Wie der 'Mangel' an Visionen und
Mittelmäßigkeit zum Untergang führen ....

".. Final­ly, all the key pro­jects to make Ger­ma­ny fit for the 21st cen­tu­ry requi­re lar­ge-sca­le public invest­ment, as well as harn­essing the pri­va­te sec­tor. But public invest­ment is severely cons­trai­ned by a con­sti­tu­tio­nal debt bra­ke adop­ted at the out­set of the glo­bal finan­cial cri­sis in 2008.

Both Laschet and Social Demo­cra­tic can­di­da­te Olaf Scholz, the cur­rent finan­ce mini­ster, have vowed to reimpo­se the tem­pora­ri­ly sus­pen­ded bor­ro­wing cor­set as soon as the pan­de­mic is over, pro­bab­ly star­ting from 2023.
This makes abso­lute­ly no sen­se at a time when glo­bal inve­stors are wil­ling to pay the Ger­man sta­te to bor­row their money. Yet main­stream poli­ti­ci­ans obses­sed with fis­cal pru­dence can’t wait to tie their own hands again.

From cli­ma­te and clean ener­gy to crea­king public infra­st­ruc­tu­re, Germany’s com­plex, decen­tra­li­zed gover­nan­ce system faces a slew of under­ly­ing pro­blems that ought to be get­ting serious debate .."
[Zitat]
{Über­set­zung:
'..Schließ­lich erfor­dern alle Schlüs­sel­pro­jek­te, um Deutsch­land fit für das 21. Jahr­hun­dert zu machen, gro­ße öffent­li­che Inve­sti­tio­nen sowie die Nut­zung der Pri­vat­wirt­schaft. Öffent­li­che Inve­sti­tio­nen wer­den jedoch durch eine ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Schul­den­brem­se, die zu Beginn der glo­ba­len Finanz­kri­se im Jahr 2008 ver­ab­schie­det wur­de, stark eingeschränkt.

Sowohl Laschet als auch der sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Kan­di­dat Olaf Scholz, der der­zei­ti­ge Finanz­mi­ni­ster, haben geschwo­ren, das vor­über­ge­hend aus­ge­setz­te Kre­dit­kor­sett wie­der ein­zu­füh­ren, sobald die Pan­de­mie vor­bei ist, wahr­schein­lich ab 2023.
Dies macht in einer Zeit, in der glo­ba­le Inve­sto­ren bereit sind dem deut­schen Staat ihr Geld zu lei­hen, abso­lut kei­nen Sinn. Doch Main­stream-Poli­ti­ker, die von fis­ka­li­scher Vor­sicht beses­sen sind, kön­nen es kaum erwar­ten, sich wie­der die Hän­de zu binden.

Von Kli­ma und sau­be­rer Ener­gie bis hin zu ver­fal­len­der öffent­li­cher Infra­struk­tur steht Deutsch­lands kom­ple­xes, dezen­tra­les System der Föde­ra­li­tät vor einer Rei­he von grund­le­gen­den Pro­ble­men, die ernst­haft dis­ku­tiert wer­den sollten.."}

 
Schon Tage vor der Wahl gab es bei 'poli­ti­co' eine klu­ge Bilanz des­sen was hier­zu­lan­de schief gelau­fen ist - und, wie es aus­sieht wei­ter schief lau­fen wird, wenn eine Regie­rung kommt, in der die CDU/CSU mit­be­tei­ligt ist.

Mit 76 Jah­ren sehe ich mit Schrecken wie gro­ße Tei­le mei­ner Genera­ti­on (± 10 Jah­re) nicht ver­stan­den haben WER im Lan­de für all die Scheuß­lich­kei­ten ver­ant­wort­lich ist.
Noch ist nichts ver­lo­ren, denn nun kommt es dar­auf an wel­che Ergeb­nis­se die Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen ergeben.


Die größ­te Drei­stig­keit lei­ste­te sich aller­dings der Herr Laschet als er in der 'Ele­fan­ten­run­de' den Schrö­der* gab und so tat als ob es völ­lig klar sei, dass die CDU/CSU den Wäh­ler­auf­trag habe die Regie­rung zu bil­den und nun die öko­lo­gi­sche Erneue­rung in Gang zu setzen.
In wel­cher Phan­ta­sie­welt lebt der Mann?

 

* Zitat 'faz': ".. 2005: Die Ära Mer­kel beginnt. Am Wahl­abend sah sich Ger­hard Schrö­der in der Ele­fan­ten­run­de noch hoch­mü­tig als Sieger .."

Bit­te beach­ten Sie den am Mon­tag ver­öf­fent­lich­ten Art­kel bei "golem" zum The­ma. Er spricht mir aus der Seele

Bit­te nicht in Jamai­ka landen!

