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bookmark_borderStil und Form ....

schei­nen all­mäh­lich ver­lo­ren zu gehen. Heu­te war­te­te ich in einer Apo­the­ke. Ein Ver­tre­ter - für Pin­zet­ten, Sche­ren und Nagel­fei­len, wie ich spä­ter erken­nen konn­te - kam her­ein, drän­gel­te sich nach vorn und begehr­te lautstark:
"Ich will die Frau Apo­the­ke­rin sprechen!"
Die Frau Apo­the­ke­rin ant­wor­te­te aus dem Hin­ter­grund der Apotheke:
"Heu­te kei­ne Ver­tre­ter mehr!"
Der unge­dul­di­ge, unge­ho­bel­te Ver­tre­ter war nicht zu brem­sen, ließ eine Lita­nei ab, war­um es gut sei ihn doch zu emp­fan­gen. Schließ­lich ließ sich die Apo­the­ke­rin breit­schla­gen, sprach mit dem Mann.
Er hat­te einen Anzug mit unzäh­li­gen Fal­ten und Knicken an, der aus­sah, als ob er dar­in geschla­fen hät­te. Allei­ne das Sak­ko war eini­ger­ma­ßen glatt.
Als sich die Trau­be von Kun­den vor mir auf­lö­ste konn­te ich einen Blick auf die Schu­he des Man­nes wer­fen. Hin­ten offe­ne Lat­schen, und ich dach­te, ich könn­te mei­nen Augen nicht trau­en: Nicht nur offe­ne Schu­he zum Anzug mit Kra­wat­te, nein, auch barfüßig!

Ich wäre jetzt sehr neu­gie­rig zu erfah­ren, ob denn die Vor­ge­setz­ten die­ses Ver­tre­ters von der "ele­gan­ten Erschei­nung" und dem "prä­gen­den Ein­druck", den ihr Mit­ar­bei­ter macht, wissen ....

Nun ist mir klar, war­um neu­er­dings "Benimm-Unter­richt" bei Unter­neh­men so hoch im Kurs stehen!

bookmark_borderWeg mit der Arbeitslosenversicherung!

Es wer­den allent­hal­ben Model­le gesucht, wie man die Arbeits­ver­wal­tung los wird und Kosten der Betrie­be senkt. Dazu gab es bei "plus­mi­nus" [ARD] einen inter­es­san­ten Lösungs­vor­schlag - und ich muß zuge­ben: Ver­blüf­fend ein­fach! Über­zeu­gend auch die The­se " .. "Wer Arbeits­lo­sig­keit pro­du­ziert, wird bestraft" .. ". nach der ein Arbeit­ge­ber - anders als heu­te - mehr Geld spart wenn er Mit­ar­bei­ter behält anstatt sie zu entlassen ....

bookmark_borderA lady ....

in a faded ging­ham dress and her hus­band, dres­sed in a homespun thre­ad­ba­re suit, step­ped off the train in Bos­ton, and wal­ked timid­ly wit­hout an appoint­ment into the Har­vard Uni­ver­si­ty President's outer office.

The secre­ta­ry could tell in a moment that such back­woods, coun­try hicks had no busi­ness at Har­vard and pro­ba­b­ly didn't even deser­ve to be in Cambridge.

"We want to see the pre­si­dent," the man said soft­ly. "He'll be busy all day," the secre­ta­ry snap­ped. "We'll wait," the lady replied.

For hours the secre­ta­ry igno­red them, hoping that the cou­ple would final­ly beco­me dis­cou­ra­ged and go away. They didn't and the secre­ta­ry grew fru­stra­ted and final­ly deci­ded to disturb the pre­si­dent, even though it was a cho­re she always reg­ret­ted. "May­be if you see them for a few minu­tes, they'll lea­ve," she said to him!

He sig­hed in exas­pe­ra­ti­on and nod­ded. Someone of his importance obvious­ly didn't have the time to spend with them, but he dete­sted ging­ham dres­ses and homespun suits clut­te­ring up his outer office. The pre­si­dent, stern faced and with dignity, strut­ted toward the couple.

