bookmark_borderEne, mene, muh .... (2)

Genuß­feind­li­ches Puristenpack!

Dem Alko­hol­kon­sum unter Druck abzu­schwö­ren führt nicht nur bei Jugend­li­chen, son­dern vor allem bei Erwach­se­nen zu hef­ti­gem Unmut.
Nun bin ich in die­sem Fall kein Para­de­bei­spiel, denn ich trin­ke bekannt­lich kaum Alko­hol - allerdings:
Für das unein­ge­schränk­te Recht des selbst­be­stimm­ten Alko­hol­kon­sums wür­de ich auf die Bar­ri­ka­den gehen ....

Zur Zeit erle­ben wir eine neue Wel­le - dies­mal geht es gegen die Nut­zung von Kraft­fahr­zeu­gen: Auto­fah­rer sind die Böse­wich­te der Nati­on, nur wer Fahr­rad fährt ist ein akzep­ta­bles Mit­glied der Gesellschaft ....

Lie­be Prot­ago­ni­sten der Fahr­rad­be­we­gung:
Stram­pelt nur schön wei­ter .... wenn ich nicht Auto fah­re gehe ich lie­ber zu Fuß .... ich las­se mich nicht von euch ver­ein­nah­men und mit einem lächer­li­chen Helm ver­un­stal­ten .... und Rück­sicht auf ande­re Ver­kehrs­teil­neh­mer üben ja auch Alle - mit Aus­nah­me der Radfahrer ....
Das näch­ste Mal aber, wenn einer von euch mir wie­der ein­mal rück­sichts­los auf dem Geh­weg in die Que­re kommt, dann seid auf der Hut:

Mein Gleich­ge­wicht auf zwei Füßen ist besser
als eures auf zwei Reifen!

bookmark_borderVorbei ....

und für den Rest des Jah­res - bis zum näch­sten Natio­nal­fei­er­tag - ver­ges­sen. Der Tag der Deut­schen Ein­heit - wären wir nur schon so weit!
Kürz­lich saß ich mit drei Kol­le­gen am Tisch. Zwei Ost - ein West (und ich). Wir haben über Tren­nen­des gespro­chen, zum Glück aber auch über Gemein­sam­kei­ten. Wir einig­ten uns am Ende dar­auf, daß Igno­ranz den jeweils "Ande­ren" gegen­über zu schlim­men und schlimm­sten Vor­ur­tei­len führt, noch ver­stärkt durch das Gefühl die Finanz­la­ge sei immer so:
Ost bekommt, West zahlt!


Was mich an all den Reden an die­sem Tag mäch­tig geär­gert hat war die welt­frem­de, abge­ho­be­ne Sicht der Reden­den, ihre Unfä­hig­keit, sich in die Situa­ti­on der Men­schen hineinzuversetzen.


Das soll­te mich durch­aus nicht ver­wun­dern oder gar ärgern. Denn mit den Kol­le­gen aus dem (frü­he­ren!) Osten waren wir uns einig:
Wohin man schaut, in Betrie­be, in Ver­wal­tun­gen, in die Poli­tik - kein Gespür mehr für "das Volk", kein Ansatz zu "Dienst­lei­stung" - ledig­lich die Auf­fas­sung, es schon rich­tig gemacht zu haben und zukünf­tig auch wei­ter so zu machen ....


Im näch­sten Jahr hören wir dann von den Erfol­gen. Die­se Berich­te aller­dings ver­trau­en dar­auf, daß die Mas­se der Zuhö­ren­den bereits ver­ges­sen hat, daß dies auch die Erfol­ge die­sen Jah­res waren ....

bookmark_border"Vater Maulwurf, du mußt noch Würmer graben .... !"

so lau­te­te eine Zei­le aus einem PIXI-Buch mei­ner (sehr viel jün­ge­ren) Schwe­stern, mit dem Mut­ter Maul­wurf ihren Gat­ten zur Arbeit schickte ....


