Übersetzung [Google]: Lewis' essay in the LA TIMES

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Text-Über­set­zung:
Seit Char­lie Kirks Ermor­dung haben Kon­ser­va­ti­ve ein Phä­no­men auf­ge­grif­fen, das sie zuvor als toxisch bezeich­ne­ten: die Can­cel Culture.

Der Impuls, in der ver­gan­ge­nen Woche Stim­men zu unter­drücken, ist ver­ständ­lich: Mord zu fei­ern ist grau­sam. Es ist wider­lich. Es ist falsch. Doch die Iro­nie ist nicht zu über­se­hen: Kon­ser­va­ti­ve, die die Can­cel Cul­tu­re lan­ge als Affront gegen den Geist des offe­nen Dis­kur­ses des 1. Ver­fas­sungs­zu­sat­zes betrach­te­ten, for­dern nun, dass Men­schen ihre Jobs und ihre Exi­stenz­grund­la­ge ver­lie­ren – nur wegen einer dum­men Äuße­rung im Internet.

Es ist das­sel­be The­ma, das 2024 zahl­rei­che Stand-up-Come­di­ans, jun­ge Män­ner, Pod­ca­ster und Tech-Bros aus dem Sili­con Val­ley in die Arme von Donald Trump trieb. Doch nun, in einer erstaun­li­chen Wen­dung der Ereig­nis­se, ahmen Kon­ser­va­ti­ve die pro­gres­si­ven Kri­ti­ker und Sprach­po­li­zi­sten nach – nur mit roten Hüten.

Tat­säch­lich ist ihre Ver­si­on noch schlim­mer. Der lin­ke „Verantwortungskultur“-Mob mag zwar anma­ßend gewe­sen sein, aber sei­ne Agen­da wur­de (mit weni­gen bemer­kens­wer­ten Aus­nah­men) größ­ten­teils von den Auf­sichts­per­so­nen bestimmt. Die heu­ti­ge „Woke Right“ geht offe­ner, effi­zi­en­ter und offi­zi­el­ler vor – was, neben­bei bemerkt, bedeu­tet, dass sie nicht nur gegen den Geist des 1. Ver­fas­sungs­zu­sat­zes, son­dern auch gegen den eigent­li­chen Ver­fas­sungs­zu­satz ver­sto­ßen kann.

Ein typi­sches Bei­spiel: JD Van­ce, der Vize­prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, sag­te kürz­lich zu Kirks Radio­pu­bli­kum: „Wenn Sie jeman­den sehen, der Char­lies Ermor­dung fei­ert, rufen Sie ihn zur Rede. Und ver­dammt noch mal, rufen Sie sei­nen Arbeit­ge­ber an.“

Was die Fra­ge auf­wirft: Was wäre, wenn ihr Arbeit­ge­ber die Regie­rung ist? Das wäre unan­ge­nehm. Aber kein Pro­blem! Ver­tei­di­gungs­mi­ni­ster Pete Hegs­eth weist Berich­ten zufol­ge sei­ne Mit­ar­bei­ter an, Sol­da­ten auf­zu­spü­ren, die sich der Falsch­aus­sa­ge schul­dig gemacht haben. Die repu­bli­ka­ni­sche Abge­ord­ne­te Nan­cy Mace aus South Caro­li­na ver­sucht, Leh­rer zu ent­las­sen, indem sie twit­ter­te: „Wir finan­zie­ren kei­nen Hass. Wir feu­ern ihn“ – was sich anhört wie ein Slo­gan, den Mao auf ein T-Shirt hät­te drucken lassen.

Und wo wir gera­de von Druckern spre­chen, Herr RA. Gene­ra­lin Pam Bon­di warn­te, die Regie­rung kön­ne jeden pro­fes­sio­nel­len Drucker straf­recht­lich ver­fol­gen, der sich wei­ge­re, „Pla­ka­te mit Char­lies Bil­dern für eine Mahn­wa­che zu drucken“. Sie ver­sprach außer­dem, jeden, der jeman­den mit „Hass­re­de“ angreift, „abso­lut ins Visier zu nehmen“.