Kommentare

  1. Eigent­lich ist es schon seit zahl­rei­chen Jah­ren offen­sicht­lich. Es muss all­ge­mein in das System, was sowohl Poli­ti­ker, Regie­rung und Rei­che nach wie vor ihr gutes Leben leben lässt, inve­stiert wer­den - und das heißt: Von Gesund­heit bis zu den Schu­len bis zu den Ver­sor­gungs­struk­tu­ren, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on und Stra­ßen jen­seits der Vor­zei­ge­al­le­en und Auto­bah­nen, es muss groß­spu­rig und koor­di­niert inve­stiert wer­den. Geld locker gemacht werden.

    Sonst geht man irgend­wann da mit der Infra­struk­tur von 1980, will aber Indu­strie­pro­duk­ti­on betrei­ben wie 2030, und wun­dert sich, war­um "alle Nasen lang" irgend­was in der Ket­te kaputt ist oder tech­nisch streikt und man nicht vor­wärts kommt.

    Um es mit einem (sinn­ge­mä­ßen) Zität von Man­fred Spit­zer aus einem Vor­trag zu unter­mau­ern: "Wenn wir so wei­ter­ma­chen wie bis­her, dann wer­den wir eines Tages die T-shirts für die Chi­ne­sen nähen."

    1. Na ja, bei euch wur­de seit der 'Wen­de' schon sehr viel mehr inve­stiert - ich war in '90-'92 sehr oft in Thü­rin­gen, an der Küste und rund um Ber­lin, und ken­ne die Infra­struk­tur der vor­ma­li­gen DDR daher aus die­ser Zeit - wenn ich heu­te dahin kom­me, oder an die Ost­see­kü­ste, oder selbst nach Anna­berg-Buch­holz wo mei­ne Schwe­ster hin­ge­zo­gen ist, dann stel­le ich wesent­li­che Ver­bes­se­run­gen fest die in NRW, Baden-Würt­tem­berg, und Hes­sen nicht so aus­ge­prägt sind.

      Was ich nicht ver­ste­he ist, dass sich die Men­schen im Osten der Repu­blik immer noch als Bür­ger zwei­ter Klas­se beneh­men und dar­auf auf­bau­end irgend­wie immer belei­digt und und wei­ner­lich sind (Sehr pau­schal, aber im Kern bei einer Mehr­heit noch so).

      1. Es ist ein Jein - Din­ge, zu der das vor­ma­li­ge System nicht kam, oder wo die Abge­schnit­ten­heit von den inter­na­tio­na­len Märk­ten vie­les erschwer­te, ja, da ist es zu Ver­bes­se­run­gen gekom­men. - Lei­der kom­men die­se mit dem Bei­geschmack, dass dafür alles in West­deutsch­land lie­gen gelas­sen und sich selbst über­las­sen wur­de. (War­um? Mit wel­cher Begründung?)

        Grö­ße­rer Punkt, den ich aber für den Nein-Teil anfüh­ren möch­te: Neben der Tat­sa­che, dass die mei­sten Betrie­be ver­schwun­den sind, weg­ge­macht wur­den, wur­de gleich­zei­tig so viel umge­rü­stet in Rich­tung Tou­ris­mus, dass es einem als Ein­hei­mi­scher schon kei­nen Spaß mehr macht. Weil u. a. Stra­ßen zuge­baut und zu ver­kehrs­bru­hig­ten Zonen wur­den, die frü­her Ver­sor­gungs­adern und Zugang für die gewöhn­li­chen Bür­ger für ihre Stadt waren, Prei­se für Spei­sen und Park­plät­ze in den Innen­städ­ten hoch­ge­trie­ben wur­den, und vie­les ist archi­tek­to­nisch künst­lich auf "bunt" getrimmt wor­den, sodass Gebäu­de kaum noch dem Ori­gi­nal entspt­e­chen (trotz angeb­li­chem "Denk­mal­schutz" oder dergleichen).
        Um es knapp zu beschrei­ben: Im Ver­lau­fe der Zeit sind Städ­te rei­hen­wei­se so umge­baut wor­den, dass sie inzwi­schen mehr für die Tou­ri­sten als Attrak­ti­on und Ver­gnün­gungs­park da sind als für die­je­ni­gen, die dort woh­nen, arbei­ten und schon immer ansäs­sig waren.
        Offi­zi­ell lobt man sich natür­lich in der Lokal­po­li­tik dafür (wie soll­te es auch anders sein?), aber wenn man die Städ­te teil­wei­se oder ganz vor die­sen Umbau­ten noch kennt, aus prak­ti­schen Gesichts­punk­ten, ist man zu einem lebens­un­taug­li­chen Ver­gnün­gungs­park gewor­den. Und das dank Poli­tik "deut­sche Einheit".

