Gestern hatte ich zum Werteverfall Stellung genommen und dazu eine gesellschaftliche Facette - die Kirchen - in den Mittelpunkt meiner Betrachtungen gestellt. Lassen Sie mich da anknüpfen: Wenn Menschen keinen Sinn in ihrem Leben sehen haben sie zwei Möglichkeiten: Auf Suche gehen um einen Sinn zu finden, z.B. in Religion - oder in "Kult", der ihnen rät ihr Leben vorzeitig abzuschliessen weil sie sicher sein können, Möglichkeit eins werde zu nichts führen.
Eine große Zahl scheint den letzteren Weg gehen zu wollen, wie eine Zeitungsnotiz vor einigen Tagen belegt [Kannibalismus].
Da ist ein Mensch (?) angeklagt, einen anderen Menschen (?) mit dessen Einwilligung getötet und dann aufgegessen zu haben, na ja, vielleicht nicht ganz aber doch große Teile.
Warum ich das hier bespreche? Wie schlimm muß für das "Opfer" sein Leben ausgesehen haben, um einem solchen Ende zuzustimmen? Wo sind Familie, Nachbarn, Arbeitskollegen gewesen, als es diesem Menschen so schlecht ging? Konnte das wirklich keiner sehen? Oder ist es vielleicht so, daß die meisten Bürger wegsehen, denn sich "kümmern" bedeutet Aufwand, Mitgefühl und möglicherweise auch Einsatz von Zeit und Geld.
Ich höre schon die verschiedenen Meinungen aus den vorherrschenden Denkrichtungen [Auswahl!]:
- liberal: Das muß doch jeder selbst bestimmen, laßt jeden selbst entscheiden ....
- links: Das ist das Ergebnis kapitalistischer Machenschaften, die, um Geld zu verdienen den Menschen in Film, Funk und Fernsehen solche Irrwege vorspielen und dadurch greifbar machen ....
-rechts: Das ist das Ergebnis sozialistischer Gleichmacherei, der Einzelne ist nichts mehr wert, nur das Kollektiv zählt ....
und so weiter!
Zynisch gedacht verschmelzen beide eingangs genannten Möglichkeiten - Religion oder Kult - dann doch wieder zu nur einer Variante. Wir müssen alle sterben, wir haben alle Angst davor, na ja, fast alle, und neigen gerade deshalb manchmal zu absurden Entscheidungen. Angeblich sollen sich insgesamt 204 Personen bereitgefunden haben, sich töten und aufessen zu lassen [siehe wieder: Kannibalismus]. Kümmert sich jedenfalls jetzt jemand darum, diese verirrten Seelen einer Therapie zuzuführen?
Um es klar auszudrücken:
Ich lehne solche idiotischen Verhaltensweisen ab.
Was bleibt ist aber ein Gefühl von Traurigkeit, daß wir so weit gekommen sind - und daß kein Aufschrei durch das Land geht, der dem Ausdruck verschafft.
Genauso schlimm finde ich es, was sich in letzter Zeit für Touristen als zunehmende Gefahr auftut: Ein paar Steine als Erinnerung mit nach Hause nehmen. Doch dazu morgen unter der Überschrift "Bemerkungen über Touristen".