Wer bestimmt wohin die Gesellschaft sich bewegt?
Zum Blog "Digitale Notizen ツ"; Dirk von Gehlen [anstatt eines dort nicht möglichen Kommentares]

Dem *Direc­tor Think Tank* am Süd­deut­sche Zei­tung-Insti­tut, befaßt mit der digi­ta­len Trans­for­ma­ti­on von Kul­tur, Gesell­schaft und Unter­neh­men, zu wider­spre­chen ist eine gewag­te Sache. Klar. Ich habe kei­ne Bücher geschrie­ben, ken­ne mich nicht in der Jugend­kul­tur aus, und es fehlt mir ein jour­na­li­sti­scher Hin­ter­grund. Lau­fen kann ich aller­dings, in mei­ner Jugend kur­ze und mitt­le­re Strecken, aber mit 80 nur noch jen­seits von Wett­kämp­fen ein paar Tau­send Schrit­te, wie emp­foh­len. Zwan­zig Jah­re Feld-, Wald-, und Wie­sen-Blog betrie­ben zu haben, und auf Basis aka­de­mi­scher Abschlüs­se ein erfolg­rei­ches Berufs­le­ben gestal­tet zu haben zählt ja wohl nicht gegen so viel geball­te Kom­pe­tenz aus Mit­ar­beit und Prak­ti­ka in jun­gen Jah­ren als Grund­la­ge für ein Jour­na­lis­mus-Stu­di­um. "Lobe dich selbst - ande­re wer­den es nicht tun!" ist nahe genug an der Wahr­heit und Selbst­ver­trau­en kann nie schaden!? 

Trotz­dem:

Was mich sofort stut­zig wer­den läßt, dann umtreibt, ist, wenn ein Blog mit einem Betrei­ber, der alle sei­ne beruf­li­che Posi­tio­nen, sei­ne Wer­ke und Schrif­ten, und vor allem sei­ne umfas­sen­den Kom­pe­ten­zen in vie­ler­lei Sach- und Fach­ge­bie­ten auf­zählt, in sei­nem Blog kei­ne Kom­men­ta­re zuläßt.

Traut er sich nicht gegen­tei­li­ge Mei­nun­gen oder Fak­ten zu kontern?
Hält er jene, die sei­ne Gedan­ken auf­neh­men und ver­ar­bei­ten für so viel weni­ger gebil­det, so daß sie ihm kei­ne ange­mes­se­nen Dis­kus­si­ons­part­ner sein können?
Hat er schlicht­weg kei­ne Zeit sich mit Alter­na­ti­ven zu befas­sen weil er schon alle über­legt, geprüft, und bis auf weni­ge ver­wor­fen hat?
Ist ihm nicht klar, daß ein Blog davon lebt / leben soll­te mit den Lesen­den ins Gespräch zu kommen?

Wenn dann noch ein smi­ley am Blog­ti­tel ange­hängt ist, der sug­ge­riert: Nicht so Ernst neh­men - ist doch alles cool, easy, chill .... dann ist das der per­fek­te Weg sich bei Miß­ver­ständ­nis­sen ele­gant her­aus zu reden, flockig, mit einem Lächeln, war doch nicht so, son­dern ganz anders gemeint. So las­sen sich bequem und ohne Fol­gen Unver­schämt­hei­ten ein­fü­gen die im Nach­hin­ein pro­blem­los zu rela­ti­vie­ren sind.

Prei­se wer­den ver­lie­hen weil irgend­wann irgend jemand damit ange­fan­gen hat Prei­se zu ver­ge­ben. Sind sie erst ein­mal da erwar­tet die Gesell­schaft eine Fort­set­zung, neue Preis­trä­ger. Wenn die Wahl eng wird und kei­ne Top-Kan­di­da­ten in Sicht sind - dann wird schon mal auf die zwei­te oder drit­te Wahl zurück gegrif­fen aller­dings ohne das bekannt zu machen. Man geht mit der zu ver­lei­hen­den Wür­de stets gleich um. Schwamm drü­ber, es geht wei­ter, die näch­ste Ver­lei­hung kommt ja schon bald.
Zurück bleibt die Fra­ge ob denn eine Preis­ver­lei­hung gleich­be­deu­tend ist mit der Erkennt­nis die Basis dafür sei eine abso­lu­te Annah­me, ein Fak­tum, eine unum­stöß­li­che Gewiß­heit - das übri­gens sehr viel zwin­gen­der in den Gei­stes­wis­sen­schaf­ten, wäh­rend es das Wesen der Natur­wis­sen­schaf­ten ist stets zu zwei­feln und Wider­le­gung des Bekann­ten zu versuchen.

