Vor dem Hin­ter­grund der Ent­wick­lung in Groß­bri­tan­ni­en - der amtie­ren­de Herr John­son hat gera­de meh­re­re Klat­schen durch das Par­la­ment ein­ge­steckt, das er zuvor, ganz nach dik­ta­to­ri­scher Manier, hat­te kalt­stel­len wol­len - wird sich der Bre­x­it min­de­stens bis Jah­res­en­de ver­schie­ben und mög­li­cher­wei­se sogar kom­plett erle­di­gen. Ich wür­de es den Eng­län­dern wün­schen, denn einen grö­ße­ren Unfug als das Ver­las­sen der EU - trotz all der Män­gel die auch ich sehe - gibt es nicht.

Hier nun der über­setz­te Text eines Insi­ders aus GB. Er stellt auf die USA ab, meint aller­dings (ich lese das zwi­schen den Zei­len) sein eige­nes König­reich:

Unser [bri­ti­sches, Anm. d. Übers.] Ver­hal­ten hat sich stark ver­schlech­tert. In den letz­ten drei Jah­ren gab es viel Zeit, um über den Ver­lust des inter­na­tio­na­len Anse­hens und der natio­na­len Sta­bi­li­tät Groß­bri­tan­ni­ens zu trau­ern. Aber noch etwas ist erwäh­nens­wert: unser neu ent­deck­ter Man­gel an Anstand, an grund­le­gen­der Serio­si­tät in der Art und Wei­se, wie wir uns ver­hal­ten.

Der glei­che Pro­zess fin­det in den USA unter Donald Trump mit erheb­lich grö­ße­rer Wir­kung statt. Allei­ne in der letz­ten Woche [34.KW], die zuge­ge­be­ner­ma­ßen selbst nach sei­nen Maß­stä­ben beson­ders irr­wit­zig war, hat er ein Tref­fen mit Däne­mark abge­sagt, weil es ihm Grön­land nicht ver­kau­fen wür­de, beschul­dig­te er jüdi­sche Demo­kra­ten der "Untreue" und zitier­te aner­ken­nend sei­ne eige­ne Beschrei­bung als "König von Isra­el" und "das zwei­te Kom­men Got­tes" und ver­such­te, die Haft­zeit­be­schrän­kun­gen für Migran­ten­fa­mi­li­en auf­zu­he­ben.

Bos­heit und Dumm­heit sind eine Sache. Aber es gibt noch etwas, das wohl tie­fer geht, das bei die­ser Art von Ver­hal­ten ver­lo­ren geht. Ame­ri­ka ver­liert an Anse­hen. Dies exi­stiert außer­halb von Stär­ke oder Moral. Es geht um Ver­hal­ten. Und da es imma­te­ri­ell ist, ist es auch schwie­ri­ger, es wie­der­zu­ge­win­nen, wenn es ein­mal weg war.

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Week in Review: The UK goes full Basil Fawl­ty
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Our beha­viour has degra­ded bad­ly. Over the last three years there's been ple­n­ty of time to mourn the loss of Britain's inter­na­tio­nal stan­ding and dome­stic sta­bi­li­ty. But there's some­thing else worth men­tio­ning: our new­found lack of grace, of basic respec­ta­bi­li­ty in the man­ner we con­duct our­sel­ves.

The same pro­cess is taking place, with con­si­der­a­b­ly more seve­ri­ty, in the US under Donald Trump. Over the last week alo­ne, which admit­ted­ly has been par­ti­cu­lar­ly der­an­ged even by his stan­dards, he's can­cel­led a mee­ting with Den­mark becau­se it won't sell him Gre­en­land, accu­sed Jewish Demo­crats of "dis­loyal­ty", appro­vin­g­ly quo­ted his own descrip­ti­on as "king of Isra­el" and "the second com­ing of God", and tried to abolish limits on the detenti­on of migrant fami­lies.

The vicious­ness and stu­pi­di­ty are one thing. But the­re is also some­thing else, argu­ab­ly more pro­found, that is lost with this sort of beha­viour. Ame­ri­ca loses respec­ta­bi­li­ty. This exists out­si­de of strength or mora­li­ty. It's about con­duct. And by being so intan­gi­ble, it is also har­der to retrie­ve once it is gone.

 
** update ** (21:00h)
Wie beim ZDF zu lesen ist:
".. Das bri­ti­sche Ober­haus hat die vom Unter­haus beschlos­se­ne Ver­schie­bung des Bre­x­it am Frei­tag gebil­ligt .." So wird es nun kei­ne über­ha­ste­te Reak­ti­on im Sin­ne von B. John­son gegen.