.
Mut­ter Maul­wurf blieb der­weil zu Hau­se und koch­te, räum­te auf, wickel­te die klei­nen Maul­wür­fe, hielt den Bau sau­ber .... und natür­lich hör­te sie sich gedul­dig an, was Vater Maul­wurf so beim Wür­mer­gra­ben erlebt hatte ....


Frau Eva Her­mann muß das PIXI-Buch wohl auch gele­sen haben - zumin­dest fin­den sich Anklän­ge hin­sicht­lich des Inhal­tes in ihrem umstrit­te­nen Buch ....


Ich fra­ge mich nun:
Wel­chen Ein­fluß haben Kinderbücher?
Und:
Gibt es beson­de­re Pha­sen wäh­rend der Kind­heit, in denen Kin­der durch die­se Infor­ma­tio­nen geprägt werden?

bookmark_borderEin Ärgernis ....

ist es, wenn ver­ein­bar­te Ter­mi­ne nicht ein­ge­hal­ten werden:
Heu­te hat­ten sich zwei poten­ti­el­le Nach­mie­ter für mei­ne Zweit-Woh­nung ange­sagt - erschie­nen sind sie bei­de nicht ....

Nun mache ich mir kei­ne Sor­gen, weil ich sicher bin, daß das eher eine Aus­nah­me ist. Außer­dem war ich ja sowie­so zu Hau­se und hat­te kei­ne beson­de­ren Plä­ne, die ich hät­te ver­schie­ben müs­sen. Trotz­dem ist es zumin­dest schlech­ter Stil, zu einer ver­ab­re­de­ten Zeit nicht nur nicht zu erschei­nen, son­dern sich auch nicht ein­mal tele­fo­nisch "abzu­mel­den" ....

Ach ja, falls es unter den Blog­gern Inter­es­sen­ten geben sollte:
2 Zim­mer in der 3. Eta­ge, Küche und Bad frisch reno­viert, in der Küche ist das Wesent­li­che vor­han­den, incl. Spül­ma­schi­ne, etwa 50 m² Alt­bau, kein Auf­zug, kein Bal­kon - dafür blei­ben alle Lam­pen und Jalou­set­ten drin .... und das alles für ca. €470,- warm - es kom­men nur noch Was­ser (€10,-) und Strom (€30,-) hin­zu - guter Stadt­teil: HH-Eppen­dorf. Der Ver­mie­ter ist ein freund­li­cher Mensch, der - seit er das Haus geerbt hat - sowohl außen als auch innen eine Total­re­no­vie­rung vor­neh­men ließ.

Was will man mehr?
email genügt ....

bookmark_border"Mini-Treff HH" ....

Was geschah am 01.04.2006 nach 15:00h in Hamburg?
So oder ähn­lich wer­den die Chro­ni­sten / -innen bei spä­te­ren Berich­ten for­mu­lie­ren .... hier nun mein - bereits mehr­fach ange­mahn­ter gewünsch­ter - Bericht (I) (II) ....

Der FC St. Pau­li - des­sen Fuß­ball­platz unmit­tel­bar neben dem Gelän­de des "DOM" liegt - hat­te um die­se Zeit ein Fuß­ball­spiel und so war das meh­re­re Hun­dert­schaf­ten umfas­sen­de Poli­zei­auf­ge­bot aus­drück­lich zur Beru­hi­gung auf­ge­brach­ter Fans dort .... nicht etwa - wie man­che Leser anneh­men könn­ten - um even­tu­ell auf­flam­men­de Kon­flik­te beim Ham­bur­ger (Mini-) Blog­ger­tref­fen im Kei­me zu ersticken ....

Wie tubi­as schon fest­stell­te: Breit gefä­cher­te Alters­struk­tur, zwei jun­ge Damen und ein (jün­ger-aus­se­hend-als-er-ist) Herr. Und ich - zum Alter liest man ja hier und dort etwas - in rei­fe­rem Alter [bit­te hier­zu kei­ne - unqua­li­fi­zier­ten Anmerkungen!]

