BRIGITTE:
Den Dummköpfen eine Chance ....

Zitat:

.. Ganz ehr­lich: Wir soll­ten uns sowie­so lang­sam mal abge­wöh­nen, "Intel­li­genz" im Sin­ne eines mess­ba­ren IQ als eine so aus­ge­spro­chen groß­ar­ti­ge Eigen­schaft ein­zu­stu­fen. Ohne Selbst­ver­trau­en ist ein hoher IQ näm­lich nicht beson­ders hilf­reich. Und eine Zah­len­rei­he kor­rekt ver­voll­stän­di­gen zu kön­nen, ist im wah­ren Leben weit­aus weni­ger wert als ein gutes Gespür für Men­schen. Kin­der soll­ten wir am besten gar nicht erst auf die Idee brin­gen, dass der Intel­lekt etwas wäre, auf den sich ein Mensch etwas ein­bil­den kann .. 

Was die/der Autor/in völ­lig über­sieht ist, dass es nicht dar­um geht wer Zah­len­rei­hen rich­tig ergän­zen kann, son­dern dar­um, die Fähig­keit zu prü­fen, die 'rich­ti­gen' Zah­len der Rei­he zu ergän­zen. Es geht um die Eigen­schaft kom­ple­xe Vor­gän­ge zu erken­nen und eine Lösung zu fin­den. Die Zah­len­rei­hen sind - und da fehlt es eben am Intel­lekt der/des Schreiber/in/s abstrakt zu den­ken und den Sinn sol­cher Prü­fun­gen zu erfas­sen - ledig­lich eine Stan­dar­di­sie­rung um Ver­glei­che zu ermöglichen.

Wenn ich mir vor­stel­le wer so etwas schreibt dann schwebt mir eine Per­son vor, die selbst unfä­hig war der­glei­chen Tests sicher zu lösen und daher völ­lig kom­plex­be­la­den dage­gen Vor­ur­tei­le auf­ge­baut hat. Eige­ne Unfä­hig­keit wird hier zum Anlass genom­men auf intel­li­gen­te­re Men­schen ein­zu­dre­schen. Beschä­mend, wenn so etwas durch die Redak­ti­on läuft ohne bean­stan­det zu werden.

Mei­ne Abnei­gung gegen so genann­te "Frau­en­zeit­schrif­ten" ist seit Jah­ren gewach­sen, weil ich - zu Stu­di­en­zwecken - ab und zu eines der 'füh­ren­den' Blät­ter aus die­ser Kate­go­rie lese um zu wis­sen, wel­cher Quatsch da unbe­darf­ten, unkri­ti­schen 'Heim­chen am hei­mi­schen Herd' so ein­ge­bla­sen wird.
Beson­ders Kolum­nen wie die, aus der das obi­ge Zitat stammt [Bri­git­te Baby], sind geeig­net eine völ­lig ver­schro­be­ne Genera­ti­on zu pro­du­zie­ren, wenn deren Müt­ter (und Väter?) sol­che "Weis­hei­ten" unter­ge­ju­belt bekommen ....

Es wird beklagt, dass es zuneh­men­de Wis­sen­schafts­feind­lich­keit gibt, dass immer mehr Men­schen Mei­nungs­äu­ße­run­gen anstatt Fak­ten Glau­ben schen­ken. Ja, wie denn sol­len sie ler­nen der Wis­sen­schaft und den Wis­sen­den zu ver­trau­en, wenn ihnen gera­ten wird nicht " .. Intelligenz..als eine so aus­ge­spro­chen groß­ar­ti­ge Eigen­schaft ein­zu­stu­fen .. "? Seit wann bestim­men denn Journalist/inn/en von Frau­en­zeit­schrif­ten dar­über was gesell­schaft­li­che Aner­ken­nung haben soll­te und was nicht?

Vor die­sem Hin­ter­grund bekommt die Dis­kus­si­on um Zita­te und Zitier­recht eine völ­lig neue Bedeu­tung: Wenn man sol­che unver­ant­wort­li­chen, wis­sens­feind­li­chen Aus­sa­gen von offen­bar wenig gebil­de­ten Jour­na­li­sten nicht mehr zitie­ren darf wird auch nicht klar, woher gan­ze Genera­tio­nen ihre Vor­ur­tei­le neh­men und spä­ter natür­lich aus­le­ben. Ein wei­te­rer Bau­stein, der zur Volks­ver­dum­mung bei­trägt. Der dazu führt, dass sich Men­schen nicht an Ergeb­nis­se der Wis­sen­schaft, son­dern an Paro­len von Wort­füh­rern hal­ten, die ihnen unbe­wie­se­ne Mei­nun­gen ein­häm­mern um so Vor­tei­le für sich selbst zu errei­chen. *brain­wa­sh* auf die sanf­te Tour.

Ich könn­te k**zen vor Ärger über sol­che halb­ge­bil­de­ten Schreiber/innen, die glau­ben (!) die Weis­heit zu besit­zen. Wahr­schein­lich haben sie nicht in ihrer eige­nen Publi­ka­ti­on geblät­tert, sonst wären sie auf die­sen Arti­kel → Dun­ning-Kru­ger-Effekt: 5 Din­ge, die wir von unfä­hi­gen Men­schen ler­nen kön­nen gesto­ßen und wären ins Grü­beln ver­fal­len, ob die­ses Phä­no­men mög­li­cher­wei­se exakt auf sie selbst zutrifft ....

Kommentare

  1. Bri­git­te, Brigitte.... 

    Da war doch erst gestern ein Arti­kel beim HPD, in dem es um den angeb­li­chen Glau­ben der Athe­isten ging. 

    Fah­ren die da gera­de eine (Ein)Bildungsoffensive?

    Und war­um fin­det sich so ein Quatsch immer so gehäuft in Frauenzeitschriften?

    1. Die­ses Blatt steckt voll von sol­chen Arti­keln von Halb­ge­bil­de­ten, die psy­cho­lo­gi­sche und erzie­hungs­wis­sen­schaft­li­che und wer weiß was Erkennt­nis­se (Fak­ten) so 'ver­än­dern', dass zum Schluss eine Ten­denz her­aus­kommt, die mir über­haupt nicht gefällt:
      "Bür­ger­li­che Mit­te und Zufrie­den­heit mit dem was man hat, mit der eige­nen Stel­lung in der Gesell­schaft leben und sich drein schicken."

