Medikamentenflut im Altenheim?
*update* [03.08.2022; 10:15h]

Wenn Sie, lie­be Lesen­de, in einem Arti­kel drei Stich­wor­te fin­den die ich gleich wei­ter unten hin­schrei­ben wer­de ist äußer­ste Vor­sicht geboten.
Warum?
Weil es sich nicht um objek­tiv nach­voll­zieh­ba­re / nach­prüf­ba­re Infor­ma­tio­nen han­delt, son­dern um Indok­tri­na­ti­on. Sie sol­len etwas Bestimm­tes den­ken, und nur das, nichts etwa asso­zi­ie­ren oder gar nach Fak­ten fragen.

Die drei Wor­te lauten:
- Todes­fäl­le (Schlag­an­fäl­le, Herzrhythmusstörungen)
- Psy­cho­phar­ma­ka (Anti­de­pres­si­va)
- Alter­na­ti­ven (zu Medikamenten)

Es ist das Muster der Quack­sal­ber, das dahin­ter steht und immer mit wech­seln­den Begrif­fen vari­iert wird. Zunächst wer­den die posi­ti­ven Wir­kun­gen von defi­nier­ten Phar­ma­ka unter­schla­gen, die nega­ti­ven Wir­kun­gen aus­führ­lich dar­ge­stellt. Dann wer­den all­ge­mei­ne Infor­ma­tio­nen - die meist kei­nen oder nur mar­gi­na­len Bezug zu der bespro­che­nen Indi­ka­ti­on haben - aus­ge­brei­tet. Zuletzt wer­den die 'natür­li­chen', 'alter­na­ti­ven' und 'sanf­ten' Metho­den der so-genann­ten "Alter­na­tiv­me­di­zin", die in Wahr­heit kei­ne Medi­zin son­dern Dilet­tan­tis­mus mit hoch­tra­ben­den Bezeich­nun­gen sind, ange­prie­sen und es kom­men Bei­spie­le die besten­falls anek­do­tisch sind, also Ein­zel­fäl­le ohne wis­sen­schaft­li­che Prü­fung beschrei­ben und dar­aus eine Ver­all­ge­mei­ne­rung herleiten.

Was hal­ten Sie, lie­be Lesen­de, von Qui­Gong, Klang­scha­len The­ra­pie, und äthe­ri­schen Ölen?
Möch­ten Sie mit sol­chen 'The­ra­pien' behan­delt wer­den wenn Sie ein­mal in einem Alten­heim lan­den sollten?
Was da ange­bo­ten wird ist Hokus­po­kus: Eine schwe­re psy­chi­sche Stö­rung wie eine Depres­si­on läßt sich nicht mit Klän­gen oder Düf­ten behandeln!

PS:
Nach der Pres­se­mel­dung (als update unten ein­ge­fügt) müß­te noch ein vier­ter Begriff dazu kom­men "Baden-Würt­tem­berg".

[Bezug & Quel­le des Bild-Zita­tes → News­let­ter G&G v. 29.07.2022]
Psy­cho­phar­ma­ka: Trotz Demenz zurück ins Leben

*update*
Kein Wun­der → Lucha kri­ti­siert Abkehr von Homöo­pa­thie, daß aus­ge­rech­net die­ser Mini­ster eine sol­che Mei­nung ver­tritt. Ist doch sein Bun­des­land das, in dem die mei­sten Homöpa­thie-Pro­duk­te-Her­stel­ler ansäs­sig sind. Geld regiert da wohl eher als Verstand! 

Kommentare

  1. Äthe­ri­sche Öle mit star­ken Dürf­ten hel­fen ledig­lich inso­fern, all­ge­mein in der Psy­cho­lo­gie, wenn Leu­te dis­so­zi­ie­ren oder ander­wei­tig "weg­drif­ten" (z. B. Flash­backs haben), nicht mehr im Hier und Jetzt sind, um sie durch so eine star­ke Ner­ven­rei­zung wie­der in die Gegen­wart zurückzuholen.
    Eini­ge davon haben noch eine leicht heil­kund­li­che oder des­in­fi­zie­ren­de Wir­kung (ich glau­be, z. B. bei Tee­baum­öl war das so), aber Wun­der soll­te man davon nicht erwar­ten. Ins­be­son­de­re, wenn irgend­et­was schon sehr schlimm und aus­ge­wach­sen ist oder eine sehr kom­ple­xe patho­lo­gi­sche Krankheitssituation.