        Das mit dem "Bür­ger zwei­ter Klas­se" liegt nach wie vor an staat­li­chen Hand­ha­bungs­wei­sen wie "Lebens­lei­stung nicht aner­ken­nen" als auch, dass man sich mit Papie­ren, die noch von der DDR aus­ge­stellt wur­den wie z. B. Abschlüs­se, Geburts­ur­kun­de und der­glei­chen nicht aus Ost­deutsch­land her­aus­wa­gen braucht, weil das in den BRD-Ursprungs­bun­des­län­dern nicht aner­kannt wird.
        Man wird for­mal wie ein Aus­län­der behan­delt und man wird wie unge­lernt behan­delt. Obwohl man in einem ost­deut­schen Bun­des­land mei­net­we­gen schon fast 35 Jah­re als Leh­rer am Gym­na­si­um gear­bei­tet hat und durfte.
        Und kul­tu­rell, das muss sogar ich sagen, obwohl ich von Alters wegen gar nicht mal so betrof­fen sein kann, kommt man sich in der BRD auf die Dau­er vor wie ein Aus­län­der. Weil das als kul­tu­rel­ler Stan­dard und Stan­dard in den Gebräu­chen nicht das ist, womit man selbst sozia­li­siert wur­de und was man kennt.
        Nur mit dem Unter­schied zu "ande­ren" Aus­län­dern: Dir wird noch eine Ein­heits­kul­tur ein­ge­re­det. Einem Tür­ken oder Ita­lie­ner sieht man es nach, dass er wohl­mög­lich ande­re Gepflo­gen­hei­ten an sich hat, weil er erkenn­bar aus einem ande­ren Land stammt und des­sen Bür­ger ist.
        Dem Ossi wird dage­gen gesagt "du bist Deut­scher", was zwar auch real den Tat­sa­chen ent­spricht, du kriegst aber prak­tisch mit, wenn du Deut­scher bist, so bist du doch irgend­ei­ne ande­re Art von Deut­scher, was die kul­tu­rel­le Leit­norm besagt und wie die durch­schnitt­li­chen Erwar­tun­gen an dich gerich­tet gestrickt sind.
        Für dich wird die­ses Aus­län­der-Dasein nicht so offen­sicht­lich, weil es, prak­tisch, dein Hei­mat­land nicht mehr gibt. (Kei­ne Ahnung, womit man es ver­glei­chen soll, aber so kann ich es noch am tref­fen­sten beschreiben.)

        Zusätz­lich zu dem allem gibt es in der Bevöl­ke­rung ver­an­kert durch alle Ein­kom­mens­schich­ten hin­weg nach wie vor noch die Über­heb­lich­keit gegen­über den Ossis und Sprü­che, bei denen man dar­an erin­nern muss, dass die seit 30 Jah­ren schon nicht mehr wit­zig und auch nicht mehr gül­tig sind.
        Es wur­den auch schon Leu­te mit Ossi-Kli­schees belei­digt und schlecht behan­delt, die nach 1990 gebo­ren wur­den, und dem zufol­ge mit Ost und West eigent­lich nichts mehr am Hut haben.

        Sozi­al, nach mei­nen Ein­drücken jeden­falls, kannst du in bestimm­ten Gegen­den als Ossi ankom­men und kei­nen inter­es­siert es, und es gibt ande­re, da wirst du, selbst wenn du vom alten Osten kaum noch was kennst, allein schon wegen die­sem Attri­but noch mit der Alt­pro­pa­gan­da aus frü­he­ren Zei­ten, die für das Fuß­volk zum glau­ben gedacht war, kon­fron­tiert und dem gemäß über­heb­lich behan­delt. Als wärst du nur wegen dei­ner Her­kunft schon dumm.

        Und poli­tisch, das kann man am letz­ten Kabi­nett ganz gut erläu­tern, ist der Osten nach wie vor seit weit außen vor. Als wäre man nur eine unlieb­sa­me Provinz.
        Denn - es war unschwer erkenn­bar, Frau Gif­fey muss­te da unbe­dingt ins Kabi­nett als "fri­scher" (Frau Mer­kel ist ja ein alter Hut...) Quo­tenos­si, damit man sich dar­auf beru­fen kann "sehr ihr, ihr dürft ja mit­ma­chen - das mit der Dis­kri­mi­nie­rung und West­do­mi­nanz ist alles nur Einbildung".
        Weil ja in der jün­ge­ren Zeit ande­re Rand­grup­pen inzwi­schen ihre Quo­ten in sol­chen Gre­mi­en auch ein­for­dern und es nur eine Fra­ge der Zeit wäre, bis die Ossis das­sel­be für sie for­dern wür­den, wenn es so etwas für ande­re Nicht-Mehr­heits-Grup­pen geben würde.

