An der Kasse ....

des Super­mark­tes oder: "Mar­ke­ting-Over­kill"
(ich habe neun Tief­kühl­ar­ti­kel im Ein­kaufs­wa­gen und eine Ther­mo-Pla­tik­tü­te, da über den Gefrier­tru­hen ein Poster mit der Auf­schrift: "Wenn Sie zwei Tief­kühl­ar­ti­kel kau­fen erhal­ten Sie einen Tief­kühl­tra­ge­beu­tel kosten­los" - es ent­spinnt sich fol­gen­der Dia­log (K= Kas­sen­be­die­nung / I = ich)) ....

K:
"Sie haben neun Tiefkühlartikel!"
I:
"Ich weiß, alle per­sön­lich aus­ge­sucht und in den Wagen gelegt."
K:
"Für je zwei Arti­kel bekom­men Sie eine Tüte. Sie haben aber nur eine Tüte mitgenommen!"
I:
"Ich weiß, ich habe alle tief­ge­kühl­ten Sachen da rein­ge­tan und eine Ther­mo-Tüte reichte."
K:
"Sie wür­den aber vier Tüten bekommen!"
I:
"Dan­ke, brauch' ich nicht. Ich sag­te doch, eine Tüte hat gereicht."
K:
"Ich hol' Ihnen 'mal die ande­ren drei Tüten."
[steht von ihrer Kas­se auf, rennt in Rich­tung Tief­kühl­kost, kommt zurück­ge­rannt, hat wei­te­re drei Tüten in der Hand, legt sie auf die bereits gescann­ten Waren und sagt] ....
K (sehr bestimmt):
"Da sind die ande­ren drei, die Sie bekom­men. Kostenlos."
I (jetzt leicht unge­dul­dig klingend):
"Ich neh­me aber nur eine, die reicht!"
K (indi­gniert, fast beleidigt:
"Ich hab Ihnen die extra geholt. Wo gibts das denn heu­te noch, Tüten gratis‽"
I:
"Ich will aber nur eine Tüte haben, die reicht!"
Eine Frau in der Schlan­ge hin­ter mir:
"Nun neh­men Sie doch schon die Tüten, wie lan­ge soll denn das noch gehen?"
I:
"Neh­men Sie die Tüten?"
Frau in der Schlange:
"Ja, in Got­tes Namen, dann gehts hof­fent­lich voran .... "
K (pat­zig):
"Die Dame hat aber kei­ne Tiefkühlartikel .... "
I (schon sehr ungeduldig):
"Das ist mir egal, sie soll die Tüten haben!"
K (voll Amtswürde):
"Das geht nicht. Die Dame hat kei­ne Tief­kühl­ar­ti­kel, da gibts kei­ne Tüten!"
I:
"Dann las­sen Sie sie 'mal lie­gen, ich nehm' sie, Danke!"

Ich zah­le.
Ich gehe.
Ich wer­fe drei Tief­kühl­beu­tel, Pla­stik, silb­rig beschich­tet, in den drau­ßen bereit­ste­hen­den Abfalleimer ....

Ich kom­me zu Hau­se an, und, nach­dem alle Tief­kühl­ar­ti­kel in der Tru­he ver­staut sind, fal­te ich den Beu­tel zusam­men und lege ihn auf einen Sta­pel von ca. 4-6 ande­ren Tief­kühl-Pla­tik­tü­ten aus frü­he­ren Ein­käu­fen .... ich ent­sin­ne mich an eine ähn­li­che "Akti­on" aus dem Vor­jahr - nur waren da die Kas­sen­da­men nie so resi­stent gegen­über Kundenwünschen.

Da fällt mir auf:
Die Akti­on macht eigent­lich um die­se Jah­res­zeit kaum noch Sinn.
Viel­leicht soll­te ich dem Markt­lei­ter erläu­tern, daß der Früh­ling, also die Zeit vor dem Som­mer mit den hei­ßen Tagen, ein bes­se­rer Zeit­punkt für eine sol­che Akti­on wäre ....

Ande­rer­seits:
Ich glau­be wohl kaum, daß mir die Fir­ma "EXTRA" die­se Mar­ke­ting­be­ra­tung bezah­len würde.
Schlimm­sten­falls käme man viel­leicht auf die Idee, mir ein paar Tief­kühl-Pla­tik-Tüten als "Dan­ke­schön" zu überreichen ....

