Die bür­ger­li­che Gesell­schaft steht vor einem Dilem­ma:
Ent­we­der Über­gang zum Sozia­lis­mus oder Rück­fall in die Bar­ba­rei!"
¹
"Bour­geois socie­ty stands at the cross­road:
Eit­her tran­si­ti­on to Socia­lism or regres­si­on into Bar­ba­rism."

[Rosa Luxem­burg 1915]

Tra-la-la .... wir sind ja Alle so gut drauf!

Ein­gangs ein Zitat von einer bekann­ten Per­sön­lich­keit ist stets eine pas­sen­de Form einer Ein­lei­tung für einen kri­ti­sche Blog­bei­trag, weil so dem wer­ten Lese­pu­bli­kum klar bedeu­tet wird: Es gibt stets etwas zu ver­laut­ba­ren das die Gemü­ter zu erre­gen in der Lage ist - und des­we­gen regen Sie sich bit­te nicht so sehr auf wenn es sich hier wie­der­holt. Ganz neben­bei spielt sich das, was Rosa Luxem­burg postu­lier­te genau zu unse­rer Zeit in den USA ab - dort steht man vor dem End­sta­di­um, wenn nicht dem "End­kampf", eines kapi­ta­li­stisch orga­ni­sier­ten Systems, das durch Trump ein wenig schnel­ler an den Abgrund gescho­ben wur­de als es die vor­he­ri­gen Admi­ni­stra­tio­nen ver­moch­ten. Da die Demo­kra­ten dort nicht wirk­lich eine sozia­li­sti­sche Alter­na­ti­ve, son­dern nur eine mil­de­re Form des Raub­tier­ka­pi­ta­lis­mus dar­stel­len ist das Ergeb­nis bereits vor­pro­gram­miert. Der Zusam­men­bruch wird Dimen­sio­nen anneh­men, die in vor­aus­schau­en­der Form in Welt­un­ter­gangs­epen wie "Mad Max" oder "Cher­ry 2000" oder "Water­world" bereits fil­misch dar­ge­stellt wur­de.

Wor­um geht es nun hier?
Um Web­logs von Per­so­nen jen­seits des 50. Lebens­jah­res, die sich natür­lich gehäuft in einer ein­schlä­gig benann­ten Aggre­gat­platt­form fin­den las­sen. Eine sel­te­ne Gele­gen­heit, sich mit den Inhal­ten zu befas­sen, die sich dort aus­brei­ten.

Nun bin ich kein Sozio­lo­ge und habe bestimmt nicht den Anspruch den Fach­leu­ten den Rang abzu­lau­fen, gleich­wohl kann ich Eins und Eins zusam­men­zäh­len und dar­aus mei­ne Schlüs­se zie­hen, die ich Ihnen hier in die­sem Arti­kel prä­sen­tie­re. Womit wir beim obi­gen Zitat gelan­det sind. Denn fast nie han­delt es sich bei den Arti­keln in den unzäh­li­gen Blogs älte­rer Blog­ger um Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der aktu­el­len poli­ti­schen Welt­la­ge, der poli­ti­schen Situa­ti­on im euro­päi­schen Raum, und schon gar nicht um eine Beschäf­ti­gung mit der kon­kre­ten Poli­tik in Deutsch­land.

Die tat­säch­lich dem­ge­gen­über behan­del­ten The­men wer­den spä­ter noch zu bespre­chen sein, allen, nein, nur 'fast' allen Blogs gemein­sam ist gleich­wohl die­se fröh­lich-hei­te­re, unbe­schwert-posi­ti­ve Igno­ranz, die genau dar­in besteht "schwe­re" The­men wie Poli­tik, Umwelt, und Reli­gi­on total zu ver­mei­den. Wenn­gleich es doch genau die­se The­men sind, die nicht nur das Rent­ner­le­ben, son­dern das der nach­fol­gen­den Genera­tio­nen bestim­men. Wenn es den Groß­el­tern also tat­säch­lich wich­tig wäre wie es ihren Enkeln ein­mal erge­hen wird, dann müss­ten sie genau da anset­zen und ihre gan­ze Kraft und Über­zeu­gungs­fä­hig­keit ein­set­zen um die­ses Ziel zu errei­chen.

Hin­ge­gen: Weg­ducken, weg­se­hen, weg­leug­nen!

