25.01.2004 / Bemerkungen zu Farben

Immer, wenn ich durch ein Kauf­haus gehe, schaue ich mir die Par­fü­me­rie­ab­tei­lung an. Nicht sehr genau, zuge­ge­ben, aber doch von Fer­ne, so beim Durch­schlen­dern. Sie ver­mu­ten jetzt sicher, ich tue das, weil ich mir die Ver­käu­fe­rin­nen anschau­en will - fast rich­tig! Der Grund, den Sie viel­leicht ver­mu­ten ist aller­dings falsch, ich schaue mir mit Fas­zi­na­ti­on an, wie die­se Ver­käu­fe­rin­nen sich bewe­gen, höre zu, wie sie reden und erfreue mich dar­an, wie schön far­big ihre Gesich­ter sind.

Na, end­lich, wer­den sie sagen, jetzt ist er beim The­ma. Jein. Auf die Far­be kom­me ich gleich, zuerst muß ich noch ´was los­wer­den: Ich stau­ne immer wie­der, wie­so die­se vor­neh­men, von aller gemei­nen Welt ent­rück­ten Damen sich her­ab­las­sen, in einem Kauf­haus zu ver­kau­fen. Sie sind doch nach Geha­be und Kun­den­an­spra­che zu Höhe­rem gebo­ren, füh­len sich irgend­wie depla­ziert unter all die­sen igno­ran­ten Käu­fern .... ähn­li­ches fin­det man nur noch in Mode­ge­schäf­ten. Das aller­dings weiß ich nur vom Hören­sa­gen, denn da wo ich kau­fe sind die Ver­käu­fer noch auf dem Weg nach oben und ent­spre­chend beflissen.

Heu­te las ich mit Erstau­nen, daß in einem Münster´schen Kauf­haus ein Mann (!) in der Par­fü­me­rie arbei­tet! Wenn das kei­ne Gleich­be­rech­ti­gung ist. End­lich, nach der männ­li­chen Heb­am­me - per Gerichts­be­schluß zu die­ser Pro­fes­si­on zuge­las­sen - so völ­lig ohne juri­sti­sches Zutun ein Mann als Ver­käu­fer in der Par­fü­me­rie - sie mer­ken, ich bin ganz hin und weg.

Er ist, dem Bild, und beglei­ten­dem Text nach, aller­dings nicht in "Kriegs­be­ma­lung", wie sei­ne weib­li­chen Kol­le­gin­nen, son­dern ganz nor­mal in Anzug und Kra­wat­te, könn­te glatt für einen Bän­ker durchgehen.

Ein­gangs hat­te ich auf mei­ne Gewohn­heit hin­ge­wie­sen, mir die far­bi­gen Gesich­ter der Par­fü­me­rie­ver­käu­fe­rin­nen anzu­se­hen. Ein wah­res Far­ben­spek­trum, neben dem jeder Regen­bo­gen blaß aus­sieht. Ich fra­ge mich, wie wer­den die­se Damen wohl "unge­schminkt" aussehen?

Dazu muß ich berich­ten, daß ich ein­mal vor Jah­ren zu Besuch in Ber­lin war, bei Freun­den. Die Dame des Hau­ses hat­te ich schon gele­gent­lich getrof­fen, immer top zurecht gemacht und natür­lich auch geschminkt.

Zu dem frag­li­chen Zeit­punkt, als ich dort über­nach­te­te, wur­de es ein "lan­ger" Abend, ich erin­ne­re mich schwach, daß wir es schaff­ten, einer Fla­sche Cal­va­dos - mit ein­ge­schlos­se­nem Apfel (grün) - auf den Grund zu schau­en. Ziel war, den Apfel aus der Fla­sche zu holen und zu essen. Wegen der fort­ge­schrit­te­nen Stun­de - nicht etwa weil wir zu Viert die Fla­sche geleert hat­ten - dau­er­te das gerau­me Zeit.

Der Mor­gen war dem­entspre­chend: Grau­sig! Und damit nicht genug, die Haus­her­rin kam, um zu wecken. Zuerst hat­te ich sie nicht erkannt, dach­te mit schwe­rem Kopf es sei viel­leicht noch jemand zum Über­nach­ten mit­ge­kom­men, doch kein Zwei­fel, das fal­ti­ge, ein­ge­fal­le­ne und fah­le Gesicht war .... das "unge­schmink­te" Gesicht unse­rer Gast­ge­be­rin. In die­sem Moment wur­de aus mei­ner eher schwa­chen Ableh­nung von Schmin­ke ein Kreuzzug!

Um ihnen noch einen aktu­el­le­ren Gedan­ken mit­zu­tei­len: In Hol­land gibt es - das ging kürz­lich durch die Pres­se - eine Gale­rie [KUNSTFABRIEK], bei der man Bil­der bestel­len kann, nach Pho­to oder ande­rer Vor­la­ge, in Öl, auch Aus­schnit­te "Alter Mei­ster". Gra­tu­la­ti­on an die bei­den Inha­ber, die es ver­stan­den haben, eine wei­te­re Markt­lücke ideen­reich zu fül­len! Gemalt wird übri­gens in Chi­na, weil, laut Aus­sa­ge des einen Besit­zers, Seri­en von Ver­su­chen in ande­ren Län­dern nichts so Gutes erga­ben, wie die Ver­su­che bei den Chi­ne­sen. Da sieht man es ´mal wie­der: 6000 Jah­re Kunst­ver­stand und Übung sind eben nicht zu toppen.

Nun habe ich doch mit "Far­ben" abge­schlos­sen. Halt, nein, nicht ganz: Das begehr­te­ste Motiv der Kunst­fa­b­riek fehlt noch - Stilleben. So, das war´s.

Veröffentlicht in Leben

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