bookmark_borderRevisited: 70 = 50 ...?

Alter sei, so las ich kürz­lich, ledig­lich eine Fra­ge der Einstellung:

"70 ist die neue 50"!

Wer sol­che The­sen auf­stellt - bei­na­he hät­te ich geschrie­ben: Wer sol­chen Unfug ver­zapft - kann nicht älter als höch­stens Mit­te Vier­zig sein.

Ich erin­ne­re mich noch genau an die Zeit als ich Fünf­zig war. Ver­gli­chen mit dem, wie die Umstän­de heu­te, mit Sieb­zig, sind, sehe ich kei­nen Anlaß zu Jubel oder Eupho­rie anläß­lich des Älterwerdens.

Klar, die Zei­ten haben sich geän­dert. Vie­les, was man frü­her mit Sieb­zig nie getan hät­te ist heu­te völ­lig nor­mal. Das sieht man schon, wenn man die Klei­dung älte­rer Leu­te betrach­tet. 'Beige' über­wiegt, oft kom­bi­niert - es läßt sich ja so gut kom­bi­nie­ren - mit freund­li­chen, hel­len Farben.

Die Paten­tan­te mei­ner Mut­ter war, solan­ge ich mich erin­nern kann, 'zeit­los' geklei­det. Schwar­zes bis dun­kel­grau­es Kleid oder Rock mit etwas hel­le­rer Blu­se, dar­über eine arm­lo­se Kit­tel­schür­ze, um die Hüf­te eine Arbeits­schür­ze, die Haa­re zu einem Kno­ten ("Dutt") mit Haar­na­deln auf dem Hin­ter­kopf befestigt. 

Ihr Mann, mein Groß­on­kel, hat­te eine graue Hose, meliert, mit schwar­zen Fäden durch­zo­gen und Hosen­trä­gern. Letz­te­re waren am Ende mit je zwei Leder­schlau­fen ver­se­hen, die wie­der­um an pas­send plat­zier­ten Knöp­fen im Hosen­bund befe­stigt waren. Sein Hemd war kra­gen­los. Den Kra­gen knöpf­te man nur an das Hemd wenn es qua­si-offi­zi­el­le oder fei­er­li­che Anläs­se zu bege­hen hieß. Dar­über trug er eine graue Strick­we­ste, die hat­te ihm sei­ne Frau selbst gestrickt, so wie meh­re­re ande­re, gleich­ar­ti­ge, aber ver­schie­den grau gefärb­te Westen ähn­li­chen Zuschnitts. Wie­der zu beson­de­ren Anläs­sen wur­de ein Sak­ko aus dem Schrank geholt. Die Schul­tern abge­bür­stet um den Staub zu ent­fer­nen, der sich ange­sam­melt hat­te, weil das gute Stück so lan­ge unbe­nutzt im Schrank geblie­ben war ....

Ja, es hat sich Vie­les seit Mit­te des letz­ten Jahr­hun­derts geän­dert, aber immer zum Besseren?

Ver­lust, Nie­der­gang und Aus­son­de­rung - das sind die Stich­wor­te die mit dem Altern ein­her­ge­hen. Gut, da hat sich in den letz­ten Jahr­zehn­ten so man­ches geän­dert, aller­dings mehr an der Ober­flä­che, erzwun­gen von den so genann­ten "jun­gen Alten" (der Begriff ist übri­gens eine Erfin­dung der Main­zer Kar­ne­va­li­sten, wer hät­te das gedacht?)

Ver­lust:
" .. die Beschäf­ti­gung mit Tod und Ster­ben wird von der älte­sten Gene­ra­tion viel stär­ker ver­drängt als dies je zuvor der Fall war .. "

Freun­de und Bekann­te ster­ben weg. Alter bedeu­tet zuneh­men­de Redu­zie­rung der Zahl von Per­so­nen, denen man ver­traut. Beson­ders betrof­fen sind sol­che älte­ren Men­schen, die - aus wel­chen Grün­den auch immer - selbst kei­ne Kin­der haben. Gut, da gibt es Son­der­fäl­le in denen Frem­de näher ste­hen als eige­ne Kin­der, die Regel ist es aller­dings nicht.

Nie­der­gang:
" .. Je älter die Leu­te sind desto kla­rer steht ihnen die End­lich­keit .. des Lebens vor Augen. Ein guter Grund das Schick­sal nicht her­aus­zu­for­dern .. " schrieb ich vor eini­ger Zeit in einem Bei­trag zum Auto­fah­ren älte­rer Personen.

Nichts bleibt wie es frü­her ein­mal war: Nach­las­sen­de Seh­kraft, nach­las­sen­de Mus­kel­kraft, nach­las­sen­de Reak­ti­ons­ge­schwin­dig­keit - all das trägt zu einem erhöh­ten Risi­ko bei, das älte­re Auto­fah­rer nun ein­mal dar­stel­len. Was aller­dings stets ver­ges­sen wird sind die viel trau­ri­ge­ren (weil ver­meid­ba­ren) Risi­ken durch jün­ge­re Fah­rer: Alko­hol, Selbst­über­schät­zung, über­höh­tes Tem­po, gerin­ge Erfah­rung in Extrem­si­tua­tio­nen. Die tat­säch­li­chen Zah­len spie­geln ledig­lich die Tat­sa­che wider, dass die Kom­pen­sa­ti­on der Ein­schrän­kun­gen den Älte­ren bes­ser gelingt als den Jün­ge­ren sich in Zaum zu halten. 

Aus­son­de­rung:
" .. Wir finan­zie­ren seit Jahr­zehn­ten ein Gesund­heits-System das uns eine län­gere Lebens­er­war­tung beschert und durch die­se Per­spek­tive ver­schie­ben wir gleich­zei­tig das Ren­ten­al­ter ste­tig – und zwangs­läu­fig – immer wei­ter nach hin­ten .. per Sal­do gewin­nen wir (“die All­ge­mein­heit”) dadurch nichts als mehr Streß in den vie­len Arbeits­jah­ren .. "

Die ärg­sten Ver­lie­rer sind jene Alten, die wegen gei­sti­gen Abbaus in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen 'abge­scho­ben' wer­den. Glück­li­cher­wei­se erken­nen vie­le davon nicht mehr was man ihnen da antut. Wobei der Ver­lust an Selbst­be­stim­mung sicher nur ein klei­ner Teil des Elends ist.

"70 ist die neue 50"! - ich kor­ri­gie­re mei­ne Ein­schät­zung im ein­lei­ten­den Absatz:
Wer sowas behaup­tet kann höch­stens Mit­te Drei­ssig sein. 

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Zu die­sem The­ma ergän­zen­de Artikel:


[Erst­ver­öf­fent­li­chung: 01.06.2016 @ 02:21]

bookmark_borderReichsbürger

Es heißt ja, die Geschich­te sei dazu da von ihr zu ler­nen. Was ler­nen wir also aus der Geschich­te in Bezug auf die plötz­li­chen Akti­vi­tä­ten der baye­ri­schen Ver­wal­tung & Justiz gegen die Reichsbürger?

Es ist ein Para­de­bei­spiel dafür, wie mit bestimm­ten Adjek­ti­ven in der Bericht­erstat­tung ein Bild bei Zuhö­rern & ~sehern erzeugt wird, das man nur als "Zerr­bild der Wirk­lich­keit" bezeich­nen kann.

Die mei­sten der Reichs­bür­ger sind kei­ne Rechts­ra­di­ka­len, radi­kal und unbe­irr­bar sind sie aller­dings schon: Wenn es näm­lich um die Frasge geht ob die Bun­des­re­pu­blik Rechts­nach­fol­ge­rin des drit­ten Rei­ches ist. Da kommt ein glat­tes "Nein" - die Bun­des­re­pu­blik sei, so erklär­te man mir, eine GmbH mit Sitz in New York. [Sie­he ande­re Ver­sio­nen bei WIKIPEDIA]


>>>>>> Anders als in den Medi­en behaup­tet datie­ren die Reichs­bür­ger den letz­ten recht­lich fun­dier­ten Staat "Deutsch­land" auf das Kai­ser­reich zurück, also nicht die Gren­zen von 1937, son­dern die Gren­zen des Kai­ser­rei­ches vor 1912. 