Die rasche Durch­que­rung des Fest­ge­län­des* ist - aus mei­ner Sicht - durch­aus auf die Erwar­tung zurück­zu­füh­ren, es wer­de sogleich wie­der einen kräf­ti­gen Schau­er geben .... was sich bewahr­hei­te­te und wie beschrie­ben in einem Tages­ca­fe (?) als Zwi­schen­sta­ti­on endete.
Herr tubi­as hat es - dan­kens­wer­ter­wei­se - über­nom­men, die Sze­ne auch bild­lich - gut getrof­fen! - festzuhalten:


 

   
Wesent­li­che Erkennt­nis­se über mög­li­cher­wei­se bestehen­de Geheim­nis­se wer­den noch geklärt.
Nur soviel:
Es taten sich Abgrün­de des Schreckens auf ....
Bleibt festzustellen:
Ja, es ist schwie­rig, sich so aus­zu­drücken, daß kei­ne Miß­ver­ständ­nis­se auf­tre­ten - münd­lich wie schrift­lich .... und ich kann nur ver­mu­ten, daß sich das doch sehr ver­bes­sen wür­de, wenn man sich län­ger kennt und die Aus­sa­gen einer Per­son bes­ser ein­zu­schät­zen wüß­te .... es gibt dabei sicher auch eine alters­spe­zi­fi­sche Kom­po­nen­te, denn zu ver­schie­de­nen Zei­ten haben Begrif­fe ver­schie­de­ne Bedeutung ....
Das ein­ge­streu­te Shop­ping hät­te mir neue Erkennt­nis­se ver­mit­telt - aber zu die­sem Zeit­punkt war ich schon nicht mehr dabei** ....

Allen Betei­lig­ten möch­te ich herz­lich für die unter­halt­sa­me und auf­schluß­rei­che Dis­kus­si­on dan­ken und bedaue­re, daß ich nicht län­ger blei­ben konnte.

* update *
Auf dem Rück­weg zum Auto - über den DOM - habe ich mir noch gebrann­te Man­deln vom "Knus­per­häus­chen" - mit wenig Zucker - gekauft, konn­te auch den an einem ande­ren Stand ange­bo­te­nen Schmalz­ku­chen (100g.-Portion) nicht wider­ste­hen und hat­te schließ­lich noch einen klei­nen Umweg zu fah­ren, da die Hun­dert­schaf­ten der Poli­zei mitt­ler­wei­le aus­ge­schwärmt waren, denn die Fans hat­ten Zoff ange­fan­gen .... nach der Rege­ne­rie­rung habe ich dann noch ein Bir­nen­kom­pott gekocht. Ist gut geraten.

Blog­ger­tref­fen-Info


* O-Text Pau­la­li­ne: " .. Wir haben uns spon­tan erkannt, sind im Eil­tem­po über den (hal­ben!) DOM gerast. So kam denn weder Tubi­as zu (was war das noch gleich, habs ver­ges­sen, so sehr ich auch grüb­le...) noch ich zum Schießen."


** O-Text wvs: Bedau­er­li­cher­wei­se bin ich ja der­zeit gesund­heit­lich noch etwas ange­schla­gen - konn­te mich aber durch eini­ge Stun­den in hori­zon­ta­ler Lage wie­der regenerieren.


