bookmark_borderInterkulturelle Kompetenz: Was fehlt ist ....

ein Ver­ständ­nis dafür, wie Men­schen in einem bestimm­ten Kul­tur­kreis mit­ein­an­der umge­hen. Meh­re­re Jah­re Vor­le­sung zum The­ma "Inter­na­tio­nal Sales & Mar­ke­ting" haben mir eines deut­lich gemacht: Man muß ganz unten, also beim Trai­ning der Wahr­neh­mung anfan­gen und - so son­der­bar das anmu­ten mag - anstatt des Rol­len­spiels ein­fa­che Sequen­zen aus TV-Seri­en, am besten "Soaps" zum Stu­di­um des Ver­hal­tens und der dahin­ter lie­gen­den Moti­va­ti­on benutzen.

Dann ver­steht man, war­um der fol­gend zitier­te Text auf den Punkt geschrie­ben ist:
" .. Das ist das Pro­blem im nor­ma­len sozia­len Umgang: Deut­sche ken­nen den US-Code nicht, und die mei­sten Ame­ri­ka­ner wis­sen nicht, dass die Deut­schen so etwas gar nicht haben. Des­we­gen gel­ten Deut­schen in den USA erst­mal - wie Lys­sa es so schön beschrie­ben hat - als unglaub­lich unhöf­lich. Da man einem Gast nicht sagt, wie unhöf­lich er ist - das wäre ja unhöf­lich - wis­sen die mei­sten Deut­schen gar nicht, wie sehr sie sich nach den US-Regeln dane­ben beneh­men. Umge­kehrt muss man mit Ame­ri­ka­nern in Deutsch­land erst Rol­len­spie­le machen, bis sie sich wirk­lich trau­en, ein­fach “nein” zu sagen .. "[Text zitiert aus der Dis­kus­si­on zu die­sem Beitrag]

Mit Schrecken den­ke ich dabei an die - maro­die­ren­den Hor­den glei­chen - Weih­nachts­shop­per aus Deutsch­land, die der­zeit wie­der die US-Groß­städ­te unsi­cher machen:
Bar jeden Ver­ständ­nis­ses für die ört­li­chen Gepflo­gen­hei­ten beneh­men sie sich unmög­lich, wer­den den­noch höf­lich behan­delt und spot­ten - igno­rant wie sie nun ein­mal sind - nach ihrer Rück­kehr noch über die schockier­ten Gastgeber ....
Zurück in Deutsch­land zäh­len nur die Schnäpp­chen. Und daß man damit ange­ben kann, in der Lage zu sein, zum "Shop­ping" nach New York oder L.A. geflo­gen zu sein .... ein Graus, bei dem man sich als den­ken­der Mensch wünscht, es kämen die Zei­ten zurück, in denen sol­che Dumpf­backen es sich nicht lei­sten konn­ten in ande­re Län­der, spe­zi­ell die USA zu reisen!
"You should be awa­re that 'The ugly Ger­man' is what peo­p­le think - and see .." sag­te kürz­lich ein ehe­ma­li­ger Kol­le­ge aus Kan­sas zu mir - wer hät­te gedacht, daß es je zu einem sol­chen Bild der Deut­schen kom­men würde ....

bookmark_borderManchmal liegt man falsch ....

so wie ich, als ich eine Ein­schät­zung des Aus­gan­ges der Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen vornahm.

Nun, es kam anders als ich dach­te - sie­he hier.
Wie unschwer zu erken­nen ist, stammt die­ser Bei­trag zu mei­ner Fehl­ein­schät­zung vom 27. Novem­ber - und das ist ja nun schon ein paar Tage her ....

bookmark_borderDa flammt sie wieder auf, die ....

Dis­kus­si­on um Bärte:
Voll die Bär­te bei Dr. Mer­ce­des Bunz, die ja alle­mal für "hei­ße Eisen" gut ist ....

Über die Vali­di­tät der vor­ge­brach­ten Begrün­dun­gen für Voll­bär­te - als Anleh­nung an extre­mi­sti­sche Bestre­bun­gen, oder als Zei­chen von " .. Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on, Krea­ti­vi­tät und Eigen­mo­ti­va­ti­on, ehe­mals Fähig­kei­ten unan­ge­pass­ter Künst­ler .. “ oder als " .. ein Zei­chen dafür, dass die Jungs heu­te mit ihrer Männ­lich­keit viel ent­spann­ter umge­hen und umge­hen kön­nen." - mag ich nicht strei­ten. Das über­las­se ich gern der "jun­gen Gene­ra­ti­on" (per Defi­ni­ti­on Men­schen "zwi­schen 19 und 46").