Die soge­nann­ten "Reichs­bür­ger" sind kei­ne unbe­deu­ten­de Min­der­heit, es sind eine Men­ge Men­schen - und die wur­den in den letz­ten Jah­ren immer mehr. So vie­le, dass schon seit Jah­ren die Ver­fas­sungs­schüt­zer der Bun­des­län­der die Akti­vi­tä­ten der Reichs­bür­ger zu durch­schau­en und zu erfas­sen suchen. Da haben uns heu­te, 19.10.2016, am Tag die­ses Zwi­schen­falls in Bay­ern, die Pres­se und das Fern­se­hen falsch infor­miert, mög­li­cher­wei­se, das muß man ein­räu­men, aus purer Unwissenheit.

Mich erin­nert das an die Anfän­ge von Baa­der-Mein­hof. Erst ganz weni­ge Infor­ma­tio­nen, dann plötz­lich gro­ßes Getö­se in den Medi­en und gleich­zei­ti­ge Straf­ver­schär­fung für Straf­ta­ten, die man die­ser Grup­pe zuord­ne­te. Der näch­ste Schritt war die völ­li­ge Dämo­ni­sie­rung ohne eine Aus­ein­an­der­set­zung mit den Zie­len und Argu­men­ten - und dann die tota­le Ver­fol­gung mit allen Mit­teln die dem Staat zur Ver­fü­gung stehen.

Herr­mann, der baye­ri­sche Innen­mi­ni­ster, deu­te­te schon an "inten­si­ver" gegen die­se Leu­te vor­ge­hen zu wol­len. Sie wer­den der Poli­tik wohl unbe­quem, und es soll ein Exem­pel sta­tu­iert werden.

Was hat denn den För­ster plötz­lich "nicht mehr zuver­läs­sig für den Besitz einer Waf­fe" gemacht? DAS hat bis­her in den Medi­en nie­mand erklärt.

Wären Sie, lie­be Lesen­de, nicht auch erstaunt wenn man Ihnen so ganz aus hei­te­rem Him­mel plötz­lich ein bis­he­ri­ges Recht abspre­chen woll­te - nur weil sie den Staat kri­tisch sehen und sei­ne recht­mä­ßi­ge Exi­stenz anzweifeln? 

Der Fra­ge, war­um g e n a u die baye­ri­sche Ver­wal­tung dem Mann sei­ne Waf­fen weg­neh­men woll­te hat sich noch nie­mand in der Bericht­erstat­tung ange­nom­men - und da wäre doch der Ansatz für Außen­ste­hen­de zu ver­ste­hen, ob die­ser Ver­wal­tungs­akt gerecht­fer­tigt oder will­kür­lich war. Was danach folg­te ist doch nur abschlie­ßend zu beur­tei­len, wenn man die Hin­ter­grün­de kom­plett überschaut.

Soweit ich es ver­stan­den habe:
"unge­eig­net" war der Mann nicht etwa weil er jeman­den bedroht hät­te, son­dern ledig­lich, weil er von sei­nem Recht auf freie Mei­nungs­äu­ße­rung Gebrauch gemacht hat und das der baye­ri­schen Ver­wal­tung nicht gefal­len hat - das ist eine gefähr­li­che Ent­wick­lung, die wir so zuletzt vor '33 hat­ten. Und gleich nach der Hitler'schen Macht­über­nah­me, in deren Fol­ge alle Ander­den­ken­den erst aus­ge­son­dert, dann geäch­tet, und zuletzt in KZs ermor­det wurden.

Gera­de der Innen­mi­ni­ster in Bay­ern ist nicht zim­per­lich wenn es dar­um geht Anders­den­ken­de anzu­schwär­zen, aus­zu­son­dern, zu ächten ....

Damit ich nicht ver­kehrt ver­stan­den werde:

  • Ich bin weder "Reichs­bür­ger" noch sym­pa­thi­sie­re ich mit deren Thesen;
  • Ich leh­ne jede Art von gewalt­sa­mer Akti­on zur Durch­set­zung von poli­ti­schen oder Welt­an­schau­ungs­zie­len ab;
  • Ich tre­te hier für freie Mei­nungs­äu­ße­rung auch von noch so abstru­sen Ideen ein, selbst wenn sie mir nicht gefal­len, denn sie sind ein Grund­pfei­ler der Demokratie.

bookmark_borderSo wird das nichts mit der Integration ....

Beim Ein­kauf im Super­markt beob­ach­te ich gern mal was die Leu­te so in ihren Ein­kaufs­wa­gen her­um­fah­ren. Wenn ich dazu anhal­ten muß fah­re ich mei­nen Wagen so an die Sei­te, dass er nir­gends häu­fig nach­ge­frag­te Pro­duk­te ver­sperrt. Also ein mög­lichst gerin­ges Ärger­nis für ande­re Kun­den darstellt.

Vie­le ande­re Kun­den machen das genauso.

Vor ein paar Tagen war ich wie­der mal gezwun­gen erst nach 19:00h ein­zu­kau­fen - um die­se Zeit ist es sehr ruhig, meist hält sich ledig­lich eine Hand­voll Kun­den dort auf.

Wir stan­den vor dem Yoghurt­re­gal - um uns her­um nicht ein ein­zi­ger ande­rer Kun­de - und such­ten gera­de die Geschmacks­rich­tun­gen raus die wir gern essen als plötz­lich eine jun­ge Frau mit Kopf­tuch, von der Sei­te kom­mend, sich erst zwi­schen mei­ne Frau und das Regal, dann zwi­schen mich und das Regal schob.

Die natür­li­che Reak­ti­on auf eine Per­son, die sich so her­an drängt, ist ein Schritt zurück. Gleich hin­ter uns stand aller­dings der Ehe­mann, mit Kind auf dem Arm und vor sich eine Kin­der­kar­re, wodurch uns nach hin­ten eben­falls der Weg ver­sperrt war. Es blieb nur der Aus­weg seit­lich nach rechts und links ....

Eine sol­che Über­heb­lich­keit gepaart mit ellen­bo­gen­ver­stärk­ter Rück­sichts­lo­sig­keit haben wir noch nie erlebt. Die­sen Men­schen fehl­te jede Distanz - nur das eige­ne Ziel bestimm­te die Handlung.

Mög­li­cher­wei­se ist die­ses Ver­hal­ten in dem Her­kunfts­land die­ser Leu­te sozi­al ange­mes­sen - hier ist das, und dar­auf soll­ten sie aller­dings bei einem Inter­gra­ti­ons­un­ter­richt drin­gend hin­ge­wie­sen wer­den - nicht üblich und grob unhöflich.

Mir wur­de da zum ersten Mal bewußt wie weit der Weg zur voll­stän­di­gen Inter­gra­ti­on für eini­ge Zuge­wan­der­te noch ist. Sehr weit. Das Ehe­paar war nach Klei­dung und Geha­be schon eta­bliert, offen­bar tür­ki­scher Natio­na­li­tät. Das macht die Sache aller­dings nicht erfreu­li­cher oder ein­fa­cher - im Gegenteil.

bookmark_borderNeue "Quoten" braucht das Land ...!
*update* (01-07-2016)

Das Bei­spiel des Refe­ren­dums in Groß­bri­tan­ni­en hat es wie­der ein­mal gezeigt:

Die älte­ren Wäh­ler und länd­li­che Regio­nen sind kon­ser­va­tiv ein­ge­stellt. Sie ver­hin­dern so neue Ideen, alter­na­ti­ve Kon­zep­te und in die Zukunft wei­sen­de Pla­nun­gen. Dazu kommt der Ein­fluß derer, die Euro­pa schwä­chen wol­len und die 'Arbeit' der Lob­by­isten (vor­nehm für "Bestechung").

So wie dort in der EU / in Groß­bri­tan­ni­en ist es bei uns in Deutsch­land. Die Rent­ner - mit einer Ren­ten­er­hö­hung Mit­te die­sen Jah­res bei Lau­ne gehal­ten - wer­den wie­der CDUCSUSPDFDPGRÜNE wäh­len und es wird sich NICHTS in die­sem Land zum Bes­se­ren wenden. 

