Notiz mit Bild in der heutigen Tageszeitung

Beim Schilderhersteller arbeitet wohl jemand, der schon
"die neue Rechtschreibung" genossen hat: Alles ist möglich!
nichts ist so, wie es zu sein scheint ....
Notiz mit Bild in der heutigen Tageszeitung

Beim Schilderhersteller arbeitet wohl jemand, der schon
"die neue Rechtschreibung" genossen hat: Alles ist möglich!
Es war wohl zu erwarten: Die Reform der Rechtschreibreform steht an. Die geplanten Änderungen sind so umfangreich, daß man wohl von einer völlig neuen Rechtschreibung sprechen darf - mit dem Rattenschwanz an Folgen, wie neue Wörterbücher, neue Schulbücher, neue Rechtschreib-CDs.
Photographie - Fotografie? Schlußsatz - Schlusssatz? Aufwendig - Aufwändig? Wünschenswert wäre, wenn - die hier nur in wenigen Beispielen dargestellten - Verstümmelungen, Verdoppelungen und Umlautänderungen zurückgenommen würden. Aber das ist wohl nur ein Wunschtraum.
Darf man den Umfragen (Beispiele: Umfrage [1]; Umfrage [2]) Glauben schenken, so ist eine Mehrzahl von Bürgern in den deutschsprachigen Ländern schon nicht mit der ersten Reform zufrieden gewesen. Nichtsdestoweniger wird in der Presse der Eindruck erweckt, alles sei perfekt, alle seien zufrieden.
Dabei ist nichts in Ordnung. Diejenigen, die die Rechtschreibung "alter Art" wirklich beherrschten wurden verunsichert und hatten plötzlich das Gefühl nichts mehr zu wissen. Diejenigen, die schon immer Probleme mit der Rechtschreibung hatten wurden durch die komplexen Neuregelungen noch mehr verunsichert. Alle, die dazwischen liegen machen sowieso was sie wollen - keiner macht wirklich alles richtig, es sei denn sie/er verläßt sich auf das Rechtschreibprogramm des Computers. Wer hätte etwas anderes erwartet?
Ich plädiere für eine Rückkehr zur Rechtschreibung vor allen Reformen. Ich plädiere auch für intensivere Beschäftigung mit der Rechtschreibung in Schulen. Ich plädiere für eine Rechtschreibung, die denen ein Dorn im Auge war, die darin Attribute wie "Bürgerlichkeit", "Gemeinsinn" und "Tradition" versteckt sahen und sie deswegen loswerden wollten!
[Von Lateinisch: innovatio]
Vor wenigen Tagen hatte "PANORAMA", bissig und kritisch wie immer, einen Zusammenschnitt aus vielen Jahrzehnten Politikerreden. Immer wieder tauchte das Wort "Innovation" auf, ´mal freundlich säuselnd, ´mal drohend-unheilsschwer. Was auch immer versprochen wurde ist - bis heute - nicht wahr gemacht worden.
Wundert uns das? Nein, denn auf dem langen Weg nach oben, in ein politisches Amt oder zu einem Mandat, schleifen sich die Ecken und Kanten, Widerspruchsgeist und Begeisterung für eine Sache so weit ab, daß nur noch Mittelmaß übrig bleibt. Mittelmäßige Politiker werden auch nur mittelmäßige Politik machen, sie werden mittelmäßiges Personal haben, das ihnen zuarbeitet .... und so verbreitet sich in Deutschland seit vielen Jahren ....? Mittelmaß!
Was aber bedeutet "Innovation", von der immer wieder versprochen wird, sie werde kommen?
Lassen Sie mich zunächst selbst definieren:
"Innovation ist, wenn Politiker nichts Konkretes anzubieten haben". Stimmt nicht? Dann vielleicht besser:
"Innovation oder Erneuerung bzw. Veränderung im technischen, sozialen oder wirtschaftlichen Bereich ist eine neue, fortschrittliche Lösung eines bestimmten Problems, zu unterscheiden in Produktinnovationen und Prozess- bzw. Verfahrensinno-vationen, z. B. Neuerungen in der Produktion oder im Vertrieb, organisatorische Veränderungen bei administrativen Abläu-fen" [Quelle 1].
Das gefällt Ihnen immer noch nicht? Hier folgt eine weitere Definition:
"Innovation ist eine erfolgreiche Überführung von Entdeckungen in Verkaufserfolge. Dieser Sachverhalt gilt für jede Innovationsstrategie (kumulative Innovation = kontinuierliche Wissens- und Innovationsentwicklung; radikale Innovation = Kombination von Spitzentechnologien und Dienstleistungen)" [Quelle 2].