Ein Argu­ment aller­dings for­dert mich denn doch zum Wider­spruch her­aus: Näm­lich die The­se, ein Bart sei "krat­zig"!

Das kann nur von einer Nicht-Bart­trä­gerin kom­men - und als Voll­bart­trä­ger seit 40 Jah­ren weiß ich es besser:
Zu kurz getra­ge­ne Bär­te sind krat­zig, auch für den Bart­trä­ger selbst, wäh­rend eine - gepfleg­te - mitt­le­re Län­ge von ca. 3-4 cm so weich ist wie ein Pfir­sich. Punk­tum und basta!

bookmark_borderWie auch immer ....

sich der Ver­lauf poli­ti­scher Gescheh­nis­se rund um die Welt gestaltet:
Küh­len Kopf bewah­ren, Ver­nunft wal­ten las­sen & nicht vom Ziel abwei­chen sind die besten Rezep­te, um letzt­end­lich erfolg­reich zu sein. Hitz­köp­fig­keit, wil­de Rund­um­schlä­ge und unqua­li­fi­zier­ter Aktio­nis­mus scha­den nur .... ich wünsch­te mir, daß die­se Ein­sicht end­lich auch ein­mal hier­zu­lan­de Ein­zug hielte!

bookmark_borderVöllig neue ....

Erkennt­nis?
"Kin­der müs­sen Regeln ler­nen" - so war heu­te in den Agen­tur­be­rich­ten zur Akti­vi­tät der NRW-Regie­rung zu lesen.

Eine gera­de­zu welt­be­we­gen­de Feststellung!

Man wol­le dafür sor­gen " .. daß Eltern bei­gebracht wer­de .. " wie sie ihre Kin­der kon­se­quent erzie­hen können.

Auch das ein gera­de­zu revo­lu­tio­nä­rer Appell an die elter­li­che Verantwortung.

Eines aus vier Kin­dern (25%) ist ver­hal­tens­ge­stört. Kein Wun­der. In einer Gesell­schaft, die Kin­der ent­we­der auf maxi­ma­le Lei­stung trimmt - oder sie so ver­nach­läs­sigt, daß sie ster­ben - wun­dert man sich ja bald über­haupt nicht mehr ....

bookmark_borderVon lausigen Müttern, die nie selbst an etwas Schuld sind, sondern immer die Schuld für ihre Unfähigkeit vernünftig auf ihre Kinder aufzupassen bei anderen Menschen suchen und offensichtlich annehmen, alle Menschen hätten einen 7. Sinn, mit dem sie erahnen, was die Kinder gerade jener Mütter nicht abkönnen - und die annehmen, sie könnten ganz frech behaupten, sie selbst seien völlig fehlerfrei ....

Da las ich kürz­lich von einer Mut­ter, die mit ihrem Kind in einem Laden unter­wegs war. Da sich die Mut­ter für bestimm­te Arti­kel inter­es­sier­te, konn­te sie natür­lich ihre Auf­merk­sam­keit nicht dem Kind wid­men. Das Kind wan­der­te nun sei­ner­seits im Geschäft umher und - wie es so die Art net­ter Men­schen ist, die sehen, daß ein Kind nicht die gebo­te­ne Auf­merk­sam­keit hat, aber der Mut­ter Gele­gen­heit geben wol­len, sich wei­ter unge­stört umzu­se­hen - boten dem Kind etwas zum Spie­len an. Andern­orts soll es ja auch schon 'mal vor­kom­men, daß net­te Men­schen einem Kind etwas Süßes anbie­ten - nein, das pas­siert heu­te weni­ger, denn vie­le gesund­heits­be­wuß­te In-ihrer-Rol­le-auf­ge­hen­de-Müt­ter wer­den ja fuchs­teu­fels­wild ob die­ser enor­men gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gung ihres Nach­wuch­ses - also bie­ten vie­le wohl­mei­nen­de Men­schen den Kin­dern nicht mehr Süßes, son­dern ein Spiel­zeug an.