        Es ist also etwas gegenseitiges.

        Die Sache sieht nur anders aus, wenn man auf der ande­ren Sei­te sitzt.

        (Im Übri­gen, will ich nur mal gesagt haben, das Argu­ment mit "was haben "wir" in Ost­deutsch­land alles saniert nach der Wen­de" - das ist inzwi­schen so ein Tot­sch­lar­gu­ment gewor­den, womit man jeg­li­che Kri­tik an der Ost-Poli­tik und der gesamt­deut­schen Poli­tik gern abblockt.
        Als wenn geleck­te und bunt ange­mal­te Innen­städ­te alles wären, was man zum Leben braucht. - Teil­wei­se wer­den sogar För­der­gel­der ver­bra­ten, nur weil sie noch da sind; es wäre mir an der Stel­le auch lie­ber, wenn man damit mal wirk­lich grund­sa­nie­rungs­be­dürf­ti­ge Pro­jek­te in Angriff neh­men wür­de, die schon immer lie­gen geblie­ben sind, oder wenn die Gel­der für ernst­haft sanie­rungs­be­dürf­te Objek­te, z. B. Schu­len, in West Ger­ma­ny ein­ge­setzt würden.)

        1. Was ich selbst schon als wesent­li­chen Man­gel bei der Ein­glie­de­rung der ehe­mals DDR-Betrie­be ange­spro­chen habe ist das lei­di­ge Pro­blem "Treu­hand" und die früh­ka­pi­ta­li­sti­sche Hand­ha­bung nach dem Mot­to "Her­aus­ho­len was zu holen ist!" Da fing es an: Betrie­be über­nom­men oder geschlos­sen, mög­li­che Kon­kur­renz aus dem Weg geschafft, tabu­la rasa ohne jeden Sinn für Moral, Mensch­lich­keit oder Rück­sicht .... alles ver­ständ­li­che Grün­de das System, das 'über­ge­stülpt' wur­de, abzulehnen.
          Nur: Wir sind mitt­ler­wei­le 30 Jah­re wei­ter, und selbst schwer­ste Ver­bre­chen - außer Mord - sind nach einem sol­chen Zeit­raum ver­jährt! Das immer noch als Man­gel dar­zu­stel­len ist aus mei­ner Sicht Lar­moy­anz, nicht Blick auf Tat­sa­chen. Eine völ­lig ande­re Genera­ti­on mit einer durch­aus ande­ren Sicht auf die Men­schen im Osten des Lan­des ist her­an­ge­wach­sen - und ich habe wirk­lich den Ver­dacht, dass es die ehe­ma­li­gen Kader und Nutz­nie­ßer des DDR Regimes sind die eine fal­sche Erin­ne­rung schü­ren, und denen es nicht dar­auf ankommt sich mit den Vor­tei­len der neu­en Staats­form aus­ein­an­der­zu­set­zen oder sie gar zu akzep­tie­ren. Das wirkt sich auf die Stim­mung ins­ge­samt aus, eine klei­ne Zahl von Unzu­frie­de­nen, denen der Lebens­ent­wurf durch­ein­an­der­ge­wür­felt wur­de, und die nun mit Faust in der Tasche immer noch jede Gele­gen­heit nut­zen Stunk & schlech­te Stim­mung zu machen.
          Da ist es aus mei­ner Sicht eine Auf­ga­be der Jün­ge­ren im Osten dem Ein­halt zu gebie­ten und die wesent­li­chen Vor­tei­le her­aus­zu­ar­bei­ten. Die­ses Staats­we­sen ist bestimmt nicht das Non­plus­ul­tra - aber alle­mal um ein Viel­fa­ches bes­ser als das vor­ma­li­ge DDR System.

          Ich benut­ze den Hin­weis auf die Ver­bes­se­run­gen nicht als Beschö­ni­gung des­sen, was in den jah­ren nach der wen­de pas­siert ist - aber wie stün­de es um die Infra­struk­tur wenn es nicht zum Zusam­men­bruch der DDR gekom­men wäre? Auf der Auto­bahn bei Jena geriet bei schlech­ter Sicht mein rech­ter Vor­der­rei­fen in ein Schlag­loch von 40 cm Tie­fe, Ach­se gebro­chen und Fahrwerk/Rahmen ver­scho­ben! Und so sah es an vie­len Stel­len aus, auf den Land­stra­ßen noch sehr viel schlim­mer, da konn­ten nur Men­schen mit Orts­kennt­nis­sen eini­ger­ma­ßen zügig vor­an­kom­me weil sie die Löcher in den Stra­ßen kann­ten ... Braun­koh­le­hei­zung und Lun­gen­pro­ble­me bei Kin­dern, Trab­bi mit lei­stungs­ar­men aber hoch­ver­schmut­zen­den Moto­ren, von der Geschwin­dig­keit nicht ein­mal zu reden.
          Dabei sind die lang­fri­sti­gen Schä­den und Unzu­läng­lich­kei­ten noch nicht ein­mal angesprochen.