The lady told him, "We had a son who atten­ded Har­vard for one year. He loved Har­vard. He was hap­py here. But about a year ago, he was acci­den­tal­ly kil­led. My hus­band and I would like to erect a memo­ri­al to him, some­whe­re on campus."

The pre­si­dent wasn't touch­ed.... He was shocked. "Madam," he said, gruf­fly, "we can't put up a sta­tue for every per­son who atten­ded Har­vard and died. If we did, this place would look like a cemetery."

"Oh, no," the lady explai­ned quick­ly. "We don't want to erect a sta­tue. We thought we would like to give a buil­ding to Har­vard." The pre­si­dent rol­led his eyes. He glan­ced at the ging­ham dress and homespun suit, then exclai­med, "A buil­ding! Do you have any earth­ly idea how much a buil­ding costs? We have over seven and a half mil­li­on dol­lars in the phy­si­cal buil­dings here at Harvard."

For a moment the lady was silent. The pre­si­dent was plea­sed. May­be he could get rid of them now. The lady tur­ned to her hus­band and said quiet­ly, "Is that all it costs to start a uni­ver­si­ty? Why don't we just start our own?" Her hus­band nod­ded. The president's face wil­ted in con­fu­si­on and bewilderment.

Mr. and Mrs. Leland Stan­ford got up and wal­ked away, tra­ve­ling to Palo Alto, Cali­for­nia whe­re they estab­lished the uni­ver­si­ty that bears their name, Stan­ford Uni­ver­si­ty, a memo­ri­al to a son that Har­vard no lon­ger cared about.

You can easi­ly judge the cha­rac­ter of others by how they tre­at tho­se who they think can do not­hing for them.

[cre­dits: Mal­colm For­bes via John G.]

bookmark_borderHaftpflichtversicherung ....

soll ja die wich­tig­ste Ver­si­che­rungs­art sein. Das war schon frü­her so.

Als ich so ca. sechs Jah­re alt war spiel­ten wir als wil­de Kin­der­grup­pe von mehr als zehn Kin­dern abwech­selnd in Haus­rui­nen und Trüm­mer­grund­stücken. Genau­so beliebt waren die rück­wär­tig lie­gen­den ver­wil­der­ten Gär­ten, die seit Jah­ren kei­ne Pfle­ge mehr hat­ten, denn die Men­schen waren so kurz nach dem Krieg stän­dig damit beschäf­tigt das Wich­tig­ste zum Leben zu besor­gen - und das brauch­te damals viel Zeit.

Glück­li­cher­wei­se für uns Kin­der - je mehr sich die Erwach­se­nen um Brot­er­werb und Essens­be­schaf­fung küm­mern muß­ten, desto weni­ger Zeit hat­ten sie, sich mit uns zu befas­sen. Wir konn­ten also weit­ge­hend "uner­zo­gen" spie­len, toben, erforschen ....

Zwi­schen dem Haus in dem ich wohn­te und dem Hin­ter­haus war von Tor­bo­gen zu Tor­bo­gen eine Ver­bin­dung gemau­ert wor­den. So ent­stand eine Art Zwi­schen­ge­bäu­de, das aller­dings nur bis unter­halb der ersten Eta­ge reichte.

Beim Spie­len gibt es - das wis­sen die Eltern unter den Lesern - auch schon 'mal Strei­te­rei­en. Grup­pen bil­den sich und zer­fal­len, neue Kon­stel­la­tio­nen - neue Akti­vi­tä­ten - neue Grup­pen. Beim Cow­boy­spiel, frei nach Roy Rogers Comics, die wir von US-Sol­da­ten bekom­men hat­ten, gerie­ten Cow­boys und India­ner hef­tig in Streit. Eine wil­de Schimpf­e­rei star­te­te und schließ­lich rann­ten zwei Grup­pen aus­ein­an­der, um neue Schlacht­plä­ne auszuhecken ....

