Call me, Baby ....

Unter­ti­tel:
Bemer­kun­gen zum Kapitalismus

Call-Cen­ter arbei­ten nach ein­fa­chem Muster:
Jun­ge Leu­te anheu­ern, mög­lichst mit wenig Erfah­rung im Arbeits­le­ben und dem Zwang Geld zu verdienen ....
Die­se Leu­te mit "Blitz-Schu­lun­gen" auf die The­ma­tik einstellen ....
Sie dann tele­fo­nie­ren lassen ....
und nach weni­gen Tagen die Erfolg­rei­chen behal­ten, den Rest feuern ....

Gewin­ner sind immer die Betrei­ber des Call-Cen­ters ....
alle Ande­ren arbei­ten schwer für wenig "Koh­le".
Die Call-Cen­ter-Betrei­ber wer­den als "Unter­neh­mer des Jah­res" gefei­ert weil sie - wenn auch mit men­schen­ver­ach­ten­den Metho­den und früh­ka­pi­ta-listi­schem Geha­be - Jobs geschaf­fen haben wie nie­mand sonst.....

Noch vor Jah­ren hät­te man sol­che skru­pel­lo­sen Men­schen an den Pran­ger gestellt!
Aber heute?
Man ehrt sie als jene, die "Job­ma­schi­nen" aus dem Boden stampfen.

Kei­ner fragt, wie lan­ge so etwas gut geht. Kei­ner will es wirk­lich wissen ....

Kommentare

  1. es gibt vie­le arten von call cen­tern, inbound, out­bound, gemischt... mit fix ange­stell­ten und mit werk­ver­träg­lern. ist ein gro­sses the­ma und sicher nicht mit ein paar sät­zen dis­ku­tier­bar.... und natür­lich ist der anteil an wie­der­ein­stei­gern und stu­den­ten sehr hoch. ich fra­ge mich nur, ob man das alles in eine topf wer­fen kann...ich bin der mei­nung, dass die­ser wirt­schafts­zweig vie­le ino­va­tio­nen geschaf­fen und umge­setzt hat. natür­lich ist nicht alles gold was glänzt... aber wo ist es schon so.

    1. Die­se Erwei­te­rung mei­nes Wis­sens .... hat­te ich mir erhofft, als ich das The­ma zum zwei­ten Mal ange­sto­ßen habe. Selbst­ver­ständ­lich sind alle Infor­ma­tio­nen, die ich bis­her selbst kann­te, nur Bruch­stücke der Wirk­lich­keit. Inso­weit stim­me ich sicher zu!

      Es blei­ben Fra­gen:
      Wel­che Ethik wird vertreten?
      Wel­che Unter­neh­men sind Kun­den eines Call-Centers?
      Woher / Wie wer­den Mit­ar­bei­ter rekrutiert?
      Was ist die durch­schnitt­li­che Bezahlung?
      Sind die Mit­ar­bei­ter am Erfolg pro­zen­tu­al beteiligt?

      Ich hof­fe auf rege Dis­kus­si­on & neue Erkenntnisse ....

    2. Der gröss­te Teil der Call­cen­ter zahlt mei­nes Wis­sens mehr schlecht als recht.
      Es gibt Aus­nah­men, betrof­fen sind meist die out­boun­der, die zu einem even­tu­el­len Fixum Pro­vi­sio­nen für Abschlüs­se erhal­ten. In die­sem Fall jedoch ist der Lei­stungs­druck auch höher.

      Ich habe - als es mit mei­ner Selbst­stän­dig­keit nicht so gut lief - zusätz­lich Teil­zeit in einem Call­cen­ter im out­bound gearbeitet.

