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bookmark_border27-02-04 Bemerkungen zu Solidarität ....

Soli­da­ri­tät zu ver­lan­gen fällt jenen leicht, die am System des "Ver­tei­lens" nur als Ver­tei­ler betei­ligt sind.

Bei­spiel Kran­ken­kas­sen / -bei­trä­ge / -leistungen:
Aus den Bei­trä­gen der "ordent­lich" zah­len­den Mit­glie­der wer­den alle mit­ver­sorgt, die der Kran­ken­kas­se ange­hö­ren, ohne selbst Bei­trä­ge zu lei­sten. Sozi­al­hil­fe­emp­fän­ger mit 0% Bei­trags­lei­stung erhal­ten 100% Kas­sen­lei­stung - eine "wun­der­sa­me" Geldvermehrung?

Nein, das wird von denen auf­ge­bracht, die 100% zah­len und sel­ten oder nie Lei­stun­gen in Anspruch neh­men. Ich kann es nicht ver­ste­hen, daß die, die zum Arzt gehen jetzt über €10,oo schimp­fen. Wer - wenn nicht sie, die die Arbeits­kraft der Pra­xen in Anspruch neh­men - soll denn, bit­te­schön, dafür zah­len? Etwa die, die gesund sind und kei­nen Arzt brau­chen, über das hin­aus, was sie sowie­so schon berappen?

Das System, einst gegrün­det um die Ein­zah­ler vor krank­heits­be­ding­ter Not und Zah­lung zu schüt­zen, ist ein Umver­tei­lungs­sy­stem gewor­den, das jene voll ver­sorgt, die es ver­ste­hen das System zu nut­zen. Maß­lo­se Ansprü­che ohne jeden Realitätsbezug!

Ähn­lich sieht es in ande­ren Berei­chen aus: Unab­hän­gig davon, ob ein Bür­ger die Ange­bo­te nutzt wird sie/er erst ein­mal zur Kas­se gebeten.

Bei­spiel städ­ti­sche Schwimmbäder:
Obwohl nur ca. 8% der Ein­woh­ner ein sol­ches Ange­bot nut­zen, zah­len alle für des­sen Unter­halt. 82% der Ein­woh­ner zah­len also für 8% mit - und nicht zu knapp!

Wäre es nicht ange­mes­sen, zu ver­lan­gen, daß jene, die zum Schwim­men gehen auch die tat­säch­li­chen Kosten tra­gen, die sie ver­ur­sa­chen? Wenn ich mir den Luxus eines "pri­va­ten" Schwimm­bads lei­ste, muß ich auch dafür bezah­len. Und die öffent­li­chen Bäder sind doch bei der Nut­zungs­re­la­ti­on sicher als "Pri­vat­bad" für 8% anzusehen.

Auch ande­re "öffent­li­che" Ein­rich­tun­gen könn­ten hier als Bei­spiel die­nen: Fuß­ball­plät­ze / Sta­di­en, Straßenbahn/Busse, etc., immer über­wie­gend bezahlt von denen, die über­haupt kei­nen Gebrauch davon machen.

Dafür fehlt dann das Geld an ande­re Stel­le: Schu­len, Stra­ßen­bau, Poli­zei, Alten­ein­rich­tun­gen .... tut mir leid, aber ich habe die Nase voll von Soli­da­ri­tät, die mich in fünf­zig Jah­ren nur Geld - und nicht zu knapp - geko­stet hat, ohne daß ich in den Berei­chen, die mir nüt­zen, eine ange­mes­se­ne Lei­stung erhal­ten hätte.

Ist es nicht auf­fäl­lig, wer vor allem auf Soli­da­ri­tät pocht? Ein letz­tes Beispiel:
Ich habe nahe­zu 20 Jah­re den Höchst­bei­trag zur Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung gezahlt, dann war ich 12 Jah­re selb­stän­dig tätig. Mein Anspruch beim Arbeits­lo­sen­geld €0,oo! Alle vor­her gezahl­ten Bei­trä­ge per­dü! Momen­tan arbei­te ich wie­der "ange­stellt". Mehr als €150,oo monat­li­cher Bei­trag, Anspruch bis Juli 2005 (!) €0,oo! Das heißt: 24 x €150,oo in das System gezahlt, €3.600,oo, und kei­nen Cent Anspruch. Da wäre es mir lie­ber, ich könn­te die­sen Betrag als "Not­gro­schen" bei­sei­te legen und mich selbst versorgen.

bookmark_border26-02-2004 / Bemerkungen zur Rechtschreibreform

Es war wohl zu erwar­ten: Die Reform der Recht­schreib­re­form steht an. Die geplan­ten Ände­run­gen sind so umfang­reich, daß man wohl von einer völ­lig neu­en Recht­schrei­bung spre­chen darf - mit dem Rat­ten­schwanz an Fol­gen, wie neue Wör­ter­bü­cher, neue Schul­bü­cher, neue Rechtschreib-CDs.