Nor­mal auf­ge­wach­se­ne Kin­der wür­den nun neu­gie­rig nach dem unbe­kann­ten Etwas grei­fen und es erfor­schen - Kin­der von Müt­tern, die über­be­hü­ten und das Kind von sol­chen natür­li­chen Ver­hal­tens­mu­stern "weg-erzie­hen", also dem Kind ihre eige­nen Lebens­äng­ste zu einem Zeit­punkt an-erzie­hen, zu dem das Kind noch nicht ein­mal in der Lage ist, sich selbst als Per­son zu erken­nen - ja sol­che Kin­der erschrecken sich, lau­fen in Panik davon, denn ihnen wur­de ja antrainiert:
Wenn dir jemand etwas schenkt ist das ein böser Mensch, da mußt du weg­lau­fen .... und wenn dann die­ses Kind in wil­der Angst davon­rennt - und sich dabei weh tut - ist natür­lich wie­der nicht die Mut­ter schuld, weil sie von Anfang an nicht auf ihr Kind auf­ge­paßt hat, sondern?
Ja, natür­lich, Sie ahnen es schon,
es sind natür­lich ande­re Men­schen schuld!

Ich glau­be, es wäre das Beste, sol­che Müt­ter wür­den mit­samt ihrem Kin­dern in Qua­ran­tä­ne geschickt, dahin, wo die böse Welt von ihnen fern­ge­hal­ten wird. Da kön­nen sie dann ihre Kom­ple­xe aus­le­ben und wer­den sich fürch­ter­lich wun­dern, wenn ihnen spä­ter die - ach so behü­te­ten - Kin­der vor's Schien­bein tre­ten und sie wie den letz­ten Müll behan­deln weil sie wäh­rend der Sozia­li­sa­ti­ons­pha­se von jedem Ler­nen fern­ge­hal­ten wur­den .... die schlimm­sten Aus­wüch­se sol­cher Über-Behü­tung konn­te man schon 'mal im Kino bewundern:
PSYCHO - so hieß wohl der Film ....

* edit *
Mehr von Müt­tern ....

bookmark_borderPisa - revisited ....

Nun ist es erneut bewiesen:
Wer aus soge­nann­ten "bes­se­ren Ver­hält­nis­sen" kommt hat bes­se­re Chan­cen Abitur zu machen und zu studieren.

Hät­te es dazu einer wei­te­ren PISA-Akti­on bedurft?
Nein, das ist ein All­ge­mein­platz, das ist Lebens­er­fah­rung, das ist rei­ne Beob­ach­tung des gesell­schaft­li­chen Umfeldes!

  1. Nichts zu hören über den Anteil von Kin­dern in Grund­schu­len, die aus Eltern­häu­sern kom­men, in denen nicht Deutsch gespro­chen wird und in denen auch die Mut­ter­spra­che nur unvoll­stän­dig ver­brei­tet ist, in denen durch Analpha­be­tis­mus auch anson­sten Bil­dungs­de­fi­zit herrscht ....
  2. Nichts zu hören über den Anteil von Kin­dern, die sich - aus Schei­dungs­grün­den plötz­lich aus ihrem Umfeld geris­sen - nicht mehr "fan­gen" und dadurch die Schu­le, das Ler­nen vernachlässigen ....
  3. Nichts zu hören von den Eltern­häu­sern, die eine För­de­rung ihrer Kin­der nicht lei­sten kön­nen, weil sie selbst bereits eher gerin­gen Schul­erfolg hatten ....
  4. Nichts zu hören von Eltern, die sich lie­ber vor dem Fern­se­her berie­seln las­sen, als sich um die Haus­ar­bei­ten ihrer Kin­der zu kümmern .... 
  5. Nichts zu hören über die Tat­sa­che, daß es Lei­stungs­un­ter­schie­de zwi­schen Kin­dern gibt, die weder von der sozia­len Stel­lung der Eltern noch von deren Her­kom­men abhän­gig sind, son­dern ein­fach nur bio­lo­gi­sche Unter­schie­de sind ....

Kann Abhil­fe geschaf­fen werden?
Sicher.
Aber nicht auf die­se Wei­se ....
Wir sind Maxi­mal­for­de­run­gen aus­ge­setzt, deren Erfül­lung immense Resour­cen erfor­dern wür­de. Um eine kom­plet­te Gleich­stel­lung aller ein­ge­schul­ten Kin­der zu errei­chen, müß­ten die Mit­tel in den Schu­len ent­we­der kom­plett umge­schich­tet wer­den - wodurch die Mas­se der bereits "bil­dungs­fä­hi­gen" Kin­der lei­den wür­de. Oder die Mit­tel müß­ten so erhöht wer­den, daß es das System, sprich die Steu­er­zah­ler, nicht mehr lei­sten könnten.

Was wir der­zeit erle­ben ist bereits ein Kom­pro­miß zugun­sten der weni­ger Lei­stungs­fä­hi­gen - die­sen noch wei­ter in Rich­tung der weni­ger bil­dungs­fä­hi­gen Schü­ler zu ver­schie­ben hie­ße das Gesamt­sy­stem von Bil­dung zu riskieren.