Unse­re Grup­pe traf sich bei unse­rem Haus, im Hof, hin­ter dem Vor­der­haus. Die Kon­tra­hen­ten tra­fen sich im Hof des Nach­bar­hau­ses. Wir waren also nur durch den Zwi­schen­bau getrennt, konn­ten die ande­ren Kin­der nicht sehen, aber sehr gut hören! Was wir zu hören beka­men, war nicht beson­ders freund­lich, und so reif­te der Plan ein paar Stei­ne auf die ande­re Sei­te zu wer­fen - nicht um die ande­ren zu tref­fen, nein, sie soll­ten nur erschreckt werden.

Gesagt, getan. Schon flo­gen vie­le Kie­sel aus unse­rem Hof über das Zwi­schen­ge­bäu­de in den Nach­bar­hof .... das Geheu­le auf der ande­ren Sei­te wur­de lau­ter, schwoll wei­ter an - und wur­de dann von einer tie­fen Erwach­se­nen­stim­me über­tönt: "Hört sofort auf mit Stei­nen zu wer­fen, es ist schon genug kaputt!"

Ja, und nun kommt die Haft­pflicht­ver­si­che­rung zum Zuge:
Auf der ande­ren Sei­te, im Nach­bar­hof, war näm­lich zur Zeit der Stein­at­tacke ein nagel­neu­er Mer­ce­des des Haus­be­sit­zers geparkt. Das Auto hat­te mäch­tig 'was abbe­kom­men. Schei­be gesplit­tert, Del­len im Lack .... na, sie kön­nen sich vor­stel­len, was Kie­sel über die­se Strecke so anrichten!

Etwas Gutes hat­te die Sache dann doch. Wir muß­ten uns beim Auto­be­sit­zer ent­schul­di­gen und lern­ten so schon in "zar­tem Alter", daß man sich zu ent­schul­di­gen hat, wenn man Mist baut!

bookmark_borderAnstifter ....

sind oft fei­ge Natu­ren, die ande­re vor­schie­ben, weil sie sich selbst nicht trau­en, etwas zu tun: Sie wis­sen, daß es ver­bo­ten ist und suchen sich "Aus­füh­ren­de", die sie unter Druck set­zen kön­nen. Ihre Metho­den sind unter­schied­lich sub­til, meist aber sehr durch­sich­tig - zumin­dest für Erwach­se­ne! Bei Kin­dern sieht das schon anders aus ....

Als ich so etwa neun Jah­re alt war wohn­te oben bei und im Haus eine Fami­lie mit zwei Kin­dern: Einem Mäd­chen, ca. vier Jah­re alt, einem Kna­ben, ca. elf Jah­re alt. Mit Namen "Det­lef".

Det­lef war in der Umge­bung der älte­ste Jun­ge - und nutz­te sei­ne kör­per­li­che Über­le­gen­heit um ande­re Kin­der zu ter­ro­ri­sie­ren, zu quä­len und - sie wer­den es nach der Ein­lei­tung schon ver­mu­ten - anzustiften.

Eines Tages war ich dran. "Auf­wärm­übung" war unser Hund. Den muß­te ich auf Geheiß von Det­lef mit der Nase zuerst in einen Eimer stecken. Die­se Tor­tur für den Hund wur­de von einer Nach­ba­rin gestoppt, die zufäl­lig vor­bei­kam, die Sze­ne erfaß­te, Det­lef eine Ohr­fei­ge gab und sag­te: "Schäm dich du Lackl, den Bub oahn­zu­stif­te des zu mache!" Als sie weg war bekam ich die Ohr­fei­ge wei­ter­ge­ge­ben - schließ­lich muß­te Det­lef sein Müt­chen kühlen.

Dann ging es wei­ter zum nächst­ge­le­ge­nen Kauf­haus. Mit Kopf­nüs­sen und Haa­re­zie­hen wur­de ich dort­hin "geführt". Ich soll­te Scho­ko­la­de und ein Spiel­zeug­au­to klau­en. Ich erspa­re ihnen die Ein­zel­hei­ten, die folg­ten. Letzt­lich hat­te ich die gewünsch­ten Sachen und sie wur­den mir drau­ßen vor dem Kauf­haus abgenommen.