Pho­to­gra­phie - Foto­gra­fie? Schluß­satz - Schluss­satz? Auf­wen­dig - Auf­wän­dig? Wün­schens­wert wäre, wenn - die hier nur in weni­gen Bei­spie­len dar­ge­stell­ten - Ver­stüm­me­lun­gen, Ver­dop­pe­lun­gen und Umlaut­än­de­run­gen zurück­ge­nom­men wür­den. Aber das ist wohl nur ein Wunschtraum.

Darf man den Umfra­gen (Bei­spie­le: Umfra­ge [1]; Umfra­ge [2]) Glau­ben schen­ken, so ist eine Mehr­zahl von Bür­gern in den deutsch­spra­chi­gen Län­dern schon nicht mit der ersten Reform zufrie­den gewe­sen. Nichts­de­sto­we­ni­ger wird in der Pres­se der Ein­druck erweckt, alles sei per­fekt, alle sei­en zufrieden.

Dabei ist nichts in Ord­nung. Die­je­ni­gen, die die Recht­schrei­bung "alter Art" wirk­lich beherrsch­ten wur­den ver­un­si­chert und hat­ten plötz­lich das Gefühl nichts mehr zu wis­sen. Die­je­ni­gen, die schon immer Pro­ble­me mit der Recht­schrei­bung hat­ten wur­den durch die kom­ple­xen Neu­re­ge­lun­gen noch mehr ver­un­si­chert. Alle, die dazwi­schen lie­gen machen sowie­so was sie wol­len - kei­ner macht wirk­lich alles rich­tig, es sei denn sie/er ver­läßt sich auf das Recht­schreib­pro­gramm des Com­pu­ters. Wer hät­te etwas ande­res erwartet?

Ich plä­die­re für eine Rück­kehr zur Recht­schrei­bung vor allen Refor­men. Ich plä­die­re auch für inten­si­ve­re Beschäf­ti­gung mit der Recht­schrei­bung in Schu­len. Ich plä­die­re für eine Recht­schrei­bung, die denen ein Dorn im Auge war, die dar­in Attri­bu­te wie "Bür­ger­lich­keit", "Gemein­sinn" und "Tra­di­ti­on" ver­steckt sahen und sie des­we­gen los­wer­den wollten!

bookmark_border25-02-2004 / Nichts als "heiße Luft"!

Wer es Ende der 60er Jah­re noch nicht glaub­te, fin­det in der heu­ti­gen Tages­po­li­tik den Beweis: Die Ent­schei­der in der Poli­tik sind jene, die antra­ten, "den Marsch durch die Insti­tu­tio­nen" zu vollenden.

Was ist dabei auf der Strecke geblie­ben? Das Niveau der Poli­tik, die tra­dier­ten Wer­te, der aka­de­mi­sche Anspruch und der Zusa­men­halt von Fami­lie und Nachbarschaft.

Das "mehr Arbei­ter­kin­der in aka­de­mi­sche Aus­bil­dung" hat nur statt­ge­fun­den, weil ent­lang des Weges die Ansprü­che immer wei­ter abge­senkt wur­den, sodaß schließ­lich jene nur mit­tel­mä­ßig begab­ten Schwät­ze­rIn­nen mit genü­gend Kame­ra­t­aug­lich­keit, "top foto­gen" und stets einen mun­te­ren Spruch parat, weit nach vorn gespült wur­den und jetzt "die Spit­ze­po­si­tio­nen" einnehmen.

Es scheint, als ob nur die Medi­en­taug­lich­keit noch zählt, Sub­stanz im Sin­ne von Bil­dung, Den­ken, Abwä­gen, Han­deln ist nicht mehr not­wen­dig. Ganz im Gegen­teil: Bezah­lung rich­tet sich nicht mehr danach, was die/der Betrof­fe­ne lei­stet oder gelernt hat, son­dern danach, wie gut man sich dar­stellt. Aus­se­hen statt Köpf­chen - das bringts.

Und wenn das noch nicht reicht: Das Steu­er- und Sozi­al­ab­ga­ben­pa­ket ist so ein­ge­rich­tet, daß Mehr­lei­stung und höhe­rer Bei­trag zum Gesamt­ergeb­nis der Wirt­schaft so nivel­liert wer­den, daß, bei Ein­kom­men zwi­schen 2000 und 5000€ brut­to, der Net­to­be­trag sich nur noch um 200 bis 500€ unterscheidet.

