Liebes Tagebuch, heute war ich beim Frisör ....

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Lie­bes Tage­buch, heu­te war ich beim Fri­sör, bei einem ande­ren Fri­sör als letz­tes Mal, und da war ich sehr gespannt wie es wohl aus­ge­hen wür­de - vor allem aber, was ich die­ses Mal zu bezah­len hätte.

Doch der Rei­he nach.
Zuletzt war ich bei einem *Salon*, der sah aus wie spä­te 80er Jah­re. Es hät­te mir zu den­ken geben sol­len, dass da *Tor­ten­kopf-Fri­su­ren*¹ gefer­tigt wurden.
Hat es aber nicht, und letzt­end­lich blieb der Eindruck:
Es wird viel Geld für wenig Lei­stung verlangt!

Heu­te war ich bei einem neu­en Fri­sör, lie­bes Tage­buch, der erst vor ein paar Wochen geöff­net hat.
Suuu­per schnie­ke der Laden!
Gold, Mar­mor und üppi­ge Pol­ster­mö­bel wohin man schaut.
Sofas, auf denen man - selbst wenn es län­ger dau­ert - noch bequem sitzt.

War­ten, lie­bes Tage­buch, fällt mir schwer, wie du weißt.
Als ich nach 25 Minu­ten zuse­hen wie zwei 'Jung­män­nern' - so um die 17 bis 20 Jah­re - kunst­vol­le Muster rund um den Kopf geschnit­ten und fein zise­liert wor­den waren, auf die Uhr im Tele­fon sah, muss ich wohl ange­nervt aus­ge­se­hen haben. Min­de­stens hat es der eine Fri­sör gese­hen. Doch dazu spä­ter noch sei­ne Bemerkung. 

Lie­bes Tagebuch:
Eine befrie­di­gen­de Ant­wort auf die - zuge­ge­ben fik­ti­ve - Fra­ge "War­um blei­ben ganz oben auf dem Kopf vie­le, unter­halb der Ohren aber nur ganz weni­ge Haa­re auf den Köp­fen?" habe ich auch nach Beob­ach­tung wei­te­rer zwei Kun­den­fri­su­ren die vor mir bedient wur­den kei­ne Ant­wort gefun­den. Ahmen die jun­gen Män­ner die Cha­rak­te­re der Fern­seh­se­ri­en nach, die im Mit­tel­al­ter oder in einer erdach­ten Form davon, gezeigt wer­den? Was ent­steht sieht für mich so aus wie eine 'Koch­topf­fri­sur'² (Topf auf den Kopf und alles was raus­schaut abschnei­den). 'Mili­tä­risch kurz' um genau zu sein.
Egal. Wenn sie es 'schön' finden. 

Ich jeden­falls erin­ne­re mich noch mit Ärger an den ersten Tag mei­nes Wehr­dien­stes in den spä­ten 60er Jah­ren, Sta­ti­on 2 war der Frisör:
Ich: "Nicht ganz so kurz, bitte!"
Der Fri­sör: "Hier gibt es nur 'ganz kurz'!"
Am Ende waren die Haa­re ca. 1 cm lang - rundherum ....
Den Bart hat er dann ohne wei­te­re Dis­kus­si­on kom­plett abrasiert.
Und weißt du, Tage­buch was ich mir da geschwo­ren habe?
Am letz­ten Tag des Wehr­dien­stes lege ich den Rasier­ap­pa­rat weg und las­se mei­ne Haa­re wach­sen bis sie mir auf Rücken und Bauch hängen.
Hab' ich dann wirk­lich so gemacht.
Und mei­ne Frau, lie­bes Tage­buch, hat mich trotz­dem genommen.

Irgend­wann war ich dran, ohne Haa­re waschen, und dann ging es los.
Flott, sicher, gekonnt.
Aus Grün­den zei­ge ich hier kein Bild, lie­bes Tage­buch, wir wol­len ja Vor­bei­sur­fen­de nicht zutiefst erschrecken, aber du kannst es mir glau­ben: Die Fri­sur sitzt!

Der 'Sche­ren- und Mes­ser-Mae­stro' ver­ab­schie­de­te mich aus dem Kun­den­ses­sel mit den Wor­ten "Na, da hat sich das War­ten doch gelohnt!", was ich mit einem Blick auf den Spie­gel nur bestä­ti­gen konnte.
An der Kas­se dann die Über­ra­schung: Trotz Son­der­be­hand­lung der Ohren mit Wachs (oder Harz, oder Kunst­stoff?) koste­te die neue Fri­sur 15 Euro, also etwa die Hälf­te des­sen, was ich für die ver­hunz­te Fri­sur Anfang Dezem­ber gezahlt hat­te. Das war mir dann noch ein Trink­geld wert.