      Meh­re­re Arti­kel waren Über­set­zun­gen aus irgend­wel­chen US Rat­ge­ber­zeit­schrif­ten, die waren mit 'sus' gekenn­zeich­net und konn­ten so nicht einer bestimm­ten Per­son zuge­ord­net werden.

  2. Wie so oft bei die­sem sanft-psy­cho­lo­gi­schem Geschwätz, was in sol­chen Blät­tern ver­öf­fent­licht wird, geht der Autor die Sache von der fal­schen Sei­te an. "Ursa­che und Wir­kung", sage ich nur...

    Kogni­ti­ve Intel­li­genz ohne Selbst­be­wusst­sein (erwei­tert: ent­spre­chen­den Cha­rak­ter; auch Sozio­pa­then sind nicht sel­ten recht intel­li­gent, sie nut­zen ihre Fähig­kei­ten aber nur zu ihrem allei­ni­gen eige­nen Vor­teil) dazu ist ver­schwen­de­tes Poten­ti­al, das ist richtig.
    Aller­dings ändert es nichts dar­an dass kogni­ti­ve Intel­li­genz etwas ist, was man durch­aus grob bemes­sen kann. "Grob", weil kogni­ti­ve Intel­li­genz (also die Fähig­keit, zu kom­bi­nie­ren und Schlüs­se zu zie­hen) sehr vie­le Facet­ten haben kann und nicht immer auf alles gete­stet wird bzw. genormt gete­stet wer­den kann. Musi­ka­li­sche, sprach­li­che oder emo­tio­na­le Intel­li­genz lässt sich z. B. mit den Stan­dard­tests schwer erfas­sen, obwohl sie Bega­bungs­ge­bie­te sind. - Das sind aber Kri­tik­punk­te, die schon seit Jah­ren exi­stie­ren. Nichts neu­es unter der Son­ne also.

    Und, es ist ja nicht so als wenn man nicht im Umgang mit kogni­tiv - und laut IQ - intel­li­gen­ten Men­schen regi­striert, dass die tat­säch­lich irgend­was bes­ser kön­nen oder mehr als andere.
    D. h. also: Die Tests geben schon eine stim­mi­ge und stich­hal­ti­ge Aus­sa­ge ab, deren Effekt zu bemer­ken ist.
    An der Stel­le dann so zu tun als ob es nichts wert oder kei­ne Aus­sa­ge wäre, ist dann schon blan­ke Realitätsverleugnung.

    Neben­bei, dass man fest­hal­ten muss, aber da wird es wahr­schein­lich dem Autor an basi­schem Hin­ter­grund­wis­sen feh­len: Kogni­tiv hohe Intel­li­genz geht so ziem­lich immer mit Defi­zi­ten in ande­ren Auf­ga­ben­ge­bie­ten einher.
    Das geht sogar sehr ein­fach zu begrün­den: Schlicht­weg kann ein Gehirn nicht in allem her­aus­ra­gend gut sein. Wenn man sich auf bestimm­te Gebie­te ver­steift und dar­in gut wird, wer­den gleich­zei­tig ande­re Fähig­kei­ten weni­ger gepflegt und die Fähig­kei­ten in dem Bereich blei­ben halt eben zurück bzw. wer­den durch Nicht­nut­zung des Gehirn­are­als schwä­cher - weil Bio­lo­gie die Ten­denz dazu hat, alles über­flüs­si­ge abzubauen.

    Gera­de im Seg­ment logi­sche vs. emo­tio­na­le Intel­li­genz ist die­ses Defi­zit-Sche­ma durch unzäh­li­ge Stu­di­en über ver­schie­de­ne Phä­no­me­ne bei mensch­li­cher Intel­li­genz belegt (z. B. Hoch­be­gung, Insel­be­ga­bun­gen, Autis­mus, Asperger-Syndrom).
    Das hat also schon fast etwas von einem Vor­wurf, wenn die emo­tio­na­le Intel­li­genz so her­vor­ge­ho­ben und fast schon als "etwas bes­se­res" zwi­schen den Zei­len bezeich­net wird.
    Sozu­sa­gen "macht doch bit­te weni­ger in kogni­ti­ve Intel­li­genz und lie­ber in emo­tio­na­le, das ande­re ist doch nicht wirk­lich wich­tig" - sowas ist ein sehr fata­les Signal an die Außenwelt.
    Auch könn­te man hier her­lei­ten, dass kogni­tiv geschei­te­re Per­so­nen her­ab­ge­setzt wer­den sol­len - eben weil sie mit ihrer kogni­ti­ven Intel­li­genz den ande­ren, die ihnen nicht fol­gen kön­nen, so viel Anspruch abver­lan­gen und ihnen zu oft sagen, "wo es lang geht" (sie nicht in ihrer Schwur­bel­schwatz-Traum­welt las­sen und z. B. sagen "der Stein kann dir auf den Kopf fal­len, wegen Schwerkraft").
    Qua­si fast wie eine For­de­rung danach, dumm sein zu dür­fen, und die Klü­ge­ren müs­sen die Dumm­heit und die Anspruchs­lo­sig­keit der ande­ren ein­fach aus­hal­ten ohne Kri­tik daran.
    Als wäre Intel­li­genz eine Krank­heit oder eine Fehl­prä­gung und die Intel­li­gen­te­ren pau­schal "son­der­bar".

    1. Gar nicht ein­mal so weit ent­fernt von dem,. was Sie da am Ende postu­lie­ren: Die Intel­li­gen­te­ren sind den Düm­me­ren unheim­lich, weil sie deren Hand­lungs- und Denk­wei­se nicht ver­ste­hen. 'Nicht ver­ste­hen' führt zu ent­we­der aggres­si­vem Ver­hal­ten oder dazu deren Aus­sa­gen lächer­lich und klein zu reden. Des­we­gen sind die Intel­lek­tu­el­len seit jeher als Erste im Visier von Umstürz­lern, weil sie deren Ein­fluss auf die Masse(n) fürch­ten - wie Rein­hard Mey for­mu­lier­te "Im Westen ist es nie­mals gut wenn einer zu viel weiß!"

      Bei die­sen Publi­kums­zeit­schrif­ten­au­toren gehe ich stets davon aus, dass es zu wirk­li­cher Recher­che nicht reicht - da ver­le­gen sie sich auf die Rezi­tie­rung von Sprach­fet­zen und Über­schrif­ten­in­ter­pre­ta­ti­on. In der fal­schen Annah­me, da kön­ne schon nichts schief gehen. Oder sie lesen ein paar Sät­ze in den such­ma­schi­nen­ge­ne­rier­ten Links und glau­ben dann ein The­ma durch­schaut zu haben.