Der seit drei­ssig Jah­ren zuneh­men­de Man­gel in Poli­tik und Ver­wal­tung - ja, auch in Schu­len und Hoch­schu­len - hat zu dem geführt, was wir heu­te wahr­neh­men und bit­ter beklagen:

  • Gleich­schal­tung und Gleichmacherei,
  • Nie­der­gang aller Sozialsysteme,
  • Aus­ga­ben­flut für Berater,
  • schnel­ler wer­den­de Bewe­gung der Steuerschraube .... 

.... und kein Ende abzusehen!

Wenn eine Bevöl­ke­rung der­glei­chen mit­macht - so wie hier bei uns - kann es doch nur bedeu­ten, daß man sich in gan­zer Brei­te auf ein alter­na­ti­ves Lebens­kon­zept ein­ge­stellt hat: "Spaß"!

Inso­fern haben die Acht­und­sech­zi­ger samt Erben erreicht, wozu sie auf­ge­ru­fen und was sie selbst vor­ge­lebt haben. Aber um wel­chen Preis!

bookmark_borderSchau, schau

"In den USA soll es weit über eine Mil­li­on von ihnen geben, hier­zu­lan­de haben die Web­logs Schät­zun­gen zufol­ge noch nicht ein­mal die Zehn­tau­sen­der-Mar­ke geknackt. Doch die "Blogo­sphä­re" brei­tet sich wei­ter aus, die Gemein­de der "Blog­ger" wächst unauf­halt­sam .... " heißt es in einem Arti­kel bei der "Tages­schau".

http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID2801606_REF3_NAVSPM11174,00.html

Ich bezweif­le, ob die geschätz­te Zahl so stimmt. Es mag schon so vie­le Web­logs vom Namen her geben, aber wie ein Blick in eines der Verzeichnisse

http://www.weblogverzeichnis.de

zeigt, sind vie­le nach kur­zer Zeit "tot" - es bleibt bei weni­gen Ein­trä­gen, es fehlt am Durch­hal­te­ver­mö­gen und die Fluk­tua­ti­on ist groß.

Inter­es­sant ist aber eine Ein­schät­zung am Ende des Arti­kels, wonach " .... Ann Moo­re, der Che­fin (des) US-Ver­la­ges "Time" .... die "Ver­brei­tung unkon­trol­lier­ter Medi­en im Web mehr Angst als alles ande­re." ein­jagt. Ja, an Aktua­li­tät und The­men­brei­te sind die Web­logs den eta­blier­ten Maga­zi­nen sicher eini­ges vor­aus - wenn es auch bis­wei­len schwer ist, 'die Spreu vom Wei­zen zu trennen'.

Ich ver­brin­ge jeden­falls in den letz­ten Wochen mehr Zeit beim Lesen und Suchen als beim Recher­chie­ren und Schrei­ben. Und mit Ver­laub: Die "BLOG AWARDS" sind viel­leicht ein Hin­weis, aber kei­ne Gewähr für Qua­li­tät, Ori­gi­na­li­tät, geschwei­ge denn Brauch­bar­keit - eher ein Hin­weis auf mehr oder weni­ger ver­netz­te Gleich­ge­sinn­te, hier wohl eher "mehr". Von Aus­nah­men wie "LAW BLOG" http://udoslive.blogspot.com und "Elfen­gleich" http://www.elfengleich.de/index.php 'mal abgesehen.

bookmark_border"JOKE"

Es ist schon kuri­os, was man­chen Zeit­ge­nos­sen so ein­fällt. Nach­dem kürz­lich ein Gericht ver­bot, einem Kind 12 Vor­na­men - natür­lich alle "aus­ge­fal­len" und "unüb­lich" - zu geben, fand ich die nach­fol­gen­de Geburts­an­zei­ge in mei­ner Lokalzeitung:

Mal abge­se­hen von dem tat­säch­li­chen Namen "Joke" - der wohl ein Witz ist! - erschließt sich mir nicht der Sinn der wei­te­ren Ein­las­sun­gen des Eltern­paa­res: " ....freu­en sich .... über einen wei­te­ren Dosenöffner."

Ich fra­ge mich, wie das Eltern-Kind-Ver­hält­nis wohl in 14 Jah­ren sein wird .... ?

bookmark_borderZur Nacht ....

.... fra­ge ich mich manch­mal, ob uns die Com­pu­ter wirk­lich helfen.

Zwar bie­ten sich einer­seits Mög­lich­kei­ten, die frü­her nie denk­bar waren: email, Kon­takt nach Über­see in Sekun­den­schnel­le, umfas­sen­de Rechen­ope­ra­tio­nen in weni­gen Bruch­tei­len von Sekun­den, Schreib­ar­bei­ten rasch kor­ri­giert und wie­der aus­ge­druckt ohne 60 Sei­ten neu zu schrei­ben, wie bei mei­ner Diplomarbeit.

Aber um wel­chen Preis? Wie lan­ge braucht man, um Pro­gram­me zu instal­lie­ren, die Maschi­ne am lau­fen zu hal­ten, Feh­ler aus­zu­mer­zen, zu sichern, zu über­tra­gen, etc. ....