Da haben es die Gei­stes­wis­sen­schaft­ler - die Jour­na­li­sten rech­nen sich denen doch zu? - natür­lich leich­ter ihre Mei­nung als durch brei­ten Kon­sens getra­ge­ne Erkennt­nis zu eta­blie­ren. Wer woll­te wider­spre­chen, wo es doch nicht um Fak­ten geht die man so ein­fach mit ande­ren Fak­ten wider­le­gen kann? Wird also eine The­se auf­ge­stellt und bekannt gemacht, wir­ken nicht nur die beinhal­te­ten Dar­le­gun­gen, son­dern gleich­sin­nig die Repu­ta­ti­on des­sen, der die­se The­sen dar­ge­stellt und ver­öf­fent­licht hat. 

Unser Land lei­det an Selbst­über­hö­hung wo Selbst­kri­tik ange­mes­sen wäre. Es wird mit Gefühl beur­teilt wo Fak­ten als Kri­te­ri­um ange­mes­se­ner wären. Viel wich­ti­ger als etwas zu wis­sen ist die rich­ti­gen Leu­te zu ken­nen .... Sie wis­sen schon, *net­wor­king und so*, eine Hand wäscht die ande­re, tust-du-mir-nichts-tu-ich-dir-nichts .... über Allem schwebt das Regel­werk für Fort­kom­men: Wenn über­haupt Kri­tik, dann nur in Meta­phern verkleidet.

Nun zum Anlaß für all das, was wei­ter oben steht:
"Deutsch­lands bekann­te­ster Teen­ager: Fünf Grün­de war­um die­ses Land mehr Zahi­de braucht"
Was Deutsch­land zuerst braucht ist der Erhalt der Spra­che, die als umfas­sen­de Gemein­sam­keit die Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft des Den­kens und Han­delns bestimmt.

Es ist völ­lig unver­ständ­lich, wenn Män­gel in der Aus­drucks­wei­se, der Sinn­erfas­sung, und dem Regle­ment der Spra­che zu einer "Jugend­ver­si­on der Zukunft" hoch­sti­li­siert wer­den anstatt sie als unzu­rei­chen­de Fähig­keit sich kor­rekt aus­zu­drücken anzu­pran­gern, Herr von Gehlen!

RAP ist Aus­druck von Roh­heit, der Unfä­hig­keit erlit­te­ne oder gefühl­te Ernied­ri­gung ange­mes­sen zu ver­ar­bei­ten weil aus der eige­nen Sozia­li­sa­ti­on kei­ne Mecha­nis­men dafür zur Ver­fü­gung sind - archai­sche Struk­tu­ren eben. Ver­ach­tung von Wer­ten die eine Gesell­schaft zusam­men hal­ten, ein Instru­ment Unver­schämt­hei­ten unge­straft los­zu­wer­den, ja sogar geset­zes­wid­ri­ge Nei­gun­gen als *Kunst* ver­klei­det im *main­stream* unter­zu­brin­gen, sie so zu baga­tel­li­sie­ren und schlei­chend das Koor­di­na­ten­kreuz des Selbst­ver­ständ­nis­ses der Gesell­schaft ins Nega­ti­ve zu verschieben.