Wol­len wir das wirklich?

Ich den­ke, man muß sich ein­fach damit abfin­den, daß es im Bil­dungs­we­sen - wie in jedem ande­ren Lebens­be­reich - kei­ne 100%-Lösung gibt. Die­se Tat­sa­che zu akzep­tie­ren hat nichts mit Skru­pel- oder Gedan­ken­lo­sig­keit, nichts mit "Sozi­al­dar­wi­nis­mus" oder "Klas­sen­über­heb­lich­keit" zu tun:
Es heißt viel­mehr sich der Wirk­lich­keit stellen ....

bookmark_border"Verdienst" - verdienen wir, was wir verdienen?
*update* [12.12.2020; 22:00h]

Irgend­wie son­der­bar, wie in unse­rem Land die Ein­künf­te ver­teilt sind. Es scheint in vie­len Beru­fen nicht dar­um zu gehen, wer wel­chen Bei­trag zur Pro­duk­ti­on von Waren und Dienst­lei­stun­gen erbringt:
Allei­ne die Tat­sa­che, daß ein Mensch arbei­tet soll ihr/ihm ein "Aus­kom­men" sichern. Es sei "unwür­dig" - sagt man - wenn ein Mensch nor­ma­le 8 Stun­den arbei­tet und dabei weni­ger ver­dient, als sie/er zum Leben braucht ....

Nun haben sich die Ver­hält­nis­se ja schon - gegen­über frü­her - gebes­sert: Heu­te arbei­ten zwei Ehe­part­ner, um das zu ver­die­nen, was ver­braucht wird. Das war vor Jah­ren noch anders. Ein Arbeit­neh­mer, meist der Vater, ver­dien­te, was die Fami­lie brauchte.

Heu­te sind wir aber immer noch nicht an dem Punkt ange­kom­men, den wir errei­chen müssen:

Die Bezah­lung rich­tet sich nach dem Wert der Arbeit
- nicht nach den Bedürf­nis­sen eines Arbei­ten­den*


Dar­aus ergibt sich die zwar trau­ri­ge, aber allein gerech­te Lösung, daß man­che Men­schen, die einen gerin­ge­ren Bei­trag zur Schaf­fung von Wer­ten (Güter / Dienst­lei­stun­gen) lei­sten auch weni­ger ver­die­nen oder dem­entspre­chen län­ger arbei­ten müs­sen, um ihren Bedarf zu erwirtschaften.

Ich höre schon die Ent­set­zens­äu­ße­run­gen ob die­ser Aussage.
Das ändert aber nichts an deren Wahrheitsgehalt.
Oder dar­an, daß die­ser Staat und die Wirt­schaft es nicht län­ger lei­sten kön­nen, für min­de­re Lei­stung maxi­ma­le Ent­loh­nung zu zahlen.

Es muß sich wie­der loh­nen, mehr zu lei­sten als Andere.
Gei­sti­ge Arbeit muß wie­der den Stel­len­wert haben, der ihr gebührt. Manu­el­le (Dienst-)-Leistungen müs­sen auf das Niveau her­un­ter­ge­stuft wer­den, das ihrem Ergeb­nis für die Gesell­schaft ent­spricht. Damit ist nicht die außer­or­dent­lich anstren­gen­de und abso­lut not­wen­di­ge Arbeit an Men­schen durch Gesund­heits­per­so­nal gemeint. Gera­de die­se Grup­pe ist bedau­er­li­cher­wei­se hoff­nungs­los unterbezahlt.

Wenn das nicht gelingt wer­den wir den Anschluß in Euro­pa ver­lie­ren - wir hin­ken jetzt schon bedenk­lich hinterher .... !

* update *
Ein­zi­ger Aus­weg aus dem Dilem­ma scheint das so genann­te "Bedin­guns­lo­se Grund­ein­kom­men" - dies vor allem unter der dro­hen­den Kri­se was die Beschäf­ti­gungs­mög­lich­kei­ten in den kom­men­den Jahr­zehn­ten angeht:

Es wer­den immer weni­ger Men­schen gebraucht die arbei­ten - sie wer­den von Maschi­nen ersetzt. Um der tota­len Ver­ar­mung wei­ter Bevöl­ke­rungs­an­tei­le zu begeg­nen bleibt kei­ne ande­re Wahl als ein Modell wie das "Bedin­gungs­lo­se Grundeinkommen" ....

* Selbst­ver­ständ­lich sind damit auch Frau­en in glei­chem Sin­ne gemeint ....