      Vor­tei­le: Hohers Grund­fi­xum (15,34 EUR die Stun­de zzgl. nicht uner­heb­li­cher Pro­vi­sio­nen). Freie Zeit­ein­tei­lung (man konn­te ein­fach den eige­nen Monats­plan schrei­ben und bis zum 20sten den Vor­mo­nats ein­rei­chen). Gute Arbeits­zei­ten (Mor­gen­schicht 10−14.15 h, Abend­schicht: 15:30-20.15 h - mit jeweils einer 15minütigen Pau­se pro Schicht). So weit, so gut.
      Mit einem Magi­ster­ab­schluss (mit Neben­fach Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten) war es nicht schwer, mehr als das Soll zu schrei­ben, sic: zu ver­kau­fen wie Mer­kur hims­elf. Ich kam mit 90 Monats­stun­den (durch die Pro­vi­sio­nen) ziem­lich ein­fach auf locker 2400 EUR net­to - knapp im Spit­zen­steu­er­satz, ergo gab es im näch­sten Jahr gehö­rig von der Steu­er zurück. Fer­ner war ich durch mei­ne Selbst­stän­dig­keit zusätz­lich im Vor­teil - man ist schlicht Druck gewöhnt.
      Nach 3 Mona­ten bot man mir die Team­lei­tung an - nach sechs die Lei­tung der gesam­ten Abtei­lung (in dem Fal­le Systemlotto).

      Was ich ablehn­te. Ich woll­te nicht ganz­tä­gig in die­sem Laden her­um­hän­gen. Womit wir bei den 

      Nach­tei­len wären:
      Von der Grup­pe, die mit mir anfing (80 Per­so­nen) waren nach drei Mona­ten 12 Per­so­nen noch da, nach sechs Mona­ten 4 (macht 5%). Es ist nach­voll­zieh­bar, dass hohe Ent­loh­nung Lei­stung sehen will. Aber die Metho­dik war ein­fach die des Raub­tier­ka­pi­ta­lis­mus: Die Agents, die man ent­liess, wur­den teil­wei­se mit­ten in der Schicht vom Platz geholt - vor den Augen aller (ein­tä­gi­ge Kün­di­guns­frist in der Pro­be­zeit von sechs Mona­ten). Es kam zwei­mal vor, dass ich am Ende einer Schicht zu zweit an einem Ach­ter­tisch sass. Irgend­wann fing man an, Abschluss-Top­li­sten aus­zu­hän­gen... sehr zur Demü­ti­gung der Per­so­nen, die eben kei­ne so guten Out­boun­der waren - und deren nied­ri­ge Schnitt-Quo­te somit öffent­lich war. Das gesam­te Kli­ma führ­te dazu, dass sie sich selbst zusätz­lich unter Druck setz­ten - fatal.

      Der Job des Out­boun­ders ist der mit dem Immer-Lächeln. Er ist anstren­gend, nicht nur auf­grund des Drucks; er erfo­dert hohe Selbst­mo­ti­va­ti­on, gute Ner­ven, eine per­ma­nent posi­ti­vi­sti­sche Ein­stel­lung. Und er ist zudem auf bestimm­te Wei­se mono­ton - weil man bei jedem Anruf mehr oder weni­ger das Glei­che "her­un­ter­be­tet".
      Gei­stig unter­for­dert er per­ma­nent - emo­tio­nal-psy­cho­lo­gisch for­dert er eben­so per­ma­nent. (Die ersten Alarm-Glocken läu­te­ten in mei­nem Kopf, als ich ein­mal von daheim die Aus­kunft anrief und mich mit Lot­to-Team Dort­mund mel­de­te!!!! - und ich war Teil­zeit- nicht Vollzeitkraft).

