17.01.2004 / Bemerkungen über Suppe

Haben Sie auch bestimm­te Gerich­te, die Sie an bestimm­ten Tagen der Woche essen? Mir fällt auf, daß das in vie­len Fami­li­en [und ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaf­ten] so gehal­ten wird. Frei­tags gibt es vie­ler­orts Fisch - eigent­lich ein reli­gi­ös bestimm­tes Mahl an die­sem Tag, aber wer weiß das schon noch?

Bei uns gibt es immer Sonn­abends Sup­pe, rich­tig gekocht, nie aus der Tüte. Ich erin­ne­re mich noch, als mei­ne Toch­ter ganz klein war und bei einer Freun­din über­nach­te­te. Sie kam am Sonn­tag nach Hau­se und war ent­rü­stet, daß man ihr dort am Sonn­abend zu Mit­tag kei­ne Sup­pe ange­bo­ten hat­te! Ja, ja, die Macht der Gewohnheit.

Kürz­lich las ich, daß nur noch 29% aller Fami­li­en regel­mä­ssig jeden Tag zusam­men eine Mahl­zeit ein­neh­men. Erschreckend! Da bin ich mir sicher zu wis­sen, woher Rück­sichts­lo­sig­keit und man­geln­der Fami­li­en­sinn kom­men - man rührt nicht mehr gemein­sam Sonn­abends in der Suppe!

Wel­che Art Sup­pe essen Sie gern? Ich selbst bevor­zu­ge ent­we­der Blu­men­kohl­sup­pe oder eine gute Rind­fleisch­sup­pe - wozu man bekannt­lich ein Pfund Rip­pe oder Bein­schei­be braucht. Ich gebe zu, daß ich in den letz­ten Jah­ren häu­fig etwas zurück­hal­ten­der mit Rind­fleisch war - wen wun­dert das, bei den Sto­ries über BSE / Rinderwahnsinn?

Als wir kürz­lich Besuch aus Chi­na - ja, "Rot"China! - hat­ten, lern­te ich aber die Vor­zü­ge eine kla­ren Hüh­ner­sup­pe zu schät­zen. Ein Hauch Ing­wer, aus der Knol­le geschabt, und mehr als drei Stun­den gekocht, nichts außer Huhn und Gewürz in der Sup­pe - eine wah­re asia­ti­sche Köst­lich­keit! Inter­es­sant war die Tat­sa­che, daß der erste Sud nach etwa 10 Minu­ten kochen [damit ist gemeint "spru­deln­des" Kochen] ver­wor­fen, also glatt weg­ge­gos­sen wur­de. Ich dach­te erst, das sei dem Geschmack der Sup­pe abträg­lich, aber weit gefehlt, sie war köst­lich. Über den Grund die­ser Vor­ge­hens­wei­se kann ich nur spe­ku­lie­ren. Wenn man die man­geln­den hygie­ni­schen Ver­hält­nis­se in der drit­ten Welt, zu der Chi­na ja noch zu 90% zählt - von weni­gen indu­strie­ali­sier­ten Bal­lungs­zen­tren abge­se­hen - ist es durch­aus sinn­voll, die­sen ersten Sud zu ver­wer­fen, weil damit drei Din­ge erreicht wer­den: Erstens tötet man die hit­ze­emp­find­li­chen Bak­te­ri­en ab, äuße­rer Schmutz durch das Schlach­ten wird abge­wa­schen und zuletzt schüt­tet man so auch einen Teil des Hüh­ner­fet­tes mit ab, was für den Gesund­heits­zu­stand der Sup­pen­es­ser durch­aus zuträg­lich ist. Man sieht, daß in bestehen­der Tra­di­ti­on - vor allem aber in deren Bei­be­hal­tung - durch­aus Chan­cen für die nach­fol­gen­den Gene­ra­tio­nen stecken. Nicht nur alles Neue ist gut, Tra­di­ti­on hat schon ihren Sinn.

Bei die­ser Gele­gen­heit habe ich übri­gens gelernt, daß man ledig­lich in Nord­chi­na "Hund", "Affe" und "Schlan­ge" auf dem Spei­se­plan hat. Ich muß aller­dings ein­räu­men, die Argu­men­ta­ti­on war nicht soooo über­zeu­gend, ich habe noch gewis­se Zwei­fel! Nun habe ich einen guten Grund, dort­hin zu fah­ren und mich per­sön­lich davon zu über­zeu­gen, wo was geges­sen wird.

Jetzt ist unse­re Sup­pe fer­tig und ich has­se es, wenn zu Tisch geru­fen wird und kei­ner kommt oder trö­delt noch her­um .... ich wün­sche Ihnen für heu­te auch eine "gute" Suppe.

Veröffentlicht in Leben

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