      Jeden­falls ist es die Grup­pe der Intel­li­gen­ten, die in einem Land den Anstoß für Inno­va­ti­on und Fort­schritt anführt. Nur wer­den die­se Struk­tu­ren nicht immer sicht­bar oder sie wer­den unter­schätzt. So nach dem Mot­to: "Das hät­te ich auch gekonnt" - was immer erst dann kommt, wenn wer anders es schon vor­ge­dacht hat!

      1. Intel­li­gen­te­re sind vor allen Din­gen des­we­gen pri­mär eine Ziel­schei­be, weil - es könn­te ja sein, dass die sogar recht haben.
        Und das mögen Pell­kar­tof­feln gar nicht, weil sie sich dabei ertappt füh­len. Wie "Schei­ße, jemand hat mit­ge­kriegt, dass ich dumm bin!". Auch fällt ihnen dabei selbst auf, dass sie dumm sind, und der Gedan­ke gefällt ihnen gar nicht.

        Ich wür­de die Sache mal von der Sei­te betrach­ten: Die­se Zeit­schrif­ten sind von vorn her­ein als "Opi­um für das Volk" gedacht. Dadurch sind sie gar nicht mal dazu bestimmt, intel­lek­tu­el­les Niveau an den Tag zu legen.
        Dem ent­spre­chend wer­den dann die Arti­kel ange­legt und aus­ge­rich­tet, die in ihr erschei­nen. Und Intel­lek­tu­el­le füh­len sich von dem hal­be­so­te­ri­schen Gere­de nicht ange­spro­chen; die las­sen die Zei­tung lie­gen. Wer bleibt also als Publi­kum übrig? Eben nicht gera­de die, die etwas von Alge­bra oder (fach­lich) von psy­chi­schen Stö­run­gen verstehen.

        Hin­ter­her behaup­ten immer eine gan­ze Men­ge Leu­te "Hab' ich doch gesagt!" oder "Na, so schlimm ist das Gan­ze doch nicht zu ver­ste­hen!", oder gar als wenn sie der Erfin­der von etwas wären... Ist mir all­zu gut bekannt. Das Phä­no­men "ich war schon X, lang bevor ihr über­haupt wuss­tet, worum's dabei geht".
        Hin­ther ist man vor allen Din­gen auf der siche­ren Sei­te und es bläst einem nicht der schar­fe Wind des sozia­len Wider­stands gegen die eige­nen Ansich­ten ent­ge­gen. Man setzt sich qua­si nur noch in ein gemach­tes Nest.
        Sowas ist natür­lich äußerst ein­fach... Dafür muss man nichts her­aus­ra­gen­des mehr leisten.

        1. Die Mit­läu­fer und 'hab-ich-doch-schon-immer-gewusst'-Behaupter sind bedau­er­li­cher­wei­se hier­zu­lan­de in der Über­zahl. Ein (ehe­ma­li­ger) Nach­bar von mir, Phy­si­ker, mit Spe­zia­li­sie­rung im Nukle­ar­be­reich und zeit­wei­se am Erlan­ger Reak­tor tätig, sag­te immer "Manch­mal den­ke ich die Welt ist voll von Quan­ten­phy­si­kern - nur habe ich die mei­sten nie in den Vor­le­sun­gen gese­hen und noch nie eine Ver­öf­fent­li­chung von ihnen gele­sen!" Er hat den Fin­ger in die Wun­de gelegt und all die Klugsch****er abgrund­tief verachtet.
          Weil Wis­sen­schaft schlecht bezahlt wur­de (und wird!) ging er schließ­lich als Leh­rer in ein Mäd­chen­gym­na­si­um und wenn es ihm rich­tig 'dreckig' ging hat er sich mit Whis­key getrö­stet und abge­schal­tet .... ein ver­geu­de­tes Talent mehr auf die­ser Welt, in der Mit­tel­maß gefragt ist und Intel­li­genz Men­schen erschreckt. Er las übri­gens immer die­se Tee­nie- und Frau­en­blät­ter, weil er wis­sen woll­te was sei­ne Schü­le­rin­nen so bewegt ....

