Sammelsurium VIII

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Neusprech

" .. ent­hält viel Gutes aus der Natur .. " *

Yep! Wer will da schon wis­sen was denn "das Gute" ist, des­we­gen gibt es dafür auch kei­ne Erklä­rung. Außer­dem spricht der Preis für sich: Was "viel Gutes aus der Natur" ent­hält ist natür­lich ein wenig teu­rer als das, was nicht aus der Natur stammt. Hmmmm .... nicht aus der Natur? Soll­te nicht ALLES was wir essen aus der Natur stammen?

Wenn gar­nichts zur (ver­meint­li­chen) Wir­kung gesagt wer­den kann hilft es ver­schwur­belt zu for­mu­lie­ren und mit ein wenig 'Glau­be' zu vermischen:
" ..Schon die Esser zu Zei­ten Jesu kann­ten die Vital­kraft von Getrei­de­grä­sern .. Chlo­ro­phyll, Vit­ami­ne und Pro­te­ine stecken im Ger­sten­gras in einer beson­de­ren Fül­le und gün­sti­gen Zusam­men­set­zun­gen drin. In den Blät­tern wird die Ener­gie aus der Son­ne und dem Boden in Vital­stof­fe umge­wan­delt, die der mensch­li­che Kör­per opti­mal ver­wer­ten kann.. "
[Zitiert aus Ger­sten­gras­saft.]

* Bei­spie­le (Aus­wahl):
Ede­ka; ALPRO; Bio-Waren.

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Resource degradation

[Res­sour­cen­ab­bau]

"..Resour­ce degra­dati­on is now under­s­tood to be com­mon in major civilizations.."

Na pri­ma! Dann brau­chen wir uns ja kei­ne Sor­gen mehr zu machen, nach­dem die Maja aus­ge­stor­ben sind blie­ben in Zen­tral- und Mit­tel­ame­ri­ka noch ein paar Men­schen übrig. Das läßt hof­fen - denn ändern wird sich nichts: Zwei Drit­tel der Bevöl­ke­rung fin­den lt. Umfra­ge die christ­de­mo­kra­tisch geführ­te Koali­ti­on gut. Wie kann ich da zweifeln? 

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Krebsforschung

" .. Das Deut­sche Krebs­for­schungs­zen­trum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern die größ­te bio­me­di­zi­ni­sche For­schungs­ein­rich­tung in Deutsch­land. Über 1000 Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler erfor­schen im DKFZ, wie Krebs ent­steht, erfas­sen Krebs­ri­si­ko­fak­to­ren und suchen nach neu­en Stra­te­gien, die ver­hin­dern, dass Men­schen an Krebs erkranken ..
Total bud­get: EUR 226 mil­li­on (2014) from basic fun­ding, pro­ject fun­ding and own revenues .. "

Da soll­te man doch erwar­ten, dass nach 50 Jah­ren Krebs­for­schung etwas mehr her­aus­springt als solch eine Ansamm­lung von All­ge­mein­plät­zen - dass näm­lich Ris­o­ko­ver­mei­dung das Leben ver­län­gert ist ein sol­cher 'All­ge­mein­platz', frü­her sprach man auch von "Bin­sen­weis­heit". Recht wenig Ergeb­nis für ein Jah­res­bud­get von 226 Millionen ....

Oder habe ich etwa nicht mit­be­kom­men, dass es längst einen "Durch­bruch" in Sachen Krebs­be­kämp­fung gibt?

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Abwärts
Kein Wirt­schafts­wachs­tum mehr in der Euro-Zone

Es gibt ja immer etwas, was noch auf­taucht nach­dem so ein Bei­trag schon fer­tig ist - so wie die­ses The­ma: Ende des Wachstums.
Die Frau Kanz­le­rin hat ja frü­her stets betont:
"Der Auf­schwung kommt bei den Men­schen an"
- damit scheint es jetzt vor­bei zu sein.
Wenig­stens wenn man ihren Gesichts­aus­druck interpretiert. 

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Kommentare

  1. "Neu­sprech"... lusti­ges Wort.

    Viel­leicht soll die Beto­nung auf "viel" lie­gen, also VIEL Gutes; in ande­ren Lebens­mit­teln ist halt nicht so viel Gutes aus der Natur drin... ? 

    Und nicht alles, was wir essen, ent­stammt der Natur... ich den­ke da an die klei­nen Din­ge, die syn­te­tisch her­ge­stellt wer­den. Vit­ami­ne, Geschmacks­stof­fe, Füll­stof­fe, Halt­bar­keits­stof­fe und ande­rer Muss-nicht-rein-Krams...

    Aber Wer­bung ist immer bewusst dop­pel­deu­tig... wenn etwas in schö­ner Schrift­art und ver­trau­ens­er­wecken­den Far­ben und arti­ger Wort­wahl beschrie­ben wird, und dann auch noch vor Gesund­heit und Schön­heit strah­len­de Men­schen abge­bil­det wer­den, glaubt der Kun­de das, was ihm halb vor­ge­täuscht wird.

    Ich HASSE Wer­bung und ent­zie­he mich ihr, soweit es mir mög­lich ist. Ich infor­mie­re mich anders.

  2. Was mit sol­chen Sprü­chen ange­prie­sen wird, lie­be Frau Rabe, hat meist über­haupt kei­nen Wert als 'gesun­de Ernäh­rung' - min­de­stens ist es nicht bes­ser als ande­re Lebens­mit­tel. Die sind oft schon des­we­gen vor­zu­zie­hen, weil auf ihnen - rech­ne­risch - kei­ne Kosten für Wer­bung liegen.

