Wer weiß, wozu's gut ist ...!

In so man­cher Lebens­si­tua­ti­on stand mir die­ser Satz mei­ner Groß­mutter vor Augen und half mir über Ent­täu­schun­gen hin­weg. Tat­säch­lich gab es man­nig­fal­ti­ge Gele­gen­hei­ten in denen mir die­se Spruch­weis­heit, so banal sie auf den ersten Blick wirkt, gehol­fen hat mit uner­wünsch­tem Aus­gang eines Vor­ha­bens zurecht zu kommen.

Die Aktio­nen des Prä­si­den­ten­dar­stel­lers Trump weck­ten Erin­ne­run­gen an die letz­ten Mona­te mei­nes USA Auf­ent­hal­tes zwi­schen 1999 und 2002.

Inwie­fern?

Ich hat­te einen festen Job in erfor­der­li­cher Gehalts­hö­he um ein Arbeits­vi­sum zu bekom­men. Mein Arbeit­ge­ber, bei dem schon im Febru­ar 2001 ein Büro für mich her­ge­rich­tet wur­de - nach­dem ich aus Hor­se­heads, NY, nach Kan­sas City, MS, umge­zo­gen war, hat­te die Kosten der Anwalt­schaft für den Antrags­pro­zeß von ca. $4000 über­nom­men. Ich selbst habe die Gleich­wer­tig­keit mei­ner aka­de­mi­schen Aus­bil­dun­gen durch zwei US-Uni­ver­si­täts­gut­ach­ten zu ins­ge­samt $2300 fest­stel­len und beur­kun­den lassen.

Damit schie­nen die Wei­chen gestellt zu sein:
Sobald das Visum erteilt wor­den sei wür­den wir Wohn­sitz in USA neh­men. Mei­ne Frau wür­de sich beur­lau­ben las­sen und nach­kom­men sobald unse­re Toch­ter mit dem Abitur fer­tig sei.

Doch es kam ganz anders:
Die Ter­ror­an­schlä­ge am 11. Sep­tem­ber 2001 mach­ten die Pla­nun­gen zunich­te, weil einer­seits die Reak­ti­on der Regie­rung Bush nach den Anschlä­gen "Krieg gegen den Ter­ror" aus­zu­ru­fen und dadurch fun­da­men­ta­le Völ­ker­recht­li­che Grund­sät­ze zu igno­rie­ren bzw. zu ver­let­zen inak­zep­ta­bel schien.
Eine wesent­li­che Ver­schär­fung der Auf­ent­halts­ge­set­ze und als wei­te­re Reak­ti­on am 14. Sep­tem­ber 2001 in den USA einen Aus­nah­me­zu­stand zu erklä­ren, waren die letz­ten Brü­che mit dem bis­he­ri­gen poli­ti­schen System. Die­se Aus­nah­me­ge­set­ze bestehen übri­gens immer noch.

Bei den Anschlä­gen kamen ca. 3000 Men­schen zu Tode - in den nach­fol­gen­den US Ope­ra­tio­nen wird hin­ge­gen die Gesamt­zahl der Todes­op­fer auf 'weit über eine Mil­li­on bis 2015' geschätzt.

Das ver­schärf­te Vor­ge­hen gegen Aus­län­der einer­seits, die als 'vogel­frei' ohne jeg­li­che Rech­te ange­se­hen wur­den, die enor­men Ver­zö­ge­run­gen der Visa­pro­zes­se ande­rer­seits, führ­ten nun dazu, daß mein Antrag, der im Nor­mal­fall etwa vier bis sechs Mona­te bis zur Geneh­mi­gung gebraucht hät­te, nun auf per­sön­li­che Anfra­ge im Kon­su­lat auf das Fol­ge­jahr ver­scho­ben wer­den wür­de. Die­se Aus­kunft erhielt ich im Ende 2001. Eine erneu­te Nach­fra­ge im Juni 2002, als mei­ne Frau zu Besuch her­über­ge­flo­gen war, und wir zusam­men beim Kon­su­lat vor­spra­chen, ergab eine Min­dest­dau­er von wei­te­ren sechs bis acht Mona­ten Bearbeitungszeit. 

Mein Visum war zu die­sem Zeit­punkt noch bis zum 04. August 2002 gültig.

Der freund­li­che Kon­sul erklärte:
"Wenn dein Visum noch bis Ende des Jah­res gül­tig wäre könn­te ich ein hal­bes Jahr in 2003 hin­ein ver­län­gern - aber so ist kei­ne Ver­län­ge­rung möglich."