Des­we­gen ist es an der Zeit Ände­run­gen am Wahl­sy­stem vor­zu­neh­men. Eine Idee dazu hat­te ich frü­her schon ein­mal aufgeschrieben.

Nun etwas Neues:
Um den Jün­ge­ren - um deren Zukunft es bei jeder Wahl geht, die aber stets den Älte­ren gegen­über in der Min­der­zahl sind - mehr Gewicht zu ver­schaf­fen, müß­te dem Wahl­recht für die Stim­men­ge­wich­tung ein "Wer­tungs­fak­tor nach Lebens­al­ter" zuge­fügt werden. 

Etwas so:
16 - 20 Jah­re => Fak­tor 1,2
20 - 30 Jah­re => Fak­tor 1,4
30 - 40 Jah­re => Fak­tor 1,6
40 - 50 Jah­re => Fak­tor 2,0
50 - 60 Jah­re => Fak­tor 1,2
60 - 70 Jah­re => Fak­tor 0,8
70 - 80 Jah­re => Fak­tor 0,5
80 und älter   => Fak­tor 0,2

Die 20 - 50 Jah­re alten Wähl/-er/-innen hät­ten so trotz gerin­ge­rer Zahl durch den Mul­ti­pli­ka­ti­ons­fak­tor ein grö­ße­res Stimm­po­ten­ti­al. Je näher die Wäh­ler­schaft ihrem bio­lo­gi­schen Ende zugeht, desto gerin­ger wäre ihr Ein­fluß auf die aktu­el­le und zukünf­ti­ge Poli­tik des Landes.

Ver­bun­den mit einer - je nach Wahl­be­tei­li­gung - schwan­ken­den Zahl von Bun­des­tags­man­da­ten könn­te auf die­se Wei­se eine in die Zukunft gerich­te­te Poli­tik eine sehr viel bes­se­re Chan­ce haben als im der­zei­ti­gen System.

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*update*
[01.07.2016]
"kraut­re­por­ter" hat zu die­sem The­ma einen umfas­sen­den Beitrag

bookmark_borderVom "Alles wissen wollen"

Mei­ne seli­ge Mut­ter - sie ruhe in Frie­den - hat­te eine Lebens­weis­heit für Ehe­frau­en parat, die sie, Jahr­gang 1921, zu jeder pas­sen­den (oder auch unpas­sen­den) Gele­gen­heit zu äußern pflegte:

Männer dürfen Alles essen,
aber nicht Alles wissen.

Mir scheint, die­se Weis­heit hat sich, mit ein wenig ver­scho­be­ner Per­spek­ti­ve, bis in höch­ste Poli­ti­ker­krei­se verbreitet:

Bürger sollen wählen,
aber nicht Alles wissen.

In der ver­gan­ge­nen Woche gab es eine poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung zum The­ma "Trans­pa­renz zum Lob­by­is­mus im Bundestag"

abgeordnetenwatch.de schreibt dazu:

Dass aus­ge­rech­net zwei Poli­ti­ker der CDU/CSU gegen abgeordnetenwatch.de Stim­mung machen, hat uns nicht über­rascht. Denn unse­re erfolg­rei­che Haus­aus­weis-Kla­ge gegen den Bun­des­tag hat ver­gan­ge­nes Jahr ans Licht gebracht, dass die Uni­on per Geheim­ver­fah­ren mehr als 750 Lob­by­isten Zugang zu den Abge­ord­ne­ten­bü­ros ver­schafft hat - dar­un­ter Waf­fen­pro­du­zen­ten, Atom­kon­zer­ne und Frack­ing­un­ter­neh­men. Sie und vie­le ande­re gin­gen im Bun­des­tag jah­re­lang unent­deckt ein und aus.

Trotz all die­ser klei­nen Schrit­te in Rich­tung Trans­pa­renz - gegen erbit­ter­ten Wider­stand der­je­ni­gen Poli­ti­ker, die am mei­sten von den Lob­by­isten pro­fi­tie­ren, aber nicht wol­len, dass man davon erfährt - ist es noch ein lan­ger Weg bis die Mas­se der Abge­ord­ne­ten begreift:
Sie sind ihren Wäh­lern zuerst ver­pflich­tet, wenn es auch viel ein­fa­cher ist sich von eini­gen weni­gen Orga­ni­sa­tio­nen ali­men­tie­ren zu las­sen. Es gilt doch gera­de bei sol­chen Abhän­gig­kei­ten beson­ders wach­sam zu sein, denn "ACTIO = REACTIO", wer annimmt ist nach­her gezwun­gen zu geben.

Das grund­sätz­li­che Pro­blem der Ein­fluß­nah­me ist durch Trans­pa­renz allei­ne frei­lich noch nicht gelöst. Dazu bedarf es wei­te­rer Schrit­te. Einen davon hal­te ich per­sön­lich für den Wich­tig­sten überhaupt:
Nen­nen wir doch das, was da so scham­haft-ver­nied­li­chend, euphe­mi­stisch, als "Lob­by­is­mus" bezeich­net wird beim rich­ti­gen Namen - es ist, allei­ne schon von den Sum­men her betrach­tet, Bestechung! Ein Straftatbestand.

 

bookmark_borderIrgendein Depp mäht irgendwo immer ....

.... und natür­lich rat­tert eben­so eine Hecken­sche­re. Der Grün­schnitt wird am Schluß mit einem Laub­blä­ser weg­ge­pu­stet .... das hat schon Rein­hard Mey in Wor­te & Musik gefaßt. Sei­ne Ver­stim­mung scheint schon ein wenig abge­klun­gen zu sein. Min­de­stens klin­gen die Zei­len recht moderat.


 

Ich kom­me dar­auf, weil ich heu­te früh von infer­na­li­schem Lärm geweckt wurde.
Lärm von einer Heckenschere.
Da muß­te ich an Super­märk­te denken.
Sie wer­den den­ken "Super­märk­te?
Wie­so denn gera­de Super­märk­te?"

Der Grund dafür ist einfach:

Stel­len sie sich ein­mal vor was pas­sie­ren wür­de wenn - wahl­los - ein paar Super­märk­te in ihrem Wohn­ort nie­der­ge­ris­sen und weg­trans­por­tiert würden.
Da stün­den sie vor den kläg­li­chen Resten auf dem Grund­stück und müß­ten womög­lich sehr viel län­ge­re Strecken zurück­le­gen um sich zu ver­sor­gen. Wenn aller­dings auch rund­um alle Super­märk­te weg wären müß­ten sie sehr, sehr weit fah­ren - und wenn sie kei­nen Super­markt mehr fin­den müß­ten sie viel­leicht Hun­gers sterben ....

Nun stel­len sie sich ein­fach mal vor wie es den Bie­nen, Hum­meln und Schweb­flie­gen geht: 

Die fin­den nichts mehr für sich und ihre Nach­kom­men­schaft wenn Hecken, Büsche und Bäu­me auf "SCHÖN" getrimmt wer­den und dabei alle Blü­ten & Früch­te ver­nich­tet und weg­trans­por­tiert werden.

Leben geop­fert für eine aus­ufern­de "Ästhe­tik".
"Mein schö­ner Gar­ten" läßt grüßen.
Eine Schande.

[Quel­le]

bookmark_borderWas wir aus "Hänsel & Gretel" lernen ....

