Immer, wenn ich durch ein Kaufhaus gehe, schaue ich mir die Parfümerieabteilung an. Nicht sehr genau, zugegeben, aber doch von Ferne, so beim Durchschlendern. Sie vermuten jetzt sicher, ich tue das, weil ich mir die Verkäuferinnen anschauen will - fast richtig! Der Grund, den Sie vielleicht vermuten ist allerdings falsch, ich schaue mir mit Faszination an, wie diese Verkäuferinnen sich bewegen, höre zu, wie sie reden und erfreue mich daran, wie schön farbig ihre Gesichter sind.
Na, endlich, werden sie sagen, jetzt ist er beim Thema. Jein. Auf die Farbe komme ich gleich, zuerst muß ich noch ´was loswerden: Ich staune immer wieder, wieso diese vornehmen, von aller gemeinen Welt entrückten Damen sich herablassen, in einem Kaufhaus zu verkaufen. Sie sind doch nach Gehabe und Kundenansprache zu Höherem geboren, fühlen sich irgendwie deplaziert unter all diesen ignoranten Käufern .... ähnliches findet man nur noch in Modegeschäften. Das allerdings weiß ich nur vom Hörensagen, denn da wo ich kaufe sind die Verkäufer noch auf dem Weg nach oben und entsprechend beflissen.
Heute las ich mit Erstaunen, daß in einem Münster´schen Kaufhaus ein Mann (!) in der Parfümerie arbeitet! Wenn das keine Gleichberechtigung ist. Endlich, nach der männlichen Hebamme - per Gerichtsbeschluß zu dieser Profession zugelassen - so völlig ohne juristisches Zutun ein Mann als Verkäufer in der Parfümerie - sie merken, ich bin ganz hin und weg.
Er ist, dem Bild, und begleitendem Text nach, allerdings nicht in "Kriegsbemalung", wie seine weiblichen Kolleginnen, sondern ganz normal in Anzug und Krawatte, könnte glatt für einen Bänker durchgehen.
Eingangs hatte ich auf meine Gewohnheit hingewiesen, mir die farbigen Gesichter der Parfümerieverkäuferinnen anzusehen. Ein wahres Farbenspektrum, neben dem jeder Regenbogen blaß aussieht. Ich frage mich, wie werden diese Damen wohl "ungeschminkt" aussehen?
Dazu muß ich berichten, daß ich einmal vor Jahren zu Besuch in Berlin war, bei Freunden. Die Dame des Hauses hatte ich schon gelegentlich getroffen, immer top zurecht gemacht und natürlich auch geschminkt.
Zu dem fraglichen Zeitpunkt, als ich dort übernachtete, wurde es ein "langer" Abend, ich erinnere mich schwach, daß wir es schafften, einer Flasche Calvados - mit eingeschlossenem Apfel (grün) - auf den Grund zu schauen. Ziel war, den Apfel aus der Flasche zu holen und zu essen. Wegen der fortgeschrittenen Stunde - nicht etwa weil wir zu Viert die Flasche geleert hatten - dauerte das geraume Zeit.
Der Morgen war dementsprechend: Grausig! Und damit nicht genug, die Hausherrin kam, um zu wecken. Zuerst hatte ich sie nicht erkannt, dachte mit schwerem Kopf es sei vielleicht noch jemand zum Übernachten mitgekommen, doch kein Zweifel, das faltige, eingefallene und fahle Gesicht war .... das "ungeschminkte" Gesicht unserer Gastgeberin. In diesem Moment wurde aus meiner eher schwachen Ablehnung von Schminke ein Kreuzzug!
Um ihnen noch einen aktuelleren Gedanken mitzuteilen: In Holland gibt es - das ging kürzlich durch die Presse - eine Galerie [KUNSTFABRIEK], bei der man Bilder bestellen kann, nach Photo oder anderer Vorlage, in Öl, auch Ausschnitte "Alter Meister". Gratulation an die beiden Inhaber, die es verstanden haben, eine weitere Marktlücke ideenreich zu füllen! Gemalt wird übrigens in China, weil, laut Aussage des einen Besitzers, Serien von Versuchen in anderen Ländern nichts so Gutes ergaben, wie die Versuche bei den Chinesen. Da sieht man es ´mal wieder: 6000 Jahre Kunstverstand und Übung sind eben nicht zu toppen.
Nun habe ich doch mit "Farben" abgeschlossen. Halt, nein, nicht ganz: Das begehrteste Motiv der Kunstfabriek fehlt noch - Stilleben. So, das war´s.