          Die DDR war als ich das erste Mal in 1990 hin­kam auf einem Bau- und Infra­struk­tur­le­vel der 50ger Jah­re. Woh­nun­gen und Gebäu­de teil­wei­se in so maro­dem Zustand, dass sie eigent­lich als unbe­wohn­bar hät­ten gel­ten müs­sen, Impro­vi­sa­ti­on wohin das Auge blick­te, Man­gel an Bau­stof­fen selbst der ein­fach­sten Art, wie Flie­sen, Beschlä­ge, Installationsmaterial!

          Die poli­ti­sche Reprä­sen­ta­ti­on hängt immer auch von der Akti­vi­tät der Men­schen ab - wenn man zur AfD läuft die extre­me Poli­tik betreibt - ist man zwar irgend­wie betei­ligt, wegen der beson­de­ren Aus­rich­tung der Par­tei aber auf Dau­er abge­hängt. Weil mit denen nie­mand regie­ren will. Das Bei­spiel "Macht­über­nah­me 1933" steht geschicht­lich dahin­ter, und die Regie­rung Trump hat gezeigt, dass mit ent­spre­chen­der Deter­mi­na­ti­on selbst ein an sich demo­kra­ti­sches Regie­rungs­sy­stem an den Rand des Tota­li­ta­ris­mus gebracht wer­den kann.
          Mög­li­cher­wei­se liegt es aber auch an einem Man­gel an Per­sön­lich­kei­ten, die geeig­net wären? Das wird fast nie betrach­tet, und ist doch nach all­ge­mei­ner Lebens­auf­fas­sung min­de­stens eine Mög­lich­keit der Erklärung.

          Wenn ich belei­digt wer­de oder mich belei­digt füh­le spre­che ich das direkt und ohne Zögern an - dann ist mein Gegen­über in der Situa­ti­on sich ent­we­der zu erklä­ren oder zu ent­schul­di­gen. Genau das müs­sen nach der Wen­de gebo­re­ne und zum Zeit­punkt der Wen­de etwa 15 Jah­re und jün­ge­re Per­so­nen machen um zu ver­hin­dern, dass sich Vor­ur­tei­le fort­set­zen. Es kann nicht als Auf­ga­be für den West­teil gel­ten sol­che Frech­hei­ten aus­zu­mer­zen, das müs­sen die Jün­ge­ren im Osten schon selbst erledigen.

          Es gäbe noch viel mehr zu sagen, nur fehlt mir wegen des anste­hen­den Umzugs die Zeit: Vor­ge­stern war ich 18 Stun­den auf den Bei­nen und habe 940 km gefah­ren, und wäh­rend der Zeit die ich nicht gefah­ren bin auch nicht geses­sen und Däum­chen gedreht .... und so geht das in den kom­men­den Wochen noch weiter.

          Hof­fent­lich wur­de aber deut­lich: Ich habe kei­ne Vor­ur­tei­le, son­dern es sind Ursa­chen vor­han­den, an denen nie­mand per­sön­lich 'Schuld' hat, die aber - durch den stän­di­gen Blick zurück anstatt nach vorn - den Ton und die Gefüh­le bestim­men, obwohl die Ver­hält­nis­se um ein Viel­fa­ches bes­ser sind als sie wären gäbe es die DDR noch. Das zu beden­ken ist bestimmt ein guter Ansatz um zufrie­de­ner zu sein/werden.

        2. Gut, okay, tie­fer gesta­pelt - du weißt ja, ich wer­de auch nicht müde, zu beto­nen "kei­ne Ahnung, was für Kraut die dort im Süden rau­chen". Weil es ist nicht ver­ständ­lich zu machen, war­um die den Brau­nen so hin­ter­her­ren­nen - jetzt die AfD, vor­her die NPD, in den 90ern bestimmt noch eini­ges ande­res Gesindel.