      2. Oh, da erin­nern sie mich an was...
        Seit dem es Coro­na gibt und die Regie­rung ihre "Maß­nah­men" erlas­sen hat, seit dem gibt es plötz­lich, dank Inter­net, auch eine Men­ge Hob­by-Viro­lo­gen und Epi­de­mie-Exper­ten, die mei­nen alles bes­ser zu wissen...
        ...Ich will es nicht ganz in Abfra­ge stel­len, ob "die da oben" immer alles rich­tig gemacht haben, und auch selbst jetzt alles rich­tig tun.
        Aller­dings, so wie sich man­che hoch­schau­keln und auch bloß auf eige­ne ihre Hand voll Exper­ten wie Bhak­di schwö­ren, so wie sie es der Gegen­sei­te vor­wer­fen, an Dro­sten wie an einem neu­en Jesus zu kle­ben, das grenzt für mich dann doch an, was man all­ge­mein als "Klug­schei­ße­rei" bezeichnet.
        In dem Zusam­men­hang - das kann ich auch mal gleich los­wer­den - muss ich sagen, die Ver­schwö­rer­schel­te, die man Ken Jeb­sen immer gibt, hat auch ihre Berech­ti­gung. Die­se Art, die­sen Stil der Klug­schei­ße­rei wie er sie heu­te kom­mer­zi­ell auf eige­ne Faust betreibt, die hat er schon an sich gehabt, als sei­ne Sen­dung KenFM noch auf Radio Fritz aus Ber­lin im UKW-Rund­funk lief. (Die hieß in der Tat schon vor­her so. Lief, glau­be ich, immer Sonn­tag Nach­mit­tag, so um 3 Uhr.)
        Als das vor eini­gen Jah­ren mit den soge­nann­ten "Mon­tags­de­mos" in Ber­lin anfing, wo sich schon mal Leu­te mit lau­ter ziem­lich komi­schen und teils auch unge­bil­de­ten Ansich­ten regel­mä­ßig ver­sam­melt haben, da hat er mal auf einer die­ser Ver­an­stal­tun­gen gespro­chen - ich habe mir das mal frei­wil­lig ange­hört, weil Jeb­sen mir aus dem Radio bekannt war und ich woll­te mal sehen, was er so zu sagen hat (ganz tri­vi­al neben­bei: ich woll­te auch mal das Gesicht zu der Stim­me kennenlernen).
        Am Ende der Sache stand für mich die Ein­schät­zung: Quat­scher. Der Typ ist ein Quat­scher. Eben was, was beim Radio was wird.
        Seit dem ist der bei mir inner­lich auf der Igno­rier­li­ste - unter­ge­bracht im Schub­fach der Leu­te, die einen nicht wei­ter bringen.
        Mit den Jah­ren hat er sich in sei­nem Seg­ment ein­ge­rich­tet; soweit wie man es per­sön­lich durch ande­re Quel­len mit­be­kom­men hat, die sich auf ihn bezo­gen, hat sich die­se kran­ke Schei­ße lei­der noch wei­ter inten­si­viert - zumin­dest wenn der Herr sei­nen eige­nen Gedan­ken Frei­lauf gibt. Dass er ein oder ande­ren inter­es­san­ten Inter­view­part­ner vor das Mikro­phon kriegt, und dass er wohl­mög­lich dabei sogar soli­de Arbeit lei­stet, das will ich nicht unbe­dingt in Abre­de stellen.
        Aber sobald er den Mund auf­macht und sei­ne eige­nen Ansich­ten dar­legt - Schluss, aus. Mach bloß die Ohren zu. Ist bes­ser für die eige­ne gei­sti­ge Gesundheit.
        Zwar nicht die­sen ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Mist, aber die­se Form der Klug­schei­ße­rei, die er betreibt, das hat­te er schon an sich, als er noch ganz nor­mal beim Radio gear­bei­tet hat.
        Und genau des­we­gen hal­te ich heut­zu­ta­ge nicht sehr viel von ihm bzw. fin­de, sei­ne Bei­trä­ge soll­te man mit Vor­sicht genie­ßen und je nach Inhalt und Gebiet beur­tei­len und nicht die Per­son an und für sich für "gut" erklä­ren, nur weil er regel­mä­ßig irgend­was nicht main­stream-mäßi­ges erzählt und einem das zufäl­lig auch noch in den Kram passt.
        Ange­sichts des­sen wie er heu­te jeden­falls auf­tritt, muss man glatt die Über­le­gung anneh­men, wer weiß, viel­leicht ist er ja damals bei Fritz zu Recht 'raus­ge­flo­gen, weil er da wirk­lich ein paar Aus­sa­gen getä­tigt hat, die man so kei­nes­falls unkom­men­tiert ste­hen las­sen konnte...
        ...Das mal so neben­bei zum The­ma "Klug­schei­ße­rei". Weil es mir einfällt.

        Dass ihr Nach­bar die Print­me­di­en sei­ner Schü­le­rin­nen gele­sen hat, um zu wis­sen, was die gera­de so even­tu­ell bewegt, das wür­de ich an der Stel­le nicht so streng sehen - sowas nennt man "Infor­ma­ti­ons­be­schaf­fung". Also, für den Kon­text, um sei­ne Schü­le­rin­nen zu ver­ste­hen, und auch man­ches ein­schät­zen zu kön­nen, wenn unge­sun­de Ent­wick­lun­gen im Umlauf sind.

        Dass er sich mit Whis­ky getrö­stet hat, weil man in die­ser Welt von Mit­tel­maß depres­siv und teil­wei­se auch wahn­sin­nig wird, das kann ich selbst all­zu­gut nach­voll­zie­hen... Mir geht es oft­mals lei­der nicht sehr anders - wobei ich eben nur nicht trin­ke, weil ich das gene­rell nicht tue.
        Wenn ich zurück­den­ke... die­ser Zustand, der war schon so vor­han­den, da war ich noch nicht mal voll­jäh­rig. So lang ken­ne ich das schon, mich über die Durch­schnitt­lich­keit und teil­wei­se auch Aus­tausch­bar­keit und Kli­schee­haf­tig­keit der Men­schen auf­zu­re­gen. Dass sie nicht mehr aus sich machen, obwohl stets die per­sön­li­che Indi­vi­dua­li­tät so über­mä­ßig betont wird.

        1. Da ver­wei­se ich auf fol­gen­des Video → Coro­na hat mei­ne Mei­nung geän­dert, in dem wird gründ­lich auf­ge­räumt mit dem Mythos der unvor­ein­ge­nom­me­nen Wis­sen­schaft­lern: Nicht jeder der Wis­sen­schaft­ler ist kom­pe­tent und ohne Voreingenommenheit.

          So ist es - Sie wei­sen dar­auf hin - auch mit Radio- und Fern­seh­mo­de­ra­to­ren. Die haben, so wie die mei­sten Jour­na­li­sten, von dem wovon sie berich­ten meist Null Ahnung. Das aller­dings ver­schlei­ern sie mit ein paar Stich­wor­ten, die ihnen die Redak­tio­nen her­aus­ge­sucht und ver­ar­bei­tet haben. Da ist die Wis­sens­decke kurz, zieht man am einen Ende so liegt am ande­ren Ende die Ein­falt bloß!
          So auch bei Herrn Jeb­sen, und sei­ne Anhän­ger­schaft ist nicht sehr gebil­det, um es ein­mal vor­sich­tig auszudrücken.

          Ich trin­ke schon seit Jah­ren kaum noch Alko­hol, meist zu Gele­gen­hei­ten wie Jubi­lä­en und Fei­ern, dann viel­leicht ein hal­bes Glas zum Ansto­ßen - anson­sten ist mein Getränk Kaf­fee mit Milch. Da bin dann pin­ge­lig was die Qua­li­tät angeht und die­se "län­ger halt­bar" Plör­re kommt mir nicht in den Kaffee!

          Blei­ben Sie ruhig, wenn Sie auf Töl­pel sto­ßen - die leben viel län­ger als Sie wenn Sie sich von denen in Rage brin­gen las­sen, weil die ein sehr, sehr dickes Fell haben.