*edit*


°   Frau Pau­la­li­ne ist noch viel quir­li­ger als ich annahm ....
°°  Herr Tubi­as dafür beson­ne­ner als ich aus sei­nem Blog folgerte ....
°°° Frau Ara­xe ist über­haupt nicht "gru­se­lig" - aber sehr bestimmt ....

bookmark_borderKleines "update" zur Nachbarschaft ....

und son­der­ba­ren Beobachtungen:

  • der jun­ge Mann vom 5. Stock hat wie­der sei­ne Bet­ten aus dem Fen­ster geschüt­telt - nun flie­gen die armen Haus­staub­mil­ben in der kal­ten Abend­luft her­um - ein grau­sa­mer Tierschänder .... ! 
  • die (frü­her 'mal bar­bu­si­ge) Nach­ba­rin von gegen­über, 4. Stock, sitzt nun öfters - sitt­sam beklei­det - hin­ter dem Fen­ster und liest Bücher .... 
  • die Nach­ba­rin aus dem 3. Stock hat­te neu­lich ihre Perücke nicht auf, ich dach­te erst sie hat einen glatz­köp­fi­gen Besu­cher. Der völ­lig kah­le Kopf war aber ihrer - muß wohl kürz­lich in einer Che­mo­the­ra­pie gewe­sen sein - das erklärt, war­um sie oft tage­lang das Haus nicht ver­läßt und stän­dig (= rund um die Uhr) den Fern­se­her lau­fen hat. Über­wie­gend sind es wohl "Kauf­pro­gram­me" .... nun sehe ich ein, war­um: Sie wird es ver­mei­den aus dem Haus zu gehen - oder sie ist zu schwach dazu .... 
  • In der drit­ten Eta­ge (Eck­haus rechts) sind neue Bewoh­ner ein­ge­zo­gen - sie sind die ein­zi­gen im gan­zen Haus mit akku­ra­ten Vor­hän­gen. Und "indi­rek­ter" Beleuch­tung, sehr "sty­lish" ....

[/ Ende update /]

bookmark_borderC. Roth - revisited ....

© JUNGE FREIHEIT Ver­lag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 1105 11. März 2005
"Die Bun­des­em­pö­rungs­be­auf­trag­te" von Doris Neu­jahr, JF 1105
[Zitat]
Clau­dia Roth: Die Grü­nen-Che­fin steht mit ihrer Ideo­lo­gie, mora­li­schen Ent­rü­stung und intel­lek­tu­el­len Durch­schnitt­lich­keit für das Pro­fil der Partei


" .. San­dra Maisch­ber­ger hat­te die Nase voll. Nor­ma­ler­wei­se schafft sie es in ihrer nt-v-Sen­dung, auch Lang­wei­lern wie Roland Koch, Chri­sti­an Wulff oder Gui­do Wester­wel­le inter­es­san­te Nuan­cen zu ent­locken, doch gegen den auti­sti­schen Rede­schwall der Grü­nen-Che­fin Clau­dia Roth kam sie nicht an. Sie war ein­fach zu höf­lich, um auf den gro­ben Klotz den schar­fen Keil zu set­zen. Roth hat­te Jörg Hai­ders "Taferl"-Methode über­nom­men und eine Papp­ta­fel mit Ter­min­an­ga­ben ins Stu­dio gebracht, die bewei­sen soll­ten, daß "der Josch­ka" mit dem mut­maß­li­chen Import von Zwangs­pro­sti­tu­ier­ten aus der Ukrai­ne nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. "Der Josch­ka!" sag­te Clau­dia Roth immer wie­der und woll­te wohl aus­drücken: So mensch­lich, so fami­li­är geht es bei den Grü­nen zu! Die Zuschau­er dürf­ten eher an den Satz von Karl Kraus gedacht haben, wonach das Wort "Fami­li­en­ban­de" den Bei­geschmack von Wahr­heit habe. "Wir müs­sen das jetzt abkür­zen, denn gleich kommt Herr Glos", sag­te San­dra Maisch­ber­ger. Man sah ihr an, daß sie sich auf den CSU-Mann freute.