Wir waren aber beob­ach­tet wor­den. Eine ande­re Nach­ba­rin, die als Ver­käu­fe­rin im Kauf­haus arbei­te­te war auf uns auf­merk­sam gewor­den. Und da sie wuß­te, daß Det­lef schon ande­re Kin­der ange­stif­tet hat­te, paß­te sie genau auf, was pas­sier­te. Am Abend kam sie dann zu mei­nen Eltern: Hoch­not­pein­li­che Befra­gung durch mei­nen Vater, die Wahr­heit - oder .... ich zog es vor, die Wahr­heit zu sagen.

Nun star­te­te die Pro­zes­si­on im Trep­pen­haus nach oben, zu den Ben­zings, so hie­ßen die Eltern von Det­lef. Klin­geln, öff­nen, Beginn der Auf­klä­rung: Det­lef wur­de her­zi­tiert, übers Knie gelegt und vor Aller Augen fürch­ter­lich verprügelt ....

Von da an hat­te ich Ruhe, hat­ten auch die ande­ren Kin­der Ruhe. Er war ver­gat­tert wor­den: Sich beneh­men - oder Erziehungsheim!

Nun, spä­ter hat er dann selbst geklaut, sei­ne Frau ver­prü­gelt, sich an sei­nen Kin­dern ver­grif­fen und ist schließ­lich im Knast gelandet.

Es gibt offen­sicht­lich, ent­ge­gen der Annah­me vie­ler wohl­mei­nen­der Sozi­al­päd­ago­gen, Men­schen wie Det­lef, die schon früh und unab­än­der­lich schlecht sind - und auch durch noch so vie­le Maß­nah­men unter­schied­lich­ster Natur nicht zu "bes­sern" sind ....

bookmark_borderVersprechen ....

soll man hal­ten - das wird Kin­dern ein­ge­schärft. Sie ler­nen am Bei­spiel, wie ernst es den Erwach­se­nen mit "Ver­spre­chen hal­ten" wirk­lich ist ....

Als ich so ca. sie­ben Jah­re alt war wohn­te mei­ne Fami­lie in einer Mit­tel­stadt, die trotz unbe­deu­ten­der mili­tä­ri­scher Gar­ni­son in den letz­ten Kriegs­mo­na­ten - wohl wegen der Nähe zu einer Groß­stadt - schwer zer­bombt wur­de. In unse­rer Stra­ße waren mehr zer­stör­te als intak­te Häu­ser. Wir Kin­der hat­ten in Rui­nen, ver­wil­der­ten Gär­ten und auf den damals noch wenig befah­re­nen Stra­ßen viel Platz zum Spielen.

Gegen­über von unse­rem Haus war ein Gast­stät­ten- und Hotel­be­trieb, der kein Dach hat­te, ab zwei­ter Eta­ge war alles zer­stört, man hat­te pro­vi­so­risch abge­dich­tet, sodaß der Betrieb mög­lich war. Neben­an war ein Haus mit roter Sand­stein­fas­sa­de, alle vier Eta­gen völ­lig intakt, unten war ein Leder­wa­ren­ge­schäft. "Leder­wa­ren Kass­ner" - sogar das Schild ober­halb des Schau­fen­sters hat­te alle Kriegs­wir­ren überstanden.

Das Geschäft wur­de von besag­ter Frau Kass­ner betrie­ben. Ihr Mann war im Krieg gefal­len, so muß­te sie sich allei­ne über Was­ser hal­ten. Schwer in der dama­li­gen Zeit, denn wer dach­te schon an Leder­wa­ren, wenn man sich täg­lich Sor­gen um die Beschaf­fung der Zuta­ten fürs Essen machen mußte.

Frau Kass­ner saß oft auf einem mit grü­nen Plüsch bezo­ge­nen Ses­sel vor ihrem Laden, beob­ach­te­te das Leben und Trei­ben in der Stra­ße. Manch­mal rief sie uns Kin­der her und schenk­te uns Bon­bons, die­se dicken, roten, har­ten Bon­bons, die wie Him­bee­ren aus­se­hen - und auch so schmecken ....

