Dieser Beitrag entstand als Kommentar zu einem Artikel des hpd über einen Vortrag zur Evolution des Auges - einer Entmystifizierung, die darstellt, warum es zur Entstehung komplizierter Augen (wie denen der Säugetiere) keines "Schöpfers" bedurfte, sondern wie eine schrittweise Veränderung schließlich zu den heute beobachteten Formen führte.
Bedenken Sie bitte dabei¹, daß es in den letzten Jahrzehnten auf vielen Gebieten der Biologie (und anderer Naturwissenschaften) eine rasante Entwicklung gab!
Als ich 1970 anfing zu studieren gab es noch keine Biochemie als eigenständige Fachrichtung, sie war in die Physiologie *eingegliedert*. Ebenso gab es nur Ansätze an manchen Hochschulen die Genetik als eigenständiges Fach zu sehen/lehren. Heute, nur 50 Jahre später, ist das kaum noch glaubhaft zu machen.
Die Sichtweise die Schul-Biologie als eine Art abgespeckte Version des Faches zu lehren und auf wenige Grundlagen zu reduzieren ist der erste große Mangel in der Vorgehensweise:
Ein Ansatz der viel besser gewesen wäre (und sich bedauerlicherweise heute immer noch nicht durchgesetzt hat!) ist es übergreifende Prínzipien zu lehren und vereinfachte Merkmale als Hilfe zur Unterscheidung zu unterrichten um eine Breite der Erkenntnisse wachsen zu lassen.
Etwa so:
Wie unterscheiden sich die Gliedertiere voneinander? Durch die Zahl ihrer Beine, Krebse 10, Spinnen 8, Insekten 6 ... um nur ein Beispiel aufzuzeigen. Die Verschiedenheit der aufbauenden Strukturen können dann folgen, sie werden allerdings viel besser einzuordnen sein als wenn man nur ihre Form vergleichend einstudieren läßt.
Es kommt nicht immer auf vertieftes Fach- oder Spezialwissen hinsichtlich Molekülaufbau und Reaktions-Einzelheiten im Zitrat-Zyklus an - viel wichtiger wäre dessen zentrale Position für mannigfaltigen Molekül-Umbau exemplarisch darzustellen. Wer da *angefixt* ist lernt von alleine vertiefend weiter.
Wenn dann noch die Bedenkenträger schweigen, die Exkursionen von Schülern in die freie Natur (mit festem Untersuchungsziel!) für zu gefährlich, zu aufwendig und zu umständlich halten, dann wird die Begeisterung für das *Erforschen*, das alle Kinder (und meist noch Jugendliche) haben wenn man sie nicht durch Frontalunterricht mit unnützem Abfragewissen vollgestopft und abgestumpft hat, dann steht der Breite des Verständnisses und damit des Wissens nichts im Wege.
So, da habe ich mich ein wenig *ausgelassen* und fasse nochmal zusammen:
Weniger dröger Lernstoff - selbst erforschen lassen - mehr praktische Biologie in der Natur als im Klassenzimmer ... und wenn schon dort, dann mit Pflanzen & Tieren *zum anfassen* anstatt auf Bildschirmen.
Der Biologieunterricht den ich erlebt habe war so wie der, den Sie beschreiben². Ich hatte nur wenig Spaß daran und habe außerhalb der Schule 'studiert' - bin schließlich Biologe geworden. Eineinhalb Jahre habe ich Begeisterung für das Fach als "Aushilfslehrer" in einem Gymnasium vorgelebt. Wurde nur deswegen kein Lehrer, weil mir das Lehrplan-Konzept & -Korsett zu eng erschien. Deswegen habe ich das Diplom-Studium beendet. In dieser kurzen Zeit in der Schule ist es mir immerhin gelungen zwei Schüler so zu motivieren, daß sie selbst Biologie studiert haben ....

Kommentar beim hpd am 20. Januar 2026 - 0:22 Permanenter Link
¹ Siehe diesen Kommentar
² Siehe → dort







