nichts ant­wor­ten. Da brach sie in Trä­nen aus und beschul­dig­te ihn in schlech­tem Deutsch ver­mischt mit eng­li­schen Brocken und etwas (was sich für mich wie die­ses zwit­schern­de) Viet­na­me­sisch anhör­te, sie wegen ihrer Her­kunft zu benach­tei­li­gen. Wor­auf er trocken ant­wor­te­te "Sie wären selbst wenn ich Sie in ihrer Mut­ter­spra­che fra­gen wür­de nicht in der Lage zu ant­wor­ten - weil sie schlecht bis gar nicht vor­be­rei­tet sind. Kom­men Sie erst wie­der hier­her wenn Sie das auf­ge­ar­bei­tet haben!" Er wie­der­hol­te das noch­mal lang­sam in Eng­lisch und ver­wies sie dann des Raumes.

        2. Mehr als 3 Spra­chen... Nun, das wäre doch etwas zu viel des Lobes. 2 soweit flie­ßend, dass ich mich dar­in unter­hal­ten kann - bei Fran­zö­sisch als 2te Fremd­spra­che in der Schu­le ent­decke ich immer wie­der mit Ent­set­zen, wie viel mein Gehirn sich davon doch gemerkt hat. Jeden­falls, wenn ich bestimmt öfter damit kon­fron­tiert wäre, wür­de ich das bestimmt bes­ser beherr­schen. Also... wenn ich irgend­was auf Fran­zö­sisch vor die Nase bekom­me, mer­ke ich wie der Kopf anfängt, zu ver­su­chen, zu ver­ste­hen - von allein und ohne Hilfsmittel.
          Von Spa­nish Wahl­pflicht 1 Jahr weiß mein Hirn so gut wie gar nichts mehr... Nun, was ich wohl­mög­lich hin­be­kom­me, ist zumin­dest ein klein wenig "Gefühl" zu haben wie man mit der Spra­che umgeht. Und dass ich Spa­nisch erken­ne, wenn ich es höre. (Bei den Flücht­lin­gen, die hier anka­men, mein­te ich, auch mal Spa­nisch dar­un­ter gehört zu haben. - Von denen, die äußer­lich nicht nach Süd­ame­ri­ka aussahen.)
          Seit dem Putsch in der Ukrai­ne ist nun der Fuß bei Rus­sisch drin, und seit dem der Krieg aus­ge­bro­chen ist und ich auch wie­der mehr Nach­rich­ten in Rus­sisch vor die Augen bekom­me, lässt sich fest­stel­len, dass sich der Kopf ein oder ande­res mal merkt.
          (Ich lese auch bloß mit Trans­la­te-Dien­sten, dadurch dass ich aber wenig­stens Kyril­lisch lesen kann, kann ich zumin­dest abglei­chen bei komi­schen For­mu­lie­run­gen in der Über­set­zung, was da im O-Ton steht - ob da der Trans­la­te-Dienst etwas komi­sches oder abwe­gi­ges draus macht, oder ob es sich z. B. auch um irgend­wel­che Eigen­be­grif­fe han­delt, die man nur mit manu­el­ler Sprach­kennt­nis ver­steht. (Ähn­lich wie als wenn man die Poin­te von einem Witz ver­ste­hen will.) - Ach ja, den Trick mit "auf Eng­lisch über­set­zen las­sen, nicht auf Deutsch", den habe ich auch schon her­aus­ge­fun­den. Da sind die Ergeb­nis­se häu­fig bes­ser, weil die mei­sten Spra­chen dem Satz­bau Sub­jekt-Prä­di­kat-Objekt fol­gen, wovon Deutsch wie­der­um abwei­chen kann.)

          Ein biss­chen Draht ist irgend­wo mit Japa­nisch auch noch da. - Wenig­stens das Lesen und Aus­spre­chen schon mal hin­zu­be­kom­men... (Wenn man Kan­ji-Sym­bo­le eini­ge­ma­ßen weiß, kann es sein, dass man zwi­schen­zeit­lich sogar bei Chi­ne­sisch etwas Land sieht, weil die­se mal dar­aus ins Japa­ni­sche über­nom­men wurden.)

          Sonst, wür­de ich wei­ter sagen - ich glau­be, ich weiß eher wie man durch ver­schie­de­ne Spra­chen eini­ger­ma­ßen durch­kommt... Wie man sich was urbar macht und von "gar nichts ver­ste­hen" zu "jetzt weiß ich, wor­um es geht" kommt.
          Und ich ken­ne für das, was ich brau­che, ein paar Online-Wör­ter­bü­cher. (Dict.cc kann man für so vie­les neh­men und für Japa­nisch ist Wado­ku gut.)