Kommentare

  1. Absur­di­stan ist wahr­lich überall.
    Ich hab gelacht, der­ar­ti­ge Komik hat wohl nur das täg­li­che Leben zu bieten.
    Ver­käu­fe­rin­nen sind natür­lich über jede Abwechs­lung froh, aber wol­len (zur­recht!) wie jeder ande­re Mensch auch zur Kennt­niss genom­men wer­den. Wet­ten Sie hat die­se Geschich­te zuhau­se erzählt und sich dabei über sie aufgeregt?

    Zumal ich, da ich jah­re­lang die­sen lang­wei­li­gen Beruf gelernt habe (aber nicht aus­füh­re), sagen kann das es nirgendwo
    was geschenkt gibt, gra­de bei Super­märk­ten zählt jeder Cent.
    Was also heisst das entweder
    - die Tief­kühl­tü­ten sonst eh nie­mand nimmt und der Markt die damit los wird
    - auf alle Tief­kühl­pro­duk­te von vor­ner­ein schon um ein paar Cent erhöht wur­den um damit die Kosten zu decken.

    Was zählt ist das psy­cho­lo­gi­sche, und somit der Grund war­um ich lie­be direkt Geld gebe als zu überweisen:
    die Gewiss­heit das man "dort" etwas kriegt, einem was in die Hand gelegt wird.
    Funk­tio­niert immer.

    1. Sie bestä­ti­gen, .... was ich schon ver­mu­tet hatte:
      Man bekommt nir­gend­wo "etwas geschenkt" - wenn man nicht ver­steckt oder indi­rekt dafür bezahlt hat ....
      Auch die Fra­ge: War­um jetzt? beant­wor­ten Sie mit. Man hat­te wahr­schein­lich einen "Über­be­stand" - und da macht sich eine "Gra­tis-Akti­on" immer gut ....

      Ja, ich glau­be auch, daß die Ver­käu­fe­rin kein gutes Haar an mir gelas­sen hat, spä­ter, als kei­ne Kun­den mehr dabei waren ....

    2. Teil­wei­se "man kriegt nir­gend­wo was geschenkt" hielt ich auch nur für einen die­ser trau­ri­gen All­tags­sprü­che mit denen sol­che Sachen oft abge­tan werden.
      Doch dann lern­te ich das es stimmt, es ist bil­lig­ste Wirt­schaft, und ich ärger­te mich dar­über das ich erst die­sen (sinn­frei­en) Beruf ler­nen muss­te um der­art simp­le Sachen zu verstehen..

      Was die Ver­käu­fe­rin betrifft: Natür­lich hat sie es in "die­ser" Wei­se erzählt. Wenn es nicht grad das Wet­ter, Kin­der, Hun­de sind, unter­hal­ten sich die Men­schen am lieb­sten über außer­ge­wöhn­li­che Dinge.
      Ver­käu­fe­rin­nen unter sich und im Freun­des­kreis wer­den ent­we­der von der Fri­su­ren erzäh­len oder von den sel­te­nen Gesprä­chen die an der Kas­se stattfinden.
      Alles was über das übli­che "Biep-Biep" hinausläuft.

    3. Was die beruf­li­che Aus­bil­dung angeht .... fin­de ich es wich­tig anzu­mer­ken, daß es nicht auf das ankommt, was man gelernt hat, son­dern dar­auf, daß man es rich­tig gemacht und sich enga­giert hat .... nichts ande­res wird doch heu­te in einer Aus­bil­dung vermittelt:
      Ler­nen zu ler­nen - weil in Zukunft nie­mand mehr den Beruf bis an sein Lebens­en­de aus­üben wird, den sie/er erlernt hat ....

      Der schnel­le Wan­del erfor­dert die Bereit­schaft, sich mit­zu­ver­än­dern und nicht nur dazu­sit­zen und zu sagen, wie schlecht doch alles ist und daß die Ent­wick­lun­gen um uns her­um schlimm & men­schen­feind­lich sind ....

      Sich zu ver­wei­gern hat noch nie etwas gebracht.
      Sich ein­zu­brin­gen und an der zukünf­ti­gen Gestal­tung teil­zu­ha­ben ist alle­mal die bes­se­re und zufrie­den­stel­len­de­re Lösung!

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