    Man kann und soll­te es schließ­lich mal so her­um dre­hen: Wenn die "alter­na­ti­ve" Heil­kun­de schon ein wirk­sa­mes Mit­tel gegen Demenz oder wenig­stens ihre Begleit­erschei­nun­gen gefun­den hät­te, war­um kennt man es dann nicht?
    Die moder­ne Medi­zin gibt es schließ­lich erst seit ein paar weni­gen hun­dert Jahren.
    Kräu­ter­he­xen hin­ge­gen schon viel, viel län­ger. Und sie sind nicht gera­de in der groß­an­ge­leg­ten kapi­ta­li­stisch aus­beu­te­ri­schen Zeit Dreh- und Angel­punkt für kran­ke Men­schen gewe­sen, son­dern davor...

    1. Rich­tig, es gibt vie­le Mög­lich­kei­ten - doch bewie­sen wur­den die Wir­kun­gen nur in weni­gen Fäl­len. Obwohl Zeit und Mit­tel dar­auf ver­wen­det wur­den Wirk­be­wei­se zu erbrin­gen. Ich wie­der­ho­le mich wenn ich anfüge:
      Natür­lich sind Wir­kun­gen von Natur­stof­fen da - nur mit Dosie­rung und Hand­ha­bung ganz all­ge­mein wird es schwie­rig. Ent­we­der man hat nur Teil­aus­zü­ge, die nicht die Wir­kung eines Gesamt­ex­trak­tes haben, dafür aber kei­ne Neben­wir­kun­gen, oder es wer­den Voll­ex­trak­te genutzt, die einem Wech­sel der Stoff­zu­sam­men­set­zung mit den Jah­res­zei­ten unter­lie­gen ... oder es sind defi­nier­te Mischun­gen - was wie­der­um dem "Naturheilkunde"-Prinzip widerspricht.
      Ach ja, noch­mal dazu der Hin­weis: Nicht alles was natür­lich ist ist harm­los, man­che Stof­fe oder Extrak­te haben eine sehr enge the­ra­peu­ti­sche Brei­te und sind damit brandgefährlich!

      1. Bei letz­tem Satz fällt mir ein kon­kre­tes Bei­spiel ein: Bei der Ver­wen­dung von Tee­baum­öl soll man z. B. nie mit unver­dünn­ter Mas­se arbei­ten. In Rein­form reizt das Zeug näm­lich die Haut.
        Heißt also: In begrenz­tem Rah­men nütz­lich, aber die "vol­le Dröh­nung" wür­de dem Men­schen wie­der­um nicht bekommen.

        Gene­rell viel­leicht noch was zu der Anwen­dung die­ser umstrit­te­nen Mit­tel und Prak­ti­ken: Manch­mal ist es auch nicht die Wir­kung die­ser, son­dern allein, weil man sich im Zuge des­sen mit einem Men­schen direkt beschäf­ti­gen muss. Ihm Auf­merk­sam­keit und Zuwen­dung zukom­men las­sen muss.
        Und das bringt am Ende irgend­wel­che posi­ti­ven Erfolge.

        1. Die­ses Phä­no­men liegt der Bes­se­rung von Zustän­den mit *Pla­ce­bo* zugrunde:
          Allein durch Zuwen­dung wer­den die Sym­pto­me abgemildert.

      2. Ach ja, und noch ein klei­ner Zusatz, der mir einfällt: 

        Allein aus dem her­kömm­li­chen Bereich der Psych­ia­trie bei Men­schen mit psy­chi­schen Pro­ble­men ist es sehr wohl bekannt, dass es eine Wei­le dau­ert, bis man manch­mal das rich­ti­ge Medi­ka­ment und die rich­ti­ge Zusam­men­set­zung und Stär­ke für einen Pati­en­ten gefun­den hat.
        Nicht alles wirkt bei jedem 100%-ig gleich, manch einer hat von etwas kaum oder gar kei­nen Effekt, oder die Schwe­re und Band­brei­te der Neben­wir­kun­gen machen das Medi­ka­ment für den­je­ni­gen ein­fach untaug­lich, trotz Ein­tre­ten der gewünsch­ten Wirkung.