          Bei den aktu­el­len Phra­sen befrem­det es einen eben­so, dass da gera­de die AfD auch die­se alte Sache der gewalt­sa­men Über­nah­me (ich nen­ne es jetzt ein­fach so offen, eine "Wie­der­ver­ei­ni­gung" war das ein­fach nicht...) so sehr in ihre Rhe­to­rik auf­nimmt und sogar Erfolg damit hat.
          Einer­seits, die älte­ren Tei­le der AfD sind sogar stil­le Mit­trä­ger des Gan­zen von damals (sie­he den hohen ex-CDU-Anteil der AfD), zum ande­ren - es geht aus logi­scher Sicht schon längst nicht mehr auf.
          30 Jah­re west­deut­sche Regeln - wer soll sich denn da noch authen­tisch dar­über beschwe­ren, was ihm alles durch die Wen­de genom­men wurde?
          Die­je­ni­gen, die das noch könn­ten, sind - jüng­stens! - Mit­te bis Ende 40, mehr noch 50+.
          Alle ande­ren danach - weder, dass sie die DDR noch wirk­lich ken­nen­ge­lernt haben, noch dass sie fel­sen­fest sagen könn­ten, wel­che Zukunft sie dar­in erwar­tet hätte!
          Das Gan­ze wirkt da irgend­wo wie als wenn bloß blind Phra­sen wie­der­holt wer­den, die ihnen irgend­ein Vor­be­ter ein­ge­flü­stert hat.
          - Und an der Stel­le, glau­be ich, trifft es sich sehr gut, das Bei­spiel von Björn Höcke zu neh­men: Zur Wen­de war der 1718, und er stammt aus dem tief­sten West­deutsch­land. Sehr authen­tisch, wenn der sich dar­über öffent­lich in einer Rede beschwert, was den Ossis (und ihm!) alles einst genom­men wur­de und bis heu­te nicht wie­der zurück­ge­ge­ben wur­de... Der Kerl weiß doch gar nicht, wovon er redet!

          Und so dürf­te es mit den mei­sten Red­nern der AfD sein, die das bedie­nen wol­len - zu jung um über­haupt zu wis­sen, wovon sie reden, evtl. kom­men sie noch nicht ein­mal aus dem Osten.

          Ja, war­um fres­sen die Leu­te im Süden die­sen Quatsch unhinterfragt...?

          Ich kann dir die Fra­ge nicht beantworten.

          Im Nor­den zie­hen die­se Nost­al­gie-Phra­sen und das gan­ze Gere­de über die deut­sche Volks­tü­me­lei nicht so.

          Ich kann es immer nur wie­der­ho­len, auch als Denk­an­re­gung für die eige­ne, heu­ti­ge Wirtschaft...
          Man stel­le sich vor, alle Ban­ken der Welt wür­den auf ein­mal sagen, der Euro wäre nichts mehr wert. Sie wür­den ihn nicht als Zah­lungs­mit­tel anerkennen.

          Genau vor dem Pro­blem stand die DDR aber von Anfang an. Die eige­ne Wäh­rung wur­de inter­na­tio­nal nicht aner­kannt, alle bekann­ten Güter, die man nicht selbst haben könn­te, waren dadurch in ihrem Ein­kauf aus dem Aus­land stark eingeschränkt.
          Selbst unter den Ost­block­län­dern war das ein­ma­lig, weil die Wäh­run­gen von die­sen spä­ter alle trotz­dem ihre inter­na­tio­na­le Aner­ken­nung behiel­ten (ver­mut­lich, weil alle mit Wäh­run­gen wei­ter­ge­ar­bei­tet haben, die auch schon vor dem Krieg exi­stier­ten und daher in ihrer recht­li­chen Gül­tig­keit nicht ange­zwei­felt wer­den konn­ten - nicht ohne am Finanz­markt Tur­bu­len­zen damit auszulösen).

          Als Fol­ge dar­aus ergibt sich Mate­ri­al­man­gel an allen Din­gen, die man nicht im eige­nen Land an Res­sour­cen besitzt (hier in Mit­tel­eu­ro­pa ist das z. B. Öl und alles, was aus ihm pro­du­ziert wer­den kann) - und umge­kehrt, dass man für ande­re Län­der nur die gewünsch­ten Devi­sen bekommt, für die man sich sol­che Güter ein­kau­fen kann auf dem Welt­markt, wenn man für sie Drecks­ar­beit erledigt.
          Sprich: Z. B. Waren zu (für sie) äußerst gün­sti­gen Prei­sen pro­du­ziert. Ohne Rück­sicht auf Mensch, Natur und das Ökosystem.

          Die DDR war, auf Grund die­ser Situa­ti­on mit den inter­na­tio­na­len Finan­zen und der begrenz­ten Import­ka­pa­zi­tät (man­gels aner­kann­ten Zah­lungs­mit­teln) in Euro­pa des­we­gen einst so etwas wie Chi­na heu­te ist.
          Mit all den bekann­ten Konsequenzen.
          Und noch ein paar oben drauf...