      3. Wie Jebs­ens Sen­dung struk­tu­riert war als sie noch im nor­ma­len Rund­funk lief - oh, das weiß ich nicht mehr... Zu lang her. Dafür habe ich dort auch zu wenig 'rein­ge­hört.
        Ich hat­te aber den Ein­druck, als wenn er sei­ne Sen­dung, damals wie heu­te, selbst struk­tu­riert hat und durfte.
        Ein biss­chen muss man da zu der Art wie Fritz damals auf­ge­baut war wis­sen. Ich sage "damals", weil es ist ja auch schon lan­ge her, dass Jeb­sen gegan­gen wur­de. - Und das fällt zeit­lich zusam­men mit einer grö­ße­ren Umstruk­tu­rie­rung beim Sen­der, in des­sen Zuge so eini­ge tra­gen­de Figu­ren gegan­gen sind (gegan­gen wurden?).
        Nur so als Bei­spiel: Mit die­ser Umstruk­tu­rie­rung sind auch die gan­zen regel­mä­ßi­gen wöchent­li­chen Sen­dun­gen von Musik­gen­res, die immer an einem bestimm­ten Wochen­tag lie­fen, weg­ge­fal­len. (Damals lief Sonn­tag Abend jeweils von 20-22 Uhr eine, die sich "Stahl­werk" nann­te; da ging es nur um Metal und Gitar­ren­mu­sik - ja, lang ist's her...) Und die waren in sich wirk­lich fun­diert, also man hat regi­strie­ren kön­nen, dass der­je­ni­ge, der die Sen­dung gemacht hat, auch die­sem Gen­re zuge­tan war und Fach­wis­sen spie­len ließ. So viel kön­nen die den ein­zel­nen Mode­ra­to­ren damals nicht vor­ge­schrie­ben haben.
        Radio Fritz war wirk­lich lan­ge Zeit noch ein Radio­sen­der, der so gear­bei­tet hat wie man sich das wünscht...
        Nun ja, heu­te ist das auch alles nicht mehr. :(

        Also, letzt­lich, wenn Jeb­sen heu­te so unmög­lich ist, dann sind das Wesens­zü­ge, die er schon beträcht­lich lang an sich hat - und er hat sich halt nur eben ein Mal damit zu sehr aus dem Fen­ster gelehnt... Durch die Fil­ter­bla­se, die sich mit den Jah­ren um ihn her­um gebil­det hat, seit dem er sich selbst­stän­dig ver­mark­tet, hat sich das im Anschluss noch mal kräf­tig ver­stärkt - es schart sich eben das Publi­kum um ihn, was die­se Art von Inhal­te hören will, die er da von sich gibt.
        Tech­nisch und theo­re­tisch, könn­te er nicht ein­mal damit auf­hö­ren, selbst wenn er nicht mehr davon über­zeugt wäre, weil es die Grund­la­ge für sei­ne monat­li­chen Ein­nah­men darstellt.

        Mit der Rage, den­ke ich, bin ich schon so ziem­lich durch - alles schon mal gehabt.
        Heut­zu­ta­ge lässt mich die­se Durch­schnitt­lich­keit der Men­schen eher depres­siv und ver­zwei­felt wer­den - weil man ein­fach kei­nen geschei­ten Gsprächs­part­ner findet. :(
        Viel Her­um­men­scheln - was ich wie­der­um nicht beherr­sche -, viel "das The­ma wech­seln, weil irgend­was tri­via­les gere­de wich­ti­ger gewor­den ist", viel die­se gan­ze "simp­le life"-Scheiße von Arbeit, Kin­der und der­glei­chen. Fres­sen, Schei­ßen, Arbei­ten & Pop­pen - so kann man, vul­gär aus­ge­drückt, das Leben von vie­len kurz und knapp umschrei­ben. Damit kann ich hin­ge­gen so ziem­lich gar nichts anfangen...
        Aber ich kann ande­re Leu­te nicht so machen wie mich; umge­kehrt will ich das­sel­be ja auch nicht.
        Also wird man dar­über ver­zwei­felt und fühlt sich allein auf der Welt...

        1. Es mag sich das, was Herr Jeb­sen so ver­brei­tet, anhö­ren wer will. Wie Sie ganz rich­tig anmer­ken sind es wahr­schein­lich Men­schen, die auch jedem Ande­ren zuhö­ren wür­den, wenn er eine iden­ti­sche oder ähn­li­che Mei­nung ver­brei­te­te. Sicher ist es auch rich­tig, dass - ein­mal in die­ser Rich­tung tätig gewor­den - ande­re Mög­lich­kei­ten für die­se Agi­ta­to­ren ver­schlos­sen sind.
          Wie ich im Bei­trag ganz oben schon schrieb: "Ein wei­te­rer Bau­stein, der zur Volks­ver­dum­mung bei­trägt. Der dazu führt, dass sich Men­schen nicht an der Wis­sen­schaft, son­dern an Paro­len der Wort­füh­rer hal­ten, die ihnen unbe­wie­se­ne Mei­nun­gen ein­häm­mern um so Vor­tei­le für sich selbst zu errei­chen." Bei­spiels­wei­se Beach­tung, Auf­merk­sam­keit und eine (frag­wür­di­ge) Führungsposition.

          An der Ein­falt und Inter­es­sen­lo­sig­keit ande­rer Men­schen soll­te man nicht ver­zwei­feln, denn es gibt nun ein­mal gewis­se Eck­punk­te der mensch­li­chen Intel­li­genz. Hier ver­wei­se ich auf die Gauss'sche Glocken­kur­ve, die doch sehr ein­drück­lich beschreibt wel­che Band­brei­te es zwi­schen *ganz dumm* und *hoch intel­li­gent* gibt - ein Natur­ge­setz! Da man es nicht ändern kann wäre es sich selbst zu scha­den wenn man es doch versuchte.

      4. Ich mag des­we­gen auch die soge­nann­te "Kontaktschuld"-Debatte um ihn her­um nicht.
        Er ver­brei­tet heut­zu­ta­ge eine gan­ze Men­ge Mist, das ist nun mal lei­der Fakt; da braucht man auch nicht jeman­den gene­rell in Schutz neh­men, nur weil er hier oder da ein paar rich­ti­ge Eck­punk­te hat.
        Es hat ein biss­chen sei­ne Grün­de, war­um es nega­tiv gese­hen wird, wenn man sich mit ihm hin­stellt - ob das nun heißt, dass man sich von ihm inter­view­en lässt oder was auch immer.
        Das ist also nicht ganz grund­los.
        Ich ver­ste­he daher also das Her­um­ge­h­eu­le dar­über nicht, dass, wer auch nur einen ein­zi­gen Ver­weis auf ihn postet, "unge­rech­ter­wei­se" in die rech­te Ecke oder in die Ecke der Knall­tü­ten gesteckt wird.
        Jeb­sen ist nun mal eine Knalltüte!
        Und wenn man die Per­son in sei­nem Tun schon vor­her kennt, bevor er sich sein eige­nes Stand­bein durch das Netz auf­ge­baut hat, soll­te einem auf­fal­len, dass sei­ne Art und Wei­se nicht erst vor­ge­stern so gewach­sen ist. Es muss da nur mal einen Knack­punkt gege­ben haben, der bewirkt hat, dass er in die­se poli­ti­sche Rich­tung gedrif­tet ist, in der er jetzt tätig ist - was auch immer das in sei­nem per­sön­li­chen Leben gewe­sen ist.
        Mit ande­ren Wor­ten: Jeb­sen war vor­her nie ein Hei­li­ger und ist es auch jetzt nicht.
        Wenn man sich mit irgend­wel­chen Federn von ihm schmückt, dann muss man sich im Kla­ren sein, was da für eine öffent­li­che Reso­nanz dar­auf kom­men könn­te. Und die gibt es nicht umsonst, die gibt es, weil da auch etwas dran ist.
        Inhal­te statt Per­so­nen soll­te man ver­tei­di­gen, und nicht in die­sen Modus abglei­ten "ach, die Welt ist ja so böse zu mir und mei­nen Hei­li­gen!". Das ist rein­ste Opfer-Egowichserei.