.. Vor einem gro­ßen Wal­de wohn­te ein armer Holz­hacker mit sei­ner Frau und sei­nen zwei Kin­dern; das Büb­chen hieß Hän­sel und das Mäd­chen Gre­tel. Er hat­te wenig zu bei­ßen und zu bre­chen, und ein­mal, als gro­ße Teue­rung ins Land kam, konn­te er das täg­li­che Brot nicht mehr schaf­fen. Wie er sich nun abends im Bet­te Gedan­ken mach­te und sich vor Sor­gen her­um­wälz­te, seufz­te er und sprach zu sei­ner Frau: »Was soll aus uns wer­den? Wie kön­nen wir unse­re armen Kin­der ernäh­ren da wir für uns selbst nichts mehr haben?« »Weißt du was, Mann«, ant­wor­te­te die Frau, »wir wol­len mor­gen in aller Frü­he die Kin­der hin­aus in den Wald füh­ren, wo er am dick­sten ist. Da machen wir ihnen ein Feu­er an und geben jedem noch ein Stück­chen Brot, dann gehen wir an unse­re Arbeit und las­sen sie allein. Sie fin­den den Weg nicht wie­der nach Haus, und wir sind sie los.« »Nein, Frau«, sag­te der Mann, »das tue ich nicht; wie sollt ich's übers Herz brin­gen, mei­ne Kin­der im Wal­de allein zu las­sen! Die wil­den Tie­re wür­den bald kom­men und sie zer­rei­ßen.« »Oh, du Narr«, sag­te sie, »dann müs­sen wir alle vie­re Hun­gers ster­ben, du kannst nur die Bret­ter für die Sär­ge hobeln«, und ließ ihm kei­ne Ruhe, bis er einwilligte .. "
[Quel­le]

Wie sehr sich doch die Zei­ten geän­dert haben seit die Gebrü­der Grimm "Hän­sel & Gre­tel" schrie­ben - haben sie sich tat­säch­lich so sehr geändert?

Kin­der sind sel­te­ner gewor­den in unse­rer Gesell­schaft, daher wer­den sie nicht als 'Last' oder 'zusätz­li­che Esser' gese­hen. Was aller­dings immer noch nicht bedeu­tet, dass sich ab einem bestimm­ten Alter die­se Ein­stel­lung nicht wandelt.
Ich nen­ne es "Ent­so­li­da­ri­sie­rung", also den Beginn eines Zeit­rau­mes in dem Eltern ihre Kin­der nicht mehr als Freu­de, son­dern als Bela­stung emp­fin­den.

Im Tier­reich ken­nen wir die "Nest­flüch­ter" und die "Nest­hocker", erste­re sind sofort nach ihrer Geburt völ­lig unab­hän­gig und oft auch auf sich allei­ne gestellt. Die Eltern­tie­re gehen ihrer Wege und küm­mern sich nicht mehr um den Nachwuchs.
Weil wir selbst uns um unse­re Nach­kom­men­schaft bemü­hen - die offen­bar zuneh­mend, wenn auch oft unfrei­wil­lig "Nest­hocker" sind und vie­le Jah­re brau­chen bis sie auf eige­nen Füßen ste­hen - nei­gen wir dazu sol­che Tie­re, die sich ähn­lich ver­hal­ten, sich also um ihre Jun­gen küm­mern, mehr zu mögen als die soge­nann­ten "Raben­el­tern".
Was den Raben übri­gens Unrecht tut.

 
Im eng­li­schen Sprach­raum wird der Begriff "Afforda­bili­ty" ver­wen­det, was über­setzt etwa "Bezahl­bar­keit" bzw. "Erschwing­lich­keit" bedeu­tet. Das hängt wahr­schein­lich mit der beson­de­ren angel­säch­si­schen Nei­gung zusam­men Alles zu quan­ti­fi­zie­ren, meß­bar und ver­gleich­bar machen zu wol­len. Der Begriff wird im wesent­li­chen dahin ver­stan­den, ob sich 'die Jone­ses von neben­an' etwas mehr oder weni­ger lei­sten kön­nen als man selbst.

Da die wei­ter­füh­ren­den Lehr­an­stal­ten dort (z.B. U.S.A.; Kana­da; Eng­land; Austra­li­en etc.) den Eltern erheb­li­che Kosten ver­ur­sa­chen trifft der Ter­mi­nus "Afforda­bili­ty" wahr­haf­tig zu. Denn es geht man­ches nur des­we­gen nicht, weil die Eltern es sich nicht lei­sten kön­nen. Obwohl ihre Kin­der das Poten­ti­al hät­ten. Eine beson­de­re Aus­prä­gung des Kapi­ta­lis­mus, die sich in den letz­ten Jah­ren ein wenig auf­ge­weicht hat, dann bedau­er­li­cher­wei­se die Absol­ven­ten mit einem Schul­den­berg im Nacken auf Arbeits­su­che entläßt.

Eine Vari­an­te zu alle­dem wird in Deutsch­land noch immer prak­ti­ziert, es ist das "Kost­geld" [eine ins Gegen­teil der ursprprüng­li­chen Bedeu­tung ver­kehr­te Bezeich­nung, sie­he Wiki­pe­dia], das Eltern von ihren Kin­dern ver­lan­gen sobald die­se über ein eige­nes Ein­kom­men ver­fü­gen und noch zu Hau­se woh­nen. Es ist aus der Mode gekom­men, wird von man­chen Eltern aber noch ver­langt und als völ­lig nor­mal ange­se­hen. Wahr­schein­lich des­we­gen, weil sie es genau so selbst erlebt haben.

Nun ist es sehr unter­schied­lich, was die­se Eltern mit dem Kost­geld tun: Wäh­rend es man­che als Zuschlag zu ihrem Haus­halts­bud­get sehen, spa­ren es ande­re Men­schen für ihre Kin­der. Sie wol­len auf die­se Wei­se sicher sein, dass nicht im jugend­li­chen Über­schwang Geld sinn­los ver­praßt wird.

Wie gesagt, es ist nicht der Nor­mal­fall, denn meist wer­den Kin­der bis sie das Haus ver­las­sen hier­zu­lan­de mit allem ver­sorgt was sie brau­chen, inklu­si­ve einer Ausbildung.

Davon völ­lig abge­setzt tritt ein wei­te­res, ganz unter­schied­li­ches Pro­blem­feld hinzu:
Die elter­li­che Unab­hän­gig­keit, der Wunsch, trotz der Sor­ge um ihre Kin­der, ein eige­nes 'Privat'leben zu haben.

Je nach Alter und Typo­lo­gie leben Eltern die­se Wün­sche ganz ver­schie­den aus:
Wäh­rend es man­chen nur dann wohl ist wenn sie ihre Kin­der um sich haben müs­sen ande­re ihre Kin­der zwar ver­sorgt, aber mög­lichst weit weg wis­sen - und natü­lich gibt es zwi­schen die­sen bei­den Extre­men alle denk­ba­ren Varianten.

Nach mei­ner Beob­ach­tung - und hier kom­me ich auf die ein­gangs beschrie­be­ne "Ent­so­li­da­ri­sie­rung" zurück - sind die­se Ver­hal­tens­wei­sen abhän­gig von drei Faktoren:

  • Alter
  • Bil­dungs­stand
  • Umfeld
  • (und zwar genau in die­ser Reihenfolge) 

Neh­men wir bei­spiels­wei­se Frau S.(35) und Herrn H.(40). Frau S. hat einen her­an­wach­sen­den Sohn M. (14). Frau S. und Herr H. wol­len über das Wochen­en­de ver­rei­sen. Der Sohn bleibt zu Hau­se, hütet Woh­nung und Hund.
Toll, denkt der Sohn, 'sturm­frei' das gan­ze Wochenende!

Wäh­rend also Frau S. und Herr H. sich irgend­wo ver­wöh­nen & ver­wöh­nen las­sen geht zu Hau­se die Post ab .... M. lädt Kum­pel & Kum­pelinen zum Grill­fest, die Musik dröhnt, es wird von Raum zu Raum getram­pelt. Toll, der M. wünscht sich es könn­te immer so bleiben.
Wirklich?

Betrach­ten wir das noch­mal genauer:
Frau S. und Herr H. haben Spaß, die Nach­barn weni­ger. Wäh­rend sich erste­re amü­sie­ren und sich um nichts küm­mern müs­sen treibt zu Hau­se der M. sein Unwesen.
Ist ihm dabei wirk­lich so wohl wie es den Anschein hat?
Ich bezweif­le das sehr.
Er ist allein, und das in einem Alter, in dem Jugend­li­che Ori­en­tie­rung und Anlei­tung brau­chen. In dem sie einen siche­ren Rück­halt haben müs­sen. Der M. hin­ge­gen teilt die Auf­merk­sam­keit sei­ner Mut­ter mit der für ihren 'Gefähr­ten' H. - sie hat zwar die Ver­ant­wor­tung für den M., ist dem alters- und intel­lekt­be­dingt kei­nes­wegs gewachsen.