Und die Kosten? Na ja, das hält sich in Gren­zen. Aber der Zeit­ein­satz? Immer wenn es über "die Com­pu­te­rei" wie­der fast drei Uhr gewor­den ist beschlei­chen mich Zweifel ....

bookmark_borderNachtrag

Vor ein paar Minu­ten habe ich "Kin­der­reim" noch­mal durch­ge­le­sen und muß jetzt noch eine Ergän­zung bringen:

Wenn sich mein Groß­va­ter an den Eßtisch setz­te, brei­te­te er ein Hand­tuch aus - sol­che gibt es nicht mehr, grau-grau­blau klein­ka­riert - und dann stell­te er die ande­ren Utens­li­en zum Rasie­ren dar­auf ab: Einen klei­nen Hand­spie­gel mit Auf­stel­ler, eine fla­che, ca. 10 cm-Durch­mes­ser Alu-Scha­le (für das Was­ser, und um das Mes­ser abzu­wi­schen), eine ova­le Sei­fen­scha­le mit fla­chem und hohem Teil, auf dem hohen Teil lag die Sei­fe, im tie­fen Teil der Rasier­pin­sel und einen klei­nen Alut­el­ler, auf den kam das Messer.

Wenn Groß­mutter mit dem Kes­sel kam, begann der zwei­te Teil des Ritu­als: Schaum schla­gen. Zunächst dann das Rasie­ren und zum Schluß das Rei­ni­gen der Uten­si­li­en. Er ließ alles ste­hen, Oma räum­te ab und ver­stau­te alles bis zum näch­sten Mal.

Viel­leicht ist das geschil­der­te Ritu­al der Grund, war­um ich mich nie mit der elek­tri­schen Rasur anfreun­den konn­te - "elek­trisch" steht bei mir für "hek­tisch", und da will ich nicht hin ....

bookmark_borderKinderreim

Hal­lo zusammen!

Heu­te Nach­mit­tag war ich im Auto unter­wegs und hat­te Zeit nach­zu­den­ken. Da fiel mir ein Kin­der­reim ein, an den ich schon lan­ge nicht mehr gedacht hatte.

Mein Groß­va­ter, Poli­zei­chef in einem sehr gro­ßen Poli­zei­re­vier in Hes­sen mit über 100 Beam­ten, war ein sehr stren­ger, abwei­sen­der, gar nicht lie­be­vol­ler Opa. Viel­leicht lag das an sei­nem Lebens­lauf, er hat­te bestimmt kein leich­tes Leben: 1933 wur­de er aus dem Poli­zei­dienst ent­las­sen, weil er sich wei­ger­te der NSDAP bei­zu­tre­ten. Fort­an, bis 1945, muß­te er Frau und vier Kin­der (!) als Tage­löh­ner durch­brin­gen, das prägt.

Ich erin­ne­re mich, daß er immer am Eßtisch saß, mei­ne Groß­muter in der Küche hei­ßes Was­ser berei­te­te und dann zu ihm brach­te. Er nahm einen dicken Rasier­pin­sel, schlug Schaum, seif­te sich ein und begann sich mit einem Rasier­mes­ser zu rasie­ren. Ich saß der­wei­len in einer ent­fern­ten Ecke, mucks­mäus­chen­still, um ihn nicht in Zorn zu ver­set­zen - er war cholerisch.

Groß­va­ter Hein­rich hat­te aber auch sei­ne guten Sei­ten, denn wenn er Gele­gen­heit hat­te, befaß­te er sich mit sei­nen Enkeln. Er nahm mich auf sei­nen Schoß und sag­te: "Troß-Troß-Trill­chen?", was bedeu­te­te: Soll ich den Reim auf­sa­gen? Und ich war begei­stert, denn das war jedes­mal ein Ereignis.

Hier für mei­ne Leser - zum Wei­ter­ge­ben an ihre Kin­der und / oder Enkel - "mein" Kin­der­reim, den ich auch nach so vie­len Jah­ren nicht ver­ges­sen habe ....

Troß, Troß, Trillchen,
der Bau­er hat ein Füllchen,
Füll­chen will nicht laufen,
der Bau­er wills verkaufen,
ver­kau­fen wills der Bauer,
das Leben wird ihm sauer,
sau­er wird ihm's Leben,
der Wein­stock der trägt Reben,
Reben trägt der Weinstock,
Hör­ner hat der Ziegenbock,
der Zie­gen­bock hat Hörner,
im Wald da wach­sen Dörner,
Dör­ner wach­sen im Wald,
im Win­ter ist es kalt,
kalt ists im Winter,
da frier'n die klei­nen Kinder,
gehen in die Stub',
essen ihre Supp',
Supp' essen die Kinder,
vor'm Tor da wohnt der Schinder,
Schin­der wohnt vor'm Tor,
schiebt den Rie­gel vor,
vor schiebt er'n Riegel,
die Bank die hat 'nen Kniegel,
Knie­gel hat die Bank,
Tröpf­chen hat'n Gang,
Gang hats Tröpfchen,
Mül­ler hat'n Käppchen,
Käpp­chen hat der Müller,
Nas' die hat'n Triller,
Tril­ler hat die Nas',
im Feld da läuft der Has',
Has' läuft im Feld,
und die/der (Name) hat kein Geld!