        Ein klein wenig ist sich mein Ver­stand der Sache schon bewusst, dass man nicht über­all hyper­in­tel­li­gen­te Cha­rak­te­re fin­den kann...
        Was mich nun aber stört... Selbst in der dünn besie­del­te­sten Gegend der BRD fin­det man genug Leu­te an Bevöl­ke­rung, sodass sta­ti­stisch eine Hand voll Leu­te zustan­de kom­men, die aus die­sem Rah­men her­aus­fal­len dürf­ten. Was ist damit? War­um sehe ich die nicht? Oder bin ich in mei­ner eige­nen Domä­ne bereits zu spezielisiert?
        Und, ich glau­be, etwas, was ein Pro­blem ist: Mir sind im Leben schon zu viel dum­me und vor allen Din­gen gewalt­vol­le, miss­brau­chen­de Leu­te über den Weg gerannt, die so viel Scha­den am Ego hin­ter­las­sen haben, sodass man sich selbst kaum noch aus sei­nem Elfen­bein­turm heraustraut.
        In etwa wie "Mach­ste den Mund auf, muss­te schon befürch­ten, dass irgend­ei­ner dar­an Anstoß nimmt und dich für einen Ver­rück­ten hält, den man lie­ber weg­sper­ren sollte".
        Da fällt es sehr schwer, sich nach jeder Ent­täu­schung jedes Mal wie­der aus­zu­raf­fen und es wei­ter zu versuchen...

      5. Da stellt sich die Fra­ge, wie die Struk­tur der all­ge­mei­nen ört­li­chen Bevöl­ke­rung "ver­teilt" ist - also nicht gene­rell, das wird ja durch die Gauß'sche Kur­ve für die Gesamt­be­völ­ke­rung abge­bil­det, son­dern die Fein­struk­tur einer Regi­on. Das kön­nen zwei völ­lig ver­schie­de­ne Kur­ven sein, wenn - bei­spiels­wei­se wie frü­her in den Berg­tä­lern Öster­reichs - eine gene­ti­sche Durch­mi­schung nicht mög­lich war und es damit zur Inzucht kam. Dadurch lie­ße es sich erklä­ren, war­um regio­nal zugleich der IQ sinkt.

        Wenn man - das stel­le ich ein­fach ein­mal so in den Raum - immer häu­fi­ger erlebt, dass ande­re Leu­te so ganz ver­schie­den den­ken als man selbst, dann steht die Fra­ge im Raum, inwie­weit man selbst die Wirk­lich­keit noch kor­rekt beur­teilt oder ob 'die Ande­ren' die Welt - durch äuße­re Ein­flüs­se getrübt - falsch sehen. Das ist nicht ganz ein­fach zu beur­tei­len. Weil man ja eher geneigt ist, an dem was man selbst denkt fest zu halten .... 

        Hier hilft es nur sich an Fak­ten zu hal­ten und mit wis­sen­schaft­li­cher Vor­ge­hens­wei­se eine Klä­rung zu erreichen:
        - Fak­ten pro und kon­tra in einem "Ent­schei­dungs­baum" sammeln.
        - Die Plau­si­bi­li­tät der ein­zel­nen Aus­sa­gen gewich­ten neu sortieren.
        - Eine Bewer­tung als Fazit erarbeiten.

        Aber Vor­sicht: Da könn­te her­aus­kom­men, dass es nicht die Ande­ren sind die die Welt falsch sehen. Wenn man damit rech­net ist es leich­ter das sich selbst gegen­über zuzugeben.

      6. ...Das, was sie da beschrei­ben, sind die Selbst­zwei­fel auf mei­ner Sei­te, die es, in dem Sin­ne, schon immer gab. Sind es die ande­ren oder ist es mei­ne Wahr­neh­mung? Bin ich der Son­der­ling, der eine Nadel im Heu­hau­fen suchen muss, um das zu fin­den, was mir gut tut (ungleich was objek­tiv gut wäre)?
        Was die Sache dar­an nur ist...
        ...Irgend­wann zer­frisst es einen. Irgend­wann macht es einen kaputt. Selbst wenn man weiß, dass man fak­tisch eine Nischen­po­si­ti­on best­zt, tilgt das noch lan­ge nicht den Schrei nach Reflek­ti­on, nach sich selbst in jemand ande­rem zu spie­geln und wie­der­zu­fin­den. Da geht es einem nicht anders als einem "Nor­ma­lo"; nur dass es für einen ungleich schwie­ri­ger ist, die­ses Ergeb­nis zu erzie­len wegen der Sonderposition.
        Im Prin­zip gibt es da dann zwei Din­ge, die einen zwi­schen sich zer­rei­ben... Ein­mal der Wunsch nach Reflek­ti­on, und ande­rer­seits das Wis­sen dar­um "ich bin der Abschaum (scum), nicht die Anderen".

        Ver­ste­hen sie, was ich meine?

        1. Ja, ich ver­ste­he die­se Zer­ris­sen­heit, die Unru­he, die Suche.
          Aber das ist eine all­ge­mei­ne Neben­er­schei­nung des Lebens so lan­ge man noch 'Sin­gle' ist - wenn man denn eine Part­ne­rin / einen Part­ner haben will. Die ein­zi­ge Mög­lich­keit die ich da sehe ist, sich aus der nor­ma­len Umge­bung her­aus zu wagen und so viel wie mach­bar in 'frem­des' Ter­rain zu bewe­gen, also die Kon­takt­häu­fig­keit zu erhöhen.