Weißt du, lie­bes Tage­buch, was ich lan­ge noch erin­nern werde?
Die Sache mit den Ohren!
Mir bren­nen immer noch ein wenig die Ohren - wenig­stens habe ich den Ein­druck, dass es so ist.
Wenn ich die Ohren betrach­te ist nichts zu sehen, sie sehen aus wie immer.
Fas­se ich sie aber an, lie­bes Tage­buch, dann ist es so als ob es nicht mehr mei­ne Ohren sind!
Frü­her waren die voll von uner­wünsch­ten Haa­ren, und genau da, wo man sie nicht gebrau­chen kann. Sie stan­den spit­zig über die Ohren hin­aus und sie lie­ßen mich aus­se­hen wie ein Pin­sel­ohräff­chen.
Jetzt sind sie glatt, glat­ter geht's nicht!
Aus­se­hen tun sie wie sonst.
Nur ohne die teils bor­sti­gen, lan­gen, über­ste­hen­den Haare.
So gefällt es mir viel bes­ser - und ich muss zugeben:
Die 15 Euro haben sich gelohnt, da geh' ich gern wie­der hin³.

¹ Auch Beton­fri­sur

² ".. Bowl Cut, der hier­zu­lan­de (lapi­dar) als Topf­schnitt oder Pott­schnitt bezeich­net wird .."

³ "CUT MEN'S"; Gra­der Weg 40; 26871 Papen­burg; 04961 9904134; Di-Fr 09:30 - 18:00 h, Sa 09:00 - 16:30 h, So + Mo Ruhetage.

Kommentare

  1. Also, bei dem schreck­li­chen Trend der letz­ten Jah­re, dass sich jeder Möcht­gern einen Holz­fäl­ler­b­art wach­sen lässt, da wünscht man sich gera­de­zu jeman­den, der nachts mit dem Rasier­ap­pa­rat umher­streift und den Män­nern den "ungepflegt"-Look aus den Gesich­tern ent­fernt... Könn­te so eine Art "selt­sa­mer Trieb­tä­ter" sein, den es befrie­digt, frem­de Bär­te abzu­schnei­den. Oder irgend­ei­ne Non­sens-Akti­on, die sich zwei, drei Leu­te im Suff aus­ge­dacht haben und lustig fan­den. :D

    Mit den Fri­su­ren ver­hält es sich ähnlich.
    Oben Elvis-Tol­le und unten kahl­ra­siert? Was ist das denn für eine tra­shi­ge Nummer?
    Irgend­wie sahen da die Leu­te aus jedem dys­to­pi­schen 80er Jah­re Film, der die Welt nach ihrem Unter­gang zeig­te, bes­ser auf dem Kopf aus... (Oder der Rest pass­te wenig­stens dazu.)

    Nun ja, ich weiß, mein Ver­stand ist in Sachen "Stil" ein biss­chen Anfang der 2000er hän­gen geblie­ben... Viel­leicht ist das dumm, viel­leicht auch nicht. Aber wenig­stens hat man eine Vor­stel­lung von dem, was man als "anseh­lich" betrach­ten wür­de. Und braucht kei­ne wech­seln­den zeit­ge­nös­si­schen Moden.

    1. Gewalt­phan­ta­sien gegen unge­pfleg­te Männerbärte?
      Das ist ein hei­ßes The­ma! Bei man­chem Möch­te­gern-Bart­trä­ger hät­te ich eher den Tipp parat es doch lie­ber sein zu las­sen - da klaf­fen irgend­wo im Milch­ge­sicht Lücken ohne Haa­re und wo sie wach­sen ist eher dün­nes Geran­ke als ordent­li­ches Bart­haar .... ich hal­te mich aber zurück und beob­ach­te wie kom­plex­be­la­den man­che der Jün­gel­chen schau­en wenn sie an mir einen 'rich­ti­gen' Bart sehen.

      Fri­su­ren unter­la­gen schon immer einem Wan­del - und mei­ne Vor­stel­lung deckt sich mit dem was du als Nach­satz schreibst:
      Wer eine gestan­de­ne Per­sön­lich­keit ist ent­wickelt eine für sich pas­sen­de Fri­sur und schaut dar­auf die zu kon­ser­vie­ren und über die Jah­re zu erhal­ten - auch und mei­stens gegen den aktu­el­len Trend.

      Sowas kann man von denen die da wohl mit Mas­se in den Salons her­um­sit­zen nicht erwar­ten - die ver­wech­seln noch Äußer­lich­kei­ten mit Per­sön­lich­keit. Sie wer­den ler­nen, auf die bit­te­re Art, dass es dar­auf ankommt was in dem Kopf steckt, nicht wie er außen aussieht. 

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