        Bei demen­ten Pati­en­ten soll­te das wohl kaum anders aus­se­hen, nur dass die, je nach Krank­heits­sta­di­um, auch noch begrenz­te­re Mög­lich­kei­ten zur Rück­mel­dung haben als jün­ge­re Leute.

        Zumin­dest lässt sich mit die­ser Erklä­rung recht plau­si­bel dar­le­gen, wenn sol­che Bei­spie­le ange­führt wer­den wie "wie die Medi­k­men­te abge­setzt wur­den, ging es Herr/Frau Sowie­so bes­ser", war­um das mög­li­cher­wei­se so ist.
        Wenn man, ganz ein­fach, nicht die rich­ti­gen Medi­k­men­te bekommt, ja, dann geht es einem auto­ma­tisch bes­ser, wenn die­se wie­der abge­setzt werden.
        Das Gan­ze hat aber nichts mit der Unfä­hig­keit oder Ver­feh­lun­gen der Schul­me­di­zin zu tun, son­dern schlicht­weg eher mit inkom­pe­ten­ten Ärz­ten und/oder mangelnder/unkonkreter Patientenrückmeldung.
        (Für den Fak­tor "Mensch" kann die erkennt­nis­ba­sier­te Schul­me­di­zin nun auch nichts.)

        PS: Mitt­ler­wei­le mag ich es nicht mehr, wenn man den Begriff "Schul­me­di­zin" gebraucht, weil dort in mei­nen Asso­zia­tio­nen bereits der leicht ver­ächt­li­che, vor­wurfs­vol­le Ton her­aus­quillt, als wenn es noch eine "wah­re­re Medi­zin" gibt.

        1. Die rich­ti­ge Dosie­rung des rich­ti­gen Medi­ka­men­tes zu fin­den ist ein lang­wie­ri­ger Pro­zeß - und der wird sehr häu­fig den Han­deln­den zu lang und so keh­ren sie zu Rou­ti­ne und Distan­zie­rung zurück. Dazu kommt dann noch der rasche Wech­sel des Per­so­nals und schon ist jede auf­ge­bau­te per­sön­li­che Zuwen­dung dahin - es ist eben der Spruch wahr, der da heißt: "Nichts ist bestän­di­ger als der Wandel!"

          Was die ange­führ­ten Begriff­lich­kei­ten angeht stim­me ich sofort zu. Allein die Sprach­wahl den Quack­sal­bern zu über­las­sen sich ihrem Sprach­ge­brauch zu unter­wer­fen indem man ihn nutzt bedeu­tet eine unzu­läs­si­ge Aufwertung.

  2. In der Anwen­dung von Qi-Gong, Mas­sa­gen oder Klang­scha­len sehe ich haupt­säch­lich eine Zuwen­dung zu der betrof­fe­nen Per­son, die in aller­er­ster Linie eine wohl­tu­en­de Gegen­wart ver­mit­telt, die auch anhält und wie­der­hol­bar ist. Sie wol­len doch nicht ernst­haft sagen, dass Ihnen Psy­cho­phar­ma­ka lie­ber wären?

    1. Hier wer­den Äpfel mit Bir­nen ver­gli­chen, Frau iGing, denn Zuwen­dung ist ein Auf­wand an Zeit, wäh­rend Arz­nei­mit­tel ein Auf­wand an dia­gno­sti­scher Klä­rung und nach­fol­gen­der Medi­ka­men­ten­aus­wahl bedeuten.
      Dies vor­aus­ge­schickt feh­len für WIRKUNG bei Psy­cho­sen jeg­li­che Bewei­se für die­se 'Zuwen­dun­ges­the­ra­pie'. Zwar ist es bedau­er­lich wenn nur so wenig Zeit für die Bewoh­ner ist, daß eine sol­che frag­wür­di­ge Maß­nah­me getrof­fen wer­den muß um das zu ver­bes­sern. Das bedeu­tet jedoch bedau­er­li­cher­wei­se nicht, daß an der Sym­pto­ma­tik oder den schwer­wie­gen­den Fol­gen etwas getan würde. 