          Ganz schlimm ist es, sich selbst zu ernied­ri­gen! Wenn man sich selbst ernied­rigt (Q: Bin ich der Son­der­ling?; ich bin der Abschaum) und gering schätzt wer­den es Ande­re spü­ren und die­se Schwä­che aus­nut­zen. Das soll­te man ver­hin­dern. Es ist viel bes­ser das nach außen zu tra­gen was man gut / bes­ser kann und dar­auf stolz zu sein.

      7. Tja, das ist aber die Sicht, die ande­re mit der Zeit in mir hin­ter­las­sen haben...
        Des­we­gen mag ich nicht mehr so vie­le Über­le­gun­gen anstren­gen, nicht mehr so viel den Zwei­feln hin­ge­ben, auch wenn das auto­ma­tisch sowie­so pas­siert, weil es frisst einen inner­lich auf. Lässt einen glau­ben, dass man schlim­mer ist, als man eigent­lich ist. (Ich bin viel­leicht ein Son­der­ling, aller­dings weiß ich z. B. wie man sich benimmt, ich neh­me kei­ne ande­ren Leu­te aus, lüge ihnen das Blaue vom Him­mel vor, wäh­rend ich wohl­mög­lich ein abge­brann­ter und abge­wrack­ter Tunicht­gut bin, der über­all noch Rech­nun­gen offen hat, und der weg ist, wenn es nichts mehr raus­zu­ho­len gibt. - Das sind alles Din­ge, die in der heu­ti­gen Zeit schon mal viel wert sind.)

        Ich wür­de jeden­falls sagen, für mich ist das Feld soweit abge­klärt - und ich kom­me zu dem Schluss, es liegt nicht an mir, son­dern es liegt dar­an wie unheim­lich klein­bür­ger­lich die Mas­se gestrickt ist. Ganz beson­ders in der Pro­vinz. Damit kom­me ich nicht klar, da pas­se ich nicht hin­ein; und das Klein­bür­ger­tum ist so unheim­lich beschränkt in sei­nem gei­sti­gen Anspruch.

        1. Prin­zi­pi­el­le Zustim­mung zu bei­den Absät­zen. Mit der Aus­nah­me, dass im ersten Absatz schon wie­der eine nega­ti­ve Selbst­aus­sa­ge steckt .... :c(

          Im ersten Absatz steckt aller­dings auch viel Posi­ti­ves als Wer­te - und die müs­sen kom­mu­ni­ziert wer­den, wenn nötig expres­sis ver­bis, ohne fal­sche Scham.

          Im zwei­ten Absatz steckt die all­ge­mein zutref­fen­de Ein­schät­zung - und da erin­ne­re ich mich vor eini­ger Zeit zu einem Orts­wech­sel gera­ten zu haben. In Bal­lungs­zen­tren ist es zwar nicht sehr ver­schie­den - aber durch die grö­ße­re Zahl sind die Wahr­schein­lich­kei­ten besser.

      8. Ich muss mal an der Stel­le etwas sehr spitz anmer­ken: Ich glau­be, sie haben kei­ne Vor­stel­lung davon wie man denkt, wenn man im Leben zu oft getre­ten und ver­setzt wurde...
        So etwas wird irgend­wann unwei­ger­lich Teil von einem, und bewirkt bestimm­te Ver­hal­tens- und Denk­wei­sen, die nicht mehr aus einem 'raus­zu­krie­gen sind. Die auch inner­lich wie per Auto­pi­lot ablau­fen, ohne dass man wil­lent­lich dage­gen beson­ders viel machen kann.
        Was einem dabei übrig bleibt ist ledig­lich wie man damit umgeht. Lässt man die­se Intru­sio­nen und fal­schen Maxi­men unhin­ter­fragt in sein Leben und lässt sich davon sein Leben bestim­men, oder fährt man die Num­mer, den gröb­sten Unsinn wei­test­ge­hend zu igno­rie­ren - wis­send, was das Gan­ze ist, dass es sich dabei ledig­lich um emo­tio­na­le Schei­ße aus der Ver­gan­gen­heit han­delt, die kei­nen Sinn ergibt, eben weil es Emo­tio­nen sind, und des­we­gen an ihnen kein Anspruch auf fak­ti­sche Rich­tig­keit besteht.
        "Damit umge­hen" ist aller­dings ein lebens­lan­ges "work in pro­gress" - d. h. man muss sei­ne Stra­te­gie immer wie­der aufs Neue durch­zie­hen, ent­ge­gen dem inner­lich vor­han­de­nen getre­te­nen Hund, der da ist und sei­nen Kum­mer deut­lich macht.
        Das wird auch nie völ­lig ver­ge­hen. Höch­stens ver­blas­sen. Je nach dem, womit die Rea­li­tät in der Gegenwartaufwartet.
        Gegen­tei­li­ge Erfah­run­gen machen das Ver­blas­sen-las­sen leich­ter, wäh­rend unfrei­wil­li­ge Bestä­ti­gun­gen die schon bestehen­den Grä­ben wei­ter vertiefen.

        So funk­tio­niert das.

        1. Ja, ver­mut­lich habe ich kei­ne Ahnung ' .. wie man denkt wenn man im Leben zu oft getre­ten und ver­setzt wur­de… ' - wie auch, wenn ich das nicht selbst erlebt, durch­ge­stan­den habe wie Sie? Ich kann aller­dings (im über­tra­ge­nen Sin­ne) durch­aus erken­nen, ob eine Sup­pe ver­sal­zen ist obwohl ich mög­li­cher­wei­se kei­ne Sup­pe kochen kann. Des­we­gen ist es stets ein Rate­spiel mit unge­wis­sem Aus­gang, wenn ich mich auf ein Ter­rain bege­be, von dem ich wenig Ahnung habe und auf 'edu­ca­ted guess(-es)' ange­wie­sen bin.
          Doch was ist die Alternative?
          Kei­ne Gedan­ken mehr zu allen Lebens­er­fah­run­gen die man nicht selbst durch­ge­macht hat? 

          Vor ein paar Mona­ten habe ich Ihnen geschrie­ben, dass ich mich in bestimm­ten Fra­gen nicht in der Lage sehe 'mit­zu­re­den' oder Rat zu ertei­len, weil mir die Situa­ti­on, die Umstän­de und die Den­kungs­art fremd bzw. unbe­kannt sind. Mir nun dar­aus einen Vor­wurf zu machen, dass ich nicht in allen Lebens­la­gen und Lebens­fra­gen eine zutref­fen­de Aus­sa­ge oder Anmer­kung parat habe ist nicht fair. Min­de­stens wür­digt es nicht mein Bemühen.
          Es ist wohl bes­ser sol­che Fra­ge­stel­lun­gen zukünf­tig aus­zu­klam­mern, dann kann ich in den Berei­chen blei­ben in denen ich Erfah­run­gen habe.