14 Jah­re, Sän­ge­rin Sing-Sang-Spre­che­rin und Tän­ze­rin - das reicht?

Da fällt mir doch sofort die Fabel von Amei­se und Gril­le ein:
Wenn der her­an­wach­sen­den Jugend kri­tik­los sol­che Bei­spie­le, Wer­te (?) als Grund­la­ge für eine erstre­bens­wer­te per­sön­lich Zukunft vor­ge­gau­kelt wer­den - wie soll dann jemals die Kul­tur von Arbeit und Frei­zeit her­ge­stellt wer­den die vor­mals den Erfolg des Lan­des als Grund­la­ge ermöglichte?
Irgend­wie anein­an­der gereih­te Tex­te ohne viel Sinn und Her­um­ge­hüp­fe solo oder als Grup­pe, das als *Tanz* benannt wird, als Ersatz für Anstren­gung zu ler­nen, sich zu bewäh­ren und die Zukunft ver­ant­wor­tungs­voll zu gestal­ten? Reicht es denn tat­säch­lich ein Idol zu wer­den wenn man lan­ge Haa­re und Reste von Baby­speck hat .... oh, wie nied­lich, und noch ein Plüsch­tier dabei!?

Vor ein paar Jah­ren hät­te ich noch behaup­tet das wäre wohl eine vor­über­ge­hen­de Erschei­nung, Puber­tät und so, aber nach­dem ich die­se unan­ge­mes­se­nen Lob­prei­sun­gen vom *Direc­tor Think Tank* am Süd­deut­sche Zei­tung-Insti­tut lesen muß­te kom­men mir da hef­ti­ge Zweifel .... 

Bit­te, Herr von Geh­len, erklä­ren Sie mir wie auf die­ser schma­len Basis eine gesell­schaft­li­che Sta­bi­li­tät erreicht und auf­recht erhal­ten wer­den kann, aus was wer­den Wer­te geschöpft, die die Gesell­schaft mit allem ver­sor­gen was zum Über­le­ben gebraucht wird. Hal­ten Sie die Rap­per für die prä­de­sti­nier­ten Gestal­ter der Zukunft?

Kommentare

  1. Hey Wolf­gang, hier ver­mis­se ich aber eine gewis­se Alters­mil­de! :-) Ist doch klar, dass unser­ei­ner Musik­ge­schmack und Aus­drucks­wei­sen einer 14-Jäh­ri­gen und ihrer Fans nicht tei­len kann! Ich hab mir das Video ange­se­hen, den Geh­len-Post gele­sen, mir den Text anzei­gen lassen:
    https://www.musixmatch.com/de/songtext/ZAH1DE/Mona-Lisa-Motion-Einmal-um-die-Welt
    und dann noch eine aus­führ­li­che Rezen­si­on von Uni­ver­sal gelesen:
    https://www.universal-music.de/zah1de/news/zah1de-veroeffentlicht-neuen-song-mona-lisa-motion-einmal-um-die-welt-275629
    Lesens­wert, denn da wer­den ihre Tex­te / ihr Auf­tre­ten in die Musik­ge­schich­te des deut­schen Raps ein­ge­ord­net - etwas, das ich nor­mal nicht ver­fol­ge, du?

    Ins­ge­samt mag ich dei­ner Kri­tik nicht fol­gen. Dei­ne Beschrei­bung zu Rap trifft auf Zahi­de nun wirk­lich nicht zu, die gera­de­zu aus Aus­bund jugend­li­cher Fröh­lich­keit wirkt! (völ­lig anders als alls "angry young man-Songs und der gan­ze Gangster-Rap).
    Dass sie "Baby­speck" zeigt, ist GUT, damit ist sie näm­lich ein Role-Model für Puber­tie­ren­de, die mit ihrem Kör­per hadern, der für vie­le immer nicht dünn genug ist!
    "wie soll dann jemals die Kul­tur von Arbeit und Frei­zeit her­ge­stellt wer­den die vor­mals den Erfolg des Lan­des als Grund­la­ge ermöglichte?"

    Da mahnst du Wer­te und Hal­tun­gen an, die mir mit 14 (=1968! Ich war Fan der Hip­pie-Kul­tur) gepflegt am A.. vor­bei gegan­gen sind! :-)

    Übri­gens ver­mis­se ich hier die Mög­lich­keit, Quel­len zu ver­lin­ken, ohne die URL abbil­den zu müs­sen - die Abwe­sen­heit einer Kom­men­tar­funk­ti­on bei von Geh­len ist aller­dings schlimmer!