      Eine psy­chi­sche Erkran­kung der Art von Depres­si­on (mono- oder bi-polar) oder Schi­zo­phre­nie ist eine Aus­len­kung des Trans­mit­ter­gleich­ge­wichts im Gehirn. Das mit Klän­gen oder Aro­ma behan­deln zu wol­len ist ent­we­der zynisch oder ein Zei­chen von abso­lu­ter Unwis­sen­heit über die Ent­ste­hung des Krankheitsbildes.
      Selbst­ver­ständ­lich habe ich nichts gegen Zuwen­dung, aller­dings plä­die­re ich immer für eine ange­mes­se­ne Anwen­dung von Psy­cho­phar­ma­ka. In der (zitier­ten) Zusam­men­fas­sung klingt das irgend­wie schief, der zugrun­de lie­gen­de Arti­kel ist da deutlicher:
      Psy­cho­phar­ma­ka ja, wenn ange­zeigt, ABER nur für weni­ge Wochen, Aus­las­sung und neue the­ra­peu­ti­sche Begut­ach­tung zur Not­wen­dig­keit der Fortführung.
      Das bedeu­tet kennt­nis­rei­che und dia­gno­stisch fit­te Ärz­te .... und dar­an hapert es wirk­lich in unse­rem Gesund­heits­y­stem. Denn ein guter Arzt wird eine Psy­cho­phar­ma­ka­the­ra­pie NIE als Dau­er­the­ra­pie verordnen.

      1. Natür­lich will ich nicht bestrei­ten, dass es Indi­ka­tio­nen für die Anwen­dung von Psy­cho­phar­ma­ka gibt, aber die Dar­stel­lung in dem Arti­kel lässt doch den Ver­dacht zu, dass die­se viel zu häu­fig und zu lan­ge ver­ord­net wer­den. Auch bezweif­le ich hier die Kom­pe­tenz von Haus­ärz­ten und lei­der ste­hen auch psych­ia­tri­sche Dia­gno­sen m.E. nicht zu Unrecht im Ver­dacht, nicht gera­de die ver­läss­lich­sten zu sein, und brin­gen oft jah­re­lan­ge Fehl­be­hand­lun­gen mit sich. Sie sehen, ich drücke mich schon sehr sehr vor­sich­tig aus, um kei­nem ech­ten Fach­mann zu nahe zu tre­ten. Nur dürf­te der eben in vie­len Fäl­len gar nicht benö­tigt wer­den. So ver­ste­he ich die Dar­stel­lung der­je­ni­gen, die tag­täg­lich mit den Betrof­fe­nen Umgang haben.

        1. Sind es nicht lt. dem Bericht gera­de die tag­täg­lich mit den Bewoh­nern in Wech­sel­wir­kung tre­ten­den Betreu­ungs­per­so­nen die es still­schwei­gend dul­den oder gar von den Ärz­ten for­dern Medi­ka­men­te unend­lich einzusetzen?
          Die Kom­pe­tenz der Ärz­te die ein Alten­heim betreu­en ist in der Tat anzu­zwei­feln - vie­le sehen es ledig­lich als will­kom­me­nes 'Extra' zum Pra­xis­ein­kom­men, das in der Zeit gene­riert wer­den kann wenn die­se geschlos­sen ist. Das Ergeb­nis von Stu­di­en ist oft eine inkom­pe­ten­te Ver­ord­nungs­tä­tig­keit, weil das augen­schein­lich eher nach prak­ti­schen Erwä­gun­gen als nach medi­zi­ni­scher Not­wen­dig­keit abläuft.
          Grund­sätz­lich ist hin­ge­gen die Rela­ti­on Betreu­ungs­per­so­nal zu Betreu­ten im Argen! Da müß­te schnell etwas pas­sie­ren, jedoch düm­peln die Ver­bes­se­rungs­mo­del­le seit Jah­ren dahin und nie­mand packt das ein­mal tat­kräf­tig an. Weil das Geld kostet. Das durch die Zah­lun­gen selbst anstei­gen­der Beträ­ge aus den Vor­sor­ge­kas­sen nicht mehr auf­zu­brin­gen ist.

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