Clau­dia Roth ist die Co-Vor­sit­zen­de einer Regie­rungs­par­tei, sie nimmt an den Koali­ti­ons­run­den im Kanz­ler­amt teil, sitzt im Außen­po­li­ti­schen Aus­schuß des Bun­des­tags, redet im Ple­num und ver­brei­tet ihre Mei­nung in Talk­shows und Inter­views. Zwar ist sie nur die "Unter­vor­sit­zen­de" unter Über­va­ter Josch­ka, doch zugleich ist sie für des­sen System eine unver­zicht­ba­re Stüt­ze. Denn Josch­ka gilt selbst in den eige­nen Rei­hen als Ego­ma­ni­ak, Clau­dia Roth aber ist eine Köni­gin der Her­zen. Die Attri­bu­te, die man ihr zuschreibt, lau­ten: authen­tisch, unmit­tel­bar, unver­bo­gen, emo­tio­nal, mit­füh­lend, spon­tan. Sel­ber nennt sie sich "mensch­lich, direkt und kom­pro­miß­los" - das heißt, mit die­sen Wor­ten hat sie Jesus Chri­stus cha­rak­te­ri­siert, was aber prak­tisch auf das­sel­be hinausläuft.

In der Par­tei und der Öffent­lich­keit bean­sprucht sie den Platz, der seit dem Tod von Petra Kel­ly ver­waist ist. Zwi­schen bei­den lie­gen jedoch Wel­ten: Kel­ly war hoch­in­tel­li­gent, ihre Emo­tio­na­li­tät ener­vie­rend, aber nie berech­nend. Roth ist bau­ern­schlau statt klug, ihre Stim­me klingt absicht­lich auf­ge­reg­ter, als die Sache, über die sie spricht, das recht­fer­tigt. Sie pro­fi­liert sich als all­seits betrof­fe­ne Per­sön­lich­keit. Der FAZ-Jour­na­list Tho­mas Schmid, ein Ken­ner der grü­nen Pap­pen­hei­mer, nann­te sie eine "Quiet­sch­en­te", was hei­ßen soll: innen hohl, außen nied­lich, im Grun­de harmlos.

Doch harm­los ist es eben nicht, wenn eine Per­son wie Roth die deut­sche Poli­tik mit­be­stimmt. Sie wur­de 1955 in Ulm gebo­ren, stu­dier­te Thea­ter­wis­sen­schaf­ten, war danach an klei­nen Büh­nen und spä­ter als Mana­ge­rin der Rock­band "Ton Stei­ne Scher­ben" tätig. Die Band ging 1985 plei­te, Roth sagt, sie löste sich nach "demo­kra­ti­schen Beschluß" auf. Danach war der Sän­ger Rio Rei­ser als "König von Deutsch­land" erfolg­reich - ohne Roth.

Unter dem taz-Arti­kel, der das Ende der Grup­pe ver­mel­de­te, stand eine Anzei­ge der Grü­nen, die eine Pres­se­spre­che­rin such­ten. Da ent­schloß sich Clau­dia Roth, Poli­ti­ke­rin zu wer­den. Ihre Kar­rie­re ver­lief steil: Von 1989 bis 1998 war sie Abge­ord­ne­te im Euro­pa-Par­la­ment, seit 1998 sitzt sie - mit Unter­bre­chung von März 2001 bis Dezem­ber 2002 - im Bun­des­tag. Sie war Men­schen­rechts­be­auf­trag­te im Aus­wär­ti­gen Amt, zwei­mal wur­de sie zur Par­tei­vor­sit­zen­den gewählt. Seit zwan­zig Jah­ren gehört sie zum poli­ti­schen Appa­rat die­ser Repu­blik. Eine schö­ne Pen­si­on ist ihr damit schon ein­mal sicher.