Frag­los scheint es die­sen Blog­be­trei­bern dem­nach so, als ob wesent­li­che gesell­schaft­li­che Ver­wer­fun­gen unbe­deu­tend sei­en und man sich daher auf 'son­sti­ge' The­men kapri­zie­ren kön­ne, gar müs­se, weil anson­sten die locker-flocki­ge Suuu­per­stim­mung ver­hunzt wer­den könn­te. Bilan­zie­rend ist fest­zu­hal­ten:


Wenn man sich den Pro­ble­men der Zeit ver­wei­gert, sie aus­klam­mert und sich nicht mit ihnen beschäf­tigt, so blei­ben sie doch da, und es sind Ande­re, die dann den Kurs bestim­men, wenn man selbst kei­ne Anstren­gung machen will Din­ge im eige­nen Sin­ne zu ver­än­dern.

 

Trotz­re­ak­ti­on: Jetzt erst recht, jetzt erst rich­tig!

Was fin­det man denn nun - ohne auf Ein­zel­hei­ten spe­zi­fisch ein­ge­hen zu wol­len - in den Web­logs der 50+ Genera­ti­on?

- Ver­leug­nung!
Das wer­den mun­ter The­sen ent­wickelt die etwas so über­schrie­ben wer­den könn­ten:
- Ich fühl mich aber viel jün­ger
- Alt wer­den kommt spä­ter
Da Eini­gen der Ver­dacht kommt, das sei mög­li­cher­wei­se wirk­lich­keits­fremd
- schein­ba­re Annah­me des Alterns und den Fol­gen umge­münzt in
- Lebens­kunst, klei­ne Fluch­ten, Ablen­kun­gen vom unaus­weich­li­chen Ende.

- Flucht!
Ersatz­the­men sind man­nig­fal­tig, sie umspan­nen das, was bei jün­ge­ren Blog­gern an The­men auf­ge­grif­fen wird. Es sind bilan­zie­rend nicht alters­be­zo­ge­nen Spe­zi­al­re­zep­te, was noch ver­ständ­lich wäre, wenn man ein bestimm­tes Publi­kum vor Augen hat, für das man bloggt. Aber so?

- Essen / Super­food / Kochen
Hier feh­len die alters- bzw. krank­heits­be­zo­ge­nen Rezep­te, denn nach­weis­lich sind die phy­sio­lo­gi­schen Bedin­gun­gen im altern­den Orga­nis­mus sehr ver­schie­den von denen, die bei jün­ge­ren Men­schen ablau­fen.

- Foto­gra­fie­ren
Angeb­lich haben älte­re Per­so­nen 'den Blick fürs Wesent­li­che', etwas was den Jün­ge­ren durch Man­gel an Erfah­rung frag­los abge­hen könn­te - doch dafür habe ich weder in der einen noch der ande­ren Rich­tung je Bewei­se gese­hen. Es sind Behaup­tun­gen, nichts wei­ter. Da ist es eher ange­mes­sen in 'qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Foto­gra­fie' oder 'schlech­te Foto­gra­fie' zu unter­tei­len.

- Rei­sen
Nun, da haben sich die Blog­ger schwer getan die Covid­zei­ten locker-flockig durch­zu­ste­hen. Zumal es sowie­so kri­ti­scher betrach­tet wird wenn man das Rei­sen unter Umwelt­ge­sichts­punk­ten betrach­tet. Die Zukunft die­ser Blog­ka­te­go­rie scheint mir nicht sehr rosig zu sein.

- Gar­ten
Ist die Pfle­ge und Erhal­tung ein The­ma für die Mas­se der Alten? Wohl kaum, betrach­tet man die Ver­tei­lung von Eigen­tum an Immo­bi­li­en. Es ist dem aller­dings ein wah­res Inter­es­se zuzu­rech­nen, wenn es sich um Schre­ber­gär­ten han­delt, denn die wer­den von allen Alters- und Ein­kom­mens­rent­nern betrie­ben.