Wohl weil ich eines der grö­ße­ren Kin­der war, bat sie mich manch­mal, ihr etwas vom Bäcker an der Ecke zu holen: "Gell Bub, isch kann jonet weg, wenn dann grod aan­ner käm könnt isch em nix ver­kaa­fe!" Meist gab es zur Beloh­nung für Ein­käu­fe zwei oder gar drei Himbeerbonbons ....

Dann kam ein Tag, an dem sie mich frag­te, ob ich ihr den Müll weg­brin­gen wür­de. Dazu muß man wis­sen: Müll­ton­nen gab es nur an bestimm­ten Stel­len, am Ende der Stra­ße, da noch nicht jedes Haus sich eine eige­ne Ton­ne hat­te beschaf­fen kön­nen. Ich brach­te von da an fast täg­lich ihren Müll zur Ton­ne. Manch­mal war der Eimer schwer, wenn Koh­le- oder Bri­kett­re­ste dar­in waren. Öfter auch leicht, denn rei­ne Asche aus der Ofen­hei­zung wog fast nichts, sie staub­te nur fürch­ter­lich beim Aus­kip­pen in den Mülleimer.

Was mich beflis­sen mach­te, war das Ver­spre­chen: "Bub, wenn de mer den Dreck fort­bringst krie­ste aach wos Scheenes wenn de Monad rum is!" Ich war gespannt, was das wohl sein würde ....

Am Ende des Monats:
Nichts! Ich wag­te nicht zu fra­gen. ich war­te­te. Und war­te­te. War­te­te ver­ge­bens auf das ver­spro­che­ne Geschenk.

Schließ­lich - ich hat­te die Sache mei­nem Vater erzählt - ging ich von ihm ermu­tigt hin und frag­te, ob ich denn jetzt mein Geschenk haben könn­te. Frau Kass­ner stell­te sich - oder war - unwis­send: "For wos soll isch der wos schen­ke, Bub?" Ich erklär­te. "Ach so, na do wer­mer wos fin­ne!" war ihre Ant­wort. Ich war­te­te wie­der fast einen Monat, dann rief sie mich her­an und nahm mich mit in den Laden.
Dort stand auf dem Ver­kaufs­tisch ein Glas, ähn­lich einer Karaf­fe, mit Glas­deckel und rund­li­chen blau­en Kugeln dar­in. "Des is fer disch, Bub!" sag­te sie, als sie mir das Glas in die Hand drück­te. Ich bedank­te mich und lief mit mei­nem Geschenk nach Hau­se. Unter­wegs schon wur­de ich unge­dul­dig, blieb ste­hen, öff­ne­te den Deckel - ein pene­tran­ter Geruch schlug mir ent­ge­gen! Sicher, daß der Inhalt sicher bes­ser schmecken wür­de als er roch, nahm ich eine von den Kugeln her­aus und steck­te sie in den Mund - um sie sogleich wie­der auszuspucken.
Pfui Dei­bel, das Zeug war ungenießbar!

Mei­ne Mut­ter erklär­te mir was es war:
Mot­ten­ku­geln mit Laven­del­ge­ruch. Wer in aller Welt kommt auf die Idee, einem Kind ein Glas Mot­ten­ku­geln mit Laven­del­ge­ruch zu schen­ken und zu den­ken, das sei eine gute Sache?

Jah­re­lang hat­te ich eine Abnei­gung gegen alle Din­ge, die nach Laven­del rochen. Erst als ich nach vie­len Jah­ren eini­ge Laven­del­pflan­zen für den Gar­ten geschenkt bekam und sie zum Som­mer hin zu blü­hen und zu rie­chen anfin­gen merk­te ich: Vor­bei die Abnei­gung, es riecht zwar stark, aber doch angenehm ....

bookmark_borderVor Jahren ....

- als ich noch zur Schu­le ging - ver­dien­te ich mir ein Zubrot durch Nach­hil­fe­stun­den. Gutes Geld, ich bekam fast soviel wie ein Eng­lisch­leh­rer. Man schätz­te, so ver­mu­te ich, die Tat­sa­che, daß ich ein Jahr in USA ver­bracht hat­te und flie­ßend sprach. Ein "sehr gut" in Eng­lisch und eine Emp­feh­lung des Eng­lisch­leh­rers mögen auch dazu bei­getra­gen haben.