          ...Jeden­falls, ich den­ke, ich mache mir mit Tex­ten, die ich nicht ver­ste­he, wahr­schein­lich wesent­lich mehr Arbeit als ande­re das tun. Da ist jedes Mal so ein biss­chen "ich will dazu­ler­nen" und "hand­le so wie als wenn dein Leben davon abhin­ge - also ver­such' dir, das gang­bar zu machen, sodass du was verstehst".

          (Nun ja, dazu ist Recher­che gene­rell auch noch so ein Stecken­pferd von mir...)

          Das woll­te ich unterm Strich dabei sagen.

          In Sachen "Spra­che", da erle­be ich vie­le, VIELE, die weit­aus beque­mer und fau­ler (und manch­mal auch unbe­hol­fe­ner) sind als ich...

        3. Wir hat­ten nach­ein­an­der und mit zwei Jah­ren Abstand jeweils eine japa­ni­sche Aus­tausch­schü­le­rin bei uns woh­nen. Das war für mich eine Erfah­rung die mich abschreck­te - denn ich konn­te (und kann es immer noch nicht) ver­ste­hen wie man aus die­sen gering­fü­gi­gen Zei­chen­un­ter­schie­den einen Sinn her­aus­liest .... geschwei­ge denn es gar selbst schreibt. Glück­li­cher­wei­se spra­chen bei­de Mäd­chen bereits durch Kur­se in Japan pas­sa­bles, ein­fa­ches aber pra­xis­re­le­van­tes Deutsch und Mika sprach zusätz­lich noch flie­ßend Eng­lisch, da ihr Vater zu der Zeit nach USA abge­stellt wor­den war als sie zur Schu­le kam (sie star­te­te also in einer US High­School). Hisai war etwas weni­ger vor­be­rei­tet und konn­te kein Eng­lisch - aber sie hat sehr ehr­gei­zig und inten­siv nach­ge­holt und spä­ter zu Hau­se noch erwei­tert. Sie hat uns ein paar Jah­re danach in Mün­ster besucht. Mika war nie mehr da, sie hat gehei­ra­tet und ist mit ihrem Mann in USA gewe­sen, wie lan­ge wis­sen wir nicht, auch nicht wie vie­le Kin­der sie hat und wie ihr Leben wei­ter ging. Sehr schade. 

          Was ich als Quel­len nut­ze ist also ent­we­der Eng­lisch oder Deutsch geschrie­ben, manch­mal Spa­nisch, da ver­ste­he ich min­de­stens halb­wegs ohne Über­set­zung den Sinn und was mir dann hilft ist zu ver­ste­hen ob die Über­set­zung des Pro­gramms eini­ger­ma­ßen sinn­voll ist.

        4. Ist eine Fra­ge von "sich mer­ken". - Und ob man mal eine pro­pe­re Tabel­le mit allen Sil­ben mal vor die Nase bekom­men hat, wo alles geord­net auf­ge­li­stet ist.

          Wobei mir Kataka­na etwas leich­ter vor­kommt, da ver­ein­fach­te­re For­men der Schrift­zei­chen (die müss­ten auch die sein, die im west­li­chen Aus­land wesent­lich bekann­ter sind; auf irgend­wel­chen Abbil­dun­gen oder in Slo­gans mit japa­ni­schen Schrift­zei­chen kom­men die jeden­falls häu­fi­ger vor als tra­di­tio­nel­le Hiragana-Zeichen).

          Eine Sache, die ich äußerst leicht dar­an zu ver­ste­hen fand, ist, wenn am Sil­ben­zei­chen oben ein ° oder ein " ange­fügt ist.
          Im Rus­si­schen gibt es ja auch ein Här­te- und ein Weich­heits­zei­chen, was sich auf den davor­lie­gen­den Kon­so­nan­ten bezieht - und die­se Zei­chen­set­zung funk­tio­niert sehr ähn­lich. (Kei­ne Ahnung, ob die­se Esels­brücke fakisch kor­rekt ist, jeden­falls merkt es sich so bei mir.)
          ° ver­än­dert immer zu einer Sil­be mit einem här­te­ren Kon­so­nan­ten, " zu einem weicheren.
          Das ist sowohl in Hira­ga­na als auch Kataka­na gleich. - Sogar, wel­che Sil­be sich zur was ver­än­dert damit ist gleich.

          Als mein Gehirn noch jün­ger war, sah es dar­in auch kein System...

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