    1. Son­der­bar, daß sich die Argu­men­te in Gene­ra­tio­nen­wel­len wiederholen:
      Was ich (1958) hör­te war schlimm­sten­falls "Dschun­gel­mu­sik", oder etwas mil­der "Ame­ri­ka­ni­sche Schreie­rei". Das, obwohl die Tex­te durch­aus sinn­voll / stim­mungs­voll / all­tags­be­zo­gen waren! 

      Im Unter­schied zu heu­te waren Tex­te gram­ma­ti­ka­lisch *nor­mal*, Wor­te *ver­ständ­lich aus­ge­drückt* und von der Sprach­ebe­ne her *all­tags­be­zo­gen*. Man konn­te ohne Inter­pre­ta­ti­on durch Spe­zi­al­dien­ste ver­ste­hen um was es ging.

      Ich neh­me hier eine all­ge­mei­ne Betrach­tung der Ver­hält­nis­se vor, bezo­gen auf den Text der ver­link­ten Sei­ten [die von finan­zi­ell dadurch unter­hal­te­nen Quel­len stam­men]. Hier wird eine Sub­kul­tur gedank­lich, argu­men­ta­tiv gestützt, *kre­iert*. Das total Unwich­ti­ge zu etwas Beson­de­rem erklärt und dadurch erst exi­stent gemacht und gehalten 

      Im Ein­zel­nen:
      Ange­fan­gen hat alles als Tän­ze­rin der Kreuz­ber­ger Tanz­crew Luna­tix unter der Obhut ihres Tanz­leh­rers Ser­dar Bogatekin

      Dies "als Tän­ze­rin" hal­te ich für eine sehr über­trie­be­ne For­mu­lie­rung weil hier Hüp­fe­rei nach Rhyth­mus zum "Tanz" erklärt wird - frü­her war das Teil des Sport­un­ter­richts und hieß "Grup­pen­gym­na­stik".

      Ohne Musik gibt es kei­nen Tanz und ohne Tanz kei­ne Musik, das ist auch Zahi­de und ihrer Crew klar. Dazu kam ihre Lie­be zur Musik, ins­be­son­de­re zu Rap, die sie von klein auf präg­te und es war schnell klar, dass sie sich auch ein­mal musi­ka­lisch aus­pro­bie­ren möchte.

      und ihrer Crew

      Was das Mäd­chen von klein auf präg­te war also ein Kau­der­welsch, eine Sprachverhunzung.
      Genau das habe ich im Arti­kel angesprochen:
      Wer nicht genug Sprach­ver­ständ­nis hat muß in *ver­ein­fach­ter Spra­che* spre­chen und ver­steht kei­ne kom­ple­xen Sät­ze, geschwei­ge denn deren Inhalt.
      Es ist also Musik für ein Grup­pe die der Spra­che nicht mäch­tig ist, und der man ent­ge­gen kommt indem ihre Unfä­hig­keit und Lern­un­wil­lig­keit akzep­tiert, ja gera­de­zu als *nor­mal* darstellt.

      Noch plat­ter gesagt:
      Die Faul­heit und Dumm­heit - die das Erler­nen der Spra­che ver­hin­dert - wird nor­ma­li­siert und so akzeptiert.

      Arbeit­ge­ber kön­nen mit sol­chen Per­so­nen nichts anfan­gen, wes­we­gen die­se auf *Stüt­ze* ange­wie­sen sind. Das schränkt ihre Fähig­kei­ten der Teil­nah­me am nor­ma­len Leben ein und sie suchen nach Kom­pen­sa­ti­ons­mög­lich­kei­ten - und was ist da ein­fa­cher als ein paar krum­me Sachen abzuziehen .... 