In den letz­ten zwei Jah­ren vor dem Abitur bekam ich DM 50,- Taschen­geld, ein ansehn­li­cher Betrag Mit­te der 60'er Jah­re. Durch besag­te Nach­hil­fe­tä­tig­keit konn­te ich den Betrag auf­stocken - und war so finan­zi­ell recht gut gestellt. Das traf auch auf mei­ne Fami­lie zu, wir leb­ten zu die­ser Zeit in einem geräu­mi­gen Haus mit Damen- und Her­ren­zim­mer neben einem groß­zü­gig geschnit­te­nen Wohn­zim­mer, an das das Eßzim­mer angrenz­te. Ein offe­ner Kamin zwi­schen Wohn- und Her­ren­zim­mer war - für dama­li­ge Zei­ten - ein Luxus, den nicht Vie­le hatten.

In den Feri­en aller­dings waren kei­ne Nach­hil­fe­stun­den mög­lich und ich hat­te mich bei der damals noch exi­stie­ren­den "Syl­ter Insel­bahn" als Schaff­ner bewor­ben. Ich wur­de ange­stellt und begann eine Zweit­kar­rie­re als "Insel­bahn­schaff­ner".

Ich leb­te also in dem Bewußt­sein, es man­ge­le mir - und mei­ner Fami­lie - an Nichts.

Bis, ja, bis ich eines Tages in mei­ner Schaff­ner­rol­le einem wun­der­schö­nen Mäd­chen einen Fahr­schein von Wester­land nach Hör­num verkaufte ....

Nun muß man wis­sen: Wer mor­gens nach Hör­num fuhr hat­te meist eine Über­fahrt nach Hel­go­land gebucht - und muß­te abends mit der Insel­bahn wie­der zurück. Der Fahr­plan des Zuges war mit dem Ein­tref­fen der Fäh­re abgestimmt.

Die Ange­be­te­te - man konn­te nicht anders, als die­ses zar­te, lie­be Geschöpf "anbe­ten" - hat­te wäh­rend der Fahrt nach Hör­num unmiß­ver­ständ­li­che Signa­le ver­sandt, daß sie mich, den "Schaff­ner" offen­sicht­lich ganz pas­sa­bel fand .... aber ich brach­te es, stof­fe­lig und zugleich schüch­tern, nicht über's Herz sie direkt anzu­spre­chen. Nun woll­te ich ihr aber andeu­ten, daß ich am Abend wie­der da sein wür­de, und als sich die Gele­gen­heit ergab, teil­te ich dies einem ande­ren Rei­sen­den so laut mit, daß sie es hören mußte.

Den gan­zen Tag lang schweb­te ich irgend­wie auf Wol­ken ob der Aus­sicht, sie am Abend wie­der zu sehen. Dann woll­te ich mir ein Herz neh­men und sie anspre­chen. Ich leg­te mir tau­sen­de von For­mu­lie­run­gen zuf­recht, ver­warf sie eben­so oft, dach­te mir neue, bes­se­re aus. Kurz: Ich schien gewapp­net und vorbereitet.

Der Abend kam, sie kam mit der Fäh­re zurück, stieg in mei­nen Wagen ein, lächel­te mir zu. Ich war stumm wie ein Fisch, unfä­hig auch nur ein Wort her­aus­zu­brin­gen .... mit schwit­zi­gen Hän­den und schwir­ren­den Gedan­ken beob­ach­te­te ich sie und konn­te mir ein­fach kein Herz fas­sen, war wie gelähmt.

Wir näher­ten uns Wester­land. Da war sie ein­ge­stie­gen - da wür­de sie auch wie­der aus­stei­gen. Und ich Esel hät­te spä­te­stens dann die Chan­ce mei­nes Lebens verpaßt ....