Wenn das Wort "Geld" gespro­chen wur­de, kipp­te mich mein Groß­va­ter nach hin­ten weg, hielt mich aber eisern fest, schwang mich im Kreis her­um, rich­te­te sich und mich wie­der auf und setz­te sich. Dann ließ er los: "So, Bub, jetzt geh' schön brav spielen!"

Ich erin­ne­re mich gern an mei­nen Großvater.

bookmark_borderBemerkungen zur "Antisemitismus-Diskussion" ....

Da ist sie wie­der, die Dis­kus­si­on um Anti­se­mi­tis­mus, vor allem soll in Deutsch­land die­se Gefahr bestehen.

Ich fra­ge mich: Wem nützt die­se Darstellung?

Wir haben seit gerau­mer Zeit eine Dis­kus­si­on um die Vor­ge­hens­wei­se der aktu­el­len israe­li­schen Regie­rung in den besetz­ten pal­e­sti­nen­si­schen Gebie­ten. Tenor ist, die Regie­rung ver­hal­te sich impe­ria­li­stisch, hal­te sich nicht an die ver­ein­bar­te "road map" zum Frie­den in Palestina.

In jedem Volk, in jedem Staat gibt es Din­ge die zu bemän­geln sind, ande­re die zu loben sind, und dazwi­schen eine Men­ge ande­re Sach­ver­hal­te, die mehr oder weni­ger Dis­kus­si­ons­stoff bieten.

Darf man "rich­tig" und "falsch" nur des­we­gen nicht benen­nen, weil es im Staat Isra­el statt­fin­det? Darf man "Unrecht" nicht "Unrecht" nen­nen, weil es vom Staat Isra­el began­gen wird? Darf man den Prä­si­den­ten nicht angrei­fen, nur weil er Prä­si­dent von Isra­el ist?

Ich mei­ne: NEIN, man darf!
Und ist man des­halb "Anti­se­mit"?
Ich mei­ne: NEIN!

Wir tun - soweit ich das in mei­nem täg­li­chen Leben beob­ach­ten kann - sehr viel, um ein Erstar­ken des "Anti­se­mi­tis­mus" zu unter­bin­den: Unter­rich­te in jeder Schul­art und Klas­sen­stu­fe, Berich­te über ver­gan­ge­nes Unrecht und die Hin­ter­grün­de , wie­so so etwas mög­lich wur­de. Mah­nung, Erin­ne­rung, Prä­ven­ti­on, da brau­chen wir uns nicht in "Sack und Asche" zu hül­len, in Deutsch­land wird alles getan, um "Anti­se­mi­tis­mus" gar nicht erst auf­kom­men zu lassen.

Und was ist mit den Aus­schrei­tun­gen im Osten? Jahr­zehn­te­lan­ge Unter­drückung der öffent­li­chen Mei­nung und der frei­en Rede, die Nicht-Erfül­lung des Traums von "blü­hen­den Land­schaf­ten" und die Per­spek­tiv­lo­sig­keit einer gan­zen Gene­ra­ti­on in den neu­en Län­dern - das ist ein Pulverfaß!

Der Ansatz ist aber sicher nicht, pau­schal von "Anti­se­mi­tis­mus" zu reden, son­dern dafür zu sor­gen, daß sich in den sozia­len Brenn­punk­ten in unse­rem Land neue Hoff­nung ent­wickeln kann - das ist die beste "Brem­se" für jede Art von Frem­den­feind­lich­keit, und des­we­gen auch für Antisemitismus.

bookmark_borderZum Start von "RELAtief" am 16.01.2004

So, da ist es also - ein neu­es "blog" . Irgend­wie hat­te ich - nach meh­re­ren eige­nen Web­sei­ten - das Gefühl es müß­te sein.

Was­ser­cent
Vor eini­gen Tagen las ich in unse­rer loka­len Tages­zei­tung einen Mini-Arti­kel auf der fünf­ten Sei­te: Die Lan­des­re­gie­rung Nord­rhein-West­fa­len [NRW] hat einen "Was­ser­cent" eingeführt.

