lösen sich die Hemmungen - der Stubenhocker wird zum Conférencier, alte Freundschaften werden in Frage gestellt, neue Allianzen geschmiedet, der Verklemmte spielt den Charmeur ....
Allem gemeinsam ist die Vergänglichkeit des Augenblicks:
Nur für kurze Zeit relevant, für die Zeit des angenehmen Anflutens von Alkohol im System, das Barrieren bricht und tiefe Abgründe oder völlig unbekannte Seiten von Menschen sichtbar werden läßt ....
Nicht, daß sie jetzt denken:
Ein Warner, ein Spielverderber, ein Neidhammel ....
Nein, ganz im Gegenteil:
Ich finde es ist ab und an nötig, ein Ventil zu schaffen, herauszulassen was sich über längere Zeit angestaut hat, den Frust über Unzulänglichkeiten für einige Stunden zu vergessen ....
Eine kleine Einschränkung gibt es aber doch. Nichts "geht von selbst weg", nichts "verschwindet über Nacht"
- Probleme bleiben Probleme, die einer Lösung bedürfen
- Alkohol verschafft lediglich eine Aus-Zeit ....

Komisch, wie doch Alkohol unterschiedlich wirken kann. Ich schlafe immer ein. Wenn ich mir selbst gnädig war. Wenn nicht, dann muß ich zur Strafe das Licht anlassen, damit die Schmetterlinge an der Decke nicht zu sehr kreisen.
Wie man mit Alkohol hemmungslos werden kann, ist mir bis heute rätselhaft. Wie gesagt: Ich schlafe im günstigen Fall ein. Und im ungünstigen Fall ist es wirklich nett, wenn einem ein netter Mensch den Eimer zum K*** hält. DAS sind doch wahre Freundschaftsbeweise.
Morgaine
*grinst
Mir geht es .... wie Ihnen, werte Frau Morgaine, ich werde auch müde von Alkohol. Eine bleierne, völlig umfassende Müdigkeit. Dewegen trinke ich ja auch so gut wie nie Alkohol.
Aber, wie beschrieben, ist das ja sehr unterschiedlich ....
Eigenartig... Ich werde von Alkohol immer hellwach. Während nach einer Party alles tot auf den Sofas (bzw. auf dem Klo, unter dem Tisch, ...) liegt, schlage ich mir die Nacht um die Ohren.
Das stelle ich mir sehr .... belastend vor:
Zwischen so vielen Saufnasen den Überblick zu behalten ist bestimmt nicht leicht ....und dann noch die Ungewißheit der "Ausgeknockten" - die ja nicht wissen, was sie alles in ihrem Zustand getan haben ....
Meine Schlaflosigkeit hatte schon zur Folge, dass ich schon von eine dieser ausgeknockten Personen gefragt wurde, was sie an denn an besagtem Abend alles gemacht hat.
Genau .... denn es ist ja so, daß diesen bedauernswerten Menschen manchmal einige Stunden "fehlen" - blackout - und sie sich dann fragen, wer ihnen helfen kann die Leere zu füllen ....
Sie haben offenbar ein sehr ausgewogenes Verhältnis zum Alkohol, und mir gefällt auch die Aussage mit dem Ventil: Blind, wer fordert, die Menschen dürften nicht auf irgend eine Weise auch mal ausrasten.
Ja, da haben Sie .... eine wichtige Tatsache angesprochen. In dieser Welt der Perfektion und des Funktionierens wird völlig vergessen, daß wir Menschen und keine Maschinen sind!
Menschen müssen durch Hochs und Tiefs gehen - erst dann haben sie genügend Verständnis für andere.
Ich fasse das unter dem Titel: "Erfahrung" - und das braucht seine Zeit (auch wenn es hier bei twoday - und anderswo in Weblogs - immer wieder Beiträge gibt, die das Gegenteil zu beweisen suchen .... )