"Wester­land Haupt­bahn­hof, umstei­gen zur Bun­des­bahn. Rei­sen­de nach List blei­ben bit­te in die­sem Zug, der nach kur­zem Auf­ent­halt nach List wei­ter­fah­ren wird!" hör­te ich mich sagen - und war doch sehr erstaunt zu bemer­ken, daß die jun­ge Dame sit­zen blieb. Sie mach­te kei­ne Anstal­ten, die Insel­bahn zu verlassen.

Gal­gen­frist, dach­te ich. Sie mag dich offen­sicht­lich, sonst wäre sie schon nicht mehr hier, schloß sich an. Ja, da saß sie nun in dem leer gewor­de­nen Wagen. Als in Kam­pen die letz­ten Fahr­gä­ste den Zug ver­las­sen hat­ten waren wir allein.

"Du hast ver­ges­sen mir einen Fahr­schein nach List zu ver­kau­fen", sag­te sie, als der Zug wie­der anfuhr. "Wirst Du kei­ne Schwie­rig­kei­ten haben, wenn man merkt, daß du Schwarz­fah­rer dul­dest?" Ich war platt, aber gleich­zei­tig hör­te ich mich sagen "Ach, gute Freun­de dür­fen schon 'mal gra­tis mitfahren!"

"So", ant­wor­te­te sie schel­misch, "wir sind also gute Freun­de. Davon habe ich bis­her nichts gemerkt und erfah­ren hät­te ich es wohl nie, wenn ich nicht bis zur End­sta­ti­on mit­ge­fah­ren wäre." Das Eis war gebro­chen, jetzt trau­te ich mich zu spre­chen. Und es wur­de ein lan­ges Gespräch ....

Wir hat­ten mitt­ler­wei­le die Bahn ver­las­sen und saßen auf einer Bank am Bahn­hof in List. Ich hat­te kurz unter­bre­chen müs­sen, denn es gehör­te zu mei­nen Schaff­ner­pflich­ten, beim Ran­gie­ren der Lok zu hel­fen. "Na", sag­te der Kol­le­ge Lok­füh­rer zu mir, "unser Hilfs­schaff­ner auf Frei­ers­fü­ßen? Dann nimm Dir 'mal Zeit, kannst ja mit dem letz­ten Zug zurück­fah­ren." Ich glau­be ich war nie wie­der einem Men­schen so dank­bar wie dem Zug­füh­rer in die­sem Augenblick.

Wir - die elfen­glei­che Ange­be­te­te und ich - saßen noch lan­ge und spra­chen: Über uns, unse­re Fami­li­en, unse­re Freun­de, unse­re Inter­es­sen - eben über alle Din­ge, die in sol­cher Situa­ti­on wis­sens­wert erschei­nen .... bis dann der letz­te Zug nach Wester­land ging und wir mit­fah­ren muß­ten. Mitt­ler­wei­le hat­te ich erfah­ren, daß es ihr letz­ter Tag auf Sylt war. Sie muß­te am näch­sten Tag mit ihren Eltern zurück nach Ham­burg. Ich hat­te ihre Adres­se und ihr Ver­spre­chen, sich mit mir in Ham­burg zu tref­fen. Ich soll­te nur bei ihr anru­fen, das gin­ge dann klar.

So ein­fach, wie das geklun­gen hat­te, war es dann aber doch nicht. Ich rief an und eine Haus­da­me war am Appa­rat: "Das gnä­di­ge Fräu­lein ist jetzt nicht zu spre­chen, sie übt am Flü­gel", ein ande­res Mal hieß es "Das gnä­di­ge Fräu­lein hat pri­va­te Spa­nisch­stun­den und kann jetzt nicht mit ihnen spre­chen" und so wei­ter .... aber ich hat­te ver­spro­chen mich zu mel­den - sie hat­te ver­spro­chen mich zu tref­fen, da woll­te ich mich von einer Haus­da­me nicht so abfer­ti­gen las­sen. Hart­näckig­keit zahlt sich manch­mal aus, nach dem x-ten Anruf hat­te ich dann die Haus­da­me so zer­mürbt, daß sie es wohl für bes­ser hielt, "das gnä­di­ge Fräu­lein" ans Tele­fon zu holen.