      Ein wenig mehr Huma­ni­tät fehl­te mir dort. Außer­dem stell­te ich fest, dass ich mich in die­se Maschi­ne­rie mehr ein­fü­gen müs­se, als mir lieb war. Die mei­sten Call­cen­ter ver­län­gern einen Arbeits­ver­trag nach der Pro­be­zeit um ein Jahr. Her­nach noch­mal um ein Jahr - sie schöp­fen die gesetz­lich mög­li­che Befri­stung aus. Wer dann noch über­nom­men wird, bekommt - aus gesetz­li­chen Grün­den - einen unbe­fri­ste­ten Arbeits­ver­trag. Die Quo­te die­ser Per­so­nen liegt unter 0,3 % in besag­tem Call­cen­ter. Und endet im Prin­zip Selbst­ach­tung beim tota­len Desa­ster. Ja, ich hät­te dort rich­tig Kar­rie­re machen kön­nen. Ich ver­kauf­te gut, schul­te gut, führ­te Per­so­nen gut, konn­te sie moti­vie­ren und sie mach­ten mehr Abschlüs­se - hat­te zudem als Aka­de­mi­ke­rin alle "Papier"-Qualifikationen für eine lei­ten­de Posi­ti­on. Den­noch blieb ich die gan­ze Zeit ein­fa­cher Agent - und von den Top-Ver­käu­fern ent­schie­den sich nicht mal weni­ge eben­falls dafür. Denn der Preis - sogar mit der Opti­on, ein gan­zes Call­cen­ter auf Mal­lor­ca zu lei­ten - war mir/uns ein­fach zu hoch. Er bedeu­te­te die Kapi­tu­la­ti­on aller inne­ren Wer­te. Oder: nach oben buckeln, nach unten treten.

      (Ich brauch­te vier gan­ze Mona­te des Dane­ben­be­neh­mens, bis sie mich letzt­lich kün­dig­ten - das war ein psy­cho­lo­gi­scher Test und eine Eitel­keit: Ich woll­te mei­nen "Markt­wert" ken­nen. Als letz­te Info bleibt anzu­mer­ken, dass die Bezah­lung dort a u s s e r g e w ö h n l i c h gut war - und kei­nes­falls Usus ist). Ins­ge­samt war ich dort ein Jahr.
      Falls Inter­es­se am genau­en Bonuss­sy­stem besteht - ich gebe ger­ne Aus­kunft. Aber wie gesagt: Reprä­sen­ta­tiv ist d i e s e s Call­cen­ter nicht. Im Bereich der Ent­lo­hung lie­gen sie im absou­lu­ten Spitzenbereich.

    3. Wenn ich je einen .... aus­führ­li­chen Bericht zu einem The­ma gele­sen habe, 
      dann die­sen hier von The­Sour­ce!
      Herz­li­chen Dank.
      Vie­les ist so, wie ich es ver­mu­tet habe, vie­les auch völ­lig neu ....
      Eini­ge "Fach­be­grif­fe" sind mög­li­cher­wei­se noch erklä­rungs­be­dürf­tig, ich den­ke an "inbound" und "out­bound", denn die Über­set­zung allei­ne beschreibt sicher noch nicht, wor­um es sich tat­säch­lich handelt ....
      Na, wer ver­sucht sich daran .... ?

    4. inbound: klas­si­sches call­cen­ter wo leu­te anru­fen, hot­lines zum bei­spiel oder aus­künf­te, beschwerden
      out­bound: wird das bes­ser­be­zahl­te sein, hier wird ange­ru­fen um einen arti­kel zu bewer­ben oder zu verkaufen

    5. inbound­call cen­ter sind auch sehr oft fir­men­ei­ge­ne call cen­ter... zum bei­spiel von gro­ssen tele­kom­an­bie­tern. hier wer­den meist nur eige­ne kun­den ser­viciert und es gibt im gegen­satz zu call cen­ter-dienst­an­bie­tern wesent­lich öfter nor­ma­le dienst­ver­trä­ge und arbeitszeiten´und eine nicht ganz so hohe mitarbeiterfluktuation.

    6. Dem­nach .... eria, wird dort also auf Bin­dung der Mit­ar­bei­ter Wert gelegt. Ver­ständ­lich, wenn man die Moti­va­ti­on als Motor für "guten Ser­vice" iden­ti­fi­ziert .... Dan­ke für die Ergän­zung, das Bild run­det sich ....

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