.
Es gibt ".. Vie­le .. die zwar nur mit­tel­mä­ßig begabt, aber davon über­zeugt sind, außer­or­dent­lich klug zu sein. Eine gewis­se Bau­ern­schläue und Lebens­fä­hig­keit, prak­ti­schen Ver­stand, spre­che ich denen nicht ab. Sie sind aber nun mal kei­ne Ein­steins und schlim­mer­wei­se wol­len sie das soooo ger­ne sein .."

Es ist ein grö­ße­res Pro­blem als es vor­der­grün­dig zu sein scheint:
Aus dem emp­fun­de­nen Man­gel wird über die Zeit Aggres­si­on, sehr bedau­er­lich, denn es könn­te ja auch Erkennt­nis wach­sen nicht so sein zu kön­nen wie sie es sich wün­schen - und es ein­fach hin­zu­neh­men.

Wis­sen­schaft ist sol­chen Leu­ten suspekt - war­um?
Weil sie nie einen Fuß in eine höhe­re Lehr­an­stalt gesetzt haben und so nicht ler­nen konn­ten was "Wis­sen­schaft" aus­macht.

Anstatt nur über die­sen Man­gel zu lamen­tie­ren möch­te ich hier den Ver­such unter­neh­men - am Bei­spiel der Bio­lo­gie - ein paar Hin­wei­se zu geben was Wis­sen­schaft aus­macht und war­um es nicht jedem gege­ben sein kann sich wis­sen­schaft­lich zu betä­ti­gen.

  1. Wis­sen­schaft arbei­tet mit bestimm­ten Metho­den. Die­se sind 'stan­dar­di­siert', d.h. sie wer­den über­all auf der Welt in annä­hernd glei­cher Form ange­legt, vor­be­rei­tet und aus­ge­führt. In den Ver­öf­fent­li­chun­gen der Ergeb­nis­se von sol­chen Stu­di­en wer­den die durch­ge­führ­ten Pro­zes­se beschrie­ben - und zwar so, dass sie von Drit­ten exakt nach­zu­voll­zie­hen sind.
  2. Eine wei­te­re Vor­aus­set­zung ist es ein bestimm­tes Fach­ge­biet zu über­schau­en bevor man sich Gedan­ken machen kann wie die Erkennt­nis­se die­ses Fach­be­reichs erwei­tert wer­den könn­ten. Das erreicht nie­mand ohne jah­re­lan­ges Stu­di­um und eben­so lan­ge Beschäf­ti­gung mit den The­men der For­schung.
  3. Drit­tens muß dann das Pro­ze­de­re gelernt und beherrscht wer­den, das für die Anla­ge und Durch­füh­rung benö­tigt wird. Bei den mei­sten Wis­sen­schaft­lern ist das ein fort­lau­fen­der Pro­zeß, denn mit dem ersten Tag des Stu­di­ums wer­den der­glei­chen Abläu­fe bespro­chen, bewer­tet und selbst erst unter Anlei­tung, spä­ter selb­stän­dig aus­ge­führt.

Zum bes­se­ren Ver­ständ­nis fol­gen nun eini­ge Bei­spie­le für sol­che For­schungs­tä­tig­keit:

  • Beob­ach­tung
    Die Beob­ach­tung erfolgt ohne (Auge, ande­re Sin­ne) oder mit Hilfs­mit­tel (Lupe, Mikro­skop)
    Dabei ist wesent­lich das Objekt der Unter­su­chung durch die­se in kei­ner Wei­se zu ver­än­dern oder zu beein­träch­ti­gen und das Beob­ach­te­te ohne sprach­li­che Aus­schmückung oder emo­tio­na­le Ver­brä­mung sach­lich zu beschrei­ben.
  • Unter­su­chung
    Der Unter­schied zur rei­nen Beob­ach­tung ist die Zuhil­fe­nah­me von Werk­zeu­gen um inne­re Struk­tu­ren anse­hen zu kön­nen. Dabei wird unter wei­test­ge­hen­der Scho­nung des Unter­su­chungs­ge­gen­stan­des des­sen Auf­bau von außen nach innen frei­ge­legt und in Bild und Beschrei­bung fest­ge­hal­ten.
    Die Unter­su­chung stellt eine Beob­ach­tung mit 'erwei­ter­ten' Mit­teln dar.
  • Expe­ri­ment
    Die For­men des Expe­ri­men­tes rich­ten sich nach dem Unter­su­chungs­ge­gen­stand. Es kön­nen Ver­su­che im Frei­en (Feld­ver­such), unter ein­schrän­ken­den Bedin­gun­gen (Geschlos­se­ner Frei­land­ver­such), im Labor (Labor­ver­such), oder in Reak­ti­ons­ge­fä­ßen (Reagenz- oder Kam­mer­ver­such) bzw. Misch­for­men aus allen Expe­ri­men­tier­an­ord­nun­gen sein.
    • Aus­gangs­punkt ist eine Fra­ge­stel­lung, die meist schon die Expe­ri­ment­form bedingt.
    • Zwei­ter Schritt ist die Ver­suchs­an­ord­nung, die mög­li­che Feh­ler­quel­len aus­zu­schei­den ver­sucht und den Ablauf vor­gibt, nach dem der Ver­such erfol­gen soll.
    • Drit­tens wird eine Hypo­the­se dazu auf­ge­stellt, wel­ches Ergeb­nis man erwar­tet.
  • Ver­gleich
  • Die ver­glei­chen­de Betrach­tung von Struk­tu­ren, gene­ti­scher Kon­stel­la­ti­on und Merk­ma­len, die sich ähneln, geben Hin­wei­se auf die Ent­wick­lung der beleb­ten Umwelt im Lau­fe der Erd­ge­schich­te. Hier kommt die Palä­on­to­lo­gie - die der Bio­lo­ge in sei­ne Über­le­gun­gen ein­be­zie­hen wird - ins Spiel, denn in den Gesteins­for­ma­tio­nen fin­den sich vie­le Bei­spie­le dafür, wie sich bestimm­te Arten ver­än­dert und aus­ein­an­der oder auf­ein­an­der zu ent­wickelt haben.

    Dar­wins For­schung zur Ent­ste­hung der Arten ist das Para­de­bei­spiel dafür, wie aus Ver­gleich und Beob­ach­tung eine The­se ent­wickelt wur­de - für die dann im Lau­fe der Zeit vie­le Bewei­se "pro" und weni­ge zu "kon­tra" gefun­den wur­den.
    Mehr als jede ande­re Wis­sen­schaft ist die Bio­lo­gie nicht nur aus die­ser 'moder­nen' Zeit zu betrei­ben, son­dern sie braucht für ihre Erkennt­nis­se den Blick zurück in die Ver­gan­gen­heit.