"Ent­so­li­da­ri­sie­rung" bei allen Betei­lig­ten, eine trau­ri­ge Geschich­te, die doch anfangs so posi­tiv aussah.

Hän­sel & Gre­tel - von ihren Eltern ver­sto­ßen - haben es am Ende doch geschafft. Sie haben den Wid­rig­kei­ten getrotzt.
Aber das war ja ein Märchen ....

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" .. Wer­bung und das Vor­bild der Nach­barn schaf­fen immer neue Begier­den. „Kee­ping up with the Jone­ses“, nennt man das in den USA: Die Jones von neben­an haben immer ein grö­ße­res Auto, ein schicke­res Sofa, eine bes­se­re Espres­so-Maschi­ne .. " [Quel­le]


 
1
[Quel­le]

bookmark_borderLügen, dass sich die Balken biegen ....

Statistik aus "Die WELT" und "echte Zahlen" des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge 2016* im Vergleich

Hier zunächst die Abbil­dung aus der WELT:
["click!" auf die Abbil­dun­gen vergrößert]

1

Die Dra­ma­tik wird dadurch gestei­gert, dass die Zah­len kumu­liert wur­den, die Bal­ken also die Sum­me aus den Vor­mo­na­ten ent­hal­ten, zu denen der aktu­el­le Monat addiert wur­de - das ver­dop­pelt (!) in etwa die Gesamt­zahl. Noch dra­ma­ti­scher der Hin­weis für Dezem­ber > 1.000.000 [mehr als eine Million].
Wer bekommt bei die­sen Zah­len kei­ne Angst vor Überfremdung?

Die tat­säch­li­chen Zah­len aus dem Bun­des­amt, wobei die erste Spal­te die Sum­me aus den Spal­ten 2 und 3 darstellt:

1

Die­se Sta­ti­stik faßt die bei­den obi­gen Abbil­dun­gen zusam­men und stellt sie in einer Gra­fik dar. Die mitt­le­re Rei­he zeigt die Zah­len des Amtes kumu­liert - die Gra­fik der WELT hat die tat­säch­li­chen Anga­ben des Bun­des­am­tes absicht­lich ver­fälscht, und zwar indem die Zah­len unzu­läs­si­ger­wei­se addiert wurden:

1

Die­se letz­te Abbil­dung zeigt eine aktu­ell ver­öf­fent­lich­te Dar­stel­lung aus dem Bun­des­amt für Migra­ti­on mit den ersten Mona­ten 2016.
Es ist zu erken­nen, dass es einen Rück­gang zu ver­zeich­nen gab.

1

 
 

Zusam­men­fas­send läßt sich feststellen:
Die tat­säch­li­chen Asyl­be­wer­ber­zah­len lie­gen höher als die vom Bun­des­amt ange­ge­be­nen Zah­len der Antrag­stel­ler. Das kann aller­dings nicht bedeu­ten, dass eine Zei­tung Zah­len "erfin­det", die kei­ne Basis haben, von denen aber behaup­tet wird es sei­en Zah­len des Bundesamtes.
Genaue Anga­ben sind - wen wun­der­te das? - nicht anzu­ge­ben, weil eine Zahl von Ange­kom­me­nen sich 'abge­setzt' hat und z.B. bei Ver­wand­ten unter­ge­kom­men sein mag. Ein wei­te­re Teil ist in ande­re Län­der wei­ter gereist und wur­de dewe­gen nicht offi­zi­ell in die Sta­ti­stik eingearbeitet.

Ganz abge­se­hen von allen Zah­len­spie­len soll­te nicht ver­ges­sen wer­den, dass es sich um Schick­sa­le & Men­schen han­delt, die Hil­fe in der Not brau­chen. Die zu ver­wei­gern oder durch Trick­se­rei zu ver­su­chen dar­um her­um zu kom­men ist weder christ­lich, noch ethisch oder mora­lisch verantwortbar.

Genug Geld wäre bestimmt da, wenn der Herr Finanz­mi­ni­ster es von denen hol­te, die durch Geld­an­la­ge Geld verdienen ....


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* BAMF Quel­le 1:
pdf-Datei, Sei­te 10 => LINK

BAMF Quel­le 2:
pdf-Datei => LINK

"Die Welt"
Quel­le der 1.Abbildung ganz oben: 

0. Län­der zah­len 17 Mil­li­ar­den Euro für Flüchtlinge

1. 1,1 Mil­lio­nen Flücht­lin­ge kamen 2015 nach Deutschland

2. Mehr als eine Mil­li­on Flücht­lin­ge in Deutschland

3. Gut jeder ach­te regi­strier­te Flücht­ling verschwunden

4. De Mai­zie­re spricht von "ganz vie­len Nachregistrierungen"


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Dass es auch anders geht zeigt z.B. die aus­ge­wo­ge­ne Erör­te­rung im Tagesspiegel:
tages­spie­gel
1.
2015 kamen 1,1 Mil­lio­nen Flücht­lin­ge nach Deutschland


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bookmark_borderRevisited: Perspektive

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1

 

.. die Wah­len sind frei, kosten­los,
man­che sagen sogar, sie sind umsonst .. 

[Vol­ker Pis­pers]

 
Manch­mal ist es eine gute Übung sich ein paar Kilo­me­ter vom eige­nen Stand­ort zu ent­fer­nen - ent­we­der prak­tisch durch Rei­sen oder theo­re­tisch durch rein gedank­li­ches "Ent­schwe­ben" .... und dann auf sich und die Umge­bung zu schau­en und sich zu fragen:

Was ist wirk­lich wichtig?

Der Wech­sel der Per­spek­ti­ve ist erhel­lend. All die Klei­nig­kei­ten und Klein­lich­kei­ten die - unter ande­rem hier und in wech­seln­der Inten­si­tät eben­so in ande­ren Blogs - dis­ku­tiert wur­den, wer­den mit einem Schlag unbedeutend.

Wäh­rend rund um uns die Welt zusam­men­bricht, ins Cha­os stürzt, und wir von den Par­tei­en, Regie­run­gen, Medi­en­grup­pen und inter­na­tio­na­len Pro­duk­ti­ons­ge­sell­schaf­ten belo­gen, betro­gen und bestoh­len wer­den, geht es in den Foren- und Blog­dis­kus­sio­nen um die sprich­wört­li­chen 'pea­nuts'.

Ver­nünf­tig hin­ge­gen wäre es, wenn der Auf­wand sich zugun­sten gemein­sa­mer Aktio­nen umlei­ten ließe:

  • Gegen die Taten­lo­sig­keit der Regie­rung hin­sicht­lich der Aus­spä­hung durch die NSA und die Kum­pa­nei der Nach­rich­ten­dien­ste mit genau die­sen Rechtsbrechern; 
  • Gegen die Aus­he­be­lung von demo­kra­ti­schen Ent­schei­dun­gen und deren Ersatz durch Geheim­ver­trä­ge wie bei­spiels­wei­se TTIP und die Ein­set­zung von Schieds­ge­rich­ten, die kei­ner­lei natio­na­ler und öffent­li­cher Kon­trol­le unterliegen; 
  • Gegen die Ein­schrän­kung der Netz­neu­tra­li­tät, die gera­de Blogs extrem benach­tei­li­gen und den Zugang ein­schrän­ken und ver­lang­sa­men würde; 
  • Gegen die stei­gen­de Bela­stung der Lohn­steu­er­zah­ler bei gleich­zei­ti­ger Ent­la­stung der Unter­neh­men und inter­na­tio­na­len Kon­zer­ne, die kei­ne Steu­ern mehr zah­len weil die Schlupf­lö­cher nicht ver­stopft werden; 
  • Gegen die zöger­li­che Ent­wick­lung von Alter­na­ti­ven und die Per­spek­tiv­lo­sig­keit im tech­ni­schen Bereich jen­seits der Auto- und Maschi­nen­bau­in­du­strie - hin zu einer För­de­rung der Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie im Hard- und Softwaresektor. 

Die Liste lie­ße sich erwei­tern, es gibt ein­fach zu vie­le Bau­stel­len durch die Taten­lo­sig­keit der Regie­run­gen seit Kohl, die uns in recht­lo­se Arbeits­skla­ven ver­wan­delt haben .... aber es sind Berei­che, die uns alle betref­fen, egal wo wir leben und Urlaub machen, ob in Wohn­wa­gen, Wohn­mo­bi­len oder 'Stein­häu­sern'.