    Was da so bei­gemengt wird ist schon eine beacht­li­che Liste. Aller­dings meist des­we­gen, weil die­se Stof­fe fär­ben­de oder kon­ser­vie­ren­de Wir­kung haben: Da macht man den Nach­teil zum werb­li­chen Vor­teil und spricht dar­über bevor Ande­re es (in nega­ti­ver Form) tun .... bestes Bei­spiel Margarine!

    Ein­fach kann man sagen:
    Je auf­dring­li­cher und voll­mun­di­ger die Wer­bung desto weni­ger Nut­zen für die Verbraucher ....

  3. Was lese ich da heu­te im Rosen­hei­mer Anzei­ger vom 22.10.1905 ? Neusprech?

    http://217.72.222.62:8083/ZeitungenPublic/Rosenheimer%20Anzeiger/RA_1905/RA_1905_10_22.pdf

    Da es mir nicht gelin­gen will, die­ses wun­der­ba­re Fund­stück zu kopie­ren, möge man sich die Mühe machen, es auch im Ori­gi­nal (Sei­te 6) nach­zu­le­sen! In der Ori­gi­nal­schrift wirkt es näm­lich erst eigent­lich so rich­tig über­zeu­gend! Da steht zu lesen:

    - Zitat Anfang -

    Virchow über den Kaffee:
    "Man ist nun end­lich auf die Wahr­heit gekom­men, daß das Kof­fe­in* nichts mehr und nichts weni­ger als ein die Ner­ven stark anre­gen­der und in grö­ße­rer Men­ge genos­sen, gera­de­zu gif­ti­ger Kör­per, ähn­lich wie der Brannt­wein, ist. Abge­se­hen von dem Zucker und der Milch, die­sen guten Gei­stern, die man dem Tee und Kaf­fee zusetzt, haben die­se als Nah­rungs­mit­tel gar kei­ne Bedeu­tung. Sie sind Genuß­mit­tel und in man­chen Stücken mit zwei ande­ren sehr gewöhn­li­chen Reiz­mit­teln ver­wandt, mit Wein und Schnaps, denen man wohl Zucker, aber Milch wohl kaum zuzu­set­zen pflegt. Kof­fe­in sowohl wie Alko­hol sind gif­ti­ge Sub­stan­zen, erste­res über­wie­gend rei­zend, letz­te­rer zuerst rei­zend, dann schnell läh­mend. Bei­de haben bedeu­ten­de Neben­wir­kun­gen und kön­nen daher leicht miß­braucht werden."
    Die­ses Urteil des gro­ßen Patho­lo­gen haben die neue­sten wis­sen­schaft­li­chen For­schun­gen glän­zend bestä­tigt und wert­voll ergänzt. Es beweist jeden­falls zur Genü­ge, dass es bedenk­lich ["bedenk­lich" unter­stri­chen] und unter Umstän­den sogar gefähr­lich ist, Boh­nen­kaf­fee regel­mä­ßig auf die Dau­er zu genie­ßen. Die mei­sten Ärz­te emp­feh­len des­halb den Kran­ken wie den Gesun­den Kathrei­ners Malz­kaf­fee als täg­li­ches Getränk, weil die­ser, laut Gut­ach­ten der ersten Auto­ri­tä­ten, auch nicht den gering­sten schäd­li­chen Bestand­teil ent­hält, wohl aber von gehalt­rei­cher Beschaf­fen­heit und wür­zi­gem, kaf­fee­ähn­li­chem Wohl­ge­schmack ist, der ihm durch ein eigen­ar­ti­ges, paten­tier­tes Ver­fah­ren mit­ge­teilt wird. - Man mache gleich, lie­ber heu­te als mor­gen einen Ver­such mit dem e c h t e n Kathrei­ners Malz­kaf­fee, den man vor allen Nach­ah­mun­gen u n t r ü g l i c h d a r a n k e n n t, daß er nur in geschlos­se­nem Paket mit Bild und Unter­schrift des Pfar­rers Kneipp als Schutz­mar­ke zum Ver­kau­fe kommt. 6824
    * Kof­fe­in ist der wirk­sa­me Bestand­teil des Kaffees.

    - Zitat Ende -

    In der glei­chen Aus­ga­be der Zei­tung auf Sei­te 3 steht übri­gens die höchst auf­schluss­rei­che Nach­richt zu lesen:

    W e i b l i c h e r S t u d e n t. An der Tech­ni­schen Hoch­schu­le wur­de der erste weib­li­che Stu­dent imma­tri­ku­liert. Die Dame wid­met sich dem Architekturfach.

    Beste Grü­ße,
    iGing

  4. Dan­ke, lie­be Frau iGing, für ihre Mühe die hier Lesen­den mit die­sem Fund­stück aus 1905 zu ver­wöh­nen - zeigt es doch die Zeit­lo­sig­keit der betrü­ge­ri­schen Werbesprüche.
    Der Pfar­rer Kneipp muß ja nun schon gerau­me Zeit für alles mög­li­che angeb­lich "Gesun­de" her­hal­ten. Hof­fent­lich rotiert er nicht zu hef­tig in sei­nem Grabe ....

    Wie sind Sie denn an die­se Quel­le geraten?

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    PS
    Es tut mir leid, ich hat­te ihren Bei­trag nicht sofort gesehen

  5. Ach, ich lese immer gern mal in alten Zei­tun­gen - eine wah­re Fund­gru­be an Kurio­si­tä­ten und ein Spie­gel der Gesellschaft
    (vgl. S. 8: "Reel­les Hei­rats­ge­such")! Da um 1900 her­um auch mei­ne Groß­el­tern gebo­ren sind, fin­de ich es umso inter­es­san­ter - stand bei mei­ner Groß­mutter doch auch Kathreiner's Malz­kaf­fee im Schrank (und hieß bei uns "Kin­der­kaf­fee").

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