          Aus­ge­spro­chen wer­den soll­ten der­glei­chen Ein­drücke aus dem eige­nen Erle­ben schon - es könn­te ja sein, dass es hier jemand liest, der da bes­se­re und tref­fen­de­re Über­le­gun­gen bei­steu­ern kann. Die dann viel­leicht hilf­reich sein könnten.

      9. Das soll­te jetzt nicht als eine Auf­for­de­rung zum "Mund hal­ten!" miss­ver­stan­den werden...
        Ich ent­decke es nur oft­mals bei Leu­ten mit intak­ten Leben, dass deren unbe­dacht "simp­len" Lebens­rat­schlä­ge die sind, die gera­de am mei­sten weh tun, wenn das bei einem nicht so lief.
        Um es mit einem pas­sen­den Zitat aus Silent Hill 3 zu unter­le­gen: "Hap­py peop­le can be so cruel."
        Das hat noch nicht ein­mal etwas mit Absicht zu tun, son­dern viel­mehr mit "die Kom­ple­xi­tät von etwas ihnen so wesens­frem­dem (eine Welt, in der vie­les schief lief und läuft und was das mit einem unwi­der­ruf­lich macht) nicht zu verstehen".

        Sowas möch­te ich gern laut sagen dür­fen, wenn ich mer­ke, dass das zwi­schen einem steht.

        1. Es ist bestimmt kei­ne Absicht, soviel gleich vorweg.
          Und bestimmt schon gar nicht eine 'böse' Absicht.

          Hier kann Alles gesagt wer­den, solan­ge es sich im Rah­men der Geset­ze bewegt.

          Ich fin­de es nur nicht fair wenn mir mein 'nor­ma­les' Leben vor­ge­wor­fen wird
          - wo ich doch umge­kehrt nie­man­dem vor­wer­fe wenn er ein 'unor­tho­do­xes' Leben führt.

        1. Wenn ich das falsch inter­pre­tie­re tut es mir leid - so kann ich also davon aus­ge­hen, dass es ledig­lich als Erklä­rung des Gedan­ken­ge­bäu­des im Hin­ter­grund geschrie­ben wurde?

      10. Ganz ohne Ecke ist die Aus­sa­ge nicht... Das ergibt sich aber aus der Sache "Klar­text reden". Klar­text ist immer dazu bestimmt, anzuecken.

        Sonst es wei­ter als eine Fest­stel­lung zu lesen.
        Also als sach­li­che Information.

        Ich bin schon durch den lang­jäh­ri­gen Umgang mit "Nor­ma­los" wohl­wol­lend und ver­su­che, her­aus­zu­hö­ren, wenn jemand etwas aus Igno­ranz und Nicht-ver­ste­hen-wol­len so falsch macht, dass es mir schmerzt, und wann das mit kei­ner bösen Absicht pas­siert, son­dern ein­fach aus dem Umstand geschieht wie wenn ein Rei­cher nicht weiß wie es ist, arm zu sein.
        In der Regel äuße­re ich das auch so (war auch oben wei­ter eigent­lich so).

        Also... viel­leicht ein klei­ner Hin­weis an der Stel­le: Wenn ich emo­tio­nal bin/werde, wer­den sie's merken.
        Sonst gilt: Selbst bei Din­gen, von denen ich Ahnung habe, oder wo ich aus Betrof­fen­heit spre­che, blei­be ich noch über­aus sach­lich wie sonst vie­le ande­re nicht. Und ver­su­che Din­ge mehr zu erklä­ren, all­ge­mein zu blei­ben, auf eine prag­ma­ti­sche Art und Wei­se ver­ständ­lich zu machen.
        Das ist ein­fach die Art wie ich sie an mir habe...

  3. Noch ein biss­chen Senf von mir: 

    Zitat Bri­git­te:
    "Kin­der soll­ten wir am besten gar nicht erst auf die Idee brin­gen, dass der Intel­lekt etwas wäre, auf den sich ein Mensch etwas ein­bil­den kann .."

    Gibt es über­haupt etwas, auf das sich ein Mensch etwas ein­bil­den kann? Mei­ne Ant­wort wäre: Ver­hel­fen ihm die Gaben, die er mit­bringt, zu einem besseren/erfüllteren Leben, dann möge er sie bit­te genie­ßen - und, wenn mög­lich, ande­ren hel­fen, eben­dies für sich zu errei­chen, indem er ihnen Mit­tel und Wege auf­zeigt, wie das gehen könn­te. Bes­ser­wis­se­rei und Bevor­mun­dung NICHT inklusive!

    1. Etwas anders for­mu­liert könn­te ich zustimmen:
      Man darf sich auf Intel­lekt nichts einbilden,
      wohl aber auf dar­aus erwach­se­ne Leistung.

      Das schließt nicht aus, dass man mit dem was man kann und als not­wen­dig erkennt ande­ren Men­schen hilft. (M)Ein Leben als Leh­ren­der hat hof­fent­lich mehr Spu­ren hin­ter­las­sen als mir ver­ein­zelt von Schü­lern und Stu­den­ten berich­tet wur­de. Indi­rekt habe ich durch mei­ne jün­ge­re Schwe­ster erfah­ren, dass zwei mei­ner Bio­lo­gie­schü­le­rin­nen aus der 9. Klas­se, die ich 197374 wäh­rend mei­ner Zeit als Leh­rer am Gym­na­si­um unter­rich­tet habe, spä­ter Bio­lo­gie stu­dier­ten und es ihr gegen­über als Fol­ge mei­nes Unter­rich­tes dar­stell­ten. Das ist einer der weni­gen Fäl­le, aus denen man den Ein­fluss able­sen kann, den man als Leh­ren­der hatte. 

      Das ist einer der Grün­de, war­um ich zufrie­den auf mein Leben zurück­schaue und mich durch sol­che Klein­lich­kei­ten von Groß­kot­zen ("Wem Gott gibt ein Amt .... dem gibt er bedau­er­li­cher­wei­se nicht immer sozia­le Kom­pe­tenz und Urteils­ver­mö­gen) und Hypo­chon­dern wie sie bei "two­day" gelau­fen sind nicht ein­schüch­tern lasse.
      Wie sag­te mei­ne Groß­mutter immer? "Die fal­len Alle noch­mal auf ihr böses Maul!"

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