Vor nicht all­zu lan­ger Zeit bestan­den Pro­gres­si­ve dar­auf, dass Bäcker für schwu­le Hoch­zei­ten Kuchen backen müss­ten, und nun besteht ein US-Gene­ral­staats­an­walt einer repu­bli­ka­ni­schen Regie­rung dar­auf, dass Drucker Bil­der für Mahn­wa­che drucken müss­ten. Komisch, wie sich das Blatt wendet.

Dann gibt es da noch die soge­nann­te Char­lie Kirk Data Foun­da­ti­on, die behaup­tet, über eine durch­such­ba­re Liste von Zehn­tau­sen­den von Per­so­nen zu ver­fü­gen, die nach Kirks Tod gemei­ne Tweets gepo­stet haben. Ins­ge­samt scheint die­se Säu­be­rungs­kam­pa­gne zu funk­tio­nie­ren. Vie­le Skalps wur­den bereits bean­sprucht, dar­un­ter die von pro­mi­nen­ten Exper­ten und Late-Night-Mode­ra­tor Jim­my Kim­mel (der sus­pen­diert wur­de, nach­dem er Bemer­kun­gen über die Moti­ve von Kirks Mör­der gemacht hatte).

Doch – um es klar zu sagen – der Wider­stand gegen die Can­cel Cul­tu­re ist ledig­lich das jüng­ste Prin­zip, das die Repu­bli­ka­ner der Trump-Ära beque­mer­wei­se auf­ge­ge­ben haben. Tat­säch­lich wur­de fast jeder Grund­satz, der den Kon­ser­va­ti­ven vor einem Jahr­zehnt am Her­zen lag, ins Gegen­teil verkehrt.

Und die Leu­te begin­nen, das zu bemer­ken. Der Abge­ord­ne­te des Bun­des­staa­tes Ore­gon, Cyrus Java­di, wech­sel­te kürz­lich die Par­tei und ver­wies auf die Auf­ga­be der Repu­bli­ka­ner von Prin­zi­pi­en wie „begrenz­ter Regie­rung, Haus­halts­ver­ant­wor­tung, Mei­nungs­frei­heit, frei­em Han­del und vor allem Rechtsstaatlichkeit“.

Er hat Recht. Trumps Ame­ri­ka besitzt nun einen Anteil am US-Chip­her­stel­ler Intel (so viel zum The­ma klei­ner Staat), gibt Geld aus wie ein betrun­ke­ner See­mann, belegt alles, was sich bewegt, mit Zöl­len (Tschüss, Frei­han­del) und igno­riert Geset­ze, die ihm nicht gefal­len – zuletzt das vom Kon­gress ver­ab­schie­de­te und vom Ober­sten Gerichts­hof bestä­tig­te Man­dat zum Aus­ver­kauf von Tik­Tok, das Trump wie einen Menü­punkt behan­del­te, den er nicht bestellt hat­te – bis er einen geeig­ne­ten Käu­fer fand.

Aber nicht nur die repu­bli­ka­ni­schen Nor­mal­bür­ger sind besorgt, dass Trump vom Rea­gan-Bush-Kri­tik­buch abweicht.

Der Komi­ker und Pod­ca­ster Tim Dil­lon bemerk­te kürz­lich, dass Trumps Agen­da ver­däch­tig an die Dys­to­pie erin­nert, vor der uns der Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker Alex Jones zwi­schen sei­nen Wer­be­spots für kol­lo­ida­les Sil­ber immer gewarnt hat: „Mili­tär auf der Stra­ße, das FEMA-Camp, das Tech-Unter­neh­men, das alles über­wacht, die Über­wa­chung. Das ist alles.“

War­um pas­siert das? War­um die­se Ver­ren­kun­gen? Ich erin­ne­re mich an eine alte Geschich­te, die Rush Lim­baugh über den ver­stor­be­nen Schau­spie­ler Ron Sil­ver erzählte.