Wie man sieht, gibt es keine "allgemeingültige" Definition für diesen Begriff! Damit ist er geradezu geschaffen für Politiker, denn alles, was sie brauchen sind solche Worthülsen, die alles oder nichts bedeuten können - hier ist dann keine Möglichkeit, ohne langwierige Erörterungen die Aussagen, die gemacht wurden als leere Phrasen zu entlarven.
Also:Je schwammiger, desto besser!
Hierzu ist das Wort "Innovation" bestens geeignet.
Manchmal wäre es mir lieber, die zukünftigen Schritte unserer Regierung würden in plattem Deutsch, ohne Fremdworte, erklärt. Und bei manchem Regierungsmitglied habe ich die Vermutung, der Redenschreiber wußte zwar, was das benutzte Wort bedeutet - was aber auf den Redner keine Schlüsse zuläßt ....
Zutreffende Benennungen sind mit unserer Sprache schwer. Was im Englischen nur ein Wort braucht, fordert in Deutsch manchmal ganze Sätze. Ein solches Beispiel ist das Wort "Evaluation". Es wird bei uns nicht mehr so betont, daß man an Englisch denkt. Eher an Latein - und wahrscheinlich hat es da auch seinen Ursprung. Aber das überlasse ich lieber denen, die mehr davon verstehen ....
Mir ist aufgefallen, wie häufig "Evaluation" letzthin Eingang in die Konversation gefunden hat. Besonders häufig wird es benutzt, wenn eine "rückwärtsgerichtete Bewertung von Methoden zur Ergebniserreichung" beschrieben werden soll. Der Blick geht also zurück, auf etwas, das bereits abgelaufen ist. Wozu? Na, um für die Zukunft Dinge besser zu machen!
Zweifelhaft ist, ob das gelingt. So wie wir nichts aus Geschichte lernen, da sich Konstellationen nie exakt gleichen.
Die mit "Evaluation" ausgedrückte Betrachtungsweise ist jedoch symptomatisch: Statt nach vorn zu schauen und Lösungen zu erdenken versucht man aus vergangenen Ereignissen Richtlinien für zukünftiges Handeln herauszulesen. So werden Ressourcen blockiert, die bitter nötig wären für zukunftsgerichtete Arbeit.
"Evaluation" wird auch im pädagogischen Feld gern benutzt. Man gibt sich damit einen "gelehrten" Anstrich, man ist in der Lage, sich gewählt auszudrücken. Schülerleistung wird "evaluiert". "Wer ist Schuld?" wäre die bessere Frage! Sie kennen die Antwort, es sind immer die Lehrer, die etwas falsch gemacht haben [Nein! Ich bin kein Lehrer!].
Niemand scheint wahr haben zu wollen, daß es Leistungsunterschiede bei den Schülern gibt, daß man nicht erwarten kann, aus einem Dummkopf mit noch so eleganten Lehrmethoden, noch mehr methodisch-didaktischen Tricks, noch mehr Stunden Unterricht am Tag - mit zusätzlichen "Hilfen" am Nachmittag in der Ganztagsbetreuung - ein Genie zu zaubern. Wir haben früher als Kinder gereimt: "DbddhkP-sAv![Doof bleibt doof, da helfen keine Pillen - selbst Aspirin versagt!]"
Bleibt noch die Frage nach den Kriterien der "Evaluation". Praktischerweise bestimmen die, die sie durchführen, auch die Parameter, die untersucht werden! Hoppla! Da gibt es doch ein Sprichwort: "Den Bock zum Gärtner machen".
Meine Frage ist also: Wer evaluiert die Evaluierenden? Und: Muß es Evaluation geben? Was war, bevor es Evaluation gab? Was kostet Evaluation? Wer bestimmt, wann Evaluation angebracht ist, wann nicht?
Ich hätte noch einige Fragen, aber das wäre langweilig .... morgen werde ich "Bemerkungen über Freundschaft / Remarks on Friendship" machen. Zur Abwechslung ´mal in Englisch, damit mein "alter" Freund Jim den Text lesen kann .... take care!
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, daß es immer häufiger heißt: " Fakt ist ...."? Nun frage ich mich, wo das seinen Anfang genommen hat. Ich erinnere mich, daß es seit kurz nach der Wende eine Sendung vom damaligen "Ostdeutschen Rundfunk" gibt, die "Fakt " heißt. Ist das der Ausgangspunkt?
Oder ist es lediglich ein Relikt aus der "DDR-Sprache", die - von Funktionärskreisen initiiert - sich bemühte kurz und knapp zu sein, wenn ihr schon bemerkenswerte Inhalte fehlten? Denkbar. Aber leider nicht zu beweisen.
Dennoch:
Es bleibt ein "Fakt ", daß es aus dem Osten herüber schwappte, denn vor 1990 war das Wort nicht im Gebrauch, wenigstens so wenig, daß es nicht auffiel. Jetzt aber schon. Mit der "Ostalgie-Welle" nimmt der Gebrauch zu.