Wofür eigent­lich?
Wir zah­len doch schon für Trink­was­ser, Regen­was­ser und Abwas­ser, wozu dann noch einen "Was­ser­cent"? Irgend­wo im Haus­halt der Lan­des­re­gie­rung wird sich ein Loch auf­ge­tan haben - und das wird jetzt mit Was­ser (!) gefüllt.

Was hal­ten Sie davon? Und kommt dem­nächst der "Atem­cent"?

Jah­res­wech­sel
Zuge­ge­ben, der Jah­res­wech­sel liegt schon ein paar Tage zurück - aber dar­auf will ich eigent­lich nicht hin­aus. Kommt es Ihnen auch so vor, als ob sich der Janu­ar irgend­wie zäh hin­zieht? Nach all der Hek­tik der Vor­weih­nachts­zeit, als man kaum noch Luft für das Wesent­li­che hat­te nun die­se end­lo­se Janu­ar­zeit .... da scheint es doch ver­nünf­tig, ein paar Janu­ar­ta­ge dem kur­zen Febru­ar zuzu­schla­gen und so einen Aus­gleich zu schaffen.

Apro­pos Weihnachten:
Einer mei­ner Nach­barn hält krampf­haft an sei­ner Weih­nachts­be­leuch­tung fest. Gut, wer­den Sie sagen, der arbei­tet und hat­te noch kei­ne Zeit. Aber nein, er ist Rent­ner und "Samm­ler" [z.B. hat er noch alte Geh­weg- und Innen­hof­plat­ten vorm Haus gesta­pelt] und ich glau­be er will sie das gan­ze Jahr behal­ten .... das erspart ihm die Neu­de­ko­ra­ti­on für die näch­ste Saison.

Insek­ten
In den letz­ten Tagen fand wie­der "Rea­li­ty" mit Pro­mis statt. Ich inter­es­sie­re mich dafür eigent­lich wenig - aber einen Aspekt fin­de ich immer wie­der toll: Es wird über Insek­ten [und ande­re Ekel­tie­re (?)] gere­det. Noch bes­ser fän­de ich es, wenn man eine Ein­blen­dung mach­te, die über die Tat­sa­chen im Zusam­men­hang mit die­sen "Akteu­ren", etwa Lebens­ge­wohn­hei­ten, berich­tet. Da hät­te man wenig­stens einen Bil­dungs­zweck erfüllt - und da vie­le Kin­der zuse­hen - kommt viel­leicht so eine För­de­rung zustan­de, die die Schu­len heu­te nicht mehr in der Lage sind zu lei­sten. Wenn das kein ech­ter "Mehr­wert" sol­cher seich­ten Unter­hal­tung wäre!

bookmark_border17.01.2004 / Bemerkungen über Suppe

Haben Sie auch bestimm­te Gerich­te, die Sie an bestimm­ten Tagen der Woche essen? Mir fällt auf, daß das in vie­len Fami­li­en [und ähn­li­chen Lebens­ge­mein­schaf­ten] so gehal­ten wird. Frei­tags gibt es vie­ler­orts Fisch - eigent­lich ein reli­gi­ös bestimm­tes Mahl an die­sem Tag, aber wer weiß das schon noch?

Bei uns gibt es immer Sonn­abends Sup­pe, rich­tig gekocht, nie aus der Tüte. Ich erin­ne­re mich noch, als mei­ne Toch­ter ganz klein war und bei einer Freun­din über­nach­te­te. Sie kam am Sonn­tag nach Hau­se und war ent­rü­stet, daß man ihr dort am Sonn­abend zu Mit­tag kei­ne Sup­pe ange­bo­ten hat­te! Ja, ja, die Macht der Gewohnheit.

Kürz­lich las ich, daß nur noch 29% aller Fami­li­en regel­mä­ssig jeden Tag zusam­men eine Mahl­zeit ein­neh­men. Erschreckend! Da bin ich mir sicher zu wis­sen, woher Rück­sichts­lo­sig­keit und man­geln­der Fami­li­en­sinn kom­men - man rührt nicht mehr gemein­sam Sonn­abends in der Suppe!

Wel­che Art Sup­pe essen Sie gern? Ich selbst bevor­zu­ge ent­we­der Blu­men­kohl­sup­pe oder eine gute Rind­fleisch­sup­pe - wozu man bekannt­lich ein Pfund Rip­pe oder Bein­schei­be braucht. Ich gebe zu, daß ich in den letz­ten Jah­ren häu­fig etwas zurück­hal­ten­der mit Rind­fleisch war - wen wun­dert das, bei den Sto­ries über BSE / Rinderwahnsinn?