Ich ver­gaß vor Freu­de, daß es end­lich geklappt hat­te, mich über die Abwim­me­lei zu beschwe­ren, war froh, end­lich mit ihr spre­chen zu kön­nen. Wir ver­ab­re­de­ten uns für die fol­gen­de Woche, ich soll­te sie zu Hau­se abholen.

Der Rest der Geschich­te ist kurz. Wie am Anfang berich­tet kom­me ich ja nicht gera­de aus ärm­lich­sten Ver­hält­nis­sen. Aber das Haus, in dem die schö­ne Ham­bur­ge­rin wohn­te war schon eher als "sehr geräu­mi­ge Vil­la" zu bezeich­nen. Ich wur­de ins Haus "ein­ge­las­sen". Ich wur­de von der Mut­ter emp­fan­gen. Ich bekam sehr deut­lich mit­ge­teilt, daß man auf kei­ne Fall dul­den wer­de, daß sich "unse­re Toch­ter" mit mir tref­fen werde ....

Als ich von der Türe weg über Mar­mor­kies zum Tor des Anwe­sens stapf­te und mich umblick­te mei­ne ich hin­ter einem Vor­hang eine Bewe­gung gese­hen zu haben. Aber viel­leicht war auch das eine Illusion ....

PS
Ich hof­fe für die - ver­geb­lich - Ange­be­te­te, daß sie, trotz aller Wid­rig­kei­ten, ein glück­li­ches Leben hat(-te) ....

bookmark_border"Notorisch unterbemittelt" ....

so könn­te man den Zustand beschrei­ben, in dem sich die Finan­zen der Uni­ver­si­tä­ten befin­den. Die Suche nach "Dritt­mit­teln" - also Geld von Unter­neh­men - treibt stets neue, ver­blüf­fen­de Blüten:
Wäh­rend frü­her ange­bo­ten wur­de, ein Unter­neh­men "zu betei­li­gen" wird heu­te ganz offen von "Stu­die finan­zie­ren" gesprochen.
Was soll man davon halten?

Der Ein­fluß­nah­me ist Tür und Tor geöffnet.
Und es soll mir kei­ner erzäh­len, daß das nicht genutzt wird!

Da geht sie hin, die "Frei­heit von For­schung und Lehre" ....

Mir ist danach, die­se Rubrik "Wis­sen­schaft" mit einem dicken Fra­ge­zei­chen zu ver­se­hen ....

bookmark_borderDaß ich ....

ein Freund guten Kaf­fees bin hat­te ich schon häu­fi­ger hier erwähnt. Nun habe ich per Zufall eine neue Vari­an­te des Kaf­fee­ge­nus­ses entdeckt:
Kaf­fee mit Schlag­sah­ne, unge­schla­gen, anstatt der übli­chen Kaffeesahne ....

Ich hat­te einen Rest Sah­ne übrig, da ich für die paar Erd­bee­ren nicht den vol­len Becher geschla­gen hat­te. Und die­sen Rest habe ich nun auf meh­re­re Tas­sen Kaf­fee ver­teilt aufgebraucht.

Köst­lich!
Eine völ­lig neue Geschmacksnote.
"Sehr emp­feh­lens­wert!" ....

bookmark_borderIn einem Anflug von ....

Ord­nungs­wahn habe ich gestern abend das Schlaf­zim­mer mei­ner Zweit­woh­nung auf­ge­räumt. Da es nicht nur Schlaf- son­dern auch Akten- und Kor­re­spon­denz­auf­be­wah­rungs­zim­mer ist, dane­ben Auf­be­wah­rungs­ort für lee­re Gerä­te­kar­tons (damit ich bei Umzug die Gerä­te bes­ser ver­packen kann) war erst nach vier­ein­halbs Stun­den alles erle­digt. Die lee­ren Gerä­te­kar­tons sind jetzt auf dem Dach­bo­den .... das Zim­mer sieht jetzt sehr leer aus. Außer Bett, Abla­ge und Schrank steht nur noch ein Stuhl herum.

Voll alter Kar­tons wars irgend­wie gemütlicher ....