"..We share the same biology
regardless of ideology.."

Als ich kürz­lich ein Video einer jun­gen Frau aus dem äußer­sten Osten der Rus­si­schen Repu­blik sah kam ich aus dem Stau­nen nicht her­aus und gleich­zei­tig wur­de mir eine grund­le­gen­de Tat­sa­che zu den hier bei uns ver­lau­te­ten Infor­ma­tio­nen zu Russ­land klar:

Es wird hier stets nur über 

- das Tren­nen­de, das der offi­zi­el­len Regie­rungs­ver­laut­ba­rung fol­gen­de Nar­ra­tiv berich­tet, dabei wäre es doch ganz ein­fach, ein­mal über
- das Ver­bin­den­de zu berich­ten und so klar zu machen, dass "der Rus­se" kein Unter-, Über-, oder sonst­wie-Mensch ist, son­dern ein "Mensch-wie-Du-und-Ich".

Seit Jahr­hun­der­ten muss­te das gemei­ne Volk in Russ­land Ent­beh­run­gen, Ernied­ri­gun­gen, Unge­rech­tig­kei­ten und Macht­miss­brauch durch jede höher gestell­te Per­so­nen­grup­pe hin­neh­men, die je dort herrsch­te - das führ­te zu einem gna­den­lo­sen Exi­stenz­kampf, der sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen hat: 

Der durch­schnitt­li­che Rus­se ver­hält sich wie ein Ein­zel­kämp­fer, aus­ge­streck­te Ellen­bo­gen, drän­geln­de Rück­sichts­lo­sig­keit, kei­ne Dis­zi­plin bei Mas­sen, die etwas 'ergat­tern' wol­len .... die­se jahr­hun­der­te­lan­ge Prä­gung und Not­wen­dig­keit pri­mi­tiv­ste Instink­te zum Über­le­ben wal­ten zu las­sen sind daher prä­va­lent und mitt­ler­wei­le wohl auch in das Genom integriert.
[Cave: Pau­scha­le Aus­sa­ge, natür­lich gibt es da gro­ße Unter­schie­de, je nach Regi­on und Bildungsgrad]

Mein Bild von Russ­land war bis dahin geprägt von dem, was ich 1988 bei einem ein­wö­chi­gen Auf­ent­halt in Mos­kau und St. Peters­burg, damals noch 'Lenin­grad' gese­hen hat­te - und aus dem, was aus den Erzäh­lun­gen der Vor­ge­nera­ti­on über den Russ­land­feld­zug berich­tet wor­den war. Immer aus deut­scher Per­spek­ti­ve, nie aus rus­si­scher Sicht, so wie etwa bei die­ser Quel­le.

Was ich in 1988 gese­hen hat­te stimmt heu­te bei wei­tem nicht mehr. Die Ver­än­de­run­gen sind viel­fäl­tig, und wenn man nicht in kür­ze­ren Abstän­den ein­mal hin­fährt ist es so wie über­all auf der Welt:
Der Fort­schritt macht, dass man zuvor Bekann­tes nicht mehr wiedererkennt.

So vie­le Jah­re nach dem II. Welt­krieg hiel­te ich es zudem für ange­bracht, nicht der offi­zi­el­len Dar­stel­lung blind zu ver­trau­en, son­dern sich mit den nun vor­han­de­nen Mög­lich­kei­ten (meh­re­re Vide­os) des Inter­nets ein Bild dar­über zu ver­schaf­fen, was ganz gewöhn­li­che Men­schen aus dem Land ins Inter­net stel­len und wie sie ihr Leben und ihre Lebens­um­stän­de in der dor­ti­gen Gesell­schaft beschreiben.

Was dabei deut­lich wird und was hier immer ver­ges­sen wird [Quel­le]:
" .. In 1985, at Cold War’s cli­max, Sting’s debut album fea­tured a song “Rus­si­ans” which show­ed a human image from across the Iron Curtain: “…the Rus­si­ans lover their child­ren too.” Through its anti-war lyrics, he tried to strike a music chord in the noi­sy hyste­ria of war. He insi­nua­ted how nuclear war­heads had no loyal­ty and even an Ame­ri­can could not save “his boy” from Oppenheimer’s dead­ly toy .. "


Bei mir blieb die bren­nen­de Fra­ge "War­um erfah­ren wir so viel über das, was in den USA pas­siert, und nur einen Bruch­teil der Infor­ma­ti­on zu dem, was in Russ­land pas­siert?" Könn­te es sein, dass uns die Ver­laut­ba­run­gen davon abhal­ten sol­len zu erken­nen, dass der gewöhn­li­che rus­si­sche Bür­ger, ganz unab­hän­gig von der jewei­li­gen Regie­rung nur das haben will, was wir auch haben wollen?
Ein zufrie­de­nes, gesun­des, fried­li­ches Leben!