Die Regie­run­gen Kohl CDU - CSU - FDP haben uns den €uro ein­ge­brockt. Eine Wäh­rungs­uni­on, mit der hei­ßen Nadel gestrickt, von der die Unter­neh­men pro­fi­tier­ten und die für die Ver­brau­cher einen Preis­sprung und eine Ent­wer­tung ihrer (gerin­gen) Gut­ha­ben brach­ten. Die Ver­brau­cher­prei­se stie­gen vor allem für den täg­li­chen Bedarf, weil viel­fach der Preis statt in DM in €uro umge­wan­delt wur­de - und das sta­ti­sti­sche Bun­des­amt woll­te uns jah­re­lang weis­ma­chen eine sol­che Stei­ge­rung habe nicht statt­ge­fun­den, obwohl wir es täg­lich bei Ein­käu­fen spürten.

Die Regie­run­gen Schrö­der, zusam­men­ge­setzt aus SPD und Grü­nen hat, in Per­son des Herrn Cle­ment, die Arbeit­neh­mer­rech­te auf­ge­ho­ben und den Weg für Zeit­ar­beit und pre­kä­re Arbeits­ver­hält­nis­se frei­ge­macht. Den Gip­fel bil­de­ten dann die Hartz-Refor­men. Das hat die Ver­un­si­che­rung der Arbeit­neh­mer wei­ter geför­dert, denn dadurch wur­den ihre Arbeits­be­din­gun­gen noch­mals ver­schlech­tert, wer nicht abstür­zen woll­te muß­te die dik­tier­ten Arbeits­be­din­gun­gen hinnehmen.
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.. Beson­ders deut­lich wur­de die­se Hal­tung durch die Agen­da 2010 in Deutsch­land, die aus einer Arbeits­lo­sen­un­ter­stüt­zung, die noch ein halb­wegs wür­di­ges Leben ermög­lich­te, Hartz-IV mach­te, das nur mehr das nack­te Über­le­ben gewährt und auch das nur unter stän­di­ger Drang­sa­lie­rung und Demü­ti­gung der Betrof­fe­nen. Aus anspruchs­be­rech­tig­ten Ver­si­cher­ten wur­den Emp­fän­ge­rIn­nen von Almo­sen, aus den Lebens­stan­dard ansatz­wei­se sichern­den Lei­stun­gen Gna­den­brot. Ein Gna­den­brot, das nur dann gewährt wird, wenn sich die Emp­fän­ger völ­lig unter­wer­fen und andau­ernd bewei­sen, dass sie eh wil­lig wären, jeden noch so schlech­ten Job anzu­neh­men, wenn es denn einen für sie gäbe .. 


[Aus­zug aus: Euro­pa, Kon­ti­nent der depres­si­ven Grei­se]

Die "Koali­ti­on" will dem­nächst Hartz IV 'ver­ein­fa­chen'. So recht koaliert hat­te man bis dato kaum, eher gestrit­ten und dann zäh­ne­knir­schend auf das Ende der gemein­sa­men Zeit geschielt, das Ende her­bei gesehnt. Wie bekannt bedeu­tet 'ver­ein­fa­chen' immer Ver­schär­fung der Sank­tio­nen und wei­te­re Nach­tei­le für die Betrof­fe­nen. Bei gleich­zei­ti­ger Aus­wei­tung admi­ni­stra­ti­ver Pro­zes­se. Kom­mu­ni­ziert wird selbst­re­dend das genaue Gegen­teil des­sen was pas­sie­ren soll.
Schließ­lich möch­te kein Poli­ti­ker ris­kie­ren bei der näch­sten Run­de, sprich Legis­la­tur­pe­ri­ode, nicht mehr dabei zu sein. 

Die Ren­ten­kü­zun­gen, von der Kohl'schen Regie­rung begon­nen, wur­den wei­ter fort­ge­setzt und es wur­de die nutz­lo­se Rie­ster-Vari­an­te ein­ge­führt. Die, wie sich mitt­ler­wei­le her­aus­stellt, mehr kostet als sie den Ver­si­cher­ten jemals brin­gen wird.
Dosen­pfand & Bun­des­wehr­ein­satz im Aus­land waren die Krö­ten, die unter Mit­hil­fe der Grü­nen dem Bür­ger ins Maul gestopft wurden.

Die Regie­run­gen Mer­kel, mit CDU/CSU und FDP, spä­ter als gro­ße Koali­ti­on mit der SPD, haben an allen Fron­ten wei­ter Rech­te abge­baut und trotz gegen­tei­li­ger Ver­spre­chen Steu­ern erhöht.
Erst die Mehr­wert­steu­er, dann Ver­brauchs­steu­ern auf Treib­stof­fe und Tabak, par­al­lel dazu wur­de die Steu­er­last der Unter­neh­men wei­ter gesenkt.

Wir wer­den mit Bil­li­gung und unter Mit­hil­fe der eige­nen Regie­rung ent­ge­gen der gesetz­li­chen Rege­lun­gen von Aus­lands­dien­sten (NSA etc.) aus­ge­späht, es wird abge­wie­gelt und wir wer­den belo­gen - zuge­ge­ben wird immer nur das, was die Pres­se bereits in Erfah­rung gebracht hat.

Die gesam­te Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on soll so regle­men­tiert wer­den, dass die Frei­hei­ten des Inter­nets - Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen ohne staat­li­chen Ein­fluß - in sich zusam­men­fal­len und wir wie­der von der Regie­rung geneh­men Medi­en berie­selt wer­den sol­len. Natür­lich ange­führt von ame­ri­ka­ni­schen Gesell­schaf­ten wie Kabel- und Medi­en­be­trei­bern, das Geschäfts­ge­ba­ren ist in den U.S.A. genau zu erkennen:
Immer weni­ger Lei­stung für immer mehr Geld.
Bei uns kommt dann noch die Zwangs­ab­ga­be für Radio/Fernsehen obendrauf.

Dazu: Nach­dem die "Heu­schrecken" in Gestalt von Hedge-Fonds schon vie­ler­orts gan­ze Sied­lun­gen auf­ge­kauft haben und durch Umwand­lung von öffent­li­chen in pri­va­te Gesell­schaf­ten ver­teu­er­ten, begin­nen sie nun die­se in teu­re Eigen­tums- oder Luxus­miet­woh­nun­gen zu ver­wan­deln. Die­je­ni­gen, die den "Betrieb" einer Stadt ermög­li­chen, die vie­len Arbei­ter und klei­nen Ange­stell­ten, kön­nen es sich nicht mehr lei­sten da zu woh­nen wo sie arbeiten.

Selbst Was­ser und Stra­ßen­bau sol­len "dem Markt" zuge­führt wer­den, dadurch pri­va­ti­siert und natür­lich verteuert.
Wohin sol­che "Model­le" der Pri­va­ti­sie­rung füh­ren kön­nen wir an den bereits bestehen­den Fäl­len erken­nen - sie waren stets mit höhe­ren Kosten und weni­ger Rechts­si­cher­heit für die Bür­ger verbunden. 

Und nun sol­len wir auch noch via EU durch die im gehei­men ver­han­del­ten TTIP-Ver­trä­ge gänz­lich 'ame­ri­ka­ni­siert' wer­den, indem die demo­kra­ti­schen Rech­te an Schieds­ge­rich­te und Kon­zer­ne abge­ge­ben wer­den sol­len, den Groß­kon­zer­nen die Türen zur EU weit auf­ge­sto­ßen wer­den. Fast zwei Drit­tel der EU-Bevöl­ke­rung will GLYPHOSAT, ein krebs­er­re­gen­des Pflan­zen­ver­nich­tungs­mit­tel das für das Bie­nen­ster­ben ver­ant­wort­lich ist, nicht mehr haben. Die U.S.A. haben die wei­te­re Benut­zung wegen der Gefähr­lich­keit unter­sagt - und den­noch will die EU, ange­trie­ben durch deut­sche Poli­ti­ker (!), die­ses Teu­fels­zeug für wei­te­re sechs Jah­re zulassen.