      Daß ein Cro und ein Haft­be­fehl (hält das jemand für einen ange­mes­se­nen Künst­ler­na­men?) irgend­wann immer häu­fi­ger in Inter­views posi­tiv über­ein­an­der spra­chen und schließ­lich sogar einen Song mit­ein­an­der mach­ten, war damals revolutionär.
      Nor­mal ist doch, wenn Men­schen gesit­tet mit­ein­an­der umge­hen. Wie­so wird es dann hier her­aus­ge­ho­ben dar­ge­stellt als ob es eine lobens­wer­te Beson­der­heit sei? Im Umkehr­schluß bedeu­tet das doch eine Ver­ro­hung der Gesell­schaft in der das *über ande­re her­zie­hen* als akzep­ta­bel ange­se­hen wird.

      jetzt ver­eint Zahi­de drei Wel­ten auf ein­mal und eröff­net einer jun­gen Gene­ra­ti­on die Welt zu Songs, die einst vor­he­ri­ge Gene­ra­tio­nen maß­geb­lich geprägt haben.
      Ist es plötz­lich die Auf­ga­be von Song­schrei­be­rin­nen / deren Crews in die Erzie­hung der jün­ge­ren Gene­ra­tio­nen ein­zu­wir­ken? Ist es wün­schens­wert, ist es sinn­voll, ist es vom Inhalt her das, was die Eltern und die son­sti­ge Umge­bung darstellt?

      PG-13
      Ich habe hef­ti­ge Zwei­fel, daß die­se Betrach­tung mit dem Inhalt "drei Wel­ten" selbst von denen ver­stan­den wird die alters­mä­ßig dazu gehö­ren oder dar­über ste­hen - es ist eine Betrach­tung die einen län­ge­ren Zeit­rah­men umfaßt, und so etwas kön­nen nur Per­so­nen ein­füh­ren die einen sehr viel umfang­rei­che­ren Zeit­raum über­schau­en als das hier ins Visier genom­me­ne Publikum.

      Das *drei Wel­ten* umfas­sen und *PG-13* sind arti­fi­zi­el­le Annah­men die eine Grup­pe über denn Kamm schert die inho­mo­gen ist und damit kann nur nähe­rungs­wei­se adäquat gehan­delt werden.

      Vor­he­ri­ger Text zur Ergän­zung belassen
      Moin Claudia,
      ich war 1968 mit 23 Ober­fähn­rich / Kom­pa­nie­of­fi­zier, und hat­te unge­fähr 60 Sol­da­ten zu füh­ren .... durch einen der Mann­schaf­ten (der eine Kiste mit über 200 Sin­gles in vier Rei­hen besaß) lern­te ich Musik aus der Zeit ken­nen die ich anson­sten nie gehört hätte.
      Da war ich schon ein wenig 'erwach­sen', aber du hast mit Recht ver­mu­tet, daß ich mit 14 [1959] anders gedacht habe als 1968 - und die Musik war bestimmt von "Stair­way to the Sea" und "Sugar-Sugar-Baby" ....


      FAZIT
      Es fin­det eine schlei­chen­de Beein­flus­sung statt die anson­sten gesell­schaft­li­che Abwei­sung sank­tio­nier­te und verriß.
      Schlech­tes Beneh­men, Miß­ach­tung von Anders­den­ken­den und sozia­le Unter­schie­de wer­den instrumentalisiert.
      Die META Ebe­ne des Gesche­hens in den (a)sozialen Medi­en, der Jugend­sub­kul­tur wer­den nicht als Gefahr gese­hen und wenn, dann wird ihr Ein­fluß blau­äu­gig unterschätzt.
      Ein Teil der gesell­schaft­li­chen Trenn­li­ni­en sind genau die­sem Fak­tum zuzu­rech­nen. Mit Herrn von Geh­len sind an die­ser Ent­wick­lung die Medi­en ins­ge­samt betei­ligt - die Feig­heit dem Ver­fall etwas ent­ge­gen zu set­zen ist empö­rend, genau so wie die Nei­gung im Sumpf der Gesell­schaft zu wüh­len und die Erkennt­nis­se als all­ge­mein­gül­tig zu beschrei­ben.
       

       

      *update* (23−12−2025)
      Noch­mal ganz knapp - ist mir ein­ge­fal­len als ich noch­mal durch­ge­le­sen habe:
      Bei die­sem The­ma wan­delt sich bei mir die AltersMILDE in AltersSTARRSINN ....

