Haben Sie auch bestimmte Gerichte, die Sie an bestimmten Tagen der Woche essen? Mir fällt auf, daß das in vielen Familien [und ähnlichen Lebensgemeinschaften] so gehalten wird. Freitags gibt es vielerorts Fisch - eigentlich ein religiös bestimmtes Mahl an diesem Tag, aber wer weiß das schon noch?
Bei uns gibt es immer Sonnabends Suppe, richtig gekocht, nie aus der Tüte. Ich erinnere mich noch, als meine Tochter ganz klein war und bei einer Freundin übernachtete. Sie kam am Sonntag nach Hause und war entrüstet, daß man ihr dort am Sonnabend zu Mittag keine Suppe angeboten hatte! Ja, ja, die Macht der Gewohnheit.
Kürzlich las ich, daß nur noch 29% aller Familien regelmässig jeden Tag zusammen eine Mahlzeit einnehmen. Erschreckend! Da bin ich mir sicher zu wissen, woher Rücksichtslosigkeit und mangelnder Familiensinn kommen - man rührt nicht mehr gemeinsam Sonnabends in der Suppe!
Welche Art Suppe essen Sie gern? Ich selbst bevorzuge entweder Blumenkohlsuppe oder eine gute Rindfleischsuppe - wozu man bekanntlich ein Pfund Rippe oder Beinscheibe braucht. Ich gebe zu, daß ich in den letzten Jahren häufig etwas zurückhaltender mit Rindfleisch war - wen wundert das, bei den Stories über BSE / Rinderwahnsinn?
Als wir kürzlich Besuch aus China - ja, "Rot"China! - hatten, lernte ich aber die Vorzüge eine klaren Hühnersuppe zu schätzen. Ein Hauch Ingwer, aus der Knolle geschabt, und mehr als drei Stunden gekocht, nichts außer Huhn und Gewürz in der Suppe - eine wahre asiatische Köstlichkeit! Interessant war die Tatsache, daß der erste Sud nach etwa 10 Minuten kochen [damit ist gemeint "sprudelndes" Kochen] verworfen, also glatt weggegossen wurde. Ich dachte erst, das sei dem Geschmack der Suppe abträglich, aber weit gefehlt, sie war köstlich. Über den Grund dieser Vorgehensweise kann ich nur spekulieren. Wenn man die mangelnden hygienischen Verhältnisse in der dritten Welt, zu der China ja noch zu 90% zählt - von wenigen industriealisierten Ballungszentren abgesehen - ist es durchaus sinnvoll, diesen ersten Sud zu verwerfen, weil damit drei Dinge erreicht werden: Erstens tötet man die hitzeempfindlichen Bakterien ab, äußerer Schmutz durch das Schlachten wird abgewaschen und zuletzt schüttet man so auch einen Teil des Hühnerfettes mit ab, was für den Gesundheitszustand der Suppenesser durchaus zuträglich ist. Man sieht, daß in bestehender Tradition - vor allem aber in deren Beibehaltung - durchaus Chancen für die nachfolgenden Generationen stecken. Nicht nur alles Neue ist gut, Tradition hat schon ihren Sinn.
Bei dieser Gelegenheit habe ich übrigens gelernt, daß man lediglich in Nordchina "Hund", "Affe" und "Schlange" auf dem Speiseplan hat. Ich muß allerdings einräumen, die Argumentation war nicht soooo überzeugend, ich habe noch gewisse Zweifel! Nun habe ich einen guten Grund, dorthin zu fahren und mich persönlich davon zu überzeugen, wo was gegessen wird.
Jetzt ist unsere Suppe fertig und ich hasse es, wenn zu Tisch gerufen wird und keiner kommt oder trödelt noch herum .... ich wünsche Ihnen für heute auch eine "gute" Suppe.