Als wir kürz­lich Besuch aus Chi­na - ja, "Rot"China! - hat­ten, lern­te ich aber die Vor­zü­ge eine kla­ren Hüh­ner­sup­pe zu schät­zen. Ein Hauch Ing­wer, aus der Knol­le geschabt, und mehr als drei Stun­den gekocht, nichts außer Huhn und Gewürz in der Sup­pe - eine wah­re asia­ti­sche Köst­lich­keit! Inter­es­sant war die Tat­sa­che, daß der erste Sud nach etwa 10 Minu­ten kochen [damit ist gemeint "spru­deln­des" Kochen] ver­wor­fen, also glatt weg­ge­gos­sen wur­de. Ich dach­te erst, das sei dem Geschmack der Sup­pe abträg­lich, aber weit gefehlt, sie war köst­lich. Über den Grund die­ser Vor­ge­hens­wei­se kann ich nur spe­ku­lie­ren. Wenn man die man­geln­den hygie­ni­schen Ver­hält­nis­se in der drit­ten Welt, zu der Chi­na ja noch zu 90% zählt - von weni­gen indu­strie­ali­sier­ten Bal­lungs­zen­tren abge­se­hen - ist es durch­aus sinn­voll, die­sen ersten Sud zu ver­wer­fen, weil damit drei Din­ge erreicht wer­den: Erstens tötet man die hit­ze­emp­find­li­chen Bak­te­ri­en ab, äuße­rer Schmutz durch das Schlach­ten wird abge­wa­schen und zuletzt schüt­tet man so auch einen Teil des Hüh­ner­fet­tes mit ab, was für den Gesund­heits­zu­stand der Sup­pen­es­ser durch­aus zuträg­lich ist. Man sieht, daß in bestehen­der Tra­di­ti­on - vor allem aber in deren Bei­be­hal­tung - durch­aus Chan­cen für die nach­fol­gen­den Gene­ra­tio­nen stecken. Nicht nur alles Neue ist gut, Tra­di­ti­on hat schon ihren Sinn.

Bei die­ser Gele­gen­heit habe ich übri­gens gelernt, daß man ledig­lich in Nord­chi­na "Hund", "Affe" und "Schlan­ge" auf dem Spei­se­plan hat. Ich muß aller­dings ein­räu­men, die Argu­men­ta­ti­on war nicht soooo über­zeu­gend, ich habe noch gewis­se Zwei­fel! Nun habe ich einen guten Grund, dort­hin zu fah­ren und mich per­sön­lich davon zu über­zeu­gen, wo was geges­sen wird.

Jetzt ist unse­re Sup­pe fer­tig und ich has­se es, wenn zu Tisch geru­fen wird und kei­ner kommt oder trö­delt noch her­um .... ich wün­sche Ihnen für heu­te auch eine "gute" Suppe.

bookmark_border18.01.2004 (Nachtrag 25.04.) / Bemerkungen über die Kirchen

Dem Ver­neh­men nach sind wir Deut­schen in drei reli­giö­se "Lager" auf­ge­teilt: 32% katho­li­sche, 34% evan­ge­li­sche (incl. Frei­kir­chen) und der Rest ande­re Mit­glie­der, davon ca. 5% Mus­li­me. Aber was heißt schon "Mit­glied" - laut Umfra­ge sind von den evan­ge­li­schen und katho­li­schen Gläu­bi­gen nur 30% aktiv, d.h. gehen regel­mä­ßig zu Got­tes­dien­sten, ein paar mehr bei den katho­li­schen Chri­sten aber doch wie­der so weni­ge, daß die Pro­zent­zahl kaum nen­nens­wert abweicht.

Es gibt, und das wird durch die rei­nen Pro­zent­zah­len nicht wie­der­ge­spie­gelt, ein Gefäl­le der Ver­tei­lung evan­ge­lisch - katho­lisch von Nord nach Süd. Ursa­che dafür ist der im "Augs­bur­ger Reli­gi­ons­frie­de" 1555 fest­ge­leg­te Grund­satz, der für nahe­zu 300 Für­sten­staa­ten galt: "cui­us regio, eius reli­gio" [frei etwa: Der jewei­li­ge Sou­ve­rän bestimmt die Reli­gi­on sei­ner Untertanen].

Die aktu­el­le Ver­tei­lung - nach der Ver­ei­ni­gung Ost-West - spie­gelt das jahr­zehn­te­lan­ge Bestre­ben der DDR-Regie­rung wider, Reli­gi­on abzu­schaf­fen: Ost= 29% Chri­sten, West= 68% Chri­sten, wobei hier noch kei­ne Aus­sa­ge zu den "tat­säch­li­chen" Ver­hält­nis­sen, also der "geleb­ten" Reli­gi­ons­aus­übung gemacht wird [s.o.].

Erstaun­lich ist aber, daß - obwohl im Osten nur schwach ver­tre­ten - die Kir­chen, und hier beson­ders die evan­ge­li­sche Kir­che, wesent­li­chen Anteil an der Ver­ei­ni­gung hatten.