Der Geschich­te zufol­ge besuch­te Sil­ver Bill Clin­tons erste Amts­ein­füh­rung als weich­her­zi­ger Libe­ra­ler und war ent­setzt über den Mili­tär­über­flug. Und dann wur­de ihm klar: „Das sind jetzt unse­re Flugzeuge.“

So weit sind die Kon­ser­va­ti­ven, wenn es um die Can­cel Cul­tu­re geht. Sie haben end­lich erkannt, dass dies jetzt ihre Can­cel Cul­tu­re ist.

Und viel­leicht ist das das schmut­zi­ge klei­ne Geheim­nis der Poli­tik in der Trump-Ära. Wer­te oder Moral – oder „Prin­zi­pi­en“ – inter­es­sie­ren fast nie­man­den mehr. Mei­nungs­frei­heit, begrenz­te Regie­rung, Haus­halts­dis­zi­plin – das sind alles Regeln für dich, aber nicht für mich.

Die Can­cel Cul­tu­re wur­de nicht abge­lehnt, sie wur­de nur ver­ein­nahmt. Also los. Gib etwas her. Wenn du etwas siehst, sag etwas. Big Brot­her schaut zu.
Iro­nie, ler­ne die Guil­lo­ti­ne kennen.

ORIGINAL
The right now embraces can­cel culture
By Matt K. Lewis
18-09-2025

In the days sin­ce Char­lie Kirk’s kil­ling, con­ser­va­ti­ves have embra­ced a phe­no­me­non they pre­vious­ly cal­led toxic: can­cel culture.

The impul­se to can­cel some voices this past week is under­stan­da­ble: Cele­bra­ting mur­der is cruel. It’s gross. It’s wrong. But the iro­ny is impos­si­ble to miss: Con­ser­va­ti­ves, who long trea­ted can­cel cul­tu­re as an affront to the 1st Amend­ment spi­rit of open dis­cour­se, are now cal­ling for peo­p­le to lose their jobs and their liveli­hoods, all becau­se of some­thing stu­pid they said on the internet.

This is the same issue that dro­ve num­e­rous stand-up come­di­ans, young men, pod­ca­sters and Sili­con Val­ley tech bros into the arms of Donald Trump in 2024. But now, in an ama­zing turn of events, con­ser­va­ti­ves are now aping the pro­gres­si­ve scolds and speech cops, only with red hats.

Actual­ly, their ver­si­on is worse. The left’s “accoun­ta­bi­li­ty cul­tu­re” mob might have been over­bea­ring, but their agen­da was (with a few nota­ble excep­ti­ons) lar­ge­ly dri­ven by hall moni­tors. Today’s “woke right” is exe­cu­ting things in a more overt, effi­ci­ent and offi­ci­al man­ner — which for the record means it can vio­la­te not just the spi­rit of the 1st Amend­ment but the actu­al, you know … 1st Amendment.

As a case in point, JD Van­ce, the vice pre­si­dent of the United Sta­tes of Ame­ri­ca, recent­ly told Kirk’s radio audi­ence: “When you see someone cele­bra­ting Charlie’s mur­der, call them out. And hell, call their employer.”

Which rai­ses the que­sti­on, what if their employer is the govern­ment? That would be awk­ward. But no pro­blem! Defen­se Secre­ta­ry Pete Hegs­eth is repor­ted­ly tel­ling staff to track down sol­diers guil­ty of wrong­speak. Rep. Nan­cy Mace (R-S.C.) is try­ing to get tea­chers ter­mi­na­ted, tweeting: “We don’t fund hate. We fire it” — which feels like the sort of slo­gan Mao might have had prin­ted on a T-shirt.

