Am letzten Donnerstag mußte ich nach Bergedorf [Außenbezirk von Hamburg im Südosten], und zwar ganz in die Nähe vom Bahnhof, da wo der Fußgänger- und Autoverkehr sich treffen und einem recht viel Geduld und Beharrungsvermögen abfordern.
Nach zweimal kreisen um den Block: Endlich! Eine Parklücke - und auch noch groß genug, das recht lange Auto aufzunehmen.
Parkplatz auf der linken Seite einer Einbahnstraße, ich also rechts neben den Vorderwagen, Rückwärtsgang, einschlagen und los ... vorne einschwenken, da wird's hinten knapp ... etwas geht noch ... da ertönt ein lautes Getöse auf dem Dach: Ein junger Mann, ca. 25, haut mit seinem Handy (!) auf's Dach und brüllt etwas wie " ... mein ganzes Auto* kaputt ... ".
Auf "P" stellen und 'raus: Es ist wahr, die Stoßstangen berühren sich. Ich frage:
"Sollen wir die Polizei und eine Ambulanz holen?"
Er brüllt in's Telefon:
"Der Typ fragt, ob wir einen Krankenwagen holen sollen!" - dann, zu mir:
"Sie haben mein ganzes Auto kaputt gefahren!"
Ich sage:
"Sie haben mir mit Ihrem Handy eine Beule in's Dach geschlagen, und, schauen Sie doch 'mal genau hin, nicht 'mal ein Kratzer, keine Delle an Ihrem Auto - was ist also mit der Polizei?"
Er schaut, redet wieder mit dem Handy, blafft in meine Richtung:
"Ach, schon gut, so schlimm war's dann doch nicht."
Die in Reihe auf der rechten Seite wartenden Taxifahrer hatten - ihren grinsenden Gesichtern nach zu urteilen - sicher eine Vorstellung, die es nicht alle Tage gibt ....
* [Kadett, Bj. ca. 1985!]

Wo ich das gerade lese.
Am Wochenende habe ich mal wieder festgestellt, was für irre Menschen man an Autoselbstwaschboxen treffen kann...
Da kann der Mann noch Mann sein und sich wie ein wildgewordener Pavian verhalten.
Stimmt! Manche Menschen (überwiegend männliche!) scheinen besonders dann unberechenbar zu werden, wenn es um ihr Auto geht - bei ihrer "Gefährtin" sind sie da schon weniger heftig .... waren viele Beifahrerinnen da, vor denen sich die "Männchen" profilieren mußten?
Nein, in dem Fall mal nicht.
Ich habe mein Fahrzeug in Ruhe gewaschen, die zwei Wasch-Boxen waren belegt, keine wartenden Fahrzeuge waren zu sehen.
Einer fährt heran, steigt aus und fragt mich wie lange ich noch bräuchte.
Ich sage "noch 10 min".
Der Andere: Das dauert zu lange, ich muß mein Wagen sofort reinigen. Warum waschen Sie ihren Wagen eigentlich hier mit Schwamm und einem Einer Wasser?
Ich : Blöd geschaut...
Der Andere: Das dauert zu lange, es ist nicht sozial von Ihnen, das Sie die Box belegen um Ihr Auto so aufwändig zu waschen.
Das gehört sich nicht, die anderen (außer ihm hat keiner gewartet) wollen auch mal, wenn ich mein Wagen waschen will, soll ich das zuhause auf der Straße machen.
Spätestens da war mir klar, das bei dieser Person mit freundlichen Worten nichts auszurichten war.
Nachdem der Typ gemerkt hat, das er so nicht weiterkommt, ist er zum Tankstellenpächter zum petzen gelaufen (echt männlich der Typ).
Der Pächter hat dann einen Lakeien zu mir geschickt, der mich zum Verlassen der Box aufforderte, wohl weil sie den tobenden Typen loswerden wollten.
Ich habe die Wäsche abgebrochen und auch aufs Tanken dort verzichtet.
Es gibt schon .... unangenehme Zeitgenossen!
Der Pächter ist sicher von der Sorte, die nicht lange im Geschäft sind .... ich habe da ein Beispiel bei uns in der Nähe vor Augen, der konnte auch nicht unterscheiden, welche Kunden für ihn wichtiger sind, die "Nur-Wäscher" oder die "Wäscher-und-viel-Tanker" .... der Markt reguliert so etwas, gottlob!
Eben, Tankstellen und Waschgelegenheiten gibt es genug.
Als dieser Typ zu mir meinte, das es nicht sozial von mir wäre, wenn ich einfach für 10 min. eine Waschbox blockiere um mein Wagen zu waschen, dachte ich an die Handwerker, die die Wohnung über mir renovieren.
Es scheint nämlich sozial zu sein, große Spanplatten und Metallbolzen aus dem Fenster im ersten Stock zu werfen (auf meinen im letzten Jahr frisch gepflanzten Rasen).
Es scheint sozial zu sein, massenweise Zigarettenkippen vom Balkon in meine Blumenbeete zu schnipsen.
Es scheint auch sozial zu sein, 20 Liter Wasser, vermischt mit Gips und Farbe aus dem Fenster im ersten Stock zu schütten.
Und dann sagt der zu mir, ich wäre unsozial, weil ich mein Auto wasche...
Sagen Sie bloß! Was sind denn das für Mitbewohner?
Das klingt ja nach "Nachtjackenviertel"!
(sagte mein Vater immer, wenn er andeuten wollte, daß jemand sich vorbeibenommen hat)
Könnten Sie so ca. 100 Küchenschaben gebrauchen, um sie den Nachbarn in den Briefschlitz zu werfen?
Nein nein, die Mitbewohner sind alle in Ordnung.
Das waren die Mitarbeiter einer Malerfirma...
Um Maler zu ärgern .... hat sich Ruß bewährt - fein verteilt!
Spaß beiseite:
Ich hoffe, diese "Heimsuchung" ist mittlerweile wieder von ihnen gewichen .... ?
Ja, zum Glück, die neue Mieterin ist schon eingezogen.
Ist sie wenigstens .... ansehnlicher als die Maler?
(Ich meine so als Ausgleich für erlittene Pein ....)