          Dadurch, dass für die­se Aus­lands­de­vi­sen irgend­wann immer mehr und mehr nach drau­ßen verkauft/geliefert wer­den muss­te, blie­ben die eige­nen Rega­le im Hei­mat­land leer und es man­gel­te an jeg­li­chem tri­via­len Scheiß.

          Bis das irgend­wann so viel wur­de, und eige­ne prak­ti­zier­te Spar­maß­nah­men an den Mate­ria­li­en der fer­ti­gen Pro­duk­te (z. B. Metall­be­stand­tei­le etwas dün­ner her­stel­len), dass die Pro­duk­te selbst in Qua­li­tät immer mie­ser wurden.

          Irgend­wann war die­ser Export-Wahn so aus­ge­wach­sen, dass es regel­recht am Ast der eige­nen Exi­stenz sägte.
          (Wie als wenn man bei einer Wein­knei­pe das eige­ne Mobi­li­ar schon ver­kauft, um zu über­le­ben, aber trotz­dem noch Ein­nah­men mit sei­nem Haupt­ge­schäft machen will.)

          - Gera­de der letz­ten Punkt ist in der jet­zi­gen Zeit gar nicht mal so unak­tu­ell, auch ohne Wirt­schafts­kri­se noch. Und auch wenn es aus ande­ren Grün­den zustan­de kommt.

          Die BRD mit ihrem Export-Wahn in die Welt (da fragt man sich schon lang: Wofür?), und dann die Sache mit den man­geln­den Mate­ria­li­en, damit man ordent­lich pro­du­zie­ren kann.
          Durch Coro­na sind Män­gel, die schon seit Jah­ren bestehen, eigent­lich nur zum aller­äu­ßer­sten Vor­schein gekom­men, sodass sie auch der End­ver­brau­cher nun zu spü­ren bekom­men - weil z. B. bestimm­te Waren äußerst teu­er gewor­den sind (sie­he Holz), ver­grif­fen sind, ver­zö­gert gelie­fert wer­den (in der letz­ten Zeit war das öfter mal der Fall mit wöchent­li­chen Ange­bots­wa­ren der Super­märk­te - sind "ein­fach nicht mit­ge­kom­men") man sich anstel­len muss (z. B. Auto­in­du­strie und die feh­len­den Halb­lei­ter für Bord­elek­tro­nik -> Neu­wa­gen muss man regel­recht vor­be­stel­len, um einen zu krie­gen), etc. was alles mit "Güter sind knapp" zu tun hat.
          An eini­gen Stel­len las­sen die etwas älte­ren schon wie­der Phra­sen fal­len wie "Ist ja ganz wie frü­her..." - und das will schon was heißen.

          Im Pro­duk­ti­ons­sek­tor merkt man auch, dass schon lang etwas in Schief­la­ge ist, weil die Arbeit und die Nach­fra­ge an Kon­sum­gü­tern zwar nicht weni­ger wird, aber man immer öfter impro­vi­sie­ren oder sich etwas ein­fal­len las­sen muss, oder bestell­te Waren erst mal halb­fer­tig bei­sei­te gelegt wer­den müs­sen, um an etwas ande­rem wei­ter­zu­ma­chen, wofür man die Tei­le da hat - oder das bis­her feh­len­de Teil aktu­ell ver­füg­bar ist und man dar­an wei­ter­ar­bei­ten kann.

          Solch ein "Patchwork"-Arbeitsstil, das ist genau das, was '89 in der DDR auch der Fall war. Nichts lief wirk­lich "rund".
          Der Aus­gang der Situa­ti­on ist hin­läng­lich bekannt...

          Was ich in Bezug auf Wirt­schaft damals noch wich­ti­ges hin­zu­fü­gen will: Die DDR hat­te das Pro­blem, dass sie eine doch recht klei­ne Insel war, die sich nie und nim­mer mit allen Roh­stof­fen selbst ver­sor­gen konn­te. (Defac­to kön­nen das nur sehr weni­ge Län­der der gesam­ten Erde.) Auch wenn an den gan­zen Stra­pa­zen über all die Zeit mehr der Aus­schluss von den inter­na­tio­na­len Märk­ten (mit­tels der Nicht-Akzep­tanz der DDR-Mark) Anteil hat­te, so soll­te es doch als abschrecken­des Bei­spiel dafür die­nen, wenn heut­zu­ta­ge Leu­te mei­nen, sie könn­ten in ihrem Land allein eine ande­re Wirt­schafts­ord­nung auf die Bei­ne stel­len und sie bräuch­ten die inter­na­tio­na­len Güter- und Finanz­märk­te nicht. Die Welt ist inzwi­schen öko­no­misch so ver­zweigt und mit­ein­an­der ver­bun­den - es kann schlicht­weg nie­mand mehr allein überleben!
          Wer sich so etwas ein­re­det, und auch ande­ren pre­digt, der ver­steht nichts davon wie Wirt­schaft funk­tio­niert (aktu­el­les abschrecken­des Bei­spiel dafür: GB nach dem Brexit)...