Da sich die Lebens­um­stän­de für Nicht-Ame­ri­ka­ner dra­stisch ver­schlech­tert hat­ten, und ich nicht im Gefäng­nis wegen Auf­ent­halts­über­tre­tung lan­den woll­te - kei­ne Rech­te, kei­ne anwalt­li­che Ver­tre­tung, kei­ne Aus­sicht da zeit­nah wie­der raus­zu­kom­men - hieß es nun "PACKEN!"

So habe ich zwi­schen Juli 2002 und dem 04. August, dem Abflug­tag, an dem das Visum aus­lief, zwei Autos ver­kauft, eine Dop­pel­haus­hälf­te geleert, Haus­rat im Gara­gen­ver­kauf ver­scher­belt, Vie­les an Nach­barn ver­schenkt, und pri­va­te Habe in meh­re­re Gepäck­stücke ver­packt (die als Flug­ge­päck damals noch gegen Auf­preis unbe­grenzt mög­lich waren) und nach Hau­se mit­ge­nom­men. Der Nor­mal­preis war in die­sen Jah­ren knapp unter $500 für den Flug, mit dem Gepäck wur­den dar­aus $1000.

Scha­de war es um den schö­nen Job-Titel "Direc­tor of Euro­pean Deve­lo­p­ment", das macht doch 'was her.

Wozu war's letzt­end­lich dann doch gut?

Spä­te­stens im Ver­lauf der Regie­run­gen Bush (Home­land Secu­ri­ty, Patri­ot Act) hät­te mich der Ent­schluß dort zu blei­ben geär­gert, end­gül­tig rück­gän­gig hät­te ich das - schwe­ren Her­zens wegen der enor­men Kosten die ein Rück­um­zug erfor­dert hät­te - mit der ersten Regie­rung Trump gemacht.

PS; Herrn nömix gewidmet:
Ein Fall von "Glück im Unglück"

Kommentare

  1. Das erin­nert mich sehr an mei­ne eige­ne Ein­stel­lung, um die ich mich schon als jun­ger Mensch bemüht habe - alles so zu betrach­ten, dass ich mir letzt­end­lich sagen konn­te: "Es ist gut so, wie es gekom­men ist."
    Was natür­lich nicht heisst, dass man - aus heu­ti­ger Per­spek­ti­ve - nicht auch tat­säch­lich man­ches hät­te bes­ser machen kön­nen. Sich dar­über zu grä­men, bringt kei­nem was, und ab hier gilt für mich: "Lass gut sein."
    Es sei denn, man kann tat­säch­lich heu­te noch was am Ergeb­nis ändern, dann soll­te man erwä­gen, das zu tun. Wie schön, dass man noch die Mög­lich­keit dazu hat! Und wenn es nur ist, dass man wie­der zur Ein­stel­lung zurück­fin­det: "Es ist gut so, wie es gekom­men ist." 🤗

    1. Genau da ist der Ansatz: Ich neh­me wahr was sich ereig­net - ärge­re mich viel­leicht, küm­me­re mich aller­dings nur um das, was ich ändern kann.
      Ein wei­te­rer Grund­satz ist nicht mehr gegen *Mei­nung* oder *Glau­be* zu argu­men­tie­ren. Höch­stens Fak­ten für/gegen Stand­punk­te anzuführen.
      [😉 Da ich - wie alle Men­schen - nicht unfehl­bar bin, gelingt es mir manch­mal nicht das strikt ein­zu­hal­ten .... aber wie es so schön aus der Wer­bung bekannt ist "Nicht immer, aber immer öfter!" 😉]

  2. Eine inter­es­san­te Geschich­te, ich den­ke ich kann nach­voll­zie­hen wie sich das alles ange­fühlt haben muss. Aus ähn­li­chen Situa­tio­nen habe ich genau die­se Erkennt­nis mitgenommen.

    Den Arti­kel habe ich ger­ne gele­sen, vie­len Dank!

    1. Für so eine freund­li­che Rück­mel­dung sage ich ein herz­li­ches "Dan­ke!"
      Wie im vori­gen Kom­men­tar hier wei­ter oben schon erwähnt wur­de gibt es mit Abstand von älte­ren Ereig­nis­sen und Ent­schei­dun­gen immer meh­re­re Vari­an­ten die auch noch in Fra­ge gekom­men wären:
      Ent­schei­dend ist nur der Tag, an dem man eine Wahl getrof­fen hat, an dem genau die­ser Erkennt­nis­stand vorlag.

      OT / eine sehr anspre­chen­de Form ihres Web­logs, schlicht & über­sicht­lich, das gefällt mir.

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