- Hand­ar­bei­ten
Auf­ge­wach­sen mit einer Mut­ter, die stets eine Hand­ar­beit irgend­wo in der Woh­nung lie­gen hat­te, müss­te ich begei­stert sein, dass die­se Beschäf­ti­gung immer noch Anhän­ger fin­det. Für Not­zei­ten ist eine sol­che Fer­tig­keit bestimmt sehr hilf­reich, zumal die Ver­sor­gung mit Klei­dung kri­tisch wer­den könn­te - aber wie sieht es dann mit dem Nach­schub von Mate­ri­al aus? Als rei­ne 'Beschäf­ti­gungs­mög­lich­keit' ja, den­noch bestimmt kein 'Lebens­zweck'.

Wirk­lich wich­ti­ge The­men, etwa die Aus­ein­an­der­set­zung mit Aspek­ten der
- Umwelt
- Poli­tik
- Reli­gi­on
- irre­füh­ren­den Wer­bung für nutz­lo­se (Pseu­do­me­di­zin-) Pro­duk­te
wer­den aus­ge­klam­mert. Eso­te­rik und Pseu­do-Wis­sen­schaft dage­gen erle­ben beson­ders bei älte­ren Blog­be­trei­bern offen­bar eine her­aus­ra­gen­de Beach­tung, ja sind der ein­zi­ge Gegen­stand. Mich dazu ein­zu­las­sen ist mir mei­ne Zeit zu scha­de. Ich bedaue­re alle 'Jün­ger' sol­cher Leh­ren. Sie sind ein­fäl­tig und gut­gläu­big - und dage­gen hel­fen kei­ne Argu­men­te. Abge­hakt!

Im Gegen­teil machen sich älte­re Blog­ger oft zum Sprach­rohr von Geschäf­te­ma­chern, um als 'Influ­en­cer' oder 'Ver­trau­ens­per­so­nen' ihren Alters­ge­nos­sen gegen die klei­nen, lästi­gen Beschwer­den des Alterns, gegen die es kei­ne wirk­li­che Abhil­fe gibt, viel Geld für nutz­lo­se Pro­duk­te abzu­luch­sen, die fol­gen­des bestimmt nicht kön­nen:
Das Altern stop­pen und den Ver­fall ver­hin­dern.

Die­se Art von getarn­ter Wer­bung für nutz­lo­se, ja oft gesund­heits­schäd­li­che Mit­tel­chen ist Per­fi­die und ver­ab­scheu­ungs­wür­di­ge Geld­ma­che­rei. Wie alle Bestre­bun­gen die Unwis­sen­heit aus­zu­nut­zen, die in man­cher­lei Hin­sicht in der Brei­te der Bevöl­ke­rung vor­han­den ist.

Zuletzt noch ein Wort zu den krampf­haft 'jun­gen Alten'. Die wol­len so hip erschei­nen wie die Nachfolgegeneration(-en). Da fra­ge ich mich immer wenn ich Sta­ti­sti­ken zur Fre­quenz der Arzt­be­su­che sehe:
Von wem wer­den dann die War­te­zim­mer gefüllt? Sind die 50+ Blogger:innen eine posi­ti­ve Aus­le­se der Gesamt­heit der (bald erst oder tat­säch­lich schon) Rent­ner?

Wenn Sie zur Grup­pe der 50+ Blogger:innen gehö­ren:
Was ist ihre Moti­va­ti­on?

¹ Kom­plet­tes Zitat:
„Die bür­ger­li­che Gesell­schaft steht vor einem Dilem­ma: Ent­we­der Über­gang zum Sozia­lis­mus oder Rück­fall in die Bar­ba­rei! Wir ste­hen vor der Wahl: ent­we­der Tri­umph des Impe­ria­lis­mus und Unter­gang jeg­li­cher Kul­tur wie im alten Rom, Ent­völ­ke­rung, Ver­ödung, Dege­ne­ra­ti­on, ein gro­ßer Fried­hof. Oder Sieg des Sozia­lis­mus, das heißt der bewuss­ten Kampf­ak­ti­on des inter­na­tio­na­len Pro­le­ta­ri­ats gegen den Impe­ria­lis­mus und sei­ne Metho­de: den Krieg. Dies ist das Dilem­ma der Welt­ge­schich­te, ein Ent­we­der-Oder, des­sen Waag­scha­len zit­ternd schwan­ken vor dem Ent­schluss des klas­sen­be­wuss­ten Pro­le­ta­ri­ats."

Sie­he auch → Schau' 'mal wer da bloggt ..!?