          Anbei auch, soweit ich es durch Zeit­zeu­gen weiß: Als noch Ulb­richt der Staats­chef war, waren die Schwie­rig­kei­ten bezüg­lich der Ver­füg­bar­keit von Kon­sum­gü­tern wohl längst nicht so aus­ge­wach­sen wie spä­ter in den 80ern und unter Hon­ecker. Es gab da durch­aus Unter­schie­de in den Zei­ten - was wohl irgend­wie mit den jewei­li­gen Per­so­nen als Staats­chefs zusam­men­ge­han­gen haben muss. Zum Bei­spiel Kon­tak­te, Ver­bin­dun­gen wohin - Kanä­le, durch die man sich etwas besor­gen kann.
          Unter Ulb­richt waren die aus­ge­wach­se­nen Män­gel­zu­stän­de angeb­lich nicht so schlimm.
          Selbst so etwas wie Süd­früch­te war wohl, wenn auch in Sel­ten­heit, irgend­wie mög­lich auf­zu­trei­ben - was wie­der­um spä­ter gar nicht funk­tio­niert hat.

          Und, noch etwas: Etwa ab der Ära Chruscht­schow, zumin­dest habe ich das von rus­si­schen Linken/Kommunisten in mei­nem sozia­len Netz­werk so erzählt bekom­men, hat sich in der SU, spe­zi­ell Russ­land, bereits wie­der eine Kaste in den obe­ren Posi­tio­nen des Lan­des ein­ge­ni­stet gehabt, die sich selbst fröh­lich die Taschen mit Staats­gel­dern und den Gel­dern der Gemein­den gefüllt hat - so wie man es heu­te kennt, also kei­ne Erfin­dung oder spe­zi­el­les Pro­blem des Kom­mu­nis­mus, das geht weit tiefer.
          Dadurch sind schon ab etwa der Zeit inner­halb der SU, spe­zi­ell dem rus­si­schen Teil, Schief­la­gen im Land und im Staats­haus­halt auf­ge­tre­ten, die dann in den 80ern ihr vol­les Scha­dens­po­ten­tal ent­hüllt haben.
          Das dürf­te sich auf jeden Fall auf sol­che Län­der wie die DDR, die von der gro­ßen Sowjet­uni­on öko­no­misch in bestimm­ten Hin­sich­ten abhän­gig waren, mit aus­ge­wirkt haben. (Zum Bei­spiel: Kein Back­up und kei­ne Hil­fen mehr, die auf dem Welt­markt eh nicht oder nur für Mond­prei­se zu haben waren.)

        3. Wir soll­ten das The­ma noch­mal auf­neh­men wenn ich wie­der eta­bliert im neu­en Arbeits­zim­mer sit­ze. Es ist zu wich­tig, als dass man dar­über hin­geht und wesent­li­che Aspek­te - Du hast hier wie­der ein paar zusätz­lich ein­ge­bracht - unbe­ach­tet lässt.

          Grund­sätz­lich ist kein Staats­we­sen im lee­ren Raum behei­ma­tet, die Wech­sel­wir­kun­gen sind enorm und von gro­ßem Ein­fluss. Die­sen Aspekt fin­de ich ins­be­son­de­re dis­kus­si­ons­wür­dig .... bit­te hab' Geduld bis zum Novem­ber, auch wegen son­sti­ger ange­spro­che­ner & noch feh­len­der Äußerungen.

  2. In dem ver­link­ten Wiki­pe­dia-Ein­trag zu "Ele­fan­ten­run­de" habe ich doch tatsächlich
    statt "... an Wahl­aben­den TV-..."
    gele­sen "an Wohlhabenden-TV..."
    Das bedarf wohl kei­nes Kommentars. ;-))

    1. Manch­mal spielt uns das Gehirn einen Streich und ver­bin­det Din­ge die nicht so zusam­men­ge­hö­ren .... und doch so sein könn­ten. Da ist die eta­blier­te Ver­ein­fa­chung zur Ener­gie­er­spar­nis des Gehirns ganz sel­ten kon­tra­pro­duk­tiv ;c)

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