Versagen und Versagensängste können aus unterschiedlichsten Anlässen entstehen. Ich denke aber, es gibt drei wesentliche, auslösende Faktoren, denen immer "Versagen" - aus subjektiver Sicht - zu Grunde liegt:
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Ad 1: Versagen in Beziehungen / als Partner;
Ad 2: Versagen in Ausbildung / im Beruf;
Ad 3: Versagen als Eltern / als ErzieherIn.
Ad 1:
Keine Partnerschaft ist frei von Störungen, woraus sich ein beständig vorhandenes Versagensrisiko ergibt. Hier ist der stabilisierende Faktor "Partner" oft zugleich Quelle der Instabilität. Der Labilitätsgrad hängt von der Partnerinteraktion ab. Hohe Übereinstimmung führt zu abnehmender Instabilitätsneigung, geringe Übereinstimmung läßt häufigere Dissonanz erwarten. Zudem ist die subjektive Schwelle, die als Versagen interpretiert wird, bei interagierenden Individuen nie exakt gleich. Daraus ergibt sich eine unterschiedliche Anfälligkeit für Versagensangst.
Es darf vermutet werden, daß labile Persönlichkeiten von solchen Ängsten häufiger betroffen sind. Weiter darf angenommen werden, daß intelligentere Personen wenig betroffen sind, als solche, die eher durchschnittlich begabt sind, da erstere ihre Lebenssituation besser einschätzen können.
Ergänzend wirken ebenso Erziehungselemente aus der eigenen Kindheit ein. Die erlernte Konfliktlösungsstrategie - modifiziert durch mittlerweile gemachte Erfahrungen - ist so tief "eingeprägt", daß es wesentlicher Umerziehung durch die Umwelt bedarf, solche Strategien zu modifizieren.
Ad 2:
Die Berufswahl steht in einer kritischen Lebensphase an: Noch unerfahren und nur durch Schulwissen geprägt, wird eine weitreichende Entscheidung getroffen. Sie orientiert sich im wesentlichen an materiellen und/oder persönlichen Vorbildern, ahmt nach, da grundlegende Entscheidungskriterien aus Unerfahrenheit außer Acht gelassen werden. Obwohl dies nicht als individuelle Schwäche zu interpretieren ist, führt es doch zu Versagensangst, da "Abbrechen" in unserer Gesellschaft mit "Versagen" gleichgesetzt wird. Die gesellschaftliche Entscheidung, dem Individuum viel zu früh eine solche Bürde aufzuhalsen muß zwangsläufig bei einer Überforderung führen, die - wiederum in Abhängigkeit von basaler Persönlichkeitsstruktur - zu mehr oder weniger subjektiver Versagensempfindung führt.
Ad 3:
Kinder stellen eine entscheidende Herausforderung dar und bisherige Werte müssen neu überdacht werden. Die Beziehung zum Partner wird auf Probe gestellt, da sich die Pflege des Kindes in beider Lebensäußerungen als Störfaktor einnistet und vorhandene Koordinatensysteme [des Verhaltensmusters] verschiebt.
Wenn der gedanklichen Beschäftigung mit dem bevorstehenden Ereignis des Familienzuwachses - vor dessen tatsächlichem Auftreten - objektiv richtige Annahmen zu Grunde gelegen haben, mag das ohne größere Störungen der Harmonie einhergehen. In aller Regel ist aber auch hier wegen unterschiedlicher Perzeption ein subjektiv unterschiedlliches Verhalten zu erwarten - woraus sich, im Abgleich zwischen Wollen und Tun, eine graduell verschiedene Versagensangst einstellt.
Sodann gibt es übergreifende Aspekte:
In der Variationsbreite zwischen "sehr stabile Persönlichkeit" und "sehr instabile Persönlichkeit" [Normalverteilung] liegt ein wesentlicher Grund für subjektiv empfundenes Versagen. Das resultierende Verhalten unterliegt der Modifikation durch weitere, erlernte Verhaltensmuster, was eine Aussage über den tatsächlichen Ausgang einer Situation nicht ohne Analyse der betreffenden Persönlichkeitsmuster zuläßt.