Das soge­nann­te "Tüp­fel­chen auf dem "I"" ist aber die schwar­ze Null des Finanz­mi­ni­sters. Die Arbeit­neh­mer ver­armt und die Gewin­ne der Eig­ner und Anle­ger steigert.
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1
 

[Quel­le]

Vom Trau­er­spiel um Grie­chen­land, wo die Hilfs­mil­li­ar­den sofort an Ban­ken und nicht zur Ver­bes­se­rung der Struk­tur ver­wen­det wer­den, ganz zu schwei­gen. Auch in die­sem Fall wer­den wir belo­gen: Es wird uns in der Pres­se und im Fern­se­hen vor­ge­gau­kelt die 'fau­len' Grie­chen bekä­men unser Geld - dabei geht es an die euro­päi­schen Groß­ban­ken. Bei den Grie­chen kom­men gan­ze 5% der gezahl­ten Beträ­ge an.

Was wir in unse­rem Land brau­chen ist ein Umden­ken und "anders wäh­len"! Die letz­ten Regie­run­gen haben stets viel ver­spro­chen und wenig gehal­ten - das Weni­ge was sie gemacht haben rich­te­te sich gegen die Inter­es­sen derer, die sie gewählt haben.

Abschlie­ßend möch­te ich eine Fra­ge in den Raum stellen:
Füh­len SIE sich durch die Poli­tik, Poli­ti­ker und unse­re Regie­rung gerecht behandelt?

Wenn Sie mit "JA" ant­wor­ten fra­ge ich zurück:
Wie kann es sein, dass die Ren­ten in den letz­ten 20 Jah­ren um 30% geschrumpft sind, wäh­rend durch Steu­er­flucht von Groß­ver­die­nern (Ein­zel­per­so­nen wie Schu­ma­cher, Becken­bau­er und Gesell­schaf­ten wie Sprin­ger, BMW, Ban­ken und Ver­si­che­run­gen) Jahr für Jahr mehr als 100 Mil­li­ar­den Steu­ern ver­lo­ren gehen?
Sehen Sie jetzt, wer ihre Inter­es­sen ver­ra­ten hat und immer noch verrät? 
Dar­an ändert sich auch nichts wenn in die­sem Jahr "Wahl­jahr" - mer­ken Sie die Absicht? - die Ren­ten etwas höher gesetzt wer­den. Die Unge­rech­tig­keit der Abschlä­ge aus der Ren­ten­re­form wird dadurch nicht ein­mal teil­wei­se kompensiert.

So.
Jetzt nur noch der Appell beim näch­sten Mal die zu wäh­len, die von dem "Block" aus CDU/CSU/SPD/Grüne/FDP am mei­sten bekämpft wer­den: "Die Lin­ke". Die sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren gewan­delt hat und als ein­zi­ge Par­tei Wirt­schafts­kom­pe­tenz vor­wei­sen kann - das "Wei­ter so!" der Koali­tio­nä­re ver­schlim­mert nur die Situa­ti­on, am Ende wird eine Wäh­rungs­re­form stehen.
In der Par­tei "Die Lin­ke" sind übri­gens weni­ger alte SED-Genos­sen drin als in allen ande­ren Par­tei­en pro­zen­tu­al sit­zen .... gut getarnt, geschickt ver­steckt, von der Öffent­lich­keit daher nicht bemerkt - und dazu wer­den Sie nie in den Medi­en etwas hören.

[Erst­ver­öf­fent­li­chung August 2015; ergänzt & überarbeitet]

bookmark_borderVon Hundehaaren, Natoratten*, Chips- und Erdnußflockenresten

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Da liegt er nun, der Topf Hei­de­kraut, der einst sei­nen Platz auf dem Bal­kon der ersten Eta­ge hat­te. So tief gefal­len, ganz bis auf die Erde. Glück­li­cher­wei­se hat er nie­man­des Kopf getrof­fen. Na, das wäre ein schlim­mes Ende gewesen ....

 

 

 
So liegt er her­um. Nie­mand hat Scha­den genom­men außer dem Pla­stik­ge­fäß, das bei dem Auf­prall zer­sprun­gen ist. Seit Tagen schon liegt er da, ohne dass sein Feh­len im Bal­kon­ka­sten den Besit­zern auf­ge­fal­len wäre.

Wie es wohl dazu kam? Ein Blu­men­topf fällt ja nicht ein­fach so her­un­ter. Geschah es als der Wohn­zim­mer­tep­pich über die Bal­kon­brü­stung aus­ge­schüt­telt wur­de? Sowas pas­siert nicht am hellich­ten Tag. Dazu ent­schließt man sich spät­abends oder nachts. Wohl in der Hoff­nung so wer­de es bestimmt nicht bemerkt.

Doch spä­te­stens wenn Hun­de­haa­re, Nator­at­ten*, Chips- und Erd­nuß­flocken­re­ste auf dem unte­ren Bal­kon gefun­den wer­den steht fest:
Ent­sor­gung von Woh­nungs­schmutz ohne Staub­sauger - es geschieht offen­bar unter dem Gesichts­punkt der Ener­gie­er­spar­nis. Ein­mal den Tep­pich aus­schüt­teln - 0,05 Kw/h gespart!

Oder es ist ein­fach nur Nach­läs­sig­keit den Topf da lie­gen zu las­sen? Ein Sym­ptom dafür, wie wenig Sorg­falt bei man­chen Men­schen herrscht? Ein Indiz dafür, dass es offen­bar Über­fluß gibt? Denn das Feh­len eines Gewäch­ses in der Grup­pie­rung der Bal­kon­pflan­zen müß­te doch auf­fal­len .... irgend­wie, irgendwann?

Die­se häß­li­che Lücke im Arran­ge­ment der Blumenpracht.

Mög­li­cher­wei­se ist es die Tat­sa­che, dass ein sol­ches Hei­de­kraut, wenn es nicht gera­de blüht, nicht sehr ansehn­lich ist. Ein Stief­kind unter all den präch­ti­gen Pflan­zen. Zu unschein­bar, als dass sein Schick­sal die Besit­zer anrüh­ren könnte.

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* Nator­at­ten = Staub­ge­bil­de, Flu­sen, die sich zusam­men­bal­len und beson­ders auf glat­ten Böden die Ecken zie­ren - ihre Bewe­gung bei Luft­zug gleicht der von weg­hu­schen­den Ratten ....

bookmark_borderÜ70 - na und ..!?
Keine Betrachtung zum "älter werden",
sondern zum "älter sein".

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[Frei über­setzt:
Genie­ße das Leben - es hat ein Ver­falls­da­tum.]
    "Sech­zig Jah­re und kein biß­chen weise,
aus gehab­tem Scha­den nichts gelernt.
Sech­zig Jah­re auf dem Weg zum Greise
und doch sech­zig Jahr' davon entfernt.


[ Songtext/Curd Jur­gens

 
Am Sonn­abend waren mei­ne Frau & ich mit einem befreun­de­ten Paar bei einer Musik­ver­an­stal­tung. Die avi­sier­te Band soll­te bekann­te Songs aus den Sech­zi­gern & Sieb­zi­gern zu Gehör brin­gen. Eine kor­rek­te Beschrei­bung, wie sich spä­ter herausstellte.

Wir waren eine Stun­de vor dem Beginn laut Fly­er dort. "Alle Plät­ze besetzt, drau­ßen [7°C] sind aber noch Tische frei", ließ uns der her­bei­ei­len­de Kell­ner wis­sen. Er habe aber Decken. Das war die Ret­tung, denn die Damen hät­ten sich ohne nicht zum 'drau­ßen sit­zen' bewe­gen lassen. 

Um die Musi­ker hat­te sich schon vor Beginn der Dar­bie­tung eine Grup­pe von jün­ge­ren Leu­ten geschart, so etwa zwi­schen 30 und 40. Die gleich nach den ersten Stücken durch Applaus & Zuru­fe erken­nen lie­ßen, dass die Musik nach ihrem Geschmack war.