Clau­dia Roth ist die deut­sche Lisa Simpson
Wer in ihren Reden und Arti­keln nach gei­sti­ger Sub­stanz sucht, stößt auf Wort­müll wie "post­mo­der­ne Gesell­schaf­ten" und "mul­ti­kul­tu­rel­le Demo­kra­tie". Im übri­gen beflei­ßigt sie sich einer infan­ti­len Bil­der­spra­che, die dem trans­por­tier­ten Inhalt adäquat ist. Ihren Traum einer Zukunfts­ge­sell­schaft stell­te sie auf einem Par­tei­tag fol­gen­der­ma­ßen dar: Sie radelt mit dem Fahr­rad über die Auto­bahn, links grü­ßen Wind­rä­der, rechts küßt sich ein Schwu­len­pär­chen, dem sie zuwinkt, und das Ziel ist ein mul­ti­kul­tu­rel­les Stra­ßen­fest. Wer die Cho­se bezah­len soll, sag­te sie nicht.

Lie­ber redet sie von "Betrof­fe­nen", für die sie "per­ma­nent Druck" macht und "eine Men­ge erreicht hat". Sie schwärmt von der "fri­schen Poli­tik" und den "wahn­sin­nig tol­len Pro­gram­men" der Grü­nen und zürnt über die­je­ni­gen, die nicht begrif­fen, "wie sich die Gesell­schaft ver­än­dert hat". Am Ascher­mitt­woch 2002 rief sie aus: "Für die Frau gilt nicht mehr Kir­che, Küche und Kin­der, wir Grü­nen wol­len für die Frau­en Kar­rie­re, Kin­der und ande­re Ker­le." Roth ist ledig und kin­der­los. Einer tür­ki­schen Zei­tung erklär­te sie, daß sie nichts gegen die Hei­rat mit einen tür­ki­schen Mann hät­te. Prompt tra­fen Hei­rats­an­trä­ge bei ihr ein, die aber nicht ver­fin­gen. Wie scha­de! Die­sen Kampf der Kul­tu­ren hät­te man gern erlebt.

So ver­bringt sie wei­ter ihre Zeit damit, Unsinn zu ver­brei­ten. "Der Vol­mer-Erlaß war abso­lut rich­tig", fin­det sie, denn er habe "Här­te­fäl­le" bei "Fami­li­en­zu­sam­men­füh­run­gen" ver­hin­dert. "Die Ver­fah­ren, die mit gro­ßer kri­mi­nel­ler Ener­gie zu Schleu­sun­gen aus­ge­nutzt wur­den, waren nicht Teil des Vol­mer-Erlas­ses." So ist es immer bei Roth & Co.: Wir sind die Guten! Die Ver­ant­wor­tung für Risi­ken und Neben­wir­kun­gen unse­rer Hand­lun­gen wei­sen wir daher schärf­stens zurück!

Wenn sie in Talk­shows sitzt und die Kame­ra auf sich gerich­tet weiß, reißt sie die Augen weit auf: Die Augen, das hat sie beim Stu­di­um gelernt, sind der Spie­gel der See­le - und Clau­dia will, daß alle ihre edle See­le sehen kön­nen. Ihr Mund ist halb­of­fen, und zwar aus Zorn über die Unge­rech­tig­keit in der Welt. Es heißt, daß sie ita­lie­ni­sche Brecht-Insze­nie­run­gen mag. Noch mehr mag sie Felli­nis Film "La stra­da", was frei­lich ein rie­si­ges Miß­ver­ständ­nis ist: In den angst­voll gewei­te­ten Augen der klei­nen Gel­so­mi­na (Giu­li­et­ta Masi­na) wird ein Schmerz sicht­bar, des­sen exi­sten­ti­el­le Tie­fe am Ende durch den Tod beglau­bigt wird.

Roths Schmer­zens­aus­druck ist dage­gen ein kal­ku­lier­ter. Sie will sich nicht opfern, son­dern bloß Mehr­hei­ten sam­meln. Ihr Blick ist denn auch trü­be und stumpf vor Berech­nung, selbst wenn die Augen feucht wer­den - und sie wer­den oft feucht. Giu­li­et­ta Masi­na hat­te in ihrem Gesicht ein exi­sten­ti­el­les Dra­ma zur Anschau­ung gebracht, Roth ver­sucht ihre per­sön­li­chen Affek­te künst­lich zum Exi­stenz­dra­ma hoch­zu­stem­men. In Wahr­heit steht sie in der Tra­di­ti­on von Maria Schell, dem ver­heul­ten "Seel­chen" des deut­schen Nachkriegsfilms.

