".. Ist ein demokratischer Beschluss zur Durchsetzung der Struktur vonnöten, so wird die Alternativlosigkeit betont .." Falls nun der Fall eintritt - und den sehe ich hier gegeben - daß es in der Tat keine Alternative gibt, so ist der Sonderfall das Zusammentreffen von theoretischer Basis der Überlegung mit praktischer Notwendigkeit vorhanden.
Aha!
Um was geht es denn eigentlich hier?
Es geht um das Wiederaufleben der Wehrpflicht, weil ich kürzlich folgende Titelzeile zu einer Erörterung las:


Wie sich herausstellt war die Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht schon zur Zeit des dafür notwendigen Beschlusses ein Fehler. Der allgemeine *Erziehungsfaktor* zur staatsbürgerlichen Verantwortung der Generationen wurde durch ein *laissez-faire*-System ersetzt. Der Beliebigkeit des Staatsverständnisses, ja des Demokratieverständnisses wurde abrupt Tür und Tor geöffnet.
Wo früher der Zusammenhang zwischen Rechten und Pflichten dem Staatswesen gegenüber, durch Inanspruchnahme durch den Wehrdienst, hergestellt waren, brach nun gähnende Leere auf:
Demokratie ohne - aktive - Beteiligung der Bürger ist schwach, der Abstand zwischen zwei wesentlichen Pfeilern des Staatswesens, nämlich theoretischem und praktischem Interesse geht ins Unendliche und ist damit unüberbrückbar.
Es geht also nicht um das WOLLEN,
sondern Erfüllung einer (bitteren) NOTWENDIGKEIT
wenn das Staatswesen
und bürgerliche Freiheiten erhalten bleiben sollen!

Nicht zu vergessen auch die Tatsache, daß so mancher dreckige, pöbelnde und unhöfliche Jungmann durch das Milität zu einem umgänglichen, gepflegten und ordentlichen Menschen gemacht wurde.

... und zu einem versoffenen, muss ich, so leid es mir selbst tut, hinzufügen.
Moin Ingrid,
ich vermute das soll sich auf die Einflußnahme beziehen die das Militär (in Form der Grundausbildung) auf noch unbotmäßige Jungmänner in negativer Weise ausüben kann?
[Das 'kann' steht für die völlig verlorenen Seelen, denen mit keiner Macht der Welt zu helfen ist wenn sie der Sucht verfallen].
PS
Solche fälle habe ich erlebt - und aus meiner Erfahrung sind es jene, die auch ohne Militärdienst abhängig geworden wären .... es handelt sich möglicherweise aber um eine Verstärkung und dadurch Verkürzung der Phase des Alkoholismus bis zur physischen Abhängigkeit.
Mich wundert dieser Blogpost! Ich bin uralt genug, um mich gut an die Zeiten der Wehrpflicht zu erinnern: Es war eine leidige Pflicht, der man gerne entkommen wollte: Durch Zivildienst oder Umzug nach Berlin. Und jene, die Wehrdienst leisteten, machten es, weil der kürzer war als Zivildienst, nicht aufgrund toller Motive wie "Demokratie durch Dienst an der Waffe stützen" oder dergleichen!
Mein Kommentar hier ist dann noch so lang geworden, dass ich mich entschieden habe, dazu lieber einen eigenen Blogpost zu verfassen, ein "Reaktionspost" sozusagen. Wenn du magst:
Wieder Wehrpflicht: Brauchen wir die wirklich?
https://www.claudia-klinger.de/digidiary/2025/03/22/wieder-wehrpflicht-brauchen-wir-die-wirklich/
@ Frau Klinger / Claudia
{Duplikat von → dort}
1. " .. Es war eine leidige Pflicht, der man gerne entkommen wollte: Durch Zivildienst oder Umzug nach Berlin. Und jene, die Wehrdienst leisteten, machten es, weil der kürzer war als Zivildienst, nicht aufgrund toller Motive wie „Demokratie durch Dienst an der Waffe stützen“ oder dergleichen! .."
Für einen Teil der zwangsweise eingezogenen Männer war es bestimmt so wie beschrieben. Ich hätte selbst gern sofort nach dem Abitur angefangen zu studieren - und wer läßt sich schon gern etwas befehlen? Ist es nicht der Erfahrung nach so, daß es immer wieder andere Hindernisse gibt?
Am Tag des Diensteintritts wurde ich von einem Unteroffizier empfangen der sah sich meinen Bart und meine Haare an und fragte "Haben Sie einen Rasierapparat mit?" Ich bejahte und es fuhr fort "Dann benutzen Sie den gleich mal und rasieren den Bart komplett ab! Danach melden Sie sich beim Kompaniefeldwebel und lassen sich auf die Frisör-Liste setzen!"
2. ".. Der Wehrdienst wurde als Zeit sinnlosen Herumhängens in Kasernen erlebt, wenn die Zeit der drastischen (und viele körperlich überfordernden) Grundausbildung vorbei war .."
Das habe ich anders erlebt, beobachtet und als Kompanieoffizier eingerichtet. Mit etwas Engagement und Einfallsreichtum konnte Vieles organisiert werden - wenn man es wollte! Da muß ich zugeben viele weniger motivierte Dienstgrade erlebt zu haben - bilanzierend allerdings hat sich das im Lauf der Jahre von '67 bis '99 graduell verbessert.
Für Viele war es die erste Zeit die sie alleine an einem anderen Ort wohnten, neue Erfahrungen sammeln, und neue Leute kennen lernen konnten. Nicht wenige nutzten die Gelegenheit nebenbei während des Wehrdienstes das Ausbildungsangebot wahrzunehmen und sich so für spätere, zivile Beschäftigung im öffentlichen Dienst zu positionieren.
Ich kenne zwei Fälle in denen die Prüfung zum Fahrlehrer während der Dienstzeit zur freiberuflichen Tätigkeit führte.
3. ".. Zum freiwilligen Dienst können auch Ältere gewonnen werden und seit 2001 stehen auch Frauen alle Laufbahnen einschließlich der Kampftruppen offen .."
Wenn die körperliche Verfassung es erlaubt sollte keine Grenze beim Alter gesetzt werden. Was den Dienst von Frauen angeht könnte man die Bedingungen angleichen an die, die bereits bestehen und wie sie in anderen Ländern gehandhabt werden. Auch freiwilligem Dienst sollten da Grenzen gesetzt werden, da Übereifer schwere gesundheitliche Folgen haben könnte - auch bei Männern übrigens!"
Verantwortungsvolle Vorgesetzte werden das erkennen und entsprechende Entscheidungen mit den Betroffenen besprechen / bzw.treffen, wenn sie es für die bessere Lösung halten. Leistungsunterschiede und -grenzen werden von Militärärzten begutachtet, das ist sinnvoll und angemessen.
4. ".. warum eigentlich nicht von den USA lernen? Über den den Wehrdienst zur Staatsbürgerschaft .."
Das ist aus meiner Sicht keine gute Idee, denn das Ziel wird verbissen verfolgt, selbst wenn sich herausstellen sollte, daß es die Person überfordert oder aus anderen Gründen nicht sinnvoll erscheint.
5. ".. Ich glaube nicht an die Wiedereinführung der Wehrpflicht .."
Faktisch wurde die Wehrpflicht nie abgeschafft, nur ausgesetzt.
Dennoch ist es eine gute Idee die in Frage kommenden Jahrgänge per Mail anzusprechen .... aber wird das ausreichen? Da kommt es auf die Bedingungen an .... und es bleibt immer noch die Option das zu ändern wenn die Notwendigkeit eintreten sollte.