  2. Mit einer Mischung aus Erstau­nen und lei­ser Erhei­te­rung stel­le ich fest, dass das Ab- und Bewer­ten von Musik sich wie ein roter Faden durch mein Leben zieht. Deut­sche Schla­ger waren für mich lan­ge ein rotes Tuch. Spä­ter rück­ten Tech­no und Rap an die­se Stel­le. Heu­te blicke ich auf sol­che kul­tu­rel­len Ent­wick­lun­gen gelas­se­ner. Man­chem Tech­no- oder Rap-Stück kann ich durch­aus etwas abge­win­nen. Ob das nun am Alter liegt, wage ich zu bezwei­feln – viel­leicht eher dar­an, dass ich man­che alten Schla­ger inzwi­schen mit­sin­ge, als hät­te es in mei­ner Jugend nie eine Aver­si­on gegeben.

    Gera­de Rap ver­bin­de ich – ver­mut­lich zu pau­schal und sicher nicht frei von Unkennt­nis – oft mit Tex­ten, die ich als unwür­dig emp­fin­de: abwer­tend, pro­vo­kant, nicht sel­ten auf Kosten von Frau­en oder Min­der­hei­ten. Die sprach­li­che Ver­ro­hung, die damit manch­mal ein­her­geht, ver­stärkt die­sen Ein­druck. Umso irri­tie­ren­der war für mich eine ganz ande­re Erfah­rung: Erst kürz­lich habe ich in mei­nen Spo­ti­fy-Play­lists KI-gene­rier­te „Musik“ ent­deckt – und das auch nur durch geziel­te Nach­re­cher­che. Die­se Musik hat mir gefal­len. Das hat mich über­rascht und, ehr­lich gesagt, auch getrof­fen. Viel­leicht ist das auf einer ande­ren Ebe­ne beun­ru­hi­gen­der als jede sprach­li­che Entgleisung.

    Wie auch immer: Es war eine span­nen­de Dis­kus­si­on mit vie­len inter­es­san­ten Per­spek­ti­ven und Aspek­ten, die zum Nach­den­ken anregen.

    Schö­ne Weih­nach­ten und alles Gute für das neue Jahr.

    1. [Für mei­ne Ant­wort muß ich etwas aus­ho­len. Kom­me aller­dings spä­ter doch noch auf den Punkt]

      Scha­de, daß die Dis­kus­sio­nen nicht umfang­rei­cher sind, so wie vor 15, 20 Jah­ren als das Blog­gen noch neu war. 

      [Gera­de die Blog­gen­den die hier lesen und schrei­ben ein­mal ausgenommen!]

      Manch­mal, wenn ich auf 'alte' Arti­kel sto­ße weil irgend­wer sie über eine Suche ange­klickt hat, fin­de ich sei­ten­wei­se Kom­men­ta­re von unter­schied­li­chen Lesen­den - meist sehr gesit­tet, lei­der auch oft in die Gos­se abrut­schend. Ich erin­ne­re wie damals vie­le Stö­ren­frie­de (erstaun­lich vie­le Frau­en dar­un­ter) nach und nach von der Bild­flä­che ver­schwun­den sind. Das lag - auch - an der Sprach­ebe­ne und der Art der Argu­men­ta­ti­on ohne Fak­ten, ein Zustand der sich nach dem Auf­schwung der *aso­zia­len* Platt­for­men zurück­bil­de­te, weil neue Kampf­are­nen zur Ver­fü­gung stan­den die weni­ger Auf­wand erforderten.

      Was ich damit anspre­chen will ist die Spra­che, die wäh­rend die­ser gesam­ten Jah­re seit ca. 1990 immer mehr ver­ein­facht gespro­chen und geschrie­ben wird, nicht zuletzt von denen, die sie als zwei­te (oder gar drit­te oder mehr) Fremd­spra­che zu nut­zen gezwun­gen sind und nicht die Kapa­zi­tät haben die erfor­der­li­chen Regeln zu beach­ten. Her­aus kommt dann oft das Gebrab­bel das in man­chen Musik­strö­mun­gen gar noch bewun­dernd als Aus­druck einer geän­der­ten Jugend­kul­tur gefei­ert wird - geför­dert von Unter­neh­men, die aus den Frei­zeit- und Musik-Gewohn­hei­ten die­ser Alters­grup­pen Kapi­tal schlagen.