Wegen Roth post­fe­mi­ni­sti­scher Camou­fla­ge fällt das nicht wei­ter auf. Sie spielt die Frau, die sich ihre Weib­lich­keit bewahrt, die aber "ihren eige­nen Weg geht", die sich "ein­mischt", "enga­giert", die "aktiv" ist, die ihre inne­re Bewe­gung nicht ver­steckt, son­dern "ein­bringt". Die­ses Ein­brin­gen erfolgt - neben dem halb­of­fe­nen Mund - durch ein kon­se­quen­tes Wim­pern­klim­pern, das ihren schril­len Wort­kas­ka­den vor­aus­geht. Das ist der Moment der Wahr­heit: Clau­dia Roth ist die deut­sche Lisa Simpson, eine fleisch­ge­wor­de­ne Wie­der­gän­ge­rin der ewi­gen Ner­ven­sä­ge aus der ame­ri­ka­ni­schen Trickfilmserie.

Nur, die klei­ne Lisa ist erst acht und kann sich noch ent­wickeln. Clau­dia Roth wird bald fünf­zig und spielt sich immer noch als frisch­ver­lieb­ter Back­fisch auf. Ob sie nun gut­ge­launt durch eine Nost­al­gie-Show von RTL tän­zelt oder an der Sei­te von SPD-Chef Franz Mün­te­fe­ring zur Pres­se­kon­fe­renz erscheint, macht kei­nen Unter­schied. Win­ke-win­ke, pelz­be­setz­ter Bla­zer, alber­nes Lachen hier, freu­di­ges Wie­der­erken­nen da, fehlt nur noch das Kuß­händ­chen. Clau­dia Roth, eine Kind­frau mit erfah­rungs­lo­sem Apfel­wan­gen­ge­sicht, fore­ver young, Petra Pan, eine Kitsch­fi­gur aus der Retor­te der Popkultur.

Roth steht emble­ma­tisch für den dis­kur­si­ven Alarmismus

Sie wür­de gut in einen nai­ven Mär­chen­film pas­sen. Statt des­sen unter­steht sie sich, bei Erwach­se­nen­the­men mit­zu­re­den, unter ande­rem beim EU-Bei­tritt der Tür­kei. Man dür­fe die Tür­kei nicht "aus­gren­zen", keift sie bei jeder Gele­gen­heit. Aus­gren­zen - das gehört sich bloß bei Neo­na­zis. Was ist das für ein pri­mi­ti­ver, manich­äi­scher Ansatz von Außen­po­li­tik! Spä­te­stens da beginnt das Ver­sa­gen der ande­ren Poli­ti­ker. War­um stürmt Ange­la Mer­kel nach einem Roth-Auf­tritt nicht an das Mikro­phon des Bun­des­tags und gibt ihr - frei nach Fried­rich dem Gro­ßen - Bescheid:
"Frau, ler­ne erst den­ken, bevor Du zu reden beginnst!" 
Und Fried­bert Pflü­ger könn­te Wil­helm Busch zitieren:
"Oft ver­ei­nigt ein Gemü­te / Däm­lich­keit mit Herzensgüte!"