And spea­king of prin­ters, Atty. Gen. Pam Bon­di has war­ned that the govern­ment can “pro­se­cu­te” any pro­fes­sio­nal prin­ter who refu­ses to “print posters with Charlie’s pic­tures on them for a vigil.” She also pled­ged to “abso­lut­e­ly tar­get” anyo­ne who tar­gets anyo­ne with “hate speech.”

Not long ago, pro­gres­si­ves insi­sted bak­ers must bake cakes for gay wed­dings, and now a U.S. att­or­ney gene­ral from a Repu­bli­can admi­ni­stra­ti­on is insi­sting that prin­ters must print images for vigils. Fun­ny how the tables turn.

Then, there’s the so-cal­led Char­lie Kirk Data Foun­da­ti­on, which claims to have a searcha­ble list of tens of thou­sands of peo­p­le who posted mean tweets after Kirk’s death. Coll­ec­tively, this pur­ge cam­paign seems to be working. A lot of scalps have alre­a­dy been clai­med, inclu­ding tho­se of pro­mi­nent pun­dits and late night host Jim­my Kim­mel (who was sus­pen­ded after making remarks about the moti­ves of Kirk’s killer).

But — let’s be clear — oppo­si­ti­on to can­cel cul­tu­re is mere­ly the latest prin­ci­ple that Trump-era Repu­bli­cans have con­ve­ni­ent­ly aban­do­ned. Inde­ed, almost every tenet that con­ser­va­ti­ves held dear a deca­de ago has been reversed.

And peo­p­le are start­ing to noti­ce. Ore­gon sta­te Rep. Cyrus Java­di recent­ly swit­ched par­ties, citing the GOP’s aban­don­ment of prin­ci­ples like “limi­t­ed govern­ment, fis­cal respon­si­bi­li­ty, free speech, free trade, and, abo­ve all, the rule of law.”

He has a point. Trump’s Ame­ri­ca now owns a chunk of U.S. chip­ma­ker Intel (so much for small govern­ment), spends like a drun­ken sail­or, slaps tariffs on ever­ything that moves (bye-bye, free trade) and igno­res laws he doesn’t like — most recent­ly, the Tik­Tok sell-off man­da­te that was pas­sed by Con­gress and upheld by the Supre­me Court, which Trump deci­ded to tre­at like a menu item he didn’t order — until he found a sui­ta­ble buyer.

But it’s not just nor­mie Repu­bli­cans who are worried about Trump diver­ting from the Rea­gan-Bush playbook.

Come­di­an and pod­ca­ster Tim Dil­lon recent­ly obser­ved that the Trump agen­da looks sus­pi­cious­ly like the dys­to­pia that con­spi­ra­cy theo­rist Alex Jones used to warn us about bet­ween col­lo­idal sil­ver ads: “Mili­ta­ry in the street, the FEMA camp, the tech com­pa­ny that moni­tors ever­ything, the sur­veil­lan­ce. This is all of that.”

So why is this hap­pe­ning? Why the con­tor­ti­ons? I’m remin­ded of an old sto­ry Rush Lim­baugh used to tell about the late actor Ron Silver.

As the sto­ry goes, Sil­ver went to Bill Clinton’s first inau­gu­ra­ti­on as a blee­ding-heart libe­ral and was hor­ri­fi­ed by the mili­ta­ry fly­o­ver. And then he rea­li­zed, “Tho­se are our pla­nes now.”

That’s whe­re con­ser­va­ti­ves are when it comes to can­cel cul­tu­re. They’ve final­ly rea­li­zed that this is their can­cel cul­tu­re now.

And may­be that’s the grub­by litt­le secret about poli­tics in the Trump era. Almost nobo­dy cares about values or morals — or “prin­ci­ples” — any­mo­re. Free speech, limi­t­ed govern­ment, fis­cal restraint — the­se are all rules for thee, but not for me.

Can­cel cul­tu­re wasn’t rejec­ted, it was just co-opted. So go ahead. Drop a dime. See some­thing, say some­thing. Big Brot­her is watching.

Iro­ny, meet guillotine.

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