Im Westen gab es eini­ge Austrittswellen:

•In den 60er Jah­ren vor­wie­gend poli­tisch motiviert,
•In '70-'71 wegen des "Kon­junk­tur­zu­schlags",
•In '73-'74 durch die "Sta­bi­li­täts­ab­ga­be" und schließlich
•seit 1991 wegen des "Soli­da­ri­täts­zu­schlags" zur Einkommen-steuer.

Man sieht also, daß die Aus­tritts­wel­len im wesent­li­chen, von der 60er-Wel­le abge­se­hen, finan­zi­ell moti­viert waren, d.h. die Mit­glie­der lie­fen den Kir­chen weg, da sie durch den Aus­tritt bares Geld spa­ren konn­ten, das ihnen der Staat durch Auf­schlä­ge auf die sowie­so schon hohe Steu­er­be­la­stung zusätz­lich aus den Taschen gezo­gen hat.

Heu­te ist Sonn­tag, der tra­di­tio­nel­le Tag für den Kirch­gang. Und was tun die mei­sten Bun­des­bür­ger? Sie haben "frei", was etwa bedeu­tet, sie gehen sol­chen Beschäf­ti­gun­gen nach, die sie wäh­rend der Woche nicht wahr­neh­men kön­nen - und wer will es ihnen verdenken?

Nach­trag vom 25.04.2004
Inzwi­schen hat sich eine wei­te­re Gefahr für die christ­lich domi­nier­ten Gesell­schaf­ten auf­ge­tan, mit der lan­ge Zeit nicht gerech­net wur­de. Die Ver­tre­ter des Islam - ob mili­tant oder gemä­ßigt - ver­tre­ten die The­se, "die Ungläu­bi­gen" sei­en mit Stumpf und Stil aus­zu­rot­ten - koste es was es wolle!
Stel­len­wei­se wur­de dar­auf schon hin­ge­wie­sen (Bei­spiel hier), jedoch eher zag­haft und ohne Kennt­nis­nah­me durch brei­te Bevölkerungsschichten.

So wie sich unse­re Gesell­schaft all­mäh­lich dar­auf ein­rich­ten muß, wegen der zuneh­men­den Zahl älte­rer Bun­des­bür­ger, Model­le für deren Ein­bin­dung in das gesell­schaft­li­che Leben, ins­be­son­de­re das Arbeits­le­ben, zu ent­wickeln, müs­sen sich die­se "christ­li­chen" Gesell­schaf­ten auch dar­auf ein­rich­ten, dem Herr­schafts- und Allein­stel­lungs­an­spruch des Islam mit ver­nünf­ti­gen Lösungs­mo­del­len für ein "aus­ge­gli­che­nes" Neben­ein­an­der zu begeg­nen. Andern­falls droht uns im eige­nen Land in weni­gen Jah­ren genau das, was sich an soge­nann­ten "Brenn­punk­ten" in der Welt bereits abspielt: Kampf der - reli­gi­ös beding­ten - Welt­an­schau­un­gen solan­ge, bis eine Sei­te obsiegt und bei ihrem Sieg nur ver­brann­te Erde hin­ter­läßt .... sie­he Palä­sti­na, sie­he Irak, etc.

Noch ist die Zahl der kon­ver­tie­ren­den gering, etwa 2%, da ist die Zahl derer, die an Natu­phä­no­me­ne oder Horo­sko­pe glau­ben gut 15fach grö­ßer, das soll uns aber nicht in der - fal­schen - Sicher­heit wie­gen, daß, gera­de wegen der gerin­gen Zahl, die Gefahr, die dar­aus erwächst, gering zu schät­zen sei. Denn zugleich nimmt die Zahl der Ein­ge­bür­ger­ten isla­mi­schen Glau­bens Jahr um Jahr um etwa 1% zu, wobei heu­te eine Basis aus Nicht-Bür­gern und Ein­ge­bür­ger­ten von ins­ge­samt ca. 12% der Bevöl­ke­rung bereits erreicht ist, in eini­gen geo­gra­phi­schen Regio­nen aber weit­aus mehr.

Aus die­sen Zah­len wer­den in den näch­sten Jah­ren Ansprü­che der Betrof­fe­nen resul­tie­ren, die auf eine sich ver­min­dern­de Zahl von christ­lich ori­en­tier­ten Men­schen ein­wir­ken wer­den, von denen zudem noch ein Anteil von ca. 30% an der "Insti­tu­ti­on Kir­che" Inter­es­se hat.

So ergibt sich fol­gen­des Szenario:

  • Sin­ken­de Kennt­nis und sin­ken­des Inter­es­se an christ­lich bestimm­ten Lebens­mo­del­len bei gleichzeitig 
  • stei­gen­dem Inter­es­se an und straff orga­ni­sier­ten isla­mi­schen Lebensmodellen. 

Eine bri­san­te Mischung!