Roths Auf­stieg in der Poli­tik ist Indi­ka­tor einer poli­ti­schen Regres­si­on, die in den acht­zi­ger Jah­ren ein­setz­te. Damals wur­de die Bun­des­re­pu­blik zum "Pup­pen­haus im Wohl­stands­tan­go, bevöl­kert von Mär­chen­prin­zen, Quo­ten­frau­en und Pea­cen­iks, in (dem) sich die noto­risch von schlech­tem Gewis­sen geplag­te Mit­tel­schicht auf der Suche nach Sinn in aber­wit­zi­ge Zukunfts­sze­na­ri­en hin­ein­stei­ger­te" (Cora Ste­phan). Die deut­sche Selbst­the­ma­ti­sie­rung im Schat­ten des Drit­ten Rei­ches führ­te zu einem pri­mi­ti­ven Mora­lis­mus und die­ser zu einem poli­ti­schen Manich­äis­mus, des­sen nega­ti­ver Bezugs­punkt die "deut­sche Gefahr" war. Deut­sche Poli­tik soll­te jetzt "weich" sein, wich­ti­ger als Fach­wis­sen wur­de die "Glaub­wür­dig­keit", und am "glaub­wür­dig­sten" erschien, wer "authen­tisch" war, wer "Gefüh­le", respek­ti­ve "Betrof­fen­heit" zeig­te. Das war die Chan­ce einer medio­ke­ren Figur wie Roth. Wohl­wol­len­de Beob­ach­ter sehen im Erfolg der Grü­nen die gelun­ge­ne Reso­zia­li­sie­rung eines halb­in­tel­lek­tu­el­len Sub­prol­eta­ta­ri­ats. In Wahr­heit hat sich die Aso­zia­li­sie­rung der deut­schen Poli­tik vollzogen.

Der dis­kur­si­ve Alar­mis­mus, eine Abart des poli­ti­schen Aus­nah­me­zu­stan­des, ist das Lebens­eli­xier der Poli­tik­sze­ne, für die Roth emble­ma­tisch steht. Sie kann gar nicht anders, als ihn immer wei­ter eska­lie­ren zu las­sen. Gegen Möl­le­mann und Hoh­mann fuch­tel­te Roth mit dem Volks­ver­het­zungs­pa­ra­gra­phen her­um und stell­te Straf­an­zei­ge. Kar­di­nal Meis­ner warf sie vor, er wür­de die "exi­sten­ti­el­len Nöte" der abtrei­ben­den Frau­en igno­rie­ren. Der Schwan­ger­schafts­ab­bruch ist für die Frau­en ernst, exi­sten­ti­ell ist er hin­ge­gen für den Fötus - ein Unter­schied, den Roth nicht begrei­fen kann. Natür­lich schwant ihr, daß, wür­de man Meis­ners Ver­stand gleich­mä­ßig auf fünf Per­so­nen ver­tei­len, jede ein­zel­ne ihr intel­lek­tu­ell immer noch über­le­gen wäre. Auf eine Dis­kus­si­on, die den Namen ver­dien­te, kann sie sich also nicht einlassen.

Die Maisch­ber­ger-Sen­dung war in die­ser Hin­sicht auf­schluß­rei­cher, als es der Mode­ra­to­rin bewußt war. Maisch­ber­gers uner­schüt­ter­li­ches, spöt­ti­sches Lächeln zeig­te Roth, daß ihre gut­men­scheln­de Frau­en­power ins Lee­re ging. Das war für sie neu, für die­se Situa­ti­on stand ihr weder ein ver­ba­les noch mimi­sches Reper­toire zur Ver­fü­gung. Ihre Rede lief Amok, und das pene­trant naï­ve Apfel­wan­gen­ge­sicht zer­floß ins Kon­tu­ren­lo­se. Über­gangs­los war aus Petra Pan eine kei­fen­de Vet­tel gewor­den. Poli­tisch ist Clau­dia Roth eine Frucht, die nie reif, son­dern vor der Rei­fe faul gewor­den ist. Wohin fau­le Früch­te gehö­ren, ist bekannt.

Grü­nen-Vor­sit­zen­de Clau­dia Roth:
"Wie eine 'Quiet­sch­en­te'
- innen hohl, außen nied­lich, im Grun­de harmlos .. "

[/ Zitat]


Das spricht mir aus der Seele ....