Der Kell­ner kam mit den Geträn­ken, zwei­te Run­de, und bemerk­te neben­bei es sei­en nun drin­nen doch noch Plät­ze frei gewor­den. Wor­auf­hin sich die Frau­en flugs auf­mach­ten die zu 'beset­zen', denn trotz der Decken war es lau­sig kalt.

Wir blie­ben noch ein paar Minu­ten vor der weit geöff­ne­ten Dop­pel­tür, als Rau­cher in gehö­ri­gem Abstand, aus Rück­sicht und weil es immer mili­tan­te Nicht­rau­cher gibt die schon vom Anblick einer Ziga­ret­te Lun­gen­krebs bekommen.

Neben uns stan­den zwei jun­ge Frau­en die ab und an ver­stoh­len zu uns her schau­ten. Schließ­lich sag­te eine der Bei­den "Sind sie wegen der Musik hier ...? " und es war ihr anzu­se­hen, dass sie es aus ech­tem Erstau­nen frag­te - denn unser Alter ist uns durch­aus anzusehen.
"Genau! Und wir haben noch die Musi­ker live erlebt von denen die Musik stammt die gera­de gespielt wird. Des­we­gen sind wir hier."

Der Gesichts­aus­druck sprach Bän­de und sie war so per­plex, dass sie eine Ant­wort schul­dig blieb. Ü70 und Musik aus der Zeit zwi­schen 1960 und 1980? Einer Zeit also, zu der die mei­sten Anwe­sen­den noch nicht ein­mal gebo­ren waren? Irgend­wie unpas­send - das spie­gel­te sich in ihrem Blick wider.

Wäh­rend bei den Drei­ßig­jäh­ri­gen das Alter erst noch kommt, vie­le sich nicht ein­mal Gedan­ken dazu machen, bin ich bereits alt - min­de­stens aus deren Per­spek­ti­ve. All die Über­le­gun­gen zum "Alter" - die bei Vier­zig- und Fünf­zig­jäh­ri­gen bestimmt spo­ra­disch ange­stellt wer­den - lie­gen weit hin­ter mir. Und noch weit vor die­sen jun­gen Frau­en. So sehr erwach­sen sie sich füh­len mögen.

Wenn ich in den Spie­gel sehe ist mir mein Alter bewußt, anson­sten kaum. Von den Ein­schrän­kun­gen der Kraft, der Aus­dau­er und den nöti­gen, län­ger wer­den­den Ruhe­pau­sen ein­mal abge­se­hen. Was ich mit 20, 40 und sogar noch 60 spie­lend erle­di­gen konn­te über­las­se ich manch­mal lie­ber einem Hand­wer­ker, weil ich es zwar theo­re­tisch beherr­sche - prak­tisch aber nicht mehr schaf­fen kann. Mit Bauch­grum­meln, Sie wer­den das ken­nen, weil vie­le Arbei­ten sehr unter­schied­lich erle­digt wer­den kön­nen und nicht immer mit der 'besten' Lösung zu rech­nen ist. Prä­zi­si­on und Sorg­falt schei­nen im Hand­werk außer Mode zu kommen.

Weil ich lan­ge im Aus­land war und nicht in Deutsch­land gefah­ren bin ist mir auf­ge­fal­len wie sehr sich der Ver­kehr auf den Auto­bah­nen ver­lang­samt hat. Wäh­rend frü­her die 'Schnel­len' kurz hin­ter­ein­an­der mit mehr als 200 km/h ange­braust kamen beob­ach­tet man sowas nur noch vereinzelt.

Ich habe kei­ne mit Selbst­ge­hä­kel­tem bezo­ge­ne Klo­rol­le auf der Abla­ge, auch kei­nen Wackel­dackel und erst recht kei­nen Tiro­ler­hut - und trotz der obi­gen Ein­sicht fah­re ich so, dass es nie­man­den zur Weiß­glut treibt. Aller­dings weiß ich aus Erfah­rung: Wenn ich mich antrei­ben las­se zah­le ich den Straf­zet­tel, nicht der Dräng­ler hin­ter mir. Je älter ich wer­de desto kla­rer steht mir die End­lich­keit (im Bild oben "Ver­falls­da­tum") des Lebens vor Augen. Ein guter Grund das Schick­sal nicht her­aus­zu­for­dern und kein unnö­ti­ges Risi­ko einzugehen. 

Anson­sten neh­me ich kei­ne Rück­sicht mehr auf die zar­ten Gefüh­le und Emp­find­lich­kei­ten der Umwelt, ins­be­son­de­re sage ich unver­blümt was ich den­ke. Ich wei­ge­re mich Sach­ver­hal­te zu beschö­ni­gen und so Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten 'ele­gant' zu umge­hen. Es geht mir nicht (mehr) um Har­mo­nie, son­dern um Lösun­gen. Man­chen erscheint das grob, ich nen­ne es effi­zi­ent. Eine sinn­vol­le Nut­zung der mir ver­blei­ben­den Zeit. 

Nun ver­ra­te ich Ihnen noch ein klei­nes Geheim­nis. Jedes Mal, wenn ich eine Beschrif­tung auf Lebens­mit­teln, Eti­ket­ten oder Web­sei­ten sehe die klei­ner als 6px aus­ge­führt ist, stel­le ich mir die "Schöp­fer" sol­cher Frech­hei­ten gegen­über uns 'Alten' vor:
Zu einer Zeit in der die­se Hans­wur­ste (selbst mit einer Seh­hil­fe!) nicht mehr lesen kön­nen was da geschrie­ben steht.

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Ein Bei­trag zu "#älter­wer­den", einer Blog­ak­ti­on bei Frau Qua­drat­me­ter

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Sie­he hier­zu auch:
Lei­stungs­zwang vs. Altersleistung
und
Alters­be­ding­te Leistungsminderung

bookmark_borderIslam von Innen - eine Studie

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.. Mehr "mit" Mus­li­men reden als "über" sie - und zwar mit den Men­schen vor Ort und nicht mit Funk­tio­nä­ren. Und wenn das alles nichts hilft, müs­se den Moschee­ge­mein­den auch mal klar gemacht wer­den, "wo sie hier eigent­lich leben" .. 


[Aus: Reli­giö­ser und radi­ka­ler;
Eth­no­lo­gin¹ ver­öf­fent­licht Drei­jah­res­stu­die zu Mus­li­men in Deutsch­land;
San­dra Trau­ner (dpa)]

 

In der Dis­kus­si­on zum Islam fehlt es in den aller­mei­sten Fäl­len an ver­läß­li­chen Infor­ma­tio­nen. In die­ses Vacu­um streu­en die inter­es­sier­ten Het­zer - aller­dings auch die unkri­ti­schen Islam­freun­de - je nach poli­ti­scher Gesin­nung ihre Mei­nung und ver­quir­len das dann zu "dem Islam". Den sie zu erken­nen glauben. 

Wie zu erwar­ten ten­diert das zu den Extre­men. Ent­we­der Ver­teu­fe­lung oder Lob­prei­sung. Dazwi­schen zu tre­ten und - mit Fak­ten unter­mau­ert - ein Bild es "wah­ren Islam in Deutsch­land" zu zeich­nen ist wich­tig, bringt aber der damit beschäf­tig­ten Wis­sen­schaft von den vor­ge­nann­ten Inter­es­sen­grup­pen Schelte:

Für die Einen ist der erho­be­ne Befund zu ver­zerrt, für die Ande­ren zu ver­zückt. Dabei ist (empi­ri­sche) Wis­sen­schaft - wenn sie denn nach plau­si­blen Kri­te­ri­en ange­legt und sau­ber durch­ge­führt wur­de - nicht zu dis­ku­tie­ren. Sie "ist", bezie­hungs­wei­se beschreibt eine Moment­auf­nah­me der Situa­ti­on zur Zeit der Durchführung.

Des­we­gen muß es genau so auf­ge­nom­men wer­den, als "Moment­auf­nah­me" die eine Ten­denz auf­zeigt. Aber nicht für alle Ewig­keit fest­schreibt wie der Islam in Deutsch­land tat­säch­lich gelebt wird.

¹ Prof. Dr. Susan­ne Schrö­ter ist Lei­te­rin des Frank­fur­ter For­schungs­zen­trums Glo­ba­ler Islam (FFGI)