      Ich den­ke da immer gleich an "Geh isch Aldi!" so als Leit­idee der Sprach­ver­ein­fa­chung (!) für Minderbemittelte.
      Es geht zwar von der Musik aus, der wah­re Knack­punkt ist jedoch die dahin­ter ste­hen­de *Sze­ne* mit einem Den­ken (und Han­deln) das geeig­net ist die Kul­tur hier­zu­lan­de zu zerstören.

      Men­schen die die Spra­che nicht beherr­schen wer­den die Kul­tur unse­res Lan­des bestimmt nicht berei­chern, wenn es die vori­ge Frau Kul­tur­staats­mi­ni­ste­rin, ehe­mals Bun­des­em­pö­rungs­be­auf­trag­te Roth, noch so hef­tig & oft behaup­tet. Das ist mei­ne Sor­ge, der Grund war­um ich für eine viel umfang­rei­che­re Unter­rich­tung der Ein­wan­dern­den und der Ein­ge­wan­der­ten plä­die­re. Das dort feh­len­de Geld ist letzt­lich aus mei­ner Sicht ein Grund dafür, daß brei­te Bevöl­ke­rungs­tei­le sich ent­frem­det füh­len und den Rechts­ra­di­ka­len zulau­fen. Feh­len­de Sprach­fer­tig­keit führt zu feh­len­dem Inte­gra­ti­ons­grad und der wie­der­um zu abwei­chen­dem Ver­hal­ten. Bei Ent­täu­schen der Visi­on vom hie­si­gen Wun­der­land zu aggres­si­vem Ver­hal­ten, das sich in Extre­men Aus­gleich sucht ....

      Da ich den jün­ge­ren Musik­for­men (spä­te­stens seit Tech­no) nichts abge­win­nen kann und eher ein Hörer von Chan­sons und Klas­sik bin, mit weni­gen Aus­nah­men wie (bei­spiels­wei­se) Elton John, Earth & Fire, Mike Old­field, Janis Jop­lin, Amy Wine­hou­se etc., habe ich kei­ne ver­tief­ten Kennt­nis­se über RAP, außer dem wor­über ich zufäl­li­ger­wei­se stolpere.
      Das Weni­ge reicht mir um genau die Inhal­te zu bemän­geln die Sie ange­spro­chen haben. Plus die Gefahr für Gewöh­nung an der­ar­ti­ge Abar­tig­kei­ten von Bezie­hung wie sie dort gepre­digt werden.

      Das Gehüp­fe eines 14-jäh­ri­gen Kin­des wird als *Tanz* bezeich­net, ihre gebro­che­ne Spra­che als Vor­bild für Alters­ge­nos­sen, geför­dert und gehypt durch kom­mer­zi­el­le Inter­es­sen einer Musik­ver­mark­tungs­ge­sell­schaft. Ihre *Anders­ar­tig­keit* ist alters­be­dingt, ihr Inhalts­ge­men­ge alters­an­ge­mes­sen wenn man groß­zü­gig denkt, doch dar­aus ein *Vor­bild* zu kon­stru­ie­ren hal­te ich für zu weit gegriffen.

      Sie schrie­ben: "..Erst kürz­lich habe ich in mei­nen Spo­ti­fy-Play­lists KI-gene­rier­te „Musik“ ent­deckt – und das auch nur durch geziel­te Nach­re­cher­che. Die­se Musik hat mir gefal­len .." Das macht mich neu­gie­rig, hät­ten Sie ein Bei­spiel dafür? 

      Jeden­falls:
      Ihnen und ihrer Frau eben­so gute Wün­sche für ein paar geruh­sa­me Fest­ta­ge und ein fro­hes neu­es Jahr!

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