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» .. A few weeks ago Margot Wallström, the Swedish foreign minister, denounced the subjugation of women in Saudi Arabia. As the theocratic kingdom prevents women from travelling, conducting official business or marrying without the permission of male guardians, and as girls can be forced into child marriages where they are effectively raped by old men, she was telling no more than the truth. Wallström went on to condemn the Saudi courts for ordering that Raif Badawi receive ten years in prison and 1,000 lashes for setting up a website that championed secularism and free speech. These were ‘mediaeval methods’, she said, and a ‘cruel attempt to silence modern forms of expression’. And once again, who can argue with that?
02. The backlash followed the pattern set by Rushdie, the Danish cartoons and Hebdo. Saudi Arabia withdrew its ambassador and stopped issuing visas to Swedish businessmen. The United Arab Emirates joined it. The Organisation of Islamic Co-operation, which represents 56 Muslim-majority states, accused Sweden of failing to respect the world’s ‘rich and varied ethical standards’ — standards so rich and varied, apparently, they include the flogging of bloggers and encouragement of paedophiles. Meanwhile, the Gulf Co-operation Council condemned her ‘unaccept-able interference in the internal affairs of the Kingdom of Saudi Arabia’, and I wouldn’t bet against anti-Swedish riots following soon.
03. Yet there is no ‘Wallström affair’. Outside Sweden, the western media has barely covered the story, and Sweden’s EU allies have shown no inclination whatsoever to support her. A small Scandinavian nation faces sanctions, accusations of Islamophobia and maybe worse to come, and everyone stays silent. As so often, the scandal is that there isn’t a scandal.
It is a sign of how upside-down modern politics has become that one assumes that a politician who defends freedom of speech and women’s rights in the Arab world must be some kind of muscular liberal, or neocon, or perhaps a supporter of one of Scandinavia’s new populist right-wing parties whose commitment to human rights is merely a cover for anti-Muslim hatred. But Margot Wallström is that modern rarity: a left-wing politician who goes where her principles take her.
04. Sins of omission are as telling as sins of commission. The Wallström non-affair tells us three things. It is easier to instruct small countries such as Sweden and Israel on what they can and cannot do than America, China or a Saudi Arabia that can call on global Muslim support when criticised. Second, a Europe that is getting older and poorer is starting to find that moral stands in foreign policy are luxuries it can no longer afford. Saudi Arabia has been confident throughout that Sweden needs its money more than it needs Swedish imports.
05. Finally, and most revealingly in my opinion, the non-affair shows us that the rights of women always come last. To be sure, there are Twitter storms about sexist men and media feeding frenzies whenever a public figure uses ‘inappropriate language’. But when a politician tries to campaign for the rights of women suffering under a brutally misogynistic clerical culture she isn’t cheered on but met with an embarrassed and hugely revealing silence .. «
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».. Vor ein paar Wochen verurteilte Margot Wallström, die schwedische Außenministerin die Unterdrückung der Frauen in Saudi-Arabien. Sie schilderte lediglich die Wahrheit als sie ansprach, dass das theokratische Reich Frauen daran hindert ohne Erlaubnis eines männlichen Begleiters zu reisen, Geschäfte abzuschließen oder dass Mädchen, in Kinderehen gezwungen, von alten Männern vergewaltigt werden. Wallström hat die saudischen Gerichte dafür angegriffen, dass sie Raif Badawi zu zehn Jahren Haft und 1.000 Peitschenhieben für die Einrichtung einer Website, die Säkularisierung und die Meinungsfreiheit verteidigte, verurteilt haben. Dies seien "mittelalterliche Methoden", sagte sie, und der "grausame Versuch, moderne Ausdrucksformen zum Schweigen zu bringen." Und nochmals, wer könnte dem widersprechen?
02. Das Spiel folgt dem Muster das bei Rushdie, den dänischen Karikaturen und Hebdo zu beobachten war. Saudi-Arabien beorderte seinen Botschafter zurück und stoppte die Ausstellung von Visa an schwedische Geschäftsleute. Die Vereinigten Arabischen Emirate schlossen sich an. Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit, die 56 mehrheitlich muslimische Staaten repräsentiert, beschuldigt Schweden die 'reichen und vielfältigen ethischen Standards' nicht zu respektieren - Standards, so reich und vielfältig, wie es scheint, die Auspeitschung von Bloggern und Ermutigung von Pädophilen einschließen. Unterdessen verurteilte der Golf-Kooperationsrat ihre "inakzeptabele Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Königreichs Saudi-Arabien", und ich [der Autor] würde nicht dagegen wetten dass bald anti-schwedische Unruhen folgenden könnten.
03. Dennoch gibt es keine 'Wallström Affäre ". Außerhalb Schwedens haben die westlichen Medien die Geschichte kaum wahrgenommen, und die schwedischen EU-Verbündeten haben überhaupt keine Neigung gezeigt sie zu unterstützen. Eine kleine skandinavische Nation steht vor Sanktionen, Vorwürfen von Islamophobie und vielleicht wird es noch schlimmer kommen doch alle schweigen. Wie so oft ist der Skandal, dass es kein Skandal ist. Es ist ein Zeichen dafür, wie die moderne Politik auf den Kopf gestellt ist, dass man annimmt, dass ein Politiker, der die Meinungsfreiheit und die Rechte der Frauen in der arabischen Welt verteidigt eine Art muskulöser Liberaler oder Neokonservativer oder vielleicht ein Anhänger einer der neuen rechtspopulistischen Parteien Skandinaviens sein muss, deren Engagement für Menschenrechte nur ein Deckmantel für anti-muslimische Hass ist. Aber Margot Wallström ist eine moderne Rarität: Ein linke Politikerin, die ihren Prinzipien folgt.
04. Unterlassungssünden sind ebenso aufschlußreich ausgeführte Sünden. Die Verleugnung der Wallström-Äußerung sagt uns drei Dinge.
Es ist einfacher, kleine Länder wie Schweden und Israel darüber zu 'belehren', was sie tun und lassen dürfen, als Amerika, China oder gar Saudi-Arabien, das globalen muslimischen Support abrufen kann, wenn es kritisiert wird.
Zweitens, ein Europa, das immer älter und ärmer zu werden beginnt, muß feststellen, dass moralische Haltung in der Außenpolitik ein Luxus ist, den man sich nicht mehr leisten kann. Saudi-Arabien ist sich sicher, dass Schweden sein Geld mehr braucht als Saudi-Arabien die schwedischen Importe.
05. Schließlich und meiner Meinung nach am aufschlußreichsten, zeigt uns die Nicht-Affäre, dass die Rechte von Frauen immer zuletzt kommen. Um sicher zu gehen: Es gibt natürlich Twitterstürme wegen sexistischer Männer und Medienaufruhr, wenn eine öffentliche Person "unangemessene Sprache" verwendet. Aber wenn eine Politikerin versucht, für die Rechte von Frauen, die unter einer frauenfeindlichen, brutalen klerikalen Kultur leiden, einzutreten, wird sie nicht bejubelt sondern sie trifft auf verlegenes und äußerst aufschlussreiches Schweigen .. «
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[ⓒÜbersetzung W.v.Sulecki]
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