Ich muß Ihnen eine Anekdote zu dem Wort erzählen:
Als wir im Dezember 2002 unsere damalige Wohnung gekündigt hatten, fand - nach Renovierung - eine förmliche Übergabe statt.
Halt! Erst muß ich Ihnen noch verdeutlichen, wie die Wohnung aussah, als wir sie übernommen haben: Etwa Stil der 50er Jahre, Küche mit knarrendem Holzboden, Linoleum auf dem Boden zum "Zudecken". Das Bad mit weißem Kachelcharme und das Rohr von der Therme - die im Flur an der Wand hängt - quer durch´s Bad, über der Wanne. Alle Fußböden sonst bedeckt mit farblich undefinierbarem, verdreckten Teppichboden.
Der Vermieter bot an, überall den Holzdielenboden freilegen zu lassen und dann abzuschleifen. Soweit OK. Ich bekam die Erlaubnis, in der Küche einen Fliesenboden zu verlegen, die gleichen Fliesen als Fliesenspiegel an die Wand [dann habe ich drei Tage lang alte - beige (!) - Fliesen abgeschlagen, und weil das Haus schon aus den 50ern ist, kam mir auch der Putz mit entgegen. Ich habe alles hergerichtet, Fliesen fachgerecht auf schwimmendem Estrich verlegt etc., und den Fliesenspiegel nach unserem Bedarf verlegt, Das Ergebnis war eine ziemlich gut modernisierte Küche.
Im Bad haben wir eine Rigipsdecke eingezogen, einen Lüfter eingebaut und so das Heizungsrohr verdeckt und gleichzeitig versenkte Halogenbeleuchtung eingebaut - man gönnt sich ja sonst nichts. Im Flur haben wir eine Galerie eingebaut, mit indirekter Beleuchtung und als zusätzlichen Stauraum. Bemerkung des Vermieters zu dieser Zeit: " .... ist ja doch recht ansehnlich geworden, ... ".
Als wir einziehen wollten, war der Fußboden mit Laminat (!), scheppernd bei jedem Schritt, belegt. Das haben wir "weggesteckt", man kann ja nicht alles perfekt haben. Ach so: Die Wände färbten weiß ab, wenn man sich anlehnte, das haben wir mit frischer Farbe rundum in Ordnung gebracht. Die Wohnung war tatsächlich bewohnbar geworden - und einigermaßen "zeitgemäß".
Jetzt, drei Jahre später: Der Sohn des Vermieters (ca. 24) hat "die Vermietgeschäfte" übernommen, unterstützt von seiner Verlobten (auch ca. 24, aber nehmen Sie mich bei beiden nicht beim Wort, sie können auch älter sein). Der Sohn weiß natürlich "nichts" von den Abmachungen - wie sollte er auch, er war ja nicht dabei, und Vatern hat ihm auch nichts gesagt .... da nimmt er an, es hätten keine Absprachen stattgefunden. "Sie müssen alles abschlagen, von den Wänden, und der Putz muß auch erneuert werden, und nehmen Sie den Fliesenboden ´raus, das können wir so nicht übernehmen."
Ich schlage die Fliesen von den Wänden, alle noch toll in Schuß, weil erst drei Jahre in Gebrauch, klopfe alle vom Boden ab, ein Container Schutt - zu unseren Lasten, was sonst! Das Bad wird "gnädig" so übernommen - spart ja auch eine Menge Geld.
Und am Abnahmetag kommt die Verlobte mit "Scheinwerfer" und leuchtet die Wände und Decken ab: "Da haben Sie aber nicht gestrichen!", ertönt es spitz.
Jetzt kommt es: Auf unseren Einwand, das hätten wir in kathastrophalem Zustand übernommen zischt sie ein:
"Fakt ist, jetzt entspricht das nicht dem, was man Renovierung nennt!"
Da war es, das Wort "Fakt " - und woher stammt die rotznasige Verlobte? Aus Leipzig!
Und ich hatte mir so sehr vorgenommen, unsere Ostdeutschen Brüder und Schwestern zu lieben, als wären es meine eigenen!
Da bietet sich an, nächstens Bemerkungen zu "Stress" zu schreiben, denn was folgte war Stress!
PS
Von unserer Kaution haben wir nur ca. 30% wiedergesehen - obwohl wir mit 6 Personen eine Woche lang renoviert hatten.
2. PS
Eine Genugtuung bleibt mir noch: Das verwöhnte, freche "Fräulein Verlobte" hat nicht nur Haare auf den Zähnen, nein, sie hat dort ein ganzes Fell! Der "Herr Verlobte" wird - wenn er sie denn tatsächlich heiratet - ein ziemlich beschwerliches Leben haben, recht so!