 

Das Inter­net ist wahr­haf­tig in vie­ler­lei Hin­sicht pro­ble­ma­tisch, weil dort 'Stim­mung' gemacht wer­den kann - schaut man jedoch ein­mal nicht nur auf das, was uns mit knal­li­gen Titeln in den gewöhn­li­chen Medi­en prä­sen­tiert wird, so fin­det man dort so man­che 'Per­le', die es lohnt sich näher mit ihr zu beschäftigen.

Kommentare

  1. Es wird an der Stel­le deut­lich, dass die BRD a) immer noch ein besetz­tes Land ist und b) wel­cher Poli­tik sie als aus­füh­ren­des Organ zu fol­gen hat.
    Und Über­see hat sich schon seit etwa 100 Jah­ren Russ­land als Feind aus­er­ko­ren, weil sie am lieb­sten an des­sen reich­hal­ti­ge Roh­stof­fe 'ran wol­len. - Zusätz­lich dazu, dass mit der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on einst etwas kre­iert wur­de, was auch das Poten­ti­al hät­te, den USA als System gefähr­lich zu werden.
    Im Prin­zip waren die zu ihrer Grün­dung ja mal selbst das "der Pöbel holt sich die Macht und regiert sich selbst, es braucht kei­ne Ade­li­gen mehr".
    Gro­ße Angst davor, dass die­se Tat­sa­che wie­der in öffent­li­che Erin­ne­rung kommt... Sonst könn­te jeman­dem mal auf­fal­len, dass die USA in all der Zeit doch auch eine eige­ne Ade­li­gen-Kaste auf­ge­baut haben. Die haben nur kei­ne hoch­tra­ben­den Namen wie hier, son­dern sind "bloß" stinkreich.

    1. Hal­lo matrixmann,
      schön, dass Sie wie­der 'mal hier sind, ich hat­te schon Sor­ge Sie könn­ten krank gewor­den sein weil Sie eine gan­ze Wei­le nicht da waren ....

      'besetz­tes Land' kommt mir nicht so vor - ich hal­te es eher für ein erfolg­rei­ches Bei­spiel von brain­wa­shing mit­tels meh­re­rer Kanä­le. Ange­fan­gen von den alten Medi­en bis hin zu den dar­aus evol­vier­ten elek­tro­ni­schen Beein­flus­sungs­in­stru­men­ten ¹. Erklär­tes Ziel der USA war Märk­te in Euro­pa (nach den II. Welt­krieg) auf­zu­bau­en, um für US Unter­neh­men Chan­cen zu eröff­nen. Gelun­gen! Wir bekom­men mitt­ler­wei­le von den gro­ßen Agen­tu­ren den glei­chen Schmus vor­ge­setzt wie die Ame­ri­ka­ner - und dass es hier genau­so zum Kon­sum ver­hilft ist der Beweis wie weit der Pro­zess in "D" und Euro­pa (Aus­nah­me Frank­reich, die haben recht­zei­tig die Brem­se gegen die Ame­ri­ka­ni­sie­rung gezogen).

      Die Fra­ge ob die Revo­lu­ti­on in der ehe­ma­li­gen UDSSR über­haupt schon gelun­gen war oder ob sie auf dem Weg dort­hin zusam­men­brach, was schließ­lich zum Zusam­men­bruch geführt hat ist aus mei­ner Sicht geklärt:
      Das Men­schen­bild mit Gewalt zu erzeu­gen, das für eine 'glei­che' Gesell­schaft gebraucht wird, kann aus bio­lo­gi­scher Sicht nicht funktionieren.So, wie man einen Tiger nicht vom Jagen und Beu­te rei­ßen abbrin­gen kann, so sind Men­schen immer durch die Grund­be­dürf­nis­se / (Ur-)Instinkte bestimmt. Luxus­be­dürf­nis­se bzw. das Stre­ben nach 'mehr' und 'anders sein' als der Mit­mensch ist nicht durch Ideo­lo­gie zu erset­zen, besten­falls zu mil­dern, und am Ende bleibt doch selbst bei ver­ant­wor­tungs­vol­ler Selbst­ein­schrän­kung stets ein Unter­schied, der dann zum Auf­bre­chen / Aus­bre­chen aus den gesell­schaft­li­chen Kor­sa­gen führt.

      Der Ansatz des XX. Par­tei­tag der KPdSU zur Infra­ge­stel­lung des 'Sta­li­nis­mus' führ­te auch in der DDR und mit der Grund­satz­re­de von Ulb­richt zu weg­wei­sen­den Ver­spre­chen - doch man­gels Res­sour­cen waren sie schon im Ansatz zum Schei­tern ver­ur­teilt. Das kann man als Bei­spiel für das neh­men, was auch in der UDSSR par­al­lel passierte:
      Zwar woll­te man die Ver­än­de­rung, aber auf dem Weg dahin waren der Wunsch nach Pri­vi­le­gi­en und der Man­gel an zu ver­tei­len­dem kol­lek­ti­vem Arbeits­er­geb­nis der Untergang.
      Daher bin ich über­zeugt, dass es einer Misch­form bedarf, wie sie etwa die Chi­ne­sen ver­su­chen. Doch der tota­li­tä­re Ansatz dort wird auch der Unter­gang sein. Zwang führt stets in der Geschich­te der Mensch­heit zu Auf­ruhr. Und letzt­lich zum Umsturz.

      ------------------------

      ¹ Ein Kon­strukt, was nahe­zu unver­än­dert seit sei­nen Anfän­gen übrig blieb ist der Axel Sprin­ger Ver­lag, mit dem Schmier­blatt "BILD", einem Organ der Mas­sen­be­ein­flus­sung und Volksverdummung.

      1. Nein, ich hat­te schon mit­ge­lee­sen, mir fiel nur nichts ein, was ich kom­men­tie­ren könn­te, oder mir den The­men nach nicht danach.

        Zum The­ma "besetz­tes Land" - größ­tes Bei­spiel hier­zu ist ein dog­ma­ti­sches Objekt, genannt "Ram­stein Air­ba­se", wor­über die Ame­ri­ka­ner bis heu­te die Hoheit haben.
        Ohne Besat­zung dürf­te es sol­che Objek­te nicht mehr geben - oder sie wären höch­stens als "Joint Ven­ture" inner­halb der NATO in Benut­zung, wel­ches gemein­sam genutzt wird. Ist die aber nicht.

        Auch muss ich dazu anmer­ken: Man beden­ke ein paar Grund­prin­zi­pi­en um die Wiedervereinigung.
        Die Ame­ri­ka­ner hat­ten ihre Besat­zungs­zo­ne, grün­de­ten dar­auf ihr Pro­vi­so­ri­um eines Nachfolgestaates.
        Die SU tat das­sel­be, als Reak­ti­on auf die Grün­dung des ersten Provisoriums.
        Mit dem Zusam­men­bruch der SU und dem Abzug der Besat­zungs­trup­pen einst wur­de die­ses Pro­vi­so­ri­um sich selbst über­las­sen, wur­den die Ansprü­che aufgegeben.
        Das Pro­vo­si­ri­um im Osten ent­schied sich für einen Bei­tritt zum Rechts­raum und dem System des Pro­vi­so­ri­ums, was die Ame­ri­ka­ner aus der Tau­fe heben halfen.

        Also wur­de fak­tisch damit das Pro­vi­so­ri­um, wel­ches die Ame­ri­ka­ner einst begrün­de­ten, ledig­lich aus­ge­wei­tet. Bestehen tut es nach wie vor auf dem dama­li­gen Fundament.
        Und die ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen sind bis heu­te nicht voll­stän­dig abge­zo­gen, haben nicht ihre Ansprü­che aufgegeben.

        Ich will es mal so aus­drücken: Ost und West haben ver­schie­de­ne Arten, vorzugehen.
        Die einen sind mehr direkt, die ande­ren agie­ren mehr ver­schlei­ert. Sodass man es gar nicht auf den ersten Block erkennt, dass da über­haupt jemand im Hin­ter­grund ein Wort mit­zu­re­den hat.

        Die ame­ri­ka­ni­sche Poli­tik pro­fi­tiert hier auch inzwi­schen davon, dass ihre Prä­senz so unfass­bar selbst­ver­ständ­lich gewor­den ist, sodass es gar nicht mal mehr in Fra­ge gestellt wird, war­um man sich z. B. an ihnen, poli­tisch und wirt­schaft­lich, so sehr orientiert.
        Da braucht es inzwi­schen nicht ein­mal mehr vie­le direk­te Kom­man­dos oder Direk­ti­ven, um poli­tisch und medi­al stets an ihrer Sei­te zu ste­hen und ihre Wün­sche als auch Ent­schei­dun­gen zu unterstützen.
        Die Prä­senz ist in etwa genau­so ein solch aus­er­ko­re­nes Dog­ma wie die Anwe­sen­heit der SU in der DDR bis etwa zur Ära Gor­bat­schow und dass man sich in Rich­tung Mos­kau ori­en­tiert hat. (Ab Gor­bi begann man am Weg Mos­kaus zu zweifeln.)

        Der Bezug mit der Okto­ber­re­vo­lu­ti­on ist inso­fern zu verstehen:

        Als die Sied­ler in Ame­ri­ka all­mäh­lich kle­ne Staa­ten, und schließ­lich ihre gro­ße För­de­ra­ti­on USA, grün­de­ten, war das zu der Zeit eine neu­ar­ti­ge Sache. In Euro­pa regier­ten teil­wei­se noch die Mon­ar­chen und Adli­gen, und erst lang­sam zog der Wind ein, sich von ihnen zu tren­nen. - Bei den einen ging das schnel­ler, die ande­ren trau­ten sich noch nicht wei­ter als die kon­sti­tu­tio­nel­le Mon­ar­chie (die ja auch man­che Län­der heu­te noch haben).
        Das heißt also: Euro­pa war vor­ran­ging von Leu­ten regiert, denen man "blau­es Blut" zuschrieb, die etwas "Beson­de­res" waren und zu denen nicht jeder gehör­te bzw. gehö­ren konnte.
        Die USA waren dage­gen der erste Feld­ver­such, bei dem der Pöbel sich selbst ver­wal­tet - ohne blau­es Blut, ohne beson­de­re Kaste, die für die­se Auf­ga­ben durch Geburt vor­ge­se­hen war.
        (Ging auch nicht, denn man errich­te­te erst sei­ne eige­ne Gesell­schaft in der neu­en Welt. Und die alte - die Nati­ve Ame­ri­cans - ver­trieb und rot­te­te man aus...)
        Die Leu­te, die die­se Auf­ga­ben über­neh­men soll­ten, wur­den durch Wah­len fest­ge­legt - und sie wür­den nicht zwin­gend auf Lebens­zeit die­se Tätig­keit ausüben.

        Für die Mon­ar­chen Euro­pas damals ein regel­rech­ter Skan­dal. Mit so einem Land woll­te man kei­ne Bezie­hun­gen, nicht mal reden. Adli­ge, die sich mit dem Pöbel her­um­schla­gen müss­ten, wie als wenn sie über Nacht wel­ches von Ihres­glei­chen gewor­den wären... (Poli­tisch dürf­te man sich das auch nicht lei­sten haben kön­nen, denn sonst hät­te der eige­ne euro­päi­sche Pöbel Ober­was­ser gewit­tert, mit­re­den zu dürfen.)

        BTW: Aus die­ser Situa­ti­on her­aus speist sich bis heu­te die poli­ti­sche Arro­ganz der USA in der Welt. In die­sem Kon­text hat­te sich einst einen Sinn.

        Aber, ich schwei­fe etwas ab...

        Die Okto­ber­re­vo­lu­ti­on in Russ­land war dann ein ähn­li­ches Pen­dant wie das poli­ti­sche Pro­jekt "USA" - nur war es da so, dass man sei­ne Adli­gen gewalt­sam los­wur­de, weil die­se in Saus und Braus leb­ten, wäh­rend der Rest des Lan­des ver­elen­de­te und den Anschluss an die Welt ver­lo­ren hatte.
        Fak­tisch grün­de­te sich dort eine wei­te­re Vari­an­te von "der Pöbel ver­wal­tet sich selbst".

        Da Ame­ri­ka zu der Zeit schon eine gan­ze Zeit bestand, und auch sei­ne Früh­zeit gekenn­zeich­net davon war, dass eini­ge Weni­ge durch geziel­te Inve­sti­tio­nen in diver­se auf­kom­men­de Din­ge inve­stier­ten (z. B. die Eisen­bahn und deren struk­tu­rel­ler Aus­bau), war es zu dem Zeit­punkt schon so, dass sich doch in deren Ver­hält­nis­sen so etwas wie "Ersatz-Adli­ge" gebil­det hat­ten, die nicht weni­ger besorgt um ihre Posi­ti­on im System waren wie die euro­päi­schen Blaublüter.

        Da ent­stand also im Aus­land so eine wei­te­re Vari­an­te von "der Pöbel regiert sich selbst und braucht kei­ne Adli­gen mehr", und die ging auch noch nicht fried­lich vor... Oben­drein erhob sie auch noch die Macht des Pöbels zu einer gan­zen Ideologie.

        Was meint man, was da in den Köp­fen von dama­li­gen "Adli­gen" (Blau­blü­ter als auch sol­che, die "nur" durch Reich­tum eine sol­che Stel­lung inne hat­ten) vor­ging, als denen das zuge­tra­gen wur­de...? (Vor allen Din­gen - mit den alten Macht­ha­bern und ihren Lakei­en mach­te man auch noch gute Geschäfte.)
        Die waren natür­lich um ihre Posi­ti­on besorgt, weil das könn­te auch in abseh­ba­rer Zeit bei ihnen ange­lan­gen, und sie eben­so in Fra­ge stellen.

        Wenn irgend­ei­ne Vari­an­te von "der Pöbel ver­wal­tet sich selbst" bes­ser als die (alte) ame­ri­ka­ni­sche Vari­an­te wer­den soll­te, steht poten­ti­ell deren Ord­nung auch mit in Fra­ge - gera­de weil man auch erken­nen könn­te "das hier ist nicht mehr "der Pöbel ver­wal­tet sich selbst" - wir wer­den inzwi­schen auch von Adli­gen regiert und haben kaum noch Mitspracherecht!".

        Und eben dar­um ging der ideo­lo­gi­sche Kampf gegen den Kom­mu­nis­mus in Ame­ri­ka, schon damals nach­voll­zieh­bar durch Zei­tungs­ar­ti­kel und Ver­öf­fent­li­chun­gen reno­mier­ter Medi­en (die man teil­wei­se heu­te noch kennt), schon vor etwa 100 Jah­ren los, kaum dass in Russ­land die Revo­lu­ti­on gesche­hen war bzw. sich des­sen Staub gelich­tet hat­te und man in eige­nen Gra­ben­kämp­fe versank...

        Die­ses Grund­mu­ster durch­zieht nicht nur die USA, son­dern auch alle ande­ren Län­der, die tra­di­tio­nel­le Ver­bün­de­te von ihnen sind oder es spä­ter durch Zwang durch ihre zahl­rei­chen Krie­ge wur­den (ange­fan­gen beim Ame­ri­ka­nisch-spa­ni­schen Krieg um die vor­letz­te Jahr­hun­dert­wen­de). - Man­che Län­der haben sich in die­sem Punkt sogar ein­ge­fun­den, weil die ein eige­nes, unab­hän­gi­ges "Hass-Ding" gegen­über den Rus­sen zu lau­fen haben. (z. B. Deutsch­land, Polen, Eng­land, die bal­ti­schen Staa­ten, z. T. Ukraine)

      2. Ram­stein Air Base als Hin­weis auf eine Beset­zung Deutsch­lands durch die Ame­ri­ka­ner zu wer­ten, hal­te ich für gewagt. Einer­seits weil die Ame­ri­ka­ner in vie­len Län­dern die­ser Welt Basen haben und die­se Län­der des­halb trotz­dem nicht als besetzt gel­ten. Ande­rer­seits ist da der Zwei-plus-Vier-Ver­trag von 1991, der Deutsch­land von jeg­li­cher Besat­zung frei gemacht hat, weil ein dau­er­haf­ter und sta­bi­ler Frie­den in Euro­pa sonst nicht mög­lich gewe­sen wäre.

        Aber ja, die Amis sind da und sie mischen sich auch in deut­sche Ange­le­gen­hei­ten ein. Sie mani­pu­lie­ren und lob­by­ie­ren und haben Ver­bin­dun­gen zu poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Ent­schei­dern. Da sind die Atlan­tik-Brücke ein schö­nes Bei­spiel oder der Lügen­ba­ron von und zu Gut­ten­berg. Aber besetzt hal­ten sie Deutsch­land nicht.

        Viel­leicht noch ein paar Wor­te zu dem "Hass-Ding" man­cher Län­der auf Russ­land. Das Bal­ti­kum, und noch viel mehr Polen, haben gute Grün­de miss­trau­isch zu sein. Putin hat es nie über­wun­den, dass sich Russ­lands Satel­li­ten­staa­ten nach dem Fall des Eiser­nen Vor­hangs los­ge­löst haben. Er hät­te die­se Staa­ten nur all­zu­gern wie­der unter sei­ner Fuchtel.

        Polens Außen­po­li­tik kann man nur im Kon­text von Polens Geschich­te ver­ste­hen. Es gibt kein Volk in Euro­pa, was mehr und öfter von ver­schie­de­nen frem­den Mäch­ten geschun­den wur­de, als die Polen.

        Das euro­päi­sche Pro­blem mit Russ­land ist die ver­lo­ge­ne und bigot­te euro­päi­sche Poli­tik gegen­über Russ­land. Und das nutzt Putin, der olle Geheim­agent, gera­de­zu bei­spiel­haft aus. So lan­ge Euro­pa kei­ne gemein­sa­me Stra­te­gie gegen­über Russ­land hat (die kei­nes­falls anti­rus­sisch sein, aber kla­re Erwar­tun­gen for­mu­lie­ren soll­te!), so lan­ge wird unbe­rech­tigt Hass geschürt, oder umge­dreht, Ver­eh­rung ent­ge­gen­ge­bracht, die kein Fun­da­ment hat.

      3. @ matrix­mann / @ Olaf

        Dan­ke euch Bei­den für den Hin­ter­grund als Dar­stel­lung der histo­ri­schen Gege­ben­hei­ten - die, wen wun­dert das, natür­lich in allen betei­lig­ten Län­dern sehr ver­schie­den betrach­tet und beur­teilt werden.

        Was Ram­stein angeht hal­te ich es eher mit der Auf­fas­sung die Oaf ver­tre­ten hat, die Begrün­dung ist ja mit dabei.

        Das Ver­hält­nis der USA zur UDSSR / Russ­land oder der der­zei­ti­gen Samm­lungs­en­ti­tät (die nie wie­der frü­he­re Bedeu­tung vor Gor­bat­schow errei­chen wird) bestimmt das fal­sche Ver­ständ­nis der unge­bil­de­ten US Mas­sen was "Sozia­lis­mus" eigent­lich ist. Wer nicht ein­mal die poli­ti­sche Rich­tung im eige­nen Land rich­tig beschrei­ben / deu­ten kann muss bei Fra­gen zur inter­na­tio­na­len Poli­tik voll­ends passen.

        Fami­li­är betrof­fen, weil aus der Gegend zwi­schen Brom­berg und Thorn [https://de.wikipedia.org/wiki/Toru%C5%84] mei­ne Alt­vor­de­ren stamm­ten und die Fami­lie durch die Wir­ren der viel­fa­chen Tei­lun­gen Polens durch die benach­bar­ten Groß­mäch­te auch beein­träch­tigt war, muss ich einwerfen:

        Es gab Unter­schie­de zwi­schen den Ade­li­gen und den gekrön­ten Häup­tern in Euro­pa - wäh­rend man­che aus­beu­te­ten haben ande­re durch­aus etwas für die Bevöl­ke­rung getan, die in ihrem Ter­ri­to­ri­um ansäs­sig waren. Vor allem in den nach­ge­ord­ne­ten Ver­wal­tun­gen waren vie­le dort ein­ge­glie­der­te und täti­ge Ade­li­ge durch­aus bemüht die Vor­stel­lun­gen und welt­frem­den Ansprü­che ihrer 'Her­ren' abzu­mil­dern bzw. Struk­tu­ren auf­zu­bau­en, die zum Nut­zen der Bevöl­ke­rung waren.

        Sicher völ­lig einer Mei­nung sind wir wohl in der Ein­schät­zung der Bezie­hung der mei­sten euro­päi­schen Staa­ten zu Russ­land, denn Russ­land wird zwar von Putin domi­niert, aber das wird auch nicht ewig so sein - und daher ist es falsch hier Bar­rie­ren zu hal­ten die auf zwei­er­lei Maß beru­hen (Olaf hat es knapp aus­ge­drückt " .. Das euro­päi­sche Pro­blem mit Russ­land ist die ver­lo­ge­ne und bigot­te euro­päi­sche Poli­tik gegen­über Russ­land .. '

        Die Ame­ri­ka­ner haben sich nach dem II. Welt­krieg Ter­ri­to­ri­en ange­eig­net ohne auf irgend­wel­che Kon­ven­tio­nen etwas zu geben, das sehen sie dort auch heu­te noch genau so - und sind sehr ver­wun­dert, wenn ihnen das vor­ge­hal­ten wird.

        Der Feh­ler bei uns ist, dass sich kaum ein Poli­ti­ker traut etwas dage­gen zu sagen oder auf die geteil­te Sicht­wei­se zu bei­den Staa­ten hinzuweisen.

        So ganz neben­bei eta­bliert sich da Chi­na unter­halb des Radars als drit­te Macht, und Indi­en wird völ­lig ver­nach­läs­sigt, obwohl auch dort Macht­ge­lü­ste und Anspruch vor­han­den sind.

      4. @ Olaf
        Ich ver­wei­se an der Stel­le dann noch auf die Mili­tär­übun­gen der Ame­ri­ka­ner allein (nicht der NATO!), die auch immer noch in regel­mä­ßi­gen Abstän­den in Bay­ern stattfinden.
        Ich wüss­te z. B. nicht, dass rus­si­sche Trup­pen heu­te noch irgend­wel­che "freund­schaft­li­chen Übungs­ma­nö­ver" in der Ucker­mark abhal­ten oder so ähnlich.

        Zwi­schen offi­zi­ell "gel­ten" und sein sehe ich noch einen klei­nen Unterschied.
        Es kann einem fast egal sein, ob man das Kind beim Namen nennt, oder sich die prak­ti­schen Umstän­de anschaut, und dort fin­det "komi­scher­wei­se, wo US-Trup­pen ein­mal lan­den, gehen sie auch nicht so schnell wie­der rest­los Heim..." - das hat was von Beset­zung, es hat nur nich den äuße­ren Anschein wie man es aus der Geschich­te gewohnt ist, wo das öffent­lich zur Schau gestellt wird oder spür­bar ist.

        Ja, das stimmt, da haben die Län­der des Ost­blocks, die durch Rus­sen­hass auf­fal­len, ver­schie­de­ne Gründe.
        Beim Bal­ti­kum, fin­de ich als Außen­ste­hen­der, ist es ein wenig kompliziert.
        Die Län­der wur­den das erste Mal aus Russ­land unter dem Kai­ser her­aus­ge­bro­chen als der gegen Russ­land Krieg führte.
        Nun wäre es eine Fra­ge, ob zu dem Zeit­punkt schon Unab­hän­gig­keits­be­stre­bun­gen in die­sen Gebie­ten unab­hän­gig davon vor­han­den waren und man die nur für sei­ne eige­nen Zwecke genutzt hat, oder ob man dort mit Absicht etwas insze­niert und auf­ge­sta­chelt hat, weil selbst damals das deut­sche Kai­ser­reich sich in Russ­land mit jeman­dem anlegt, der eine Num­mer zu groß für sie ist.
        Das hat daher einen etwas unde­fi­nier­ba­ren Beigeschmack...

        Bei Polen ist es wie­der­um anders und die Feind­schaft geht noch viel wei­ter zurück als die Sowjet­zeit. Ange­fan­gen bei den drei pol­ni­schen Tei­lun­gen, an denen Russ­land jedes Mal betei­ligt war, wei­ter über diver­se Krie­ge im Ver­lau­fe der Jahrhunderte.

        Wie weit Putin da per­sön­lich und aktiv Ent­wick­lun­gen nicht akzep­tie­ren will, da wür­de ich mich nicht fest­le­gen wollen.
        Es wird ihm viel ange­dich­tet, was er alles per­sön­lich will und nicht will - wirk­lich wis­sen tut man es aber doch nicht.
        Aber die­se Zuschrei­bun­gen die­nen ganz her­vor­ra­gend dazu, das Bild von einem Des­po­ten auf­zu­bau­en, der ein gro­ßes Land im Allein­gang regiert.
        Und dar­auf ste­hen die West­ler gera­de­zu, wenn es um Russ­land und um ande­re bekann­te Feind­bil­der geht. In etwa wie Bestä­ti­gung von Klischees.
        Dar­um wür­de ich da lie­ber nicht mit so gro­ßer Bestimmt­heit sprechen.

        Ich wür­de den­ken, eine ein­heit­li­che euro­päi­sche Linie zu Russ­land wird es auch in Zukunft nicht geben - aus dem ein­fa­chen Grun­de her­aus, dass die euro­päi­schen Staa­ten ein­zeln ein zu unter­schied­li­ches Ver­hält­nis zu Russ­land haben.
        Man­che ver­sin­ken gera­de­zu in Hass­rhe­to­rik und sind nicht bereit, davon auch nur einen Zen­ti­me­ter abzu­wei­chen - ande­re wie­der­um, wie Deutsch­land, haben die­se Posi­ti­on in nicht so lupen­rei­ner Aus­prä­gung und sind auch wie­der­um zum Teil fest auf die Roh­stof­fe für ihre Wirt­schaft ange­wie­sen, die aus Russ­land kom­men, und da macht es sich schlecht, wenn man mit dort stän­dig umspringt wie die Ame­ri­ka­ner Völ­ker­recht igno­rie­ren, wenn es ihren Plä­nen im Weg steht.

        Von rus­si­scher Sei­te ist mir im wirt­schaft­li­chen Sin­ne bekannt, das wird immer wie­der betont, dass die von ihrer Sei­te aus immer bereit waren (und es auch noch sind), mit den Euro­pä­ern zusam­men­zu­ar­bei­ten, wenn nicht so eine Poli­tik wie seit etwa 2013/2014 gegen sie betrie­ben wird.
        Eigent­lich sieht man es sogar mit einem Auge von Unver­ständ­nis, war­um sich die Euro­pä­er stets den Ame­ri­ka­nern so geschlos­sen anbie­dern und aus ihrem eige­nen Wirt­schafts­po­ten­zi­al wegen stän­di­ger inter­ner Strei­tig­kei­ten nichts rich­ti­ges machen.

        @wvs
        Kurz noch mal was zum Adel, den ich selbst zu den Rus­sen fest­stel­le: Hier in Euro­pa gab es einst die Auf­klä­rung, im Zuge des­sen auch eini­ge Köni­ge erkannt haben, dass sie etwas für ihr Volk tun müs­sen oder sie wer­den auf die Dau­er rebel­lie­ren (zusätz­lich dazu, dass man als Land mit schlech­tem Men­schen­ma­te­ri­al kei­ne Macht­stel­lung auf­bau­en kann).
        Russ­land hat solch eine Ent­wick­lung nicht gese­hen; deren Adli­ge haben sich auf­ge­führt wie die heu­ti­gen Olig­ar­chen - sich selbst mit vol­len Hän­den aus der Kas­se bedie­nen, dem Volk nichts zurück­las­sen, in Saus und Braus leben und den­ken, der Pöbel wird schon irgend­wie klar­kom­men. Da war gera­de­zu schon eine rich­tig abfäl­li­ge Hal­tung gegen­über dem Fuß­volk vor­han­den und man sah nicht den Zusam­men­hang, dass der Pöbel aber den Groß­teil der Arbeit macht, von dem sie alle profitieren.

        Also, auf der Basis muss­te es zwangs­läu­fig irgend­wann zu dem kom­men, was unter Lenin ange­scho­ben wur­de. Das waren ein­fach kei­ne halt­ba­ren Zustände.
        Dar­um dann auch die­se "Radi­kal­kur", dass man den Adel als gesam­te Klas­se mög­lichst los­wur­de und das durch Tod (Tote und aus­ge­stor­be­ne Blut­li­ni­en kön­nen kei­ne Ansprü­che mehr stellen).

        In Euro­pa hin­ge­gen war das eine Teils-Teils Geschich­te. Man­cher Adel war hier nicht nur rein nar­ziss­tisch moti­viert, auf sein eige­nes Wohl bedacht, son­dern war auch dar­auf bedacht, Ent­wick­lung vor­an­zu­trei­ben (und das kann man nur, wenn man nicht wie ein Des­pot herrscht und sei­ne Ein­woh­ner mit über­mä­ßig vie­len Steu­ern über­zieht). Genau­so wie hier auch nicht jeder klei­ne Ein­zel­un­ter­neh­mer zwin­gend auf Aus­beu­tung und Abzocke sei­ner Kun­den aus ist, nach dem ame­ri­ka­ni­schen Modell oder dem tra­di­tio­nel­len Model der typi­schen Krämerwirtschaft.

        Des­we­gen muss rei­ner Sowjet-/rus­si­scher Sozia­lis­mus, nur auf hier über­tra­gen, hier prak­ti­ziert scheitern.
        Weil es in Mit­tel­eu­ro­pa durch­aus Leu­te mit und ohne viel Geld gibt, die schon zu Ehr­lich­keit und Auf­rich­tig­keit in ihrem Tun erzo­gen wurden.
        Die brau­chen nicht zwin­gend eine radi­ka­le zwangs­ver­ord­ne­te Kol­lek­ti­vie­rung und stren­ge Beauf­sich­ti­gung, weil die auch von allein gera­de­aus lau­fen und nicht zwangs­läu­fig zu Gauk­lern werden.
        (Anbie­ten kann man sol­che Zusam­men­schlüs­se, und da wer­den auch eini­ge frei­wil­lig nicht Nein sagen, weil es für sie ihr wirt­schaft­li­ches Tun ein­fa­cher macht bzw. eine bes­se­re Absi­che­rung für sie selbst als auch Mit­ar­bei­ter darstellt.)

        Soweit ich das wahr­neh­me, haben die Rus­sen als Völk­chen in dem Punkt bis heu­te ein Defi­zit. Zu viel Mit­nah­me­men­ta­li­tät und Spei­chel­lecke­rei, Anbie­de­rung an Leu­te, die einen von ihrem Wohl­stand teil­ha­ben las­sen könnten